Standpunkt

CSP lernt weder aus Siegen noch aus Niederlagen

Gut eine Woche nach den Gemeinderatswahlen und den Niederlagen in Eupen, Kelmis und Raeren haben bei der CSP die Aufräumarbeiten noch nicht wirklich begonnen. Die Partei steht noch unter Schock. Ein nach der Vertrauensfrage von Parteipräsident Luc Frank verbreitetes Kommuniqué, in dem das eigentliche Ausmaß der Wahlniederlagen nur verniedlicht und vernebelt wurde, lässt nichts Gutes erwarten. Wie immer in ihrer langen Geschichte, scheinen die Christlich-Sozialen auch aus den Schlappen vom 14. Oktober nicht lernen zu wollen.

Seit jeher hat sich die CSP damit schwer getan, aus Wahlen die richtigen Lehren zu ziehen – egal, ob nach einem Sieg oder einer Niederlage.

Vor sechs Jahren waren die CSP und Bürgermeister Elmar Keutgen in Eupen die großen Wahlsieger. Doch anstatt vorzusorgen und sich mit einem starken Partner zu verbünden, um die anstehenden Ziele – wie die Umsetzung des ehrgeizigen Stadtentwicklungskonzepts – bewältigen zu können und um auch bei der Stadtratswahl von 2012 nicht alleine da zu stehen, beließ es die Partei bei der Koalition mit der PDB, die sich jedoch bereits in einem komatösen Zustand befand. Das sollte sich sechs Jahre später rächen.

Das Debakel von 1970 in Eupen

Aus Niederlagen hat die CSP auch nicht gelernt. Das Debakel von 1970 in Eupen, das noch viel schlimmer war als das von heute, wurde nie richtig aufgearbeitet. Die Rückkehr in die Mehrheit sechs Jahre später hatten die Eupener Christlich-Sozialen größtenteils der PFF und Fred Evers zu verdanken. Ohne die Mithilfe des Shootingstars der Liberalen, der zwei Jahre zuvor fast schon rein zufällig Kammerabgeordneter geworden war, wäre es niemals gelungen, zusammen mit den Sozialisten von August Pitsch die „Stadtinteressen“ von Reiner Pankert mit einer hauchdünnen Mehrheit von 13:12 in die Opposition zu verbannen.

Gelernt hatte die CSP aus der Pleite von 1970 trotzdem nicht. Ich sehe noch Kurt Ortmann am Wahlabend im Jünglingshaus, auf einem Stuhl stehend, in die Anhängerschar rufen: „Endlich haben wir mit den Stadtinteressen aufgeräumt!“ Der Saal tobte, aber aus den Geschehnissen gelernt hat niemand etwas.

Der Mehrheitsverlust 1999 auf DG-Ebene

Ein ähnliches Szenario hat man auf Gemeinschaftsebene erlebt. Nach den Wahlen von 1999 und dem Verlust der Mehrheit an SP, PFF und Ecolo hat die CSP nie richtig gelernt. Vielmehr hat sie sich ein Jahr später durch den gelungenen Mehrheitswechsel in Eupen, wo Evers nach 24 Jahren als Bürgermeister abgewählt wurde, blenden lassen. Richtig aufgeräumt wurde in der CSP nicht.

2009 hätte die CSP in die Mehrheit zurückkehren können, doch drückte sich ihr damaliger Parteipräsident Mathieu Grosch vor der Verantwortung und zog es vor, sein eigenes Mandat als EU-Abgeordneter für weitere fünf Jahre abzusichern. Man weiß zwar nicht, wie die PDG-Wahl von 2009 mit dem Kelmiser Bürgermeister als Spitzenkandidaten ausgegangen wäre, aber die Siegeschancen wären für die Christlich-Sozialen mit Sicherheit größer gewesen.

2014 droht eine weitere Niederlage

Jetzt steht die CSP erneut in der Pflicht, ihr Haus, das noch brüchiger geworden ist, wieder zu festigen, wenn sie verhindern will, dass es komplett einstürzt. Sollte sie auch diesmal die Aufräumarbeiten wieder nur halbherzig durchführen, droht ihr bei der PDG-Wahl von 2014 ein weiteres Debakel. Und das wäre – wie für die PDB der Absturz 2006 in Eupen – definitiv der Anfang vom Ende.

GERARD CREMER

 

11 Antworten auf “CSP lernt weder aus Siegen noch aus Niederlagen”

  1. Querdenkermangel

    Ganz im Sinne der Nachdenkermentalität wäre es gewesen, die OD-User darüber in Kenntnis zu setzen, dass einer der Hauptverantwortlichen für die CSP-Schlappe Spitzenkandidat Henri „Heinrich“ Cremer war. Richtig, der Vater des OD-Herausgebers! Aber wie gesagt, Anonymität ist auch ein Stück Freiheit

  2. Zar Kasmus

    Ich dachte schon, ich wäre der Einzige, der über die Berichterstattung bei OD meist empört ist. Von Nachdenken und Nachhaken sehe ich sehr wenig, aus Facebookeinträgen werden Artikel gebastelt und interessant ist einiges nicht. Aber wer hatte denn ernsthaftes Querdenkertum erwartet.

  3. R.A. Punzel

    @Gielen Robert: Welchen Begriff habt ihr denn eigentlich von der Feigheit? Wenn das Vermeiden unnützer Gefahr Feigheit heißt, dann gibt es wohl keinen Mutigen auf der Welt. (Claude Tillier). Noch ist es nicht an der Tagesordnung: Lieber ein Feigling als ein Leichnam. Bzw: Was auf den ersten Blick wie Feigheit aussieht, ist möglicherweise Klugheit.

  4. Dieter Mengels

    Feigheit, veraltet auch als Feigherzigkeit oder Memmenhaftigkeit bezeichnet, ist zunächst die vorwerfbare (kritisch gesehene) Neigung, sein Handeln durch Angst oder Furcht bestimmen zu lassen. Sie wird als seelischer Zustand beschrieben, in dem sich jemand aus Furcht vor einer Gefahr, einem Verlust, Schmerz oder Tod nicht stellt und aus der Sicht Dritter als ehrlos erweist.(Wikipedia) Ich sehe hier Anonymität = Feigheit . Jemand der etwas verbreitet und das Kind nicht beim Namen nennt hat Angst vor den Folgen die auf ihn zu kommen könnten. Aber wo wird mehr gelogen, integriert und verleugnet als in der Politik.. ich bin klar gegen jede Art von Anonymität, der jenige der etwas zu sagen hat sollte das offen und in seinem Namen tun. Alles andere ist Unglaubwürdig und dient nur dazu anderen zu schaden. Aber trotzdem haben Söhne nichts mit dem Handeln ihrer Väter zu tun. Man sollte bitte jeden Menschen selbst und nicht nach seinen Vorfahren oder Nachkommen beurteilen.

  5. Dieter Mengels

    Hatte ich vergessen: daher sollte jeder der hier einen Kommentar abgibt dies in seinem Namen tun und sich nicht hinter irgendwelchen Nutzernamen verbergen. Das ist auch Anonym…………………. und jemand der Freiheit aus Anonymität bezieht ist nicht wirklich frei der er ja Angst vor Konsequenzen hat. Da aber die meistens Leute so sind fonktioniert auch nichts mehr. Früher ging man zusammen auf die Strasse und kämpfte.

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