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Auch 1986 in Mexiko hatte Belgien einen Fehlstart – und beendete die WM sensationell auf dem 4. Platz

03.06.1986, Mexiko City: Die Mannschaft der Roten Teufel, die bei der WM 1986 im ersten Spiel gegen Gastgeber Mexiko im Aztekenstadion maßlos enttäuschte, am Ende aber sensationell WM-Vierter wurde. Stehend (v.l.n.r): Hugo Broos, Jan Ceulemans, Erwin Vandenbergh, Franky Van Der Elst, René Vandereycken und Jean-Marie Pfaff. Knieend (v.l.n.r): Michel De Wolf, Philippe Desmet, Eric Gerets, Franky Vercauteren und Enzo Scifo. Foto: Michel Barrault / Onze / Icon Sport / Belga

Nach zwei Unentschieden gegen Ägypten und Iran steht die belgische Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada mit dem Rücken zur Wand. Die Fans der Roten Teufel machen ihrem Unmut Luft. In Wirklichkeit ist noch nichts entschieden. Gut möglich, dass sich nach dem dritten Spiel gegen Neuseeland alles zum Guten wendet. Es wäre nicht das erste Mal.

Bei der WM 1986 in Mexiko boten die von Guy Thys trainierten Belgier im ersten Spiel gegen Gastgeber Mexiko im ausverkauften Azteken-Stadion eine ähnlich schlechte Leistung wie jetzt gegen die Ägypter und Iraner.

Belgien verlor die erste Partie im Aztekenstadion nach einer erschreckend schwachen Vorstellung 1:2. Nach einem knappen Sieg gegen den Irak und einem 2:2 gegen Paraguay qualifizierten sich Jan Ceulemans,Enzo Scifo & Co. Nur als Gruppendritter (!) für das Achtelfinale.

15.06.1986, Mexiko, Leon: Iwan Jaremtschuk (2.v.l) von der UdSSR und Jan Ceulemans (r) von Belgien kämpfen um den Ball. Max Colin / Onze / Icon Sport / belga

Nach dem schwachen Start, der von massiver Pressekritik begleitet wurde, griff Trainer Thys durch: Altstars wie René Vandereycken und Erwin Vandenbergh wurden aussortiert, dafür bekamen junge Spieler wie Stéphane Demol, Patrick Vervoort, Dany Veyt oder Nico Claesen eine Chance, die sie auch nutzten.

Gegner im WM-Aochtelfinale in Leon war die in der Vorrunde stark auftretende Mannschaft der UdSSR. Kaum jemand gab Belgien eine Chance. Die Roten Teufel brauchten gegen die Sowjetunion ein kleines Fußballwunder – und es wurde eines: Belgien gewann in einem packenden Achtelfinale 4:3 n.V.

In der Anfangsphase waren die Sowjets die aktivere Mannschaft und gingen nach 27 Minuten durch Igor Belanow verdient mit 1:0 in Führung. Etwas anderes hatte man auch nicht erwartet.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit wäre die überwiegend aus Spielern von Dinamo Kiew bestehende Mannschaft der UdSSR beinahe mit 2:0 in Führung gegangen.

15.06.1986, Mexiko, Leon: Die belgische Mannschaft, die bei der Fußball-WM 1986 im Achtelfinale durch einen Sieg gegen die UdSSR für eine Sensation sorgte. Stehend v.l.n.r: Jan Ceulemans, Jean-Marie Pfaff, Patrick Vervoort, Georges Grun, Stéphane Demol und Nico Claesen. Knieend v.l.n.r: Eric Gerets, Dany Veyt, Enzo Scifo, Michel Renquin und Franky Vercauteren. Foto: Max Colin / Onze / Icon Sport / belga

In der 56. Minute jedoch gelang den Belgiern entgegen dem bisherigen Spielverlauf der Ausgleich. Kapitän Anatolij Demjanenko verschätzte sich bei einer Halbfeldflanke von Franky Vercauteren, wodurch Enzo Scifo den Ball kurz vor dem Tor annehmen und ihn vorbei an Schlussmann Rinat Dassajew zum 1:1 schlenzen konnte.

Die Sowjets zeigten sich allerdings nur kurz beeindruckt und blieben die taktgebende Mannschaft. Dieser Aufwand wurde in der 70. Minute belohnt, als nach einem Ballgewinn in der gegnerischen Hälfte gegen die sich im Spielaufbau befindlichen Belgier Alexander Sawarow den freistehenden Belanow in Szene setzte, 2:1.

Den Belgiern gelang dann in der 77. Minute wider Erwarten der erneute Ausgleich. Stéphane Demol schlug einen hohen 50-Meter-Pass von der Mittellinie direkt ins Zentrum der sowjetischen Defensive. Aufgrund einer fehlgeschlagenen Abseitsfalle fand sich Jan Ceulemans allein gelassen an der Strafraumgrenze wieder, konnte den Ball ohne Schwierigkeiten mit der Brust annehmen und ihn aus elf Metern im langen Eck versenken, 2:2.

Die Sowjets blieben auch zu Beginn der Verlängerung das dominierende Team, während die Belgier durch gelegentliche Konter für Entlastung sorgten. Aus solch einem Konter entstand ein kurz ausgeführter Eckball in der 102. Minute. Eric Gerets fand den am langen Pfosten den sich lösenden Demol, der freistehend den Ball entgegen der Laufrichtung des Torwarts nur einzuköpfen brauchte, 2:3.

22.06.1986, Mexiko, Puebla: Vor genau 38 Jahren verwandelt der Belgier Leo Van der Elst (im Hintergrund) bei der WM 1986 in Mexiko im Viertelfinale den entscheidenden Elfmeter gegen Spanien. Torhüter Andoni Zubizarreta hat keine Chance. Foto: RODOLFO DEL PERCIO / AFP / Belga

Die UdSSR baute nun körperlich und mental ab. Die Vorentscheidung fiel in der 110. Minute, als in Folge eines Eckballs die Sowjetunion die Situation nicht klären konnte und Nico Claesen aus 12 Metern zum Abschluss kam, 2:4. Eine Minute später keimte bei der UdSSR noch einmal Hoffnung auf, als Belanow im Strafraum zum Kopfball hochstieg und niedergerissen wurde. Der Gefoulte trat selbst an und traf zum 3:4. Die Belgier mussten noch einmal zittern, es blieb jedoch bei diesem sensationellen 4:3-Sieg der Roten Teufel.

Im Viertelfinale wurde es noch dramatischer. Belgien gewann im Elfmeterschießen. Den entscheidenden Elfmeter verwandelte Leo Van der Elst. Das war am 22. Juni 1986 – gestern vor 40 Jahren!

Im Halbfinale unterlagen die Belgier den Argentiniern von Diego Maradona 0:2. Im Spiel um Platz 3 zogen die Roten Teufel gegen Frankreich mit 3:4 nach Verlängerung den Kürzeren, wurden aber WM-Vierter. Das sollte bis zum dritten Platz bei der WM 2018 in Russland der größte Erfolg der belgischen Nationalmannschaft sein, der bei ihrer Rückkehr aus Mexiko in Brüssel ein triumphaler Empfang bereitet wurde. (cre)

18 Antworten auf “Auch 1986 in Mexiko hatte Belgien einen Fehlstart – und beendete die WM sensationell auf dem 4. Platz”

  1. Rundes Leder

    Unser Trainer machte nicht alles Gut und Richtig, daher ziemliche Kritiken aus der Presse und den Medien! Es kann nur noch besser werden! Daher Mund abwischen und ein paar Gänge Hoch schalten!
    Die Spieler könnten es, bei richtiger Einstellung der Nominierten! So würde ich u a den Meunier auf die Bank lassen, mit all seinen Rück- und Querpässen! Go Devils!

  2. zahnloser Tiger

    Alles schimpft und regt sich über Lukaku auf. Und De Cuyper?!?!
    Hier mal eine andere These!
    Hätte er seine Chancen genutzt (oder nur eine davon), wäre die Sache gelaufen gewesen.
    Er wäre sogar zu diesem Zeitpunkt Torschützenkönig gewesen.
    Lukaku an seiner Stelle hätte die Dinger mit Druck rein gemacht. Die „Kullerbälle“ von De Cuyper waren leichte Beute für den Iranischen Torhüter

  3. Ich kann es nicht mehr hören goldene Generation ewiger Favorit, diese Begriffe sind von den Medien rein geworfen. Wir sind nür ein kleines Land ,wann ost nach Uruguay nochmal ein kleines Land Weltmeister geworden? Wir sind im Umbruch und müssen vielleicht das nachste größe Turnier aussetzen aber wir haben so viele Talente in der Hinterhand unser U17 har grade eine super EM gespielt, mit uns wird auf jeden fall wieder zu rechnen sein auch ohne Titel

    • ne Hondsjong

      Uruguay hat sogar Sterne für ihre Olympiasiege auf dem Trikot, Belgien hat das nicht nötig obwohl wir 1920 auch Olympiasieger waren.
      Die Deutschen mögen gerne mit Ihre Titel angeben, das sieht man ja auch an den ganzen Doktoren, Ingenieuren, Professoren etc. die da so rumlaufen !

      • Peter Müller

        Ja Hondsjong. Einen Stern muss man sich verdienen, so ist das im Leben.
        Bei uns konnteste alles auf de Kirmes gewinnen . Ob Führerschein, Selbständiger Steuerberater Unternehmer. Man ging zum Gemeindehaus, dass es noch in jedem Dorf gab, und bekam eine Steuernummer, und schon konnte man alles machen, was man wollte. Bis uns ein Stern auf gegangen ist. Bis vor einiger Zeit brauchte man auch nur einen Rechen als Gârtner eine Schaufel als Estrichleger oder Pflasterer um sich Selbstständig zu machen.. Mein Freund, auch ein Belgier hat in Aachen seinen Doppelmaster als Ingenieur gemacht. Als er sich hier in Belgien selbständig machen wollte, wurde das Diplom bei uns nicht anerkannt !. Soviel zu den Sternen.

    • ne Hondsjong

      Wir brauchen keine Sterne, wir sind schon zufrieden wenn wir alle paar Jahre die Mannschaft aus dem Stadion schießen.
      Bei deinen Kommentaren muss ich an das Lied der Ärzte „Schrei nach Liebe“ denken.

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