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Kevin De Bruyne hebt Belgien auf ein neues Niveau: „Ich habe meinen Job gemacht“

17.06.2021, Dänemark, Kopenhagen: Pierre-Emile Höjbjerg (l) und sein Teamkollege Christian Nörgaard von Dänemark in Aktion gegen Kevin De Bruyne (M) von Belgien. Foto: Dirk Waem/BELGA/dpa

Belgien hat sich neben Italien und den Niederlanden vorzeitig für das Achtelfinale der Fußball-EM qualifiziert. Beim 2:1-Sieg gegen Dänemark tat sich der WM-Dritte lange Zeit schwer. Doch ein Spieler machte am Ende den Unterschied: Kevin De Bruyne.

Vielleicht hat sich Pep Guardiola während des EM-Spiels zwischen Dänemark und Belgien gedacht: Was wäre wenn? Was wäre noch möglich gewesen, wenn sich Kevin De Bruyne beim verlorenen Champions-League-Endspiel gegen den FC Chelsea (0:1) nicht schon nach einer Stunde die Augenhöhle und das Nasenbein gebrochen hätte?

Denn welchen Einfluss der belgische Star des Guardiola-Clubs Manchester City in nur kurzer Zeit auf ein bedeutendes und emotional aufgeladenes Fußballspiel nehmen kann, zeigte er am Donnerstagabend im Parken-Stadion von Kopenhagen eindrucksvoll.

17.06.2021, Dänemark, Kopenhagen: Thorgan Hazard (l) von Belgien und sein Teamkollege Kevin De Bruyne feiern den Treffer zum 1:1. Foto: Dirk Waem/BELGA/dpa

Mit 0:1 lagen seine Belgier gegen die wie aufgedreht spielenden Dänen zurück, als De Bruyne zum ersten Mal seit seiner schweren Verletzung am 29. Mai wieder eingewechselt wurde. 25 Minuten später stand es dann 2:1 für die Nummer eins der FIFA-Weltrangliste – und Belgien schließlich vorzeitig im Achtelfinale.

Der 29-Jährige hatte das 1:1 durch Thorgan Hazard (55.) mit einem Querpass vorbereitet und das Siegtor in der 71. Minute selbst erzielt. Der frühere Wolfsburger hob sogar ein Klasseteam mit Spielern wie Romelu Lukaku (Inter Mailand) und Thibaut Courtois (Real Madrid) noch einmal auf ein anderes Niveau.

Doch so spektakulär seine Dynamik und seine Schusstechnik in solchen Spielen mitunter anzuschauen sind: Mit dem Fußballer de Bruyne hält der Redner De Bruyne einfach nicht mit. „Ich bin froh, dass ich meinen Job gemacht habe“, sagte er dem RTBF-Fernsehen lapidar.

Warum es erst seines Comebacks bedurft habe und warum die erste Halbzeit nach dem frühen Gegentor durch Yussuf Poulsen (2. Minute) so enttäuschend verlaufen sei, wurde er auch noch gefragt. De Bruynes Antwort: „Wir wussten, dass es ein schwieriges Spiel werden wird. Die dänischen Fans haben ihr Team sehr gut unterstützt. Aber in einem Turnier wie diesem hat man solche schwierigen Momente. Die Mannschaft hat darauf eine gute Antwort gegeben.“

Axel WItsel (l) im Proximus Basiscamp der Roten Teufel in Tubize. Foto: RBFA

Vor knapp drei Wochen hatten noch ganz andere Bilder des belgischen Stars Millionen Fußball-Fans in ganz Europa gerührt. Während des Champions-League-Finales musste De Bruyne nach einem Foul des deutschen Nationalspielers Antonio Rüdiger ausgewechselt werden. Zunächst setzte er sich noch verzweifelt auf die Tribüne am Spielfeldrand. Doch dann wurden die Schmerzen im Gesicht zu groß.

Diese Europameisterschaft bietet ihm nicht einmal einen Monat später eine neue Chance auf einen bedeutenden Erfolg. Spätestens seit ihrem dritten Platz bei der Weltmeisterschaft 2018 traut man den Belgiern den kontinentalen Titel zu. Dänemarks Trainer Kasper Hjulmand bezeichnete sie am Donnerstagabend sogar als „beste Mannschaft der Welt“. Er nutzte dieses Lob aber auch, um die Leistung der eigenen, von dem Zusammenbruch ihres besten Spielers Christian Eriksen noch immer gezeichneten Mannschaft aufzuwerten.

Denn was die belgische Mannschaft von der französischen, spanischen oder englischen unterscheidet, machte ihr Trainer Roberto Martinez in den beiden Tagen in Kopenhagen noch einmal deutlich. „Belgien hat nur 11 Millionen Einwohner“, sagte der Spanier. „Wir können uns nicht erlauben, auch nur ein Talent zu verlieren. Wir müssen bei uns eine Atmosphäre wie in einem Clubteam schaffen.“

17.06.2021, Dänemark, Kopenhagen: Belgiens Trainer Roberto Martinez gestikuliert an der Seitenlinie. Foto: Wolfgang Rattay/AP/dpa

Das bedeutet: Während seine Kollegen in Frankreich oder Spanien vor der Benennung ihres EM-Kaders die Auswahl zwischen 40 bis 50 Topspielern haben, hat Martinez neben Stars wie Lukaku oder De Bruyne auch immer noch Veteranen wie den 35-jährigen Thomas Vermaelen dabei, der seine Karriere seit 2019 in Japan ausklingen lässt. Sollte Belgien also tatsächlich Europameister werden wollen, darf sich kein prominenter Spieler mehr verletzen oder eine Schwächephase erlauben.

Genauso wichtig wie der Sieg war es für den Trainer deshalb auch, dass mit De Bruyne und Axel Witsel gleich zwei Führungsspieler nach ihren Verletzungspausen wieder zurückkehrten. Der Dortmunder Witsel fiel nach einem Achillessehnenriss im Januar sogar fünf Monate aus. „Meine Mannschaft hat eine starke Persönlichkeit“, sagte Martinez. „Axel Witsel und Kevin De Bruyne sind sehr gute Beispiele dafür.“ (dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

7 Antworten auf “Kevin De Bruyne hebt Belgien auf ein neues Niveau: „Ich habe meinen Job gemacht“”

  1. freizeit

    1.halbzeit grausig- 2- weltklasse( zum teil) : das größere rätsel bleibt unbeantwortet. warum -warum Boyata raus und der sehr unsichere Denayer rein.? so ein katastrophaler fehler in den ersten minuten verunsichert jede mannschaft, Denayer das ganze spiel. ja herr Martinez so ganz unschuldig sind sie für die erste halbzeit auch nicht. aber die hoffnung auf das große ziel ist weiter gestiegen.

  2. Beobachter

    Dieser sympathische Kevin de Bruyne ist einfach Weltklasse. Hätte ihm den Sieg im diesjährigen CL-Finale gegönnt.
    Lukaku hat diesmal im gesamten Spiel fast nichts gebracht, wohl die entscheidende Vorbereitung des ersten, wichtigen Tors.

    • Objektivitäts-Mangel?

      @ Beobachter und @ freizeit, Sie zwei machen Eure Namen keine grosse Ehre! Entweder beobachtet Ihr das falsche Spiel, oder ward Zuviel in der Sonne bei der Freizeit?
      Wenn Kritik dann Objektive und Reale, sonst spielt selber mit.
      Lukaku, was bekam der für Bälle in 1/2 Zeit 1?
      Wer hat die beiden Tore massgeblich vorbereitet?
      Wer ist „Homme du Match“ geworden, Herr Beobachter? (Ihre etwas komische Schreibweise ist irritierend!)

      Denayer spielte, weil er vorher immer ein gutes Spiel in Kopenhagen ablieferte, deswegen nahm ihn Martinez rein.
      Ich habe wohl keinen Martinez spielen sehen in der ersten Hälfte!? Sie etwa, Freizeit?
      Im weiteren Spielverlauf hat Denayer keinen grösseren Fehler mehr gemacht.

      • Fred vom Jupiter

        Guter Kommentar „Objektivitäts-Mangel?“
        Habe mir das Spiel gerade nochmal angeguckt. Würde ich allen Nörgelern empfehlen. Mit dem Ergebnis im Hinterkopf schaut es sich entspannter und objektiver.
        Wie bereits mehrfach geschrieben, ziehe ich Denayer Boyata vor. Ja, sein Fehlpass kacke und gaaanz vielleicht Auslöser für das Debakel in der ersten Halbzeit. Abr nur vielleicht. Die komplette Mannschaft stand neben sich. Das fällt der Abwehr dann auf die Füsse.
        Boyata hat ein gutes Spiel gegen harmlose Russen abgeliefert und war bei der WM ein nicht fehlerfreier aber ein guer Rückhalt. Bei dem kollektiven Versagen gegen die Dänen hätte auch er, in der ersten Halbzeit nicht besser ausgesehen.
        Ein Weckuf zur rechten Zeit!
        Lukaku eine Bank – wie immer.

  3. Leider ist Belgien ohne De Bruyne, Hasard und Witsel nur ein zahnloser Tiger. Nicht ein einziger unserer jungen Spieler ist in der Lage, in deren Fußstapfen zu treten. Das, was sie in der ersten Halbzeit boten, ist eine Frechheit. Die Mannschaft hatte das Niveau von Andorra oder Gibraltar. Ich glaube, der Trainer ist nicht in der Lage, den Spielern hier und da einen kräftigen A…tritt zu verpassen.

  4. Standpunkt

    Ich fand den Trainer sehr gut….er wechselte zur rechten Zeit richtig ein….nach dm desolaten Spiel in der 1. Halbzeit die richtigen Entscheidungen und Motivation zu treffen ist genial. Auch ließ er Lukaku mehr rechts spielen ….Lukaku ließ seinem neuen Gegenspieler blass aussehen und leitete beide Tore ein.
    Nach einem Jahr vor solch einem Publikum und mit der emotionalen Atmosphäre waren unsere schockiert und gelähmt und hatten die Dänen auch nicht mit diesem Druck erwartet (was sie auch ansonsten nicht machen). Ganz von der Roller war Denayer ,ausser der 2. Minute, nicht . Ich fand Veertonghen, Dendocker, Mertens und Tielemans sehr schwach.
    Panda46 vergiss Lukaku und Courtois nicht. Das solche Weltklassespieler nicht 1 zu 1 zu ersetzen sind ist doch wohl klar.
    Ich bin stolz so viele Weltklassespieler in dieser Mannschaft zu haben für unser kleines Land. Aber bitte die anderen nicht so zu deklassieren …denn sie haben auch schon ihre Fähigkeiten gezeigt und man soll bedenken das unter diesen Umständen nicht jeder fähig ist die Leistung abzurufen…es sind Menschen

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