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Gigantische Marienstatue in Polen – Größer als die Christus-Figur in Rio – Kitsch, Kunst oder Religion?

07.08.2026, Polen, Konotopie: Eine riesige Marienstatue mit dem Namen "Pomnik Matki Boskiej" steht im polnischen Dorf Konotopie. Das mehr als 55 Meter hohe Bauwerk soll am 15. August von einem Bischof eingeweiht werden. Foto: Doris Heimann/dpa

Am 15. August ist in Belgien der gesetzliche Feiertag Mariä Himmelfahrt. Es ist ein religiöses Fest und zelebriert den Tag, an dem nach katholischer Tradition und Doktrin die Jungfrau Maria körperlich in den Himmel kam. An dem Tag wird in einem Dorf in Polen eine gigantische Marienfigur eingeweiht. Gestiftet hat sie einer der reichsten Männer des Landes. Ist das nun Kitsch, Kunst oder Religion?

Das Dorf Konotopie in Polen ist so klein, dass seine Straßen nicht einmal Namen haben. Ein Nest mit 120 Einwohnern, drei Stunden westlich von Warschau. Doch was hier in den Himmel ragt, ist gigantisch: Eine riesige Marienfigur erhebt sich zwischen Weizen- und Gerstenfeldern.

Das neue Bauwerk hat eine Gesamthöhe von mehr als 55 Metern. Die Statue selbst ist 40,6 Meter hoch. Ihr Sockel in Form einer Krone misst 15 Meter Höhe. Zum Vergleich: Die berühmte Christus-Statue von Rio de Janeiro bringt es mitsamt Sockel auf 38 Meter.

17.07.2026, Polen, Konotopie: Europas höchste Marienstatue mit dem Namen „Pomnik Matki Boskiej“ steht im polnischen Dorf Konotopie. Foto: Agnieszka Bielecka/PAP/dpa

Als „größte Marienstatue Europas“ feiert die polnische Presse den skurrilen Sakralbau von Konotopie. Größer geht es noch auf den Philippinen: Die Marienstatue von Montemaria ist 96 Meter hoch und gilt als größte Darstellung der Gottesmutter weltweit.

– Einweihung an Mariä Himmelfahrt geplant: Am 15. August, dem katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt, soll die Figur mit dem Namen „Pomnik Matki Boskiej“ (Denkmal der Muttergottes) mit einem Festgottesdienst eingeweiht werden. Tausende Gläubige werden erwartet.

Hinter dem Bauzaun in Konotopie sind die Arbeiter noch mit den letzten Vorbereitungen vor der Einweihung beschäftigt. Unweit der XXL-Maria steht ein kleines Gehöft mit Ziehbrunnen. Wäsche flattert im Wind, eine Bandsäge kreischt. „Das ist hübsch! Wir sind Katholiken, und für uns ist das eine Attraktion“, sagt der junge Vater Michal (30), der mit seiner Frau Patrycja und Sohn Antoni auf dem Hof lebt.

Anders sieht das Rentner Janusz Kozlowski. Er ist mit seinem E-Bike auf dem Feldweg unterwegs. „Es gefällt mir zwar, aber ich hätte mit dem Geld was anderes gemacht. Kranke Kinder behandeln zum Beispiel“, sagt der 71-Jährige.

– Stifter ist einer der reichsten Männer Polens: Konotopie verdankt sein Marien-Monument einem privaten Stifter. Der Unternehmer Roman Karkosik ist einer der reichsten Männer in Polen. Der 75-Jährige hat es in der Autozuliefererbranche zu einem Vermögen gebracht und zählt zu den bekanntesten polnischen Börseninvestoren.

Der öffentlichkeitsscheue Karkosik und seine Frau Grazyna residieren in einem Schloss aus dem 18. Jahrhundert in Kikol, zwei Kilometer von Konotopie entfernt.

07.08.2026, Polen, Konotopie: Die riesige Marienstatue ist aus der Ferne sichtbar. Foto: Doris Heimann/dpa

Ein schweres Eisentor gibt den Blick frei auf einen Park mit Springbrunnen und ein schön restauriertes herrschaftliches Gebäude mit weißen Säulen. Wenn Karkosik aus seinem Schloss blickt, kann er seine Maria auf dem nächsten Hügel gut erkennen.

Der Multimillionär verriet der „Financial Times“ lediglich, er habe die Statue „aus Dankbarkeit gegenüber Maria“ errichten lassen. In Konotopie und Kikol sagen die Dorfbewohner, es sei dabei wohl um seine Gesundheit gegangen. Auch über die Baukosten schweigt sich Karkosik aus. Das polnische Fachportal „Architektura Murator“ schätzt sie auf umgerechnet 23 Millionen Euro.

– „Größer als der Christus von Swiebodzin“: Der von Karkosik beauftragte Bildhauer Adam Jakub Matejkowski erzählte der polnischen Ausgabe des Magazins «Forbes», der Stifter habe einen besonderen Wunsch gehabt. „Er wollte, dass die Marienstatue größer wird als die Christus-Figur in Swiebodzin.“

Der Ort Swiebodzin unweit der Grenze zu Deutschland steht für das bisherige polnische Nonplusultra der christlichen Statuen. Die riesige Jesusfigur dort ist von der Bahnlinie Berlin-Warschau aus gut zu sehen. Die 2010 enthüllte Statue lehnt sich an das berühmte Vorbild von Rio an. Die Figur misst mit Krone 36 Meter. Finanziert wurde das Projekt seinerzeit aus Spendengeldern.

Die Christus-Statue in Rio de Janeiro in Brasilien. Foto: Shutterstock

– Statue wird ein „Must see“ für konservative Pilger? Polen ist ein zutiefst katholisch geprägtes Land. Doch was sagt diese religiöse Gigantomanie aus über die Befindlichkeit der polnischen Seele? «Es gibt in Polen eine gewisse Strömung zur Errichtung großer Sakralbauten. Aber ich wäre vorsichtig damit, Schlüsse auf die polnische Religiosität zu ziehen», sagt der Publizist und Kirchenexperte Marcin Kedzierski. Vielmehr handele es sich in erster Linie um den Geschmack einzelner Menschen. „Die Motivation ist nicht viel anders als die der Bischöfe, die im Mittelalter hohe Kirchenbauten wie den Kölner Dom oder das Ulmer Münster errichten ließen.“

Für Kedzierski teilen sich die Katholiken in Polen in drei Gruppen. Die Älteren ab 60 Jahren seien sehr konservativ. Katholiken in der Mitte des Lebens hätten eher liberale Ansichten. Unter den ganz jungen Polen dagegen seien immer weniger, die sich als gläubig bezeichnen. Aber diejenigen, die es tun, hätten so konservative Ansichten wie ihre Großeltern. „Gerade der älteren Generation und den ganz Jungen wird die Marienstatue gefallen“, glaubt der Experte.

Dorfbürgermeister Mieczyslaw Grebicki ist stolz auf das Monument. „Für unser Dorf ist das eine große Ehre“, sagt er. Bereits jetzt würden viele Touristen in den kleinen Ort kommen. Denn die Statue ist gut sichtbar von der Fernstraße, die von Warschau nach Bydgoszcz führt. Der Bürgermeister rechnet in Zukunft mit großem Interesse der Gläubigen. Kirchenexperte Kedzierski sieht das auch so: „Die Marienstatue von Konotopie wird bald ein „Must see“ auf der Liste der Pilgerfahrten in Polen.“ (dpa/cre)

18 Antworten auf “Gigantische Marienstatue in Polen – Größer als die Christus-Figur in Rio – Kitsch, Kunst oder Religion?”

    • Sparwasser

      Achtung, es gibt Länder, in den die Bewohner immer noch außerordentlich gläubig sind. Polen ist eines davon. Man darf nicht von unseren leeren Kirchen auf andere Länder schließen.

      • Marcel Scholzen Eimerscheid

        Es ist eine Tatsache, dass sich auch in Polen immer weniger Leute interessieren für den katholischen Glauben. Der Schwerpunkt der katholischen Kirche verschiebt sich in Richtung Afrika und Asien.

      • Hugo Egon Bernhard von Sinnen

        # Sparwasser .Es wird Zeit dass sie auch an etwas glauben, damit Sie in Zukunft nicht komplett verloren sind.
        Der Verlust einer ihrer Hirnhälften , ist ja schon traurig genug.
        Ich hoffe das passt so, mit dem Kommentar, direkt unter ihrem ?

  1. Woke ist vorbei

    Es ist ein Statement gegen eine grosse Übermacht. Es muss nicht immer eine grosse Statue sein. Vielleicht sollte ganz Europa sich wieder auf alten Werte besinnen. Falsche Toleranz lässt uns zurückstecken. Es wird sogar mit Füssen getreten, was wir einst gelernt haben. Wir tolerieren hier in Europa Menschen, die sich nicht einfügen wollen oder können. Davon abgesehen gibt es in Frankreich Bemühungen sich dem Glauben zuzuwenden.https://www.academiachristiana.org/qui-sommes-nous. Ein Teil der Jugend bewegt sich wieder in eine andere Richtung. Die Meisten unterschätzen die junge Generation. Das wird gerne als rechts abgetan, aber ist das?

  2. Josef.geul

    In Frankreich erlebt die katholische Kirche einen überraschenden Aufbruch bei Erwachsenentaufen. Allein zu den Osternächten ließen sich zuletzt etwa 20.000 Jugendliche und Erwachsene taufen

  3. Richelieu

    Ob Marienerscheinungen oder der Bau überdimensionaler religiöser Elemente, sie sind immer auch Anziehungspunkt für Pilger. Und Pilger verhalten sich wie Touristen, d.h. dass sie Geld ausgeben. Ein überaus lukratives Geschäft. Wer aber pilgert und dabei Trost und Hoffnung findet, egal wohin: umso besser – das Ziel heiligt die Mittel.

    • Die Wahrheit

      Herr Marcel Scholzen
      Es mag vielleicht den Eindruck erwecken, dass die praktizierenden Christen auf dem Rückmarsch sind, aber ich glaube schon, dass es noch viele Zeitgenossen gibt, die im stillen Kämmerlein beten. Vielleicht ist es bei Ihnen auch so!
      Religionen sind zu schonen, sie sind für Moral gemacht!

  4. Reiner Mattar

    Es ist ja nicht so ganz unüblich, dass reiche Menschen sich ein Denkmal bauen lassen. Doch während Leute wie Trump diese Bauwerke zwingend mit ihrem Namen verbunden sehen wollen, hat dieser Industrielle sein Denkmal der Hl. Maria gewidmet. Soweit ok. Es ist auch bei uns wenig darüber bekannt, inwieweit er auch ansonsten karitativ tätig ist, da er sein Privatleben sehr abschottet. Aber sogar in unserem katholischen Polen wird dieser Hang zum Gigantismus auch kritisch gesehen. Und dies hat nach meiner Erfahrung nicht einmal soviel mit dem Alter zu tun, sondern allgemein damit, wie wir den Glauben und seine Symbole sehen und leben. Obwohl ich alt bin, kann ich mit diesem Gigantismus nix anfangen. Schaden tut das Bauwerk niemandem, also: Jeder soll nach seiner Bacon selig werden :)

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