Nachrichten

1:2 – Anderlecht wurde für starke Leistung gegen Bayern nicht belohnt

Bayern Münchens Arturo Vidal (links) und Anderlechts Dennis Appiah kämpfen um den Ball. Foto: Marius Becker/dpa

Trotz einer starken Leistung, insbesondere in der ersten Halbzeit, hat der RSC Anderlecht am Mittwoch in der Gruppenphase der Champions League gegen den FC Bayern München eine 1:2-Niederlage kassiert.

Trotz der schwächsten Leistung unter Jupp Heynckes hat der FC Bayern München in der Champions League die Mini-Chance auf den Gruppensieg gewahrt.

Torjäger Lewandowski (51. Minute) und Tolisso (77.) bescherten dem größtenteils fahrig agierenden deutschen Fußball-Meister am Mittwoch ein schmeichelhaftes 2:1 (0:0) beim punktlosen Tabellenletzten RSC Anderlecht.

Bayerns Robert Lewandowski (l) vergibt gegen Anderlechts Uros Spajic (M) und Torhüter Matz Sels eine Torchance. Foto: Marius Becker/dpa

Die Belgier nutzten vor über 20.000 Zuschauern im Stadion Constant Vanden Stock nur eine ihrer zahlreichen Chancen durch Kapitän Hanni zum 1:1 (63.).

Wäre Anderlechts Sturmspitze Teodorczyk im ersten Durchgang nur ein bisschen produktiver gewesen, hätte der belgische Rekordmeister gegen den deutschen Rekordmeister mit Sicherheit ein Unentschieden erreichen können, was den Belgiern im letzten Spiel bei Celtic Glasgow die Aufgabe wesentlich erleichtern können, denn bei einem Remis gegen Bayern hätte den „Veilchen“ in Schottland ein einfacher Sieg genügt. Jetzt aber muss Anderlecht mit mindestens drei Toren Unterschied gewinnen, was quasi unmöglich ist, um in der Europa League zu überwintern.

Bayerns Javi Martinez (l-r), Robert Lewandowski, Marco Friedl, Joshua Kimmich und Sebastian Rudy bedanken sich nach der Partie bei den Fans. Foto: Marius Becker/dpa

Bayern-Coach Jupp Heynckes nutzte die Chance der bereits feststehenden Achtelfinal-Qualifikation, um sein Team auf fünf Positionen zu verändern. So feierte der 19 Jahre alte Österreicher Marco Friedl auf der linken Abwehrseite sein Profi-Debüt. Und obwohl Anderlecht großen Druck ausübte, löste Friedl seine Aufgabe couragiert und ohne Nerven.

Als Unsicherheitsfaktor erwies sich in der Anfangsphase dagegen eher Boateng. Nach muskulären Problemen war der Weltmeister wieder einsatzfähig, leistete sich im Abwehrzentrum aber früh einen schweren Fehlpass auf Teodorczyk. Doch der Pole scheiterte an einer Fußabwehr von Bayern-Torwart Sven Ulreich (8.).

Wenig später rettete der Bayern-Keeper reaktionsschnell nach einem Dropkick von Appiah aus spitzem Winkel (17.). Die Münchner taten sich in der ersten Hälfte sichtlich schwer und hatten große Probleme, die richtige Einstellung und angemessene Champions-League-Spannung aufzubauen.

Die Aktionen wirkten sehr fahrig, kaum ein durchdachter Angriffszug war im 4-3-3-System mit Thiago als verkapptem Linksaußen und Lewandowski und Robben in der Spitze zu sehen.

„Chancentod“ Teodorczyk

Anderlecht dagegen trat hochmotiviert und mit großem läuferischen Aufwand auf. Lediglich die individuelle Klasse und Effektivität fehlte. So auch in der 30. und 39. Minute, als Teodorczyk nach Bayern-Fehlern frei vor Ulreich auftauchte, aber am erneut starken Schlussmann scheiterte.

Der Trainer des FC Bayern, Jupp Heynckes (l), spricht nach einem Training mit dem ehemaligen belgischen Fußballtorwart des FC Bayern, Jean-Marie Pfaff. Foto: Virginie Lefour/BELGA/dpa

Beim einzigen gefährlichen Gäste-Angriff vor der Pause klärte Anderlechts Torwart Sels erst vor Vidal, dann wehrte Appiah den Schuss von Lewandowski ab (33.). Vor allem im Mittelfeld bekamen die Schlendrian-Bayern kaum einen Zugriff auf das Spiel und durften sich bei Ulreich bedanken, dass sie nicht früh in Rückstand gerieten.

Erst nach dem Wechsel schalteten sie in den Königsklassen-Modus. Der erste durchdachte und zielgerichtete Angriff führte prompt zum 1:0. Über James und Tolisso landete der Ball bei Lewandowski, der frei stehend nur noch ins leere Tor einschieben musste. „Ein Schuss, ein Tor, die Bayern“, sangen die mitgereisten Münchner Fans.

Doch nur zwölf Minuten später verstummten die Gesänge. Teodorczyk legte nach einer Flanke per Kopf auf Hanni ab, der Ulreich aus kurzer Distanz keine Abwehrchance ließ.

Obwohl den Gästen auch nach der Führung teilweise Souveränität und Konzentration fehlten, konnten sie noch einmal nachlegen. Kimmich flankte präzise nach innen, Tolisso köpfte zur Bayern-Führung ein. Fünf Minuten vor Schluss verpasste Lewandowski das mögliche 3:1, als er an Sels scheiterte. (cre/dpa)

  1. Typisch Bayern: schlecht gespielt und trotzdem gewonnen. Aber wenn man wie Anderlecht so viele Chancen versiebt, muss man sich nicht wundern. Trotzdem hat sich Anderlecht gut verkauft.

    • Klar: 40 Jahre Erfolg nur mit Dusel und „Letztsekundentoren“. Ich führe solche Kommentare auf Neid zurück. Aber natürlich war gestern Dusel dabei und der Sieg war unverdient – auch wenn Bayern in der 2. Hälfte besser als Anderlecht war. Nur muss man die Tore eben auch machen – und ein schlechtes Spiel und trotzdem gewinnen, das ist – wie Kahn sagte – auch eine Kunst. Nur Chancen herausspielen und sie dann versemmeln, reicht eben nicht.

  2. Peter Müller

    Man(n) sollte auch beachten, das es für Anderlecht die letzte Chance war. Für Bayern nur noch ein Freundschaftsspiel. Das ist genauso, wenn unsere A.S. gegen eine Spitzenmannschaft in der Liga spielt, da sind die voll motiviert

  3. Ich verstehe nicht dass Vanhasebrouck im Sturm Theodorczyk, der dieses Jahr enorme Ladehemmungen hat im Spiel einsetzt, in dem Anderlecht absolut punkten musste. Henry dagegen, welcher im Belgien an 2. Stelle in der Torschützenwertung steht erst gegen Schluss rein kam. Klares taktisches Armutszeugnis von anderlechts Coach

Hinterlasse eine Antwort

Desktop Version anfordern