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Ein Jahr „Gelbwesten“-Proteste in Frankreich: Was bleibt von der Wut übrig?

08.12.2018, Frankreich, Paris: Demonstranten mit gelben Westen gehen die Champs Elysées Avenue hinunter, im Hintergrund ist der Triumphbogen zu sehen. Foto: Rafael Yaghobzadeh/AP/dpa

Die Idee ist schon genial: Das Erkennungszeichen der „Gelbwesten“ sind die gelben Warnwesten, die jeder im Auto dabei hat. Und so überrollte eine gelbe Wutwelle Frankreich. Doch zwölf Monate später hat die Bewegung an Schwung verloren – ist sie gar tot?

Der Sprit sollte teurer werden. An der geplanten Erhöhung auf Steuern für Diesel und Benzin entzündete sich vor einem Jahr der Protest. Und es war gleichzeitig so viel mehr – auch der Beginn von etwas Außergewöhnlichem.

Die Wut auf Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron und seine als abgehoben empfundene Politik, die Wut auf «die da oben» im fernen Paris – all das regte die Menschen so sehr auf, dass sie sie sich gelbe Warnwesten überzogen, Kreisverkehre und Straßen blockierten und jeden Samstag ihren Ärger in die Hauptstadt trugen.

02.02.2019, Frankreich, Marseille: Ein Demonstrant liegt bei einem Protest der sogenannten „Gelbwesten“ auf einer Straße. Foto: Claude Paris/AP/dpa

Am 17. November 2018 gingen offiziellen Zahlen nach mehr als 280.000 Menschen in ganz Frankreich auf die Straße. Es war die Geburtsstunde der „Gelbwesten“, die erste große Mobilisierung einer Bewegung, die Land und Politik ein Stück weit verändern sollte.

Ein Jahr später demonstrieren einige Menschen immer noch jeden Samstag, oftmals mittlerweile ohne gelbe Weste. Doch die Kreisverkehre sind weitgehend geräumt und die Zahl der Demonstranten zusammengeschrumpft.

Die ersten Samstagsproteste hielten noch das ganze Land in Atem, ließen die Welt auf Frankreich blicken und stürzten Macron in eine schwere Krise. Jetzt sind die wöchentlichen Demos nur noch eine Randnotiz in den Zeitungen. Doch was bleibt? Und was ist aus den Menschen mit den Warnwesten geworden?

Eine besondere Form des Aufstands

Selbst für die protestfreudigen Franzosen waren die „Gelbwesten“ eine besondere Form des Aufstands. „Die Organisationsform war völlig anders, da waren keine Gewerkschaften, die zum Protest aufgerufen haben“, sagt Frank Baasner, Leiter des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg. „Das war eine Facebook-Generation gepaart mit einer gallischen Jetzt-Reichts-Geste.“

Anfangs versuchten sich Rechtspopulistin Marine Le Pen oder Linksaußen Jean-Luc Mélenchon vor die Bewegung zu stellen – ohne Erfolg. Die „Gelbwesten“ waren nie wirklich links oder rechts.

01.12.2018, Frankreich, Paris: Demonstranten laufen an einer brennenden Barrikade in der Nähe des Arc de Triomphe (Triumphbogen) während einer Demonstration vorbei. Foto: Thibault Camus/APA

Und es waren auch nicht die Menschen aus den problemgeplagten Vorstädten, den Banlieues, die den Protest prägten – wie sonst so oft in Frankreich. Es waren meist Menschen fernab der großen Metropolen vom Land. Aus Orten, in denen kein Bus fährt, ohne Auto gar nichts geht. Viele dieser Menschen gingen völlig friedlich auf die Straße.

Doch was in Erinnerung bleiben wird: Die Prachtmeile Champs-Élysées im Ausnahmezustand, brennende Autos, zerschlagende Schaufenster, sinnlose Zerstörung im und am Pariser Triumphbogen – kurz: Krawalle und Gewalt. Unter die Demonstranten mischten sich immer wieder auch Randalierer. Die traurige Bilanz der „Gelbwesten“-Proteste: Rund ein Dutzend Tote und Tausende Verletzte; darunter auch Polizisten.

Macron zückte sein Scheckbuch mehr als einmal, hielt Ansprachen und versprach teure soziale Geschenke wie Steuersenkungen, um die Menschen im Land zu beruhigen. Denn einer der liebsten Rufe der „Gelbwesten“ war: „Macron Démission!“, die Aufforderung zum Rücktritt. Schließlich ermunterte Macron die Franzosen mit einer großen Bürgerdebatte zum Reden, im ganzen Land lagen Beschwerdebücher aus, es wurde diskutiert.

Keine abschätzigen Sprüche mehr über „Faulpelze“

„Und das war durchaus erfolgreich“, resümiert Baasner. Macron habe in seinen Reden Fehler eingestanden und Ideen aus den Diskussionsrunden mit den Bürgern aufgegriffen. Keine abschätzigen Sprüche mehr über „Faulpelze“, die nicht arbeiten wollen, wie noch zu Beginn seiner Amtszeit.

Sein nächstes großes Projekt ist die Rentenreform, ein großes Wahlversprechen. Aus den Protesten scheint er gelernt zu haben – will mehr erklären, wirkt manchmal zögerlich. Der 41-Jährige war damals als großer Reformer angetreten, die Proteste haben ihn innenpolitisch ausgebremst. Gegen seine Pläne haben bereits die Gewerkschaften zum Streik aufgerufen.

10.12.2018, Frankreich, Paris: Emmanuel Macron (M), Präsident von Frankreich, Edouard Philippe (l), Premierminister von Frankreich, und François de Rugy, Umweltminister von Frankreich, treffen sich mit Vertretern der großen Gewerkschaften, der Arbeitgeber sowie der Präsidenten der Nationalversammlung und des Senats im Elysée-Palast. Foto: Yoan Valat/EPA POOL/AP/dpa

Doch nicht alle „Gelbwesten“ sind zufrieden. „Nichts, absolut nichts hat sich geändert“, klagt Stéphanie in einem Café in der Straßburger Innenstadt. Die 63-jährige Frührentnerin hat sich der Bewegung Anfang des Jahres angeschlossen. Stéphanie möchte ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen, Charles nur seinen Vornamen. Er sitzt ihr an dem kleinen Holztisch gegenüber. Der 35-Jährige sucht derzeit einen Job. „Verschiedene soziale Schichten arbeiten zusammen“, sagt er über die Bewegung. Das mache den Reichtum aus.

Den Protesten schloss er sich in der dritten Woche an. Er sah – und sieht – die „Gelbwesten“ als ein Projekt, in dessen Mittelpunkt die Reflexion des aktuellen politischen Systems steht. Ihm geht es um Grundsätzliches. „Ich habe mich angeschlossen, als auch über institutionelle Änderungen gesprochen wurde“, erklärt Charles. Die „Gilets Jaunes“, wie sie in Frankreich heißen, forderten immer wieder Bürgerabstimmungen zu relevanten Themen.

„Der Wille, wirklich etwas zu ändern“, ergänzt Stéphanie ihre Motivation. „Soziale Gerechtigkeit, Steuergerechtigkeit, ökologische Gerechtigkeit, direkte Demokratie.“ Und die Zugeständnisse von Macron, die Bürgerdebatte – hat das alles nichts gebracht? „Alles Bla-Bla“, sagt Stéphanie, „eine Inszenierung“. Hinter der Fassade gehe die Politik aber wie gewohnt weiter, kritisiert Charles.

Die Bewegung hatte viele Anführer

Auch ehemalige Führungsfiguren der zersplitterten Bewegung sind verhalten. „Ich würde nicht sagen, dass es ein Erfolg war, aber es hat eine Menge verändert“, sagte Priscillia Ludosky, eines der bekanntesten Gesichter der „Gelbwesten“, im Gespräch mit der „Financial Times“. Was sich geändert habe, sei, dass die Menschen aus ihrer Einsamkeit und Isolation herausgekommen seien, um ihre Probleme zu teilen. Die Menschen seien normalerweise viel zu sehr mit ihren eigenen Sorgen beschäftigt, meint die 33-Jährige.

Protestaktion der „Gelbwesten“ in Frankreich. Foto: Chen Yichen/XinHua/dpa

Die Bewegung hat viele Anführer hervorgebracht, teils fragwürdige Gestalten, die in den Medien wie Popstars gefeiert wurden. Da ist zum Beispiel der Rüpel Éric Drouet. Der Lastwagenfahrer gehörte zum radikalen Flügel und hatte immer wieder Ärger mit der Polizei. In länglichen Facebook-Videos befeuerte er seine Anhänger und rief zumindest indirekt auch zu Gewalt auf. Während anfangs Umfragen zufolge viele Franzosen die Proteste trotz der Ausschreitungen noch befürworteten, lies die Unterstützung dafür irgendwann nach.

Dass sich die „Gelbwesten“ so ganz und gar nicht führen lassen, zeigte das Beispiel Ingrid Levavasseur auf recht brutale Weise. Die Krankenpflegerin und alleinerziehende Mutter aus der Normandie begeisterte viele Franzosen mit ihrem Engagement. Doch spätestens als sie mit einer „Gelbwesten“-Liste bei der Europawahl antreten wollte, wurde sie angefeindet und bedroht. Heute hat sich die 32-Jährige von der Bewegung weitgehend losgesagt, will bei den Kommunalwahlen antreten und hat zwei Vereine gegründet.

Zum Jahrestag der großen Proteste wollen die „Gelbwesten“ wieder protestieren – unterschiedliche Gruppen haben zu diversen Protesten in der französischen Hauptstadt und andernorts aufgerufen. Die einen wollen die Pariser Stadtautobahn blockieren, die anderen rufen zur Rückkehr auf die Champs-Élysées auf – dort sind Proteste mittlerweile verboten. Wie viele kommen werden, ist offen. Aber für Stéphanie und Charles aus Straßburg ist klar, dass sie am Samstag nach Paris fahren werden. (dpa)

12 Antworten auf “Ein Jahr „Gelbwesten“-Proteste in Frankreich: Was bleibt von der Wut übrig?”

  1. schlechtmensch

    Die Gelbwesten waren nur ein kleiner Vorgeschmack auf das was demnächst passiert wenn den Leuten die Augen endlich mal aufgehen. Spätestens bei der Abschaffung des Bargeldes ist Schluss mit lustig.

  2. delegierter

    warten wir mal bis in Belgien die 25 Regierungen und Parlamente gebildet sind, dann wird sich zeigen wo wir wieder abgezockt werden sollen.
    Seit einem Jahr schon wieder ohne Regierung und Beschlüsse, nur das Geld beziehen die Herrschaften weiter. Die Unternehmer, die von öffentlichen Aufträgen leben, werden wohl noch lange auf Ausschreibungen warten müssen, aber bitte pünktlich die Steuern zahlen.
    Alles was man hört, Immobilien steuer rauf, Sprit und Heizöl auf, ……….. .
    Müssen wir das alles wehrlos hinnehmen? Es ist doch Geld da, siehe Nethys + Moreau ,
    Politiker werden abgewählt und nehmen sich noch bessere Posten als vorher,…….
    Das Maß ist voll, es muss bald was geschehen.

  3. karlh1berens

    – Die Randale und Verwüstungen kamen von „agents provocateurs“ aus den Zirkeln der Macht um die Gelbwesten zu diskreditieren – ist aber nicht wirklich gelungen.

    – Das kapitalistische System schafft sich selber ab. Ohne Kaufkraft kein Konsum, ohne Konsum keine materielle Basis für den Reichtum der Reichen, ohne Reichtum keine Reichen :

    „In einem Hirtenbrief der Bischöfe Spaniens von 1954 hieß es: Es muss Arme geben, damit die Reichen das Gebot der Nächstenliebe überhaupt erfüllen können. Erst das Leiden der Armen ermöglicht den Reichen, ihre Güte zu zeigen. Die Armen sind also nicht nur unverzichtbar als materielle Basis für den Reichtum der Reichen; sie sind auch unverzichtbar für deren spirituelle Erbauung.“

    https://www.heise.de/tp/features/Ideologie-der-Meritokratie-als-Herrschaftstechnik-4460823.html

    – Die Gelbwesten liegen in allen französischen Autos – und werden bei Bedarf eben angezogen.

    – Hab ich noch was vergessen ?

    – Ach ja : ich weiß, dass ich „abgewählt“ worden bin.

    ( ͡° ͜ʖ ͡°)

    • Revolutionär von Sankt Vith

      @ karlh1berens

      Lieber Karlheinz, ja, es waren schon bewegte Zeiten, als wir beide noch jung und revolutionär waren. Mit der roten Fahne sind wir beide in den revolutionären Jahren Arm in Arm zunächst durch Sankt Vith gezogen. Schon damals wollte sich keiner bei uns einreihen. Irgendwie hatten die Bürger schon damals keine Einsicht in unsere Einsichten.
      Wir zogen dann beide nach Berlin, das revolutionäre Zentrum, wohnten in wilden Kommunen und zogen wieder mit unserer roten Fahne durch die Stadt. Aber komisch: Die Bürger wollten wieder nicht mit uns in den Arbeiterkampf ziehen und das System stürzen. So zogen wir wieder weiter, nach Vietnam, China, Kambodscha, Kuba und Nord Korea. Immer dabei: Unsere rote Fahne. Man, was war das eine geile Zeit. Viele Liebschaften, viel Drugs, weniger Rockn Roll, denn wir wurden auch älter. Leider mussten wir immer erkennen, dass die Leute entweder nur mit Zwang sich bei uns einreihten, oder aber uns mit davon jagten, wenn sie die Gelegenheit und Freiheit hatten.

      Aber inzwischen, das muss ich dir nun sagen, lieber Genosse Berens, mag ich nicht mehr mit unserer roten Fahne durch die Straßen ziehen. Außer ein paar Krawallbrüdern will keiner unsere Revolution! Ich befürchte, mein lieber Karlheinz, sind zufrieden. Lass uns diesen Blödsinn mit den gelben oder roten Westen bleiben. Wir sind zu alt dafür, und inzwischen ja auch im System gut angekommen. Wir beide sind Teil des Systems und leben davon – du sogar nicht schlecht!

      Lass uns mal wieder auf ein Bier und ein Glas Wein treffen. So wie früher, als wir noch von der Revolution träumten.

      Dein lieber Kampfgenosse Karl M.

      P.S.: Ja, ich habe es mitbekommen: du wurdest abgewählt. Mach dir nichts draus. Ich mac he mir auch n ichts draus.

      • karlh1berens

        Wie sagte mal ein Händler zu einem Bekannten ? : „Du musst sie so über’s Ohr hauen, dass sie sich nicht mal trauen, auf dem Frühschoppen drüber zu reden.“

        Damals wurde man auch mit Sonnenbrille auf dem Frühschoppen erkannt. Den Frühschoppen gibt’s nicht mehr und im Internet braucht man keine Sonnenbrille, aber bescheißen lässt sich die große Mehrheit weiterhin und trotzdem wird nicht drüber gesprochen – Thekenklaaf 2.0 wohin man hört.

        Das Geschäft des erwähnten Händlers lief und läuft übrigens bestens, auch in der 2. Generation.

        Gutheit ist Dummheit !

  4. Die Gelbwestenbewegung hat gezeigt, dass die Menschen sensibel auf Ungerechtigkeiten reagieren. Dagegen auf die Strasse gehen. Sollte als Warnschuss an die Politik verstanden werden. Das Volk als Souveraen hat sich in Erinnerung gerufen.

    Es fehlte dieser Bewegung die Fuehrungsfigur, die Struktur und vor allem an einem Programme. Aber das kann noch kommen. Jede politische Bewegung fing mal klein an. Siehe friedliche Revolution un der DDR.

    • karlh1berens

      Zitat @Azert 16/11/2019 11:29

      „Es fehlte dieser Bewegung die Fuehrungsfigur“

      Das ist ja gerade der entscheidende Unterschied : Wenn’s diese „Führungsfigur“ gegeben hätte, wäre diese Figur entweder untergebuttert oder gekauft worden.

      Für die entscheidende Kaste gibt’s keinen Angriffsvektor – ein Horrorszenario : In jedem Auto liegt eine gelbe Weste.

      Trotz : „Die Bilanz des Innenministeriums umfasst den Zeitraum von November 2018 bis Ende Juni 2019 und sie zählt, um ein paar eklatante Größen herauszunehmen: 10.000 Fälle von Personen, die in ganz Frankreich in Zusammenhang mit den Gelbwesten-Demonstrationen in Polizeigewahrsam genommen wurden und 3.100 Personen, die gerichtlich verurteilt wurden. 400 Freiheitsstrafen ohne Bewährung wurden mit unmittelbarer Wirkung ausgesprochen und 600 (ebenfalls ohne Bewährung) mit der Möglichkeit, die Zeit mitzubestimmen. 1.240 Freiheitsstrafen wurden zur Bewährung ausgesetzt und 920 Strafen boten Alternativen zur Inhaftierung in Gefängnissen an.“
      gibt’s Unterstützung von 69 Prozent der Franzosen (https://www.heise.de/tp/features/Gelbwesten-Unterstuetzung-von-69-Prozent-der-Franzosen-4587663.html)

      So macht man das in Frankreich.

      Nix mit „abwählen“

      ( ͡° ͜ʖ ͡°)

  5. karlh1berens

    Wenn man die potentielle Macht der „Gelbwesten“ in Frankreich verstehen will, sollte man sich die (Über)Reaktion des russischen Inlandgeheimdienstes FSB von Freitagabend näher anschauen :

    „Russische Grenzbeamte hatten die Soziologin und Sozial-Aktivistin (Clement A.d.V.) am Moskauer Flughafen Scheremetjewo mit einer Anordnung des russischen Inlandgeheimdienstes FSB bekannt gemacht, nach der Clement eine „Gefahr für die staatliche Sicherheit“ Russlands ist. Das Einreiseverbot gegen die Französin hat eine Gültigkeit von zehn Jahren. Die französische Botschaft in Moskau bestätigte, dass Clement nach Frankreich zurückgekehrt ist.“

    Erklärung des FSB : “ man werde nicht zulassen, dass die westlichen Erfahrungen, wie man innenpolitische Konflikte ‚anheizt‘, nach Russland übertragen werden“.

    Die französische Soziologin wollte am Freitag im Moskauer Wosnesenski-Kultur-Institut einen Vortrag mit folgendem Titel halten: „Die russischen ‚Watniki‘ und die französischen ‚Gelbwesten‘: Der Versuch, Menschen zu verstehen, die sich zur sozialen Unterklasse zählen.“ Der Vortrag basierte auf soziologischen Feldstudien, unter anderem auf 227 Interviews, die Clement in Russland gemacht hatte. Am Freitag veröffentlichte die Novaya Gaseta auf ihrer Website die Thesen des Vortrags, der nicht gehalten werden konnte.

    Clement forschte und lehrte über zwanzig Jahre in Russland. Das erste Mal kam sie 1994 in das Land, um Material für eine Dissertation zu sammeln.
    Sieben Jahre war sie mit Oleg Schein, einem linken Aktivisten aus Astrachan verheiratet, der für die Partei Gerechtes Russland in der Duma sitzt. Dort hatte Schein im Juni letzten Jahres eine viel beachtete Rede gegen die Erhöhung des Rentenalters in gehalten.
    Auch der zweite Ehemann von Clement ist ein Russe. Er heißt Andrej Demidow und war einer der Vorsitzenden der unabhängigen Lehrergewerkschaft „Utschitel“. Mit ihrem zweiten Mann lebt Clement seit einem Jahr in Frankreich. Die beiden haben eine Tochter, welche die russische Staatsbürgerschaft hat. Die Soziologin erklärte, sie werde versuchen, das Einreiseverbot auf gerichtlichem Wege anzufechten.

    Was (manche) Russen – und speziell Franzosen – von „Führungsfiguren“ halten fasst der Ehemann von Clement wie folgt zusammen :
    „Eine „orangene Revolution“ führe nur dazu, dass – wie in der Ukraine – „eine Führungsfigur durch eine andere Führungsfigur ausgetauscht wird“. Soziale Erfolge seien nur möglich, wenn auch in der russischen Provinz – die im Gegensatz zum „bürgerlichen Moskau“ eher links gestimmt sei – Basis-Komitees aufgebaut würden.“

    Recht hat er .

    https://www.heise.de/tp/features/Franzoesische-Expertin-fuer-Gelbwesten-gilt-FSB-als-Gefahr-fuer-die-staatliche-Sicherheit-4599982.html

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