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Alltagsbegleiter starten durch: Ab November erhalten die Wohn- und Pflegezentren in der DG Unterstützung

Eine junge Frau spielt in einer Seniorenresidenz mit Bewohnerinnen ein Gesellschaftsspiel. Foto: Harald Tittel/dpa

Um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken und die Arbeitslast in der Pflege und die Begleitung der Bewohner der acht Wohn- und Pflegezentren für Senioren (WPZS) in der DG auf mehr Schultern zu verteilen, startet im November ein zweijähriges Pilotprojekt. Das neue Berufsprofil des Alltagsbegleiters wird eingeführt.

Die Heimleiter in den WPZS freuen sich auf zusätzliche Unterstützung. „Im Rahmen unserer Zuständigkeiten haben wir ein neues Berufsbild geschaffen, das mit Sicherheit für die Wohn- und Pflegezentren für Senioren in der DG eine Bereicherung sein wird“, erklärt Vize-Ministerpräsident Antonios Antoniadis (SP) am Dienstag bei einer Pressekonferenz in den Räumlichkeiten des Marienheims Raeren.

Pressekonferenz zum neuen Berufsprofil des Alltagsbegleiters (v.l.n.r.): Minister Antonios Antoniadis, Katharinenstift-Leiterin Nadja Brockhans, Marienheim-Direktor Patrick Laschet und die Alltagsbegleiterin Viviane Schröder. Foto: Linda Zwartbol / Kabinett Antoniadis

Dort wurde der Presse das neue Berufsbild seitens des Ministers und der Heimleitung des Marienheims Raeren (Patrick Laschet) und Katharinenstifts Astenet (Nadja Brockhans) ausführlich vorgestellt. Auch eine künftige Alltagsbegleiterin berichtete über ihre Motivation und ihre Erwartungen.

Das Pilotprojekt startet am 7. November. Im Rahmen einer Fortbildung erhalten die Teilnehmer – aktuell über 20 an der Zahl – in Form von Intensivkursen und Fortbildungstagen theoretisches Wissen vermittelt. Konkret gibt es einen zweiwöchigen Einsteiger-Intensivkurs, ein Jahr Praxiserwerb mit punktuellen theoretischen Unterrichtseinheiten sowie ein zweites Jahr im Praktikum. Der Stundenumfang des Kurses umfasst +/- 150 Stunden.

„Das Projekt läuft über eine Dauer von zwei Jahren, demnach bis Herbst 2024. Dann findet eine Evaluierung statt. Nach dieser Auswertung kann die neue Regierung über die Ergebnisse befinden und neue Maßnahmenpakete beschließen“, so Antoniadis: „Mit der Einführung des Alltagsbegleiters möchten wir eine weitere Säule im Kampf gegen den Fachkräftemangel aufbauen, die Qualität der Leistungen in den Einrichtungen stärken und ausbauen sowie insbesondere das Fachpersonal in den WPZS entlaste

Eine Pflegerin und eine Bewohnerin eines Pflegeheims schauen zusammen aus einem Fenster. Foto: Tom Weller/dpa

Die Aufgaben des Alltagsbegleiters sind vielschichtig. Unter anderem begleitet und unterstützt der Alltagsbegleiter die Bewohner auf praktischer, emotionaler und sozialer Ebene. Er fungiert auch als wichtiger Ansprechpartner. Er organisiert in Absprache mit dem Team geeignete individuelle Aktivitäten unter Berücksichtigung der Möglichkeiten und Wünsche der Bewohner. Er sorgt für das allgemeine Wohlbefinden der Bewohner und hilft ihnen beim Einleben in das Haus. Der Alltagsbegleiter beteiligt sich an den Mahlzeiten und unterstützt, wenn nötig. Er sorgt für Ordnung im Wohnbereich und regt die Bewohner zur Mitarbeit an. Außerdem erhält er auch administrative Aufgaben. So leitet er die Informationen über die Bewohner weiter, um die Pflegekontinuität und Begleitung zu gewährleisten, und berichtet über seine Ergebnisse. Zudem stimuliert und unterstützt (wenn nötig) er die Bewohner bei der täglichen Körperpflege und Hygiene, und vieles mehr. Die Grundaufgaben können von WPZS zu WPZS ändern.

Patrick Laschet erläutert: „Im Rahmen seines Cantous-Konzeptes (Wohnbereich für Menschen mit Demenz – Centre d’Animation Tiré d’Occupations Utiles) konnte das Marienheim schon im Jahr 2004 unausgebildete Alltagsbegleiter einsetzen. Damals haben wir gemeinsam mit dem Louisenhospital Aachen eine Mini-Schulung gegeben und mehrere Kräfte eingestellt.

DG-Minister Antonios Antoniadis bei der Pressekonferenz zum neuen Berufsprofil des Alltagsbegleiters im Marienheim Raeren. Foto: Linda Zwartbol / Kabinett Antoniadis

„Ich freue mich sehr, dass die DG jetzt mit dem umfangreichen Schulungsplan einen soliden Rahmen schafft, der den Alltagsbegleitern neben Empathie und Berufung auch ein fachliches Gerüst mit auf den Weg gibt, von dem die Senioren aber auch die Kursteilnehmer selbst profitieren werden“, so Laschet: „Interessant ist auch, dass den diplomierten Alltagsbegleitern nach der zweijährigen Weiterbildung weitere Ausbildungsmöglichkeiten offenstehen. Dies ist eine konsequente Umsetzung von lebenslangem Lernen.“

Nadja Brockhans ergänzt: „Im Katharinenstift gab es bis jetzt noch keine Alltagsbegleiter, sodass wir uns davon einen absoluten Mehrwert versprechen, sowohl in der individuellen Begleitung der Bewohner als auch in der Entlastung des bestehenden Personals. Durch eine gezielte Ausbildung mit theoretischen und praktischen Elementen, und im Rahmen der geltenden Gesetzgebung, erhoffen wir uns außerdem, eine Funktion zu schaffen, die langfristig selbstverständlich und nicht mehr wegzudenken ist. Die Alltagsgleiter werden ihren ganz eigenen Tätigkeitsbereich haben, selbstverständlich bleiben die geschützten pflegerischen Tätigkeiten den Krankenpflegern und Pflegehelfern vorbehalten. Bewohnerversorgung in all ihren Facetten ist eine schöne, aber auch herausfordernde Aufgabe, nicht erst seit der Pandemie. Für diese wertvolle Aufgabe zusätzliche Mitarbeiter professionell auszubilden, war für uns Heimleiter der WPZS Motivation, diesen Weg gemeinsam zu denken und mit der DG vorzubereiten.“

Der Beruf des Alltagsbegleiters richtet sich an alle interessierten Personen, Quereinsteiger oder bestehendes Personal, das sich weiterbilden möchte. Alle acht WPZS haben die zur Verfügung stehende Stellenkapazität (zwei Vollzeitäquivalentkräfte) besetzen können. Das Pilotprojekt wird finanziert durch die DG. Die Summe beträgt für die Projektlaufzeit rund 1,3 Millionen Euro.

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