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Das Deutsch der Ostbelgier, 2. Teil: „Flatten, Bob und Nonnenfürzchen“ als Fortsetzung von „Mostert, Bics und Beinchen stellen“

Franz-Josef Heinen, einer der beiden Autoren, im Februar 2014, als er und Edie Kremer mit dem PDG-Preis ausgezeichnet wurden. Foto: OD

Am Mittwoch haben in Eupen die beiden Autoren Franz-Josef Heinen und Edie Kremer ein zweites Buch über die Alltagssprache der Ostbelgier vorgestellt. Für den ersten Band waren sie im Februar 2014 mit dem Preis des DG-Parlaments ausgezeichnet worden.

„Flatten, Bob und Nonnenfürzchen“ lautet der Titel des zweiten Bandes, der das erste Buch „Mostert, Bics und Beinchen stellen“ ergänzt.

Insgesamt haben Heinen und Kremer mittlerweile rund 2.500 Begriffe gesammelt, die das ostbelgische Deutsch ausmachen. Von „ahdig“ bis „zoppen“ sei in dem Buch alles vertreten, was das ostbelgische Deutsch ausmache, hieß es.

„Flatten, Bob und Nonnenfürzchen“ ist im Grenz-Echo Verlag (GEV) erschienen und kostet 19,80 Euro.

20 Antworten auf “Das Deutsch der Ostbelgier, 2. Teil: „Flatten, Bob und Nonnenfürzchen“ als Fortsetzung von „Mostert, Bics und Beinchen stellen“”

  1. Münsteraner

    Zu den Werken der Autoren kann ich (noch) nichts sagen, da ich sie nicht gelesen habe. Ich war aber schon immer skeptisch, wenn von „ostbelgischem Deutsch“ die Rede war und habe noch nicht einen einzigen Artikel hierüber gelesen, den es sich zu lesen gelohnt hätte. Der Kurztext von Frau Kelleter (auf der BRF-Seite) hält selbst einer oberflächlichen Schnell-Prüfung nicht stand. Mit „Fritten“ und „Kabuff“ werden nicht nur in Deutschland verstehbare Begriffe erwähnt, sondern auch welche, die im Duden Einlass gefunden haben. Wenn ich im Audiobeitrag (des BRF) richtig verstanden habe, wird das Wort „artlich“ (Frau Kelleter und vielleicht auch die Autoren schreiben wohl „ahdig“ – oder irre ich mich hier?) als süd-ostbelgisches Wort präsentiert, dessen Sinngehalt dem Eupener verschlossen bleibt. Wenn ich also richtig hingehört habe und „artlich“ gemeint war, mag es zwar sein, dass dem Eupener dieser Begriff gänzlich fremd ist, nicht aber der deutschen Sprache allgemein. Zwar müssen wir (sprach)geschichtlich etwas zurück, aber dann finden wir es in der Bedeutung von „artig“ wieder, z.B. bei Melanchton (eigentlich Philipp Schwartzerdt – deutscher Reformator, gebürtig aus der Nähe von Karlsruhe). Und noch ein Fehlgriff im Text: „zoppen“ ist auch „ostbelgisch“, wird darüber hinaus aber im gesamten Rheinland begriffen, und wahrscheinlich auch noch darüber hinaus. Schön, dass mit „Bic“ und „Farde“ etwas überbleibt, das „Deutsche“ dann in der Tat „überfordern“ dürfte. Die Gegenüberstellung von „deutsch“ und „ostbelgisch“ ist ganz einfach dummes Zeug. Wie die Autoren im Audiobeitrag richtig differenzieren, vereint „ostbelgisch“ vielmehr Varianten des Ripuarischen (in Nord- und Südostbelgien gesprochen), des Nieder- (Eupener Land) und des Moselfränkischen (Eifel) – und all das gibt es auch in Deutschland. Ein guter Werbetext (oder sollte dieser keiner sein?) sieht anders aus.

    Kurz: Sicherlich gibt es Begriffe, die in Ostbelgien Verwendung finden und möglicherweise nirgends in Deutschland verstanden würden. So gibt es auch Begriffe in und aus jeder deutschen Region, die auch wiederum in anderen deutschen Regionen unverständlich bleiben. Diese Prämisse lässt die hier so gern bemühte Gegenüberstellung von „deutsch“ und „ostbelgisch“ ins Peinliche abgleiten, so dass die (wenn auch zaghaft) hieraus abgeleitete Conclusio, „ostbelgisch“ sei gar manchmal eine eigene Sprache, als Höhepunkt dieser Peinlichkeit gelten kann.

    • Böse Zunge

      Ich habe mich weder mit den Büchern noch deren Rezesionen befasst.
      Ich glaube aber, den Herren ging es nicht darum die Einzigartigkeit herauszustellen, sondern eher die regionale Färbung der Sprache festzuhalten.
      Das ist, wie Sie richtig erkannt haben, nichts Besonderes.
      Soll wohl zum Schmunzeln anregen.
      Sie sollten das vielleicht auch nicht so bierernst nehmen.

    • H. Jates

      Hallo nach dem Münsterland!
      Nöme net obräje! Bitte nicht aufregen!
      Ihre wahre Moralpredigt in Ehren, jedoch hier bemühen sich keine Schriftsteller „à la Böll-Karasek-Lenz“, sondern ganz einfach nur ein „Mottes“, der Herr Heinen, und ein „Schmauwbär“, der Herr Kremer, um den Erhalt unseres Kulturguts und Sprache, dat Ostbeljech Platt! Sie tun dies in ihrer Art- Sie don dat on hir Art. Und diese ist eher dem Rheinischen Humor als dem Münsteraner Westfälischen Sprachgebrauch angenähert.
      Eben, manchmal forsch, gerade raus, aber auch lustig gut gemeint! So wie der Charakter des Ost-Belgiers!
      Dökker forsch, riet erus, äfer och artlech, löstech on jot jemängt! E su wee de Charakter van em Ost-Beljer!
      En schung Adventszegt an Öch! Schöne Adventszeit an Sie!

  2. Bic ist ein Markenname und auch in Deutschland weit verbreitet als Begriff für ein Produkt. Die „Farde“ habe ich, der ich 40 Jahre lang Bürdobedarf verkauft habe, aber auch erst hier kennengelernt. Man kann natürlich ein solches Buch belächeln, sich darüber lustig machen oder gar aufregen, dennoch hat es seine Existenzberechtigung. Viele Begriffe aus dem „Volkswortschatz“ gehen für immer verloren wenn sie nicht niedergeschrieben und überliefert werden. Nicht ohne Grund werden „Mundart-Veranstaltungen“ und „-Lesungen“ abgehalten. Besucher sind aber überwiegend „ältere Semester“ die auch noch Mundart sprechen. So aber stirbt die Mundart langsam aus.

    • „„ältere Semester“ die auch noch Mundart sprechen. So aber stirbt die Mundart langsam aus.“

      Da möchte ich Ihnen doch widersprechen, EdiG. In den meisten Eifeler Dörfern ( Ausnahmen gibt es), sprechen viele Eltern (selbst die noch jüngere Generation), plattdeutsch mit ihren Kindern.
      Das ist auch gut so. Zwar sind einige Eltern, zu Unrecht wie ich meine, der Ansicht, dass Plattdeutsch sprechen mit ihren Kindern, dem Erlernen der deutschen Sprache abträglich wäre; das Gegenteil ist aber der Fall.Das erkenne ich daran, dass beispielsweise alle Germanisten aus der Eifel, die ich persönlich kenne, zeitlebens plattdeutsch gesprochen haben und noch immer sprechen.

  3. Josef Stoffels

    In den 80er Jahren wurden allen ostbelgischen Lehrern, Broschüren mit Auflistungen regional bedingter, umgangssprachlicher Abweichungen von der deutschen Hochsprache in die Hand gedrückt. Diese Broschüren, die von den damals noch in DG-Diensten tätigen, freigestellten Lehrern F.-J. Heinen und E. Kremer erstellt wurden, verfolgten ausdrücklich das Ziel, diese umgangssprachlichen Fehler und Unarten – zumindest bei den Lehrern – zu vermeiden. Anders gesagt: Unsere Lehrer, und im besten Falle auch unsere Schüler (denn die Broschüren wurden von den Deutschlehrern dankbar als Grundlagen für Stilübungen herangezogen) sollten lernen, besseres Hochdeutsch zu sprechen.
    Dass diese umgangssprachlichen ‚Abweichungen‘ inzwischen Kultstatus genießen, mit denen man kokettiert, und die Broschüren zu Büchern geworden sind, die sogar mit offiziellen Preisen bedacht werden, finde ich zum einen ganz lustig, zum anderen aber auch bedenklich. Unsere politisch gewollte und geförderte DG-Nabelschau (siehe auch unser regionales Geschichtszentrum!) treibt schon seltsame Blüten. Dürfen wir uns tatsächlich erdreisten, für uns in Anspruch nehmen, eine eigene, ostbelgische Variante der deutschen Hochsprache zu sprechen? Mitnichten. Und wenn dann einer daherkommt (vor allem auch noch ein Deutscher!), der uns einfach nur sagt, dass wir auch in dieser Beziehung nichts Besonderes darstellen, sitzt halb Ostbelgien auf dem Sofa und nimmt übel.
    Wer den Alsdorfer Kabarettisten Jürgen B. Hausmann einmal erlebt hat, weiß, dass es um unsere DG-Eigenständigkeit und -Eigentümlichkeit in sprachlicher Hinsicht nicht weit her ist. Wer ein wenig nachforscht, findet viele unserer ‚Besonderheiten‘ auch anderswo: Dem „Kamion“ bin ich z.B. schon beim Österreicher Franz Werfel (1890-1945) begegnet.
    Also bitte: Etwas mehr Gelassenheit, Ehrlichkeit und … Bescheidenheit!

    • Werter Herr Stoffels,
      warum Bescheidenheit? Den Irrsinn Dialekte abzuwürgen gab es in den 50ern überall, das ist keine „Eigenheit“ der DG macht ihn aber auch nicht besser. Auch wenn ich, als Mitbürger mit Migrationshintergrund, gelegentlich meine Schwierigkeiten habe dem gesprochenen Wort zu folgen hat der Dialekt eine enorme Bedeutung bei der Identifikation mit der Region. Im übrigen gibt es zwar eine deutsche Schriftsprache aber keine „Hochsprache“ Selbst das Idiom der Hannoveraner, das so gerne als „Hochdeutsch“ dargestellt wird ist letztenendes nur ein Dialekt. Das deutsche Bundesland Baden-Württemberg wirbt europaweit um Investoren mit dem Slogan:“Mir könnet alles, ausser Hochdeutsch.“

      • Josef Stoffels

        Sie verwechseln Dialekt und Umgangssprache! Unser Dialekt, das sog. Plattdeutsche, ist mir hoch und heilig, und neben dem Bütgenbacher Platt liegt mir auch der Dialekt des Ortes, wo ich jetzt seit 33 Jahren wohne, das „Reeter Platt“ sehr am Herzen. Auch unsere Eifeler bzw. Eupener Umgangssprache hat ihren Charme, stößt aber auch an Grenzen, sobald sie uns daran hindert, richtiges Hochdeutsch zu sprechen und zu schreiben. Wer mit dem Slogan “Mir könnet alles, ausser Hochdeutsch.“ wirbt, kann garantiert Hochdeutsch, d.h. er beherrscht die Schriftsprache, die er natürlich sowohl im Schriftverkehr als auch bei Verhandlungen auf hohem Niveau anwendet.
        Eine Bekannte von mir, ihres Zeichens Primarschullehrerin, wollte ihren Sohn, der immerhin ein Ingenieurstudium absolviert hat, dazu anhalten, besseres Deutsch zu sprechen, indem sie ihm mit gutem Beispiel voranging. Die lapidare Antwort des Sohnes: „Aber Mama, sprech doch mal rischtisch.“

        • H. JATES

          Beschour, Herr Stoffels, ech versöcken als Ämeler Üch joden Dar ze sahn ob Reeter Platt! Ech kann et secher net e su jot wee Dir.
          Lott dä Männ doch hüre Pläseer. Dee see jeprächt van Dötscher Jröndlechkeet.
          Mir halen oss an oss Eefler Platt, e jal wat könt, on wan et al Frauwe ränt! Mir lossen oss dat net hollen!
          Jodde Nat, on e schungen Advent,
          dat sät Öch nen Ämeler Fänt.

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