Gesellschaft

Historiker Winkler: Inflationärer Gebrauch des Begriffs „Faschismus“ führt zur Verharmlosung des Faschismus

05.02.2020, Thüringen, Erfurt: Unter dem Motto "gegen den Faschismus" demonstrieren Menschen, u.a. mit einem Plakat "Faschisten sind NIEMALS Partner" #AFDP" nach einem Aufruf der Partei Die Linke vor dem Landtag nach der Wahl von Thomas L. Kemmerich (FDP) zum Minintserpräsidenten von Thüringen. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Der Historiker Heinrich August Winkler warnt im Streit mit der AfD vor dem Begriff „Faschismus“.

Der Berliner Professor und Autor historischer Standardwerke sagte der „Welt am Sonntag“. „Der inflationäre Gebrauch des Begriffs ‚Faschismus‘ führt letztlich zu einer Verharmlosung des Faschismus.“

Die AfD ist nach Winklers Verständnis auch nicht mit den Nationalsozialisten gleichzusetzen. „Sie ist am ehesten mit den Deutschnationalen der Weimarer Zeit zu vergleichen“, so der Historiker.

06.02.2020, Berlin: Ein Banner mit der Aufschrift „Kein Fußbreit dem Faschismus!“ hängt an der Fassade der SPD Zentrale, dem Willy-Brandt-Haus. Mit dem Banner bezieht sich die SPD auf die umstrittene Wahl des Ministerpräsidenten in Thüringen. Foto: Michael Kappeler/dpa

“Die Deutschnationale Volkspartei war eine antidemokratische, nationalistische und reaktionäre Rechtspartei mit einem starken völkisch-rassistischen Flügel. Es gehört ein hohes Maß an Geschichtsvergessenheit dazu, in die Fußstapfen dieser Partei zu treten.“

Mit der Situation im Deutschen Reich auf dem Weg zur Machtübernahme der Nazis ist die derzeitige Lage für den Experten auch überhaupt nicht zu vergleichen, auch nicht die Wahl eines Ministerpräsidenten in Thüringen mit Hilfe der AfD. „Es ist absurd, ständig den Untergang der Weimarer Republik zu beschwören. Das was in Erfurt geschehen ist, ist alarmierend genug. Aber mit falschen Analogien wird die gegenwärtige Situation der deutschen Demokratie in ein völlig falsches Licht gerückt.“ Damals habe es im Reichstag eine Mehrheit gegen die Demokratie gegeben. „Die Lage zwischen 1932 und 1933 wird zu Recht als bürgerkriegsähnliche Situation beschrieben.“ (dpa)

Zum Thema siehe folgenden Artikel auf OD:

15 Antworten auf “Historiker Winkler: Inflationärer Gebrauch des Begriffs „Faschismus“ führt zur Verharmlosung des Faschismus”

      • Ja, derartige Kommentare sind unter einem Artikel mit der (völlig richtigen) Quintessenz des inflationären Gebrauchs selbigen Begriffes natürlich erheiternd.

        Kann mir irgendeiner auch genauer erklären, wie linker Faschismus ideengeschichtlich überhaupt aussehen soll? Ich behaupte nämlich, hier wird wieder ziemlicher Unsinn geschrieben.

  1. delegierter

    warum lassen die Regierenden es denn so weit kommen ?
    Anfangs war es ja auch nur eine Protest-wahl. Wenn sich Regierende von Banken und Industrie auf der Nase herum tanzen lassen und sich zuerst selbst bedienen, anstatt dem Staat und dem Volk zu dienen.
    Jetzt flüchten sich unsere Versager in die EU, weil sie im eigenen Land gescheitert sind. Schöne Experten.

    • @Dax Erwärmen Sie sich jetzt an dem Satz?
      „Die AfD ist nach Winklers Verständnis auch nicht mit den Nationalsozialisten gleichzusetzen.“
      Dann auch gleich weiter lesen:
      „Sie ist am ehesten mit den Deutschnationalen der Weimarer Zeit zu vergleichen“, so der Historiker.

      Und zum besseren Verständnis:
      “Die Deutschnationale Volkspartei war eine antidemokratische, nationalistische und reaktionäre Rechtspartei mit einem starken völkisch-rassistischen Flügel. Es gehört ein hohes Maß an Geschichtsvergessenheit dazu, in die Fußstapfen dieser Partei zu treten.“

      • Danke, ich kann selbst lesen. Aber wenn Sie auch lieben „Nazi, Nazi,…“ rufen wollen, tun Sie sich keinen Zwang an, Sie nicht alleine damit. Aber beeilen Sie sich denn wer als erster „Nazi“ ruft braucht keine weiteren Argumente mehr. Irgendwie praktisch, oder?

        • Die Bestätigung Ihrer Lesefähigkeit erfreut mich.
          Wenn Sie mit dann noch die Praxistauglichkeit dieser Ihrer Kompetenz belegen können, indem Sie mich darauf hinweisen, wann ich hier das letzte Mal Nazi geschrieben habe, wäre ich Ihnen zutiefst verbunden.

          Meine Vorlieben bringe ich aber weiterhin gerne selbst zum Ausdruck; Unterstellungen sind da entbehrlich.

  2. Marcel scholzen eimerscheid

    Der „Antifaschismus“ legitimierte die Diktatur der SED in der DDR. Gehörte zu deren Gründungsmythos. Die Berliner Mauer, die die Flucht aus dem vermeintlichen Paradies verhindern sollte, wurde euphemistisch als „antifaschistische Schutzwall“ bezeichnet. Das sollte nicht vergessen werden. Bis heute tun sich Teile der „Linke“ schwer mit der SED Vergangenheit.

  3. „Bis heute tun sich Teile der „Linke“ schwer mit der SED Vergangenheit.“

    Genau, und wobei meistens völlig verschwiegen wird, dass die Verantwortlichen der Vorgängerpartei, die SED, namentlich Honecker, Mielke und Konsorten, den Schießbefehl in der DDR gegeben haben , wobei etliche harmlose Bürger, welche zum Teil nur aus diesem Staat fliehen wollten, erschossen wurden! Ganz zu schweigen von dem Terror, den die SED während nahezu 5 Jahrzehnten auf das eigene Volk ausübte! Und da blaffen diese Linken von Faschismus, einfach lächerlich!

      • „Die DDR existierte von 1949 bis 1990. Das sind 41 Jahre.“

        Stimmt, rechnerisch sind 41 Jahre keine „nahezu 5 Jahrzehnte“, wie“ Humbug“ schrieb. Darüber
        zu faseln ist aber eher etwas für Korinthenkacker. Wie gesagt, egal wie lang, ob 50 Jahre oder 41 Jahre: die DDR-Bürger sind während einer langen Zeit, schikaniert, drangsaliert, gedemütigt
        oder erschossen worden, letzteres beispielsweise nur, weil sie fliehen wollten aus dem Land der „Arbeiter und Bauern“.

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