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Welche Zukunft für das Kino nach Corona ab 1. Juli?

Leere Sitze in einem Kinosaal: Ab dem 1. Juli dürfen in Belgien Theaterbetriebe und Kinos wieder öffnen. Dabei müssen sie die inzwischen üblichen Sicherheitsvorkehrungen beachten. Foto: Armin Weigel/dpa

Ab dem 1. Juli dürfen in Belgien die Kinos wieder öffnen. In Eupen startet das Cinema am 2. Juli. Die Frage ist, was für ein Kino uns nach Corona erwartet, denn manches wird anders sein als vorher. Das Autokino erlebte in der Pandemie ein Revival.

Auch für die Kinos gelten die für andere Aktivitäten anwendbaren Regeln wie die Pflicht zur Einhaltung der Sicherheitsabstände, die Einrichtung von Zeitfenstern und die Kontrolle von Menschenmengen, die Reinigung der Infrastruktur und das Tragen von Mundschutzmasken, das weiterhin dringend empfohlen wird. So steht es im Bericht zur jüngsten Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates am Mittwoch.

Der Kinosaal des „Cinema“ In Eupen. Kinos dürfen am 1. Juli wieder in Betrieb genommen werden. Foto: k.k.e

In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind die Kino schon seit Ende Mai wieder in Betrieb. Über die Zukunft des Kinos nach der Corona-Starre sprach die Deutsche Presse-Agentur mit Martin Moszkowicz, dem Chef der Produktionsfirma Constantin Film in München.

– Wochenlang waren die Kinos geschlossen, die Menschen vergnügten sich zu Hause mit diversen Streaming-Anbietern. Und Filme, die eigentlich fürs Kino gedacht waren, liefen plötzlich bei Netflix & Co.. Geben Sie dem Kino noch eine Chance?

Martin Moszkowicz: Ich glaube hundertprozentig, dass die Menschen Kino gerne erleben wollen. Das Kino hat eine ganz besondere Position unter allen Möglichkeiten, wie man Kunst und Unterhaltung konsumieren kann. Aber es muss möglich sein, ein Kino vernünftig zu betreiben. Wir erwarten nicht, dass die Kinos jetzt genauso aufmachen können wie vor der Krise. Aber bei den aktuellen Auflagen arbeiten sie mit 15 bis 20 Prozent ihrer Sitzplatzkapazität. Da werden viele Kinos Pleite machen. Die können so nicht kostendeckend arbeiten. Ich hoffe sehr, dass man da noch nachjustieren wird.

– Ist das unter diesen Bedingungen für die Verleiher überhaupt interessant, momentan neue Filme starten zu lassen?

Martin Moszkowicz, Chef der Produktionsfirma Constantin Film. Foto: Felix Hörhager/dpa

Moszkowicz: Kinofilme benötigen eine Atmosphäre, denken Sie zum Beispiel an unsere sehr erfolgreiche Eberhofer-Reihe nach den Bestsellern von Rita Falk – da ist echte Volksfeststimmung in den Kinos. Unter den aktuellen Vorgaben ist es schlicht nicht möglich, den neuen Film wie geplant im August zu starten, daher werden die Kinofans leider noch länger auf „Kaiserschmarrndrama“ warten müssen. Wenn es keine vernünftigen Kapazitäten in den Kinos gibt, wird es keine vernünftigen Filme geben, die starten. Und wenn keine guten und erfolgreichen Filme starten, können die Kinos nicht überleben.

– Mittlerweile gibt es Hilfen für die Kinos, trotzdem fürchten viele um ihre Existenz, vor allem kleine Häuser. Wie soll das weitergehen?

Moszkowicz: Unterstützung ist dringend notwendig, und zwar für alle Kinos, unabhängig von der Anzahl der Leinwände. Es geht nicht nur um das kleine Kino um die Ecke, es geht auch um die großen Häuser. Das sind Begegnungsstätten für Menschen, da kann man Kino erleben. Diese Filmtheaterkultur muss erhalten bleiben. Das sind unterschiedliche Ansätze und Zielgruppen. Die großen Häuser treiben das Geschäft voran. Wenn sie nicht in der Lage sind, wirtschaftlich vernünftig aufzumachen, wird es keine Filmstarts geben und dann werden die Kinos nicht überleben können.

– Inzwischen wird auch wieder gedreht – unter strengen Hygienevorschriften. Gibt es überhaupt noch Liebesszenen?

30.04.2020, Rheinland-Pfalz, Speyer: Autos stehen auf einem Parkplatz vor einer Leinwand im Autokino des Technik Museums Speyer. Foto: Uwe Anspach/dpa

Moszkowicz: Bei den Produktionen, wo wir den Mindestabstand zwischen Akteuren von 1,50 Metern nicht einhalten können, testen wir die Darsteller einige Tage vor den Dreharbeiten und dann regelmäßig. In Zukunft wird es da auch vor Drehbeginn eine Quarantäne geben, ähnlich wie bei der Bundesliga. Aber die Arbeit unter Corona-Bedingungen ist schon extrem mühsam und anstrengend. Vor allem für die Crew, die am Drehort mit Gesichtsmasken und unter strengen Hygienerichtlinien arbeiten muss.

– Freuen Sie sich auf Ihren ersten Kinobesuch?

Moszkowicz: Sobald ich mir eine Karte kaufen kann, bin ich da. Gleichzeitig finde ich es faszinierend, was mit den Autokinos passiert. Wir hatten bis zur Coronakrise in Deutschland vier oder fünf Autokinos, inzwischen gibt es über 400. Ich finde es wunderbar, dass eine Kinoform, die aus den 1950er Jahren kommt, so ein Revival erlebt. Die Leute klatschen per Lichthupe, ich finde das großartig. Daran kann man sehen, wie groß die Sehnsucht ist, wieder ins Kino gehen zu dürfen. Aber jetzt ist erst mal die Frage, wie kriegen wir die regulären Kinos auf und wie schaffen wir es, dass denen nicht die Luft ausgeht. (dpa/cre)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

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