Leute von heute

Abriss des Wetzlarbads weckt bei Eupenern nostalgische Gefühle

Eine alte Luftaufnahme des Wetzlarbads.

Auf den Abriss des alten Wetzlarbads hat Eupen lange gewartet. Doch jetzt, wo er tatsächlich begonnen hat, kommt bei vielen Leuten so etwas wie Wehmut auf. Erinnerungen an die „gute, alte Zeit“ des Wetzlarbads werden noch einmal geweckt.

„Sniff, traurig, zu viele schöne Stunden meines Lebens verbracht (aber freue mich riesig auf das neue)“, schrieb jemand auf der Facebookseite von „Ostbelgien Direkt“. Und ein anderer kommentierte: „Mann, haben wir dort vor 60 Jahren die Mädels verehrt!“.

Da lohnt es vielleicht, noch einmal auf die Zeit zurückzublicken, als das Bad in Eupen eine echte Attrakion war.

Als die Anlage in den 30er Jahren feierlich eröffnet wurde, waren in der Tat alle Leute begeistert. „Nur ein oberflächlicher Blick genügt ja schon, um festzustellen, dass Eupen mit diesem Bad eine Einrichtung erhält, die jede Großstadt neidisch machen kann“, war in der Lokalpresse damals zu lesen.

Bis zur Eröffnung musste sich die Bevölkerung mit dem Wasser von Weser und Hill begnügen. Dank der Unterstützung durch die Kammgarnwerke AG und deren Gründer Robert Wetzlar konnte eine Anlage erbaut werden, die zu jener Zeit in der Gegend ihresgleichen suchte.

Während des Krieges wurde aus Wetzlarbad "Wald-Bad", wie dieses Foto von 1940 zeigt.

Während des Krieges wurde aus Wetzlarbad „Wald-Bad“, wie dieses Foto von 1940 zeigt.

Indes gefiel das Prunkstück nicht allen. Bedenken über das Gemeinschaftsbad, in dem sich Jungen und Mädchen sowie Männer und Frauen gemeinsam vergnügten, äußerte in erster Linie die Kirche. „Die Herren Pastöre waren die ersten, die von der Kanzel herab diese ‚Unsitte‘ verdammten. Als dann auch noch die Presse das Thema aufgriff und von ‚Nacktkultur‘ sprach, war die Polemik da“, schrieb Leo Kever in einem von mehreren Rückblicken.

Jahrzehntelang mussten sich die Badegäste damit abfinden, dass das Wasser im Bad zumeist eisig kalt war. Stets war am Eingang angeschlagen, wie hoch (oder tief) die Wassertemperatur an jenem Tag war.

Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 10. Mai 1940 und der Annektierung von Eupen-Malmedy durch Hitler-Deutschland wurde das Wetzlarbad wegen der jüdischen Abstammung der Familie Wetzlar in „Wald-Bad“ umbenannt. Nach Kriegsende erhielt es seinen alten Namen zurück.

Jahrzehntelang war das Wetzlarbad ein Treffpunkt für jedermann, insbesondere an Sommertagen. Nicht nur das mit der Zeit beheizte Badewasser, sondern auch die großzügigen Grünanlagen drumherum luden die Badegäste dazu ein, einen ganzen Tag im Wetzlarbad zu verbringen. Es war ein Stück Freizeitkultur. Sehen und gesehen werden. Und die ganz Mutigen sprangen vom 5-Meter-Turm.

Diese Ära ist jetzt zu Ende, eine neue soll mit dem künftigen Kombibad beginnen. (cre)

Siehe auch Artikel „Im Ortsteil Hütte ollt der Bagger: Abriss des Wetzlarbads“

Diese alte Postkarte zeigt das "Wald-Bad" des "Luftkurortes Eupen".

Diese alte Postkarte zeigt das „Wald-Bad“ des „Luftkurortes Eupen“.

 

4 Antworten auf “Abriss des Wetzlarbads weckt bei Eupenern nostalgische Gefühle”

  1. Kombibad

    Herr Cremer, Sie nehmen die Befindlich- und Begrifflichkeiten ja gar nicht ernst und bleiben bei dem seit 10 Jahren benutzten Begriff Kombibad. Das wird dem Herrn Sportschöffen aber gar nicht schmecken… laut seiner neuen eigenen Definition müsste man dafür von drinnen nach draußen schwimmen können und umgekehrt. Dann hat sich an dem Schwimmbadkonzept von vor 2012 doch etwas geändert … der Name.

  2. Ekel Alfred

    Bin eben noch an der ehemaligen Stiftung „WETZLARBAD“ vorbeigekommen. Man war gerade dabei, die allgemeinen Umkleidekabinen neben dem Haupteingangsgebäude abzureissen. Es wird sicherlich der Tag kommen, wo man bereut, erneut ein Kulturgut, wie damals der Abriss des Scheibler-Hauses, unsere ehemalige wohl einmalige Schule, aus politischen Gründen zu opfern….

  3. Frank Bosch

    Allein schon die Terrasse war einen Besuch wert, da hatte man einen Überblick über das gesamte Bad (siehe Bild oben) und es wurde fleißig über die Badenden, die Sonnenanbeter, die Schwimmer, die „“Rutschenden“, die „Bomber“ (z.B. Wolfgang Ohn) und die Springer (z.B. der alte Herr Behrens, oder der Freddy Neumann) gelästert, manche auch bewundert. Auf Nimmerwiedersehen… Sniff, sniff, sniff. Nicht nur das wird uns „alten Weibern“ fehlen!!!

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