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Eupen an den Karnevalstagen eine Zeltstadt – Säle und Kneipen „out“?

Das große Zelt auf dem Platz am Clown und im Hintergrund ein weiteres Zelt vor dem „Café Columbus“. Foto: OD

In diesen Tagen gleicht Eupen einer Zeltstadt. Wurde früher noch Karneval zum Großteil in Kneipen und Sälen gefeiert, werden inzwischen Zelte zum Treffpunkt der Eupener Narren.

Das größte Zelt steht auf dem Platz am Clown. Betrieben wird es von Manfred Schumacher („Café Columbus“), Vasili Tilkeridis („Ratskeller“) und Frank Neumann („Paparazzi“). Vor dem „Café Columbus“ steht ein weiteres Zelt, ebenso vor dem Eupener Rathaus und dem Bistro „Am Werth“ an der Schnittstelle zwischen Gospertstraße und Werthplatz.

Kneipen rar gesät

Wenn also in den kommenden Tagen der Eupener Prinz sein Rundfahrt durch sein Narrenreich antritt, werden die Besuche und Stippvisiten in den Sälen und Gaststätten überschaubar sein.

Veranstaltungssäle gibt es 2018 nur noch einen: den großen Saal im Ambassador Hotel Bosten. Doch dieser schließt am Rosenmontag. Kneipen sind rar gesät, nur wenige öffnen für die tollen Tage. Im Kolpinghaus, früher mal ein Narrenmagnet, findet in diesem Jahr überhaupt keine karnevalistische Veranstaltung statt.

Das Zelt am Rathaus hat seit einigen Jahren den Platz des Rathaussaals übernommen. Foto: OD

Das Dilemma wird von Jahr zu Jahr deutlicher: Eupen hat keine Säle mehr, wo die Jecken ausgiebig feiern können. Verlagert sich der Saalkarneval jetzt in Richtung Zelt? Anzeichen dafür sind jedenfalls deutlich erkennbar.

Das war früher ganz anders, wie Edgar Hungs, der 1983 Karnevalsprinz (Edgar III.) war, in Erinnerung ruft. „Freitags vor Karneval saßen Prinz und Hofstab zusammen und legten einen Tourenplan für die folgenden drei Tage fest. Da waren Karnevalssamstag und Rosenmontag ausgebucht. Samstags wurden insgesamt 13 verschiedene Stellen angefahren; montags waren es noch 11 Säle und Wirtschaften. Da gab es Trubel, Jubel, Heiterkeit im Kolping, Kurhotel Pauquet, Koch’sche Saal und im Hotel Bosten Unterstadt.“

Legendär waren einst auch die Partys im Turnsaal des Heidberg-Instituts. „Damals war ich noch Lehrer an der Eupener Berufsschule und hatte meinen Schülern versprochen, die Jugendpartys im Koch’schen Saal zu besuchen. Da wurde normalerweise keine Karnevalsmusik gespielt. ‚Disco-Papa’ legte beim Ein- und Ausmarsch die Prinzen-Hymne auf“, erinnert sich Edgar III. Nicht alle Begleitpersonen seien damals sehr begeistert gewesen, dort hinzugehen.

Andere Zeiten, andere Sitten

In jeder Kneipe gab es das „Prinzentröpfchen“. Insgesamt 22 Wirtschaften wurden angesteuert. Prinz und Pagen verzehrten immer die gleiche Marke bzw. Rebsorte, um am darauf folgenden Morgen einen „Brummschädel“ zu vermeiden.

Geschlafen wurde nicht viel, denn die Rundfahrten endeten meist nach Mitternacht. Jeder Besuch war etwas Besonders und Einmaliges.

Auch vor dem Bistro „Am Werth“ zwischen Gospert und Werthplatz steht ein Zelt. Foto: OD

In den Wirtshäusern ging es familiärer zu. „Dort feierten die Stammgäste. Hinzu kamen noch die Karnevalisten, die von Kneipe zu Kneipe zogen“, so Edgar III.: „In den Saalhochburgen Kolping und Bosten war eine tolle Atmosphäre. Da musstest du schon eine Passe-partout-Karte haben, um überhaupt reinzukommen. Kurzentschlossene warteten zumeist draußen in der Schlange und durften nur hinein, wenn andere den Saal verlassen hatten. Walter Bosten hatte stets den Überblick.“

Der Trend geht heute wieder mehr zum Straßenkarneval. An Weiberfastnacht und am Rosenmontag endet der Zug in der Oberstadt. Dort bleiben die Zugteilnehmer auch.

Die „Bushof-Party“ als Freiluftveranstaltung ist zeitlich begrenzt. Danach verlagert sich das Treiben in der Karnevalsmeile zwischen Marktplatz und Werthplatz, zumal sich die beiden Prinzenpalais auch dort befinden. Dank des großen Zelts in der Bergstraße können sich die Jecken ausgiebig im Schatten des Eupener Clowns amüsieren.

Nur der Kinderzug am Tulpensonntag endet in der Unterstadt. Früher galt diese als Hochburg des närrischen Treibens in Eupen, wie Edgar Hungs erläutert.

„Die Einmärsche bei Bosten zählten zu den Höhepunkten der Prinzenregentschaft. Da kamst du kaum durch die Jecken. Im Dancing und im großen Saal war es brechend voll. Und jedes Mal blieb ich mit mindestens einer Prinzenfeder im Ventilator auf der Tanzfläche hängen“, erzählt Exprinz Edgar III. heute noch voller Begeisterung über den Saalkarneval. Doch diesen Status hat die Unterstadt verloren. Andere Zeiten, andere Sitten… (ehu/cre)

Zum Thema siehe auch folgende Artikel auf „Ostbelgien Direkt“:

  1. Oepealaaf

    Andere Zeiten, andere Sitten, andere Betreiber bei Bosten.

    Ich finde es sehr traurig, wir sind all die Jahre bei Bosten gewesen, besonders der Kinderkarneval war immer ein Highlight!!!Jetzt wusste die Betreiberin als ich sie anrief noch nicht einmal wann Karneval ist und ob überhaupt gefeiert wird :( traurig, traurig :(

  2. Eupen hat schon noch Säle. Der Schlachthof wäre dafür super geeignet. Doch kein Verein kann dort lukrativ etwas veranstalten.
    Horende Miete an die Stadt Eupen und die Thekeneinnahmen gehen an Sudoznick. Wie soll da ein ansässiger Verein etwas organisieren ohne nicht die Botz dran zu verlieren?
    Wenn man Säle in Eupen errichtet dann sollte er auch für die Vereine nutzbar sein.

    • Ex - Eupener

      Der Schlachthof ist fast ein Privat Club von Sudoznick Sunergika , da kommt kein anderer rein . Die Möchte gern Veranstalter die auch noch von der Stadt Gehälter bekommen für den Mißt den sie da machen . Haben die überhaupt schon einmal etwas Kulturelles gemacht für eine etwas ältere Generation . Hätte man das Geld lieber ins Capitol gesteckt , hätte Eupen einen Saal .

  3. Allem Anschein nach haben zwei Kneipen in der Unterstadt auch an Rosenmontag geschlossen. Nur der Haeserhof hat geöffnet. Traurig. Ich denke mal, dass die neue Betreiberin bei Bosten im kommenden Jahr keine Veranstaltungen mehr um Karneval organisieren wird.

  4. Ghostrider

    Was sagt uns das ? Auch auch das ganze Jahr nicht hingehen nur so merken sie was los spätestens wenn sie Konkurs anmelden müssen. Dadurch trifft man immer mehr Ostbelgier auf den Kölner Sitzungen und mittlerweile auch an Rosenmontag.

  5. Pensionierter Bauer

    Was waren das noch für Zeiten, Karneval im Kurhotel Pauquet. Da kam kein Polizist auf die Idee den jungen Leuten die Flaschen abzunehmen. Der richtig ausgelassene Karneval wie wir ihn in den 60er, 70er und 80er Jahren noch gekannt haben ist durch immer neue Regeln und Kontrollen eh längst von Karnevalhassern kaputt gemacht worden. Ich denke heute noch richtig gerne an so manch dekadente Stunde in der eupener Bierbrauerei zurück. Das Ende der großen Freiheit kündigte sich an, als dieser komische Antispassverein mit seiner Aktion; SPAß JA🤡ALKOHOL NEIN in Erscheinung trat. Die heutige Jugend tut mir irgendwie Leid, dass sie nicht mehr die Möglichkeit haben so richtig ausgelassen zu feiern wie wir es seinerzeit tun durften.

    • Dorfbewohner

      Werter Bauer, das ist doch nicht richtig. Die feiern heute genau so ausgelassen wie damals, nur halt in Zelten. Diejenigen meiner Kinder, die im passenden Alter sind, sind ab heute jeden Abend in irgendeinem Zelt. Warum es heutzutage nun Zelte statt Sääle sind, weiss ich nicht, aber das tut der Stimmung keinen Abbruch.

  6. Man sollte sich einmal Gedanken über den generellen Konsum von Alkohol während den Zug machen.
    Mittlerweile gehen alle grossen Gruppen in Raeren Sonntags mit. Dort sieht man alle mit fläschen oder Bierglas in der Hand Abends beim Wagen wegbringen wird der Rest Flüssiggold dann versoffen.
    Montags geht’s erneut weiter im Eupener Zug getreu dem Motto wer hat die bessere und lautere Anlage und wer die meisten Zapfhähne. Der Rückmarsch aus der Unterstadt gleicht einem Trauerspiel und dann gibt einen die Bushof Party den letzten Rest.
    Dass Bosten montags nichts mehr macht ist doch klar woran sollen die verdienen dass 100 besoffene Leute vom Bushof dort die Bude voll reiern kommen?
    Bin erst 30 Jahre und kenne den Karneval vor 15 Jahren auch noch Kneipen, Penalty etc… aber da Tat es eine gute Playlist die richtigen Leute und man hatte einen tollen Abend. Heute den Mix zwischen Jung und Alt Techno und Karnevalsmusik zu finden ist fast unmöglich.
    Und da gibt es ja noch die 8-10 Nightshops wo man sich günstig eindecken kann warum ein Boer für 2.00€ wenn man für einen 10er ne Vodka Pulle haben kann.

  7. Alos ich finde die Zelte gut. Früher gab es den Kneipenkarneval, heute den Zeltkarneval, na und ? Früher wurde überall rumgekotzt, jetzt zumindest draussen. Ich kann die Wirte verstehen.
    Der Karneval in Eupen hat eine lange Tradition, aber auch Traditionen verändern sich.
    Die Bushofparty zeigt, dass auch junge Leute gerne Karneval feiern, aber auf ihre Art.
    Ständig der Vergangenheut nachzutrauen bringt niemanden was.
    Und wenn ich die ganzen Eifeler Jugendlichen sehe, die Karneval in unserer Stadt sind kann ich zu den Eupenern nur sagen: richtig gemacht.
    Zumindest an den Karnevalstagen zeigen wir den Eifelern wie und wo gefeiert wird.

  8. Die Eupener Karneval kränkelt mächtig dahin! Die Kneipen- und Saallage sind eindeutig. Fast keine Kneipe öffnet mehr an den Karnevalstagen: Aschermittwoch wurde renoviert. Investitionen, die den Gewinn schmälern. Getränkepreise sind einfach unglaublich. Sicherlich gibt es verschiedene Gründe und Kalkulationen, die diesen an die Grenze des Berechenbaren bringen. Aber fast überall mindestens 2,00 EUR pro Getränk, also nicht nur Bier. Ich überlege dann, ob ich mir das noch antun muss.
    Alkohol in den Umzügen. Ich gebe @Alaaf 100% Recht. Unsere Züge in Eupen verarmen und erreichen ein nie gedachtes Niveau. Quantität vor Qualität. Da brüstet sich die AGK mit hohen Zugteilnehmerzahlen, nur muss man sich diese mal anschauen. Bis auf wenigen Ausnahmen läuft permanent Technomusik: laut, überzogen und noch lauter. Hinter dem Wagen dicht gedrängt die Fußgruppe. Positiv: sie amüsieren sich. Nur schaut man dann in und auf die Wagen: da stapeln sich die Bierkästen, jetzt schon auch Bierfässer mit Zapfanlagen. Bier statt Kamelle.
    Zweites Manko des Eupener Rosenmontagszuges: Musikkapellen. Auf über hundert Gruppen kommen mal ganze 4 Musikkapellen. Es kann doch nicht sein, dass die hiesigen Musikkapellen für mehr Geld lieber in deutschen Hochburgen spielen gehen, als in ihrer Heimstadt oder -region. Eine Frage der Ehre oder des Geldes? Also läuft seit Jahren die alte Regel: Lieber Quantität als Qualität. Hauptsache ‚Dat Hääz is jot!“
    Und da wundert man sich dass eine ganze stattliche Zahl Eupener es bevorzugen, Urlaub zu machen oder zu Hause sich die Züge im Fernsehen anzuschauen. Man wirft der AS vor, es gäbe ein Identifikationsprobem mit der Mannschaft; viele Eupener identifizieren sich nicht mehr mit dem Brauchtum. Und irgendwann stellt sich dann auch die Prinzenfrage! Ein teures Privileg mit sinkenden Zahlen. Trotzdem wünsche ich eine schöne Karnevalszeit. epe Alaaf!

  9. Mme Delphine

    Die Zelte haben nur wenig Flair.Würden nicht die Karnevalisten Kostüme tragen, könnte man denken,man sei auf einer Party.Der wahre Karneval sollte in den Straßen und in den Kneipen stattfinden.

  10. Der Umfrage, die die Stadtverordnete Alexandra Barth in Bezug auf die Bedürfnisse der Vereine im Bereich „Säle“ gemacht hat, sollte man mehr Beachtung schenken. Gute Ansätze und konkrete Vorschläge. Die braucht man eigentlich nur umzusetzen.

  11. Ekel Alfred

    @ Dorfbewohner, das mit der Stimmung ist schon so eine Sache….meine Kinder gehen gar nicht mehr aus….die finden es stinklangweilig in diesen Zelten, um da nur so rumzustehen und sich anzublödeln….PB hat doch Recht….zu unserer Zeit, als es noch Polizei und Gendarmerie gab, haben die nicht nur mitgetrunken, sondern gesoffen….wir wurden sogar mit dem grossen Ford von der Polizei von einer Wirtschaft zur anderen gefahren….von auf dem Land bis nach BT, von da aus zum Blech….und wieder zurück….und das mit vollbesetztem Wagen (15 Personen übereinander)….die damaligen Polizisten waren stadtbekannt….das war noch Karneval….

    • Dorfbewohner

      @ Alfred: Da magst Du wohl recht haben … diese Zeiten sind vorbei, und das ist irgendwie schade. Trotzdem: Die Jugend von heute feiert auch ordentlich und durchaus heftig. Halt auf ihre eigene Weise Jede Generation muss ihren eigenen Weg finden, und das trifft auch beim feiern zu.

  12. Mme Delphine

    Das Zelt am Clown am Altweiberabend !!!! Bahhhhh. Wieder mal viel Partymusik und WENIG Karnevalsmusik.Das Kulturerbe wird zusammen mit dem Müll auf dem Zeltboden mit Füßen getreten.Viele von uns Karnevalisten wünschen sich die Kneipentouren zurück.In der neuen Kneipe auf der Klötzerbahn war es wie früher gemütlich.Es wurde geschunkelt und gelacht bei einem gepflegten Gläschen.So geht Karneval.Auf dem Werthplatz funktioniert es auch so.Warum das Rad neu erfinden, wo es doch immer gut so war? Die “ Zeltwirte nehmen unser Geld.Dafür bekommen wir: der Eupener sagt dazu :eine „verschangelierte Karnevalsparty“.

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