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Nach Real-Bayern ist aus dem Ruf nach Videobeweis sogar ein Schrei geworden

Die Szene, die zum 2:2 durch Cristiano Ronaldo führte. Der Portugiese (rechts, Nr. 7) steht eindeutig im Abseits, sein Treffer wurde trotzdem anerkannt. Foto: Twitter - Screenshot

Die folgenschweren Fehler des ungarischen Schiedsrichters Viktor Kassai im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League zwischen Real Madrid und Bayern München (4:2, Real im Halbfinale –  siehe Bericht an anderer Stelle) haben den Ruf nach schnellstmöglicher Einführung des Videobeweises im Profifußball noch lauter werden lassen. Aus dem Ruf ist seit Dienstagabend sogar ein Schrei geworden.

So wie der Treffer des Engländers Frank Lampard bei der WM 2010 in Südafrika im Spiel gegen Deutschland, der vom Schiedsrichter nicht gegeben wurde, obwohl der Ball ganz klar die Torlinie überschritten hatte, die Einführung der Torlinientechnik begünstigte, dürfte auch das denkwürdige Spiel zwischen Real und Bayern die Freigabe des Videobeweises beschleunigen.

Tor oder nicht Tor? Der deutsche Schiedsrichter Felix Zwayer (links) hält Rücksprache mit seinem Video-Assistenten Tobias Stieler beim Länderspiel Frankreich-Spanien in Paris am Dienstag, 28. März 2017. Foto: Belga

Über die Torlinientechnik wird inzwischen gar nicht mehr diskutiert. In jenen Ländern, in denen sie eingeführt wurde, etwa in der englischen Premier League, hat sie sich bewährt. Auch bei der WM 2014 in Brasilien und bei der EM 2016 in Frankreich funktionierte das System einwandfrei.

In der Bundesliga und in der belgischen Pro League wird der Video-Schiedsrichter derzeit getestet. Ab der kommenden Saison 2o17-2018 wird die Technik in der Bundesliga bei allen Spielen angewandt, während es in Belgien bei 48 Spielen einen Video-Schiri geben wird.

Wie die bisher gemachten Erfahrungen, zum Beispiel beim Länderspiel von Ende März 2017 zwischen Frankreich und Spanien in Paris, zeigen, ist die Technik ausgereift. Was nicht bedeutet, dass es künftig mit Videounterstützung keine strittigen Entscheidungen von Schiedsrichtern mehr geben wird, denn nicht immer können die Fernsehbilder eine strittige Szene einwandfrei klären.

Anwendung in vier Fällen

Der Videobeweis kommt nur bei Toren, Elfmeter-Entscheidungen, Platzverweisen und Spielerverwechslungen zum Einsatz. Gelbe und Gelb-Rote Karten sowie Freistoß-Pfiffe gehören nicht zum Spektrum. Aktive und vor kurzem ausgeschiedene Schiedsrichter werden als Operator eingesetzt.

Weshalb sich nicht der modernsten Techniken bedienen, wenn man sie schon zur Verfügung hat? Foto: Shutterstock

Ohne den Videobeweis wäre übrigens das Resultat der Partie zwischen Frankreich und Spanien Ende März in Paris ein anderes gewesen, denn der deutsche Unparteiische Felix Zwayer nahm auf Grundlage des Videobeweises zwei Entscheidungen zurück. Die Überprüfung dauerte 20-25 Sekunden.

Im Fall der Bundesliga sitzt der Video-Schiedsrichter nicht in einem mit mehreren Bildschirmen ausgestatteten Bus, wie dies in Belgien während der momentanen Testphase der Fall ist, sondern in der Videozentrale von DFB und DFL im Kölner Sendezentrum der Mediengruppe RTL.

Die Analyse strittiger Entscheidungen soll in der Regel 10 bis maximal 40 Sekunden in Anspruch nehmen. (cre/dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf „Ostbelgien Direkt“:

  1. Pensionierter Bauer

    Im Hockey funktioniert der Videobeweis prächtig. Man denkt gleich wieder an Mönchengladbach und dem Niederländer Kroll oder wie hieß dieser kranke „Unparteiische“nochmal.

  2. Bitte lasst den Videobeweis wo der Pfeffer wächst.
    Der wird das Spiel zerpflücken,andauernd wird das Spiel unterbrochen werden,dasSchöne was den Fussball ausmacht geht damit verloren.
    Dann,wo fängt der Beweis an,bei jedem falschen Einwurf?…oder..?
    Es gleicht sich sowieso immer aus,mal hier,mal da.
    Nur weil Bayern jetzt mal benachteiligt wurde,soll alles schlecht sein?
    Das man sich drüber ärgert,ist doch normal…
    Und ehrlich:Worüber hätten wir nach dem Spiel denn zu fachsimpeln?

    • Ostbelgien Direkt

      @frog: Im Text steht ja, dass der Videobeweis nur in vier bestimmten Fällen angewandt wird: „Der Videobeweis kommt nur bei Toren, Elfmeter-Entscheidungen, Platzverweisen und Spielerverwechslungen zum Einsatz.“ Also nicht bei einem falschen Einwurf. Gruß

    • Reiner Mattar

      Natürlich soll man den Videobeweis da lassen, wo der Pfeffer wächst – denn sonst wäre ja eine tolle Möglichkeit der Manipulation vertan! Genauso wie eine funktionierende Zeitmessung, die dem Schiedsrichter (bzw. denen, die die Schiedsrichter bestechen möchten) alle Einflussmöglichkeiten lassen!
      Im Tennis, Handball, Volleyball… gibt es den Videobeweis, also dort wo ein Punkt bzw. ein Tor sehr viel weniger Einfluss hat als beim Fussball – aber dort ist mit Wetten auch nicht so viel Geld zu verdienen.
      Also liebe Fussballfreunde, lasst alles beim Alten, schon allein deshalb, weil sonst alle Fußballfrühschoppen im Fernsehen oder an den Theken dieser Welt sinnlos werden ;)

  3. mit oder ohne Videobeweis hätten die Bayern eben 3-2 verloren….
    oder Vidal wäre schon früher vom Platz geflogen,
    oder den Elfer musste man nicht pfeifen,
    oder das Eigentor von Madrid war vorher Abseits der Bayern…
    oder, oder oder
    aber
    es war ein wunderschöner Fusballabend

    • @ naja (19/04/2017 – 13:13)
      So ist dass…
      Eigentlich könnte (fast) jede Woche die Bundesligagegner des FC Bayern dass Resultat anfechten…Es sei denn, die Bayern werden mal nicht bevorteiligt….Und da sowas nie eintreffen wird…

  4. @rainer mattar,

    genau das ist es ja,es würde nicht mehr drüber geredet,da ja (O Ton :Alle Frühschoppen im TV etc sinnlos würden…)
    Das was den Fussball ausmacht,ginge verloren.

  5. Gerechtigkeit gegen Ungerechtigkeit

    An diesem Abend waren die Schiedsrichter mal nicht auf Seiten der Bayern. In vielen Spielen wurden die Bayern ja durch Schiedsrichtereintscheidungen bevorteiligt. Dies nennt man wohl ausgleichende Gerechtigkeit. Diese Tatsache ändert jedoch nichts daran das Bayern der beste Fussballclub Deutschlands bleibt und bleiben wird.

  6. Harald Montfort

    Ach die armen Bayern.
    Wenn man alle Spiele nimmt, wo Bayern bevorzugt wurde, dann müssen die Bayern aber noch oft verlieren.
    Armselige Verlierer!
    Anstatt Größe zu zeigen und dem Gegner zu gratulieren.
    Bin ich froh kein Bayern Fan zu sein…

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