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Fragen & Antworten zum Thema Zeitumstellung

Am letzten Wochenende von Oktober werden in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Uhren um eine Stunde von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Foto: Shutterstock

Der scheidende Chef der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, und eine Mehrheit im EU-Parlament sprechen sich für eine Abschaffung der Zeitumstellung aus. Ob und wann diese kommt, ist aber ungewisser denn je.

Ursprünglich sollte alles ganz schnell gehen: Im vergangenen Jahr präsentierte die EU-Kommission ihre Pläne zur Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung. Schon 2019 sollten die EU-Staaten zum letzten Mal an der Uhr drehen müssen. Zunächst platzte der angepeilte Zeitplan, nun steht das Projekt gänzlich in den Sternen. Vor allem an einer Stelle hakt es. Ein Überblick:

– Was hatte die EU-Kommission vorgeschlagen?

Nach dem Vorstoß von Kommissionschef Jean-Claude Juncker sollte die halbjährliche Umstellung komplett abgeschafft werden. Zum letzten Mal sollte nach den ursprünglichen Plänen die Zeit im März 2019 umgestellt werden. Die Staaten sollten dann selbst wählen können, ob sie dauerhaft Sommer- oder Winterzeit wollen.

23.03.2018, Dresden: Uhrentechniker Tobias Vogler kontrolliert die Mechanik der Zeiger der Kirchturmuhr der Dresdner Lukaskirche. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Die Brüsseler Behörde stützte sich dabei vor allem auf die Ergebnisse einer öffentlichen Befragung. 4,6 Millionen Menschen in der ganzen Europäischen Union beteiligten sich, 84 Prozent von ihnen sprachen sich für die Abschaffung der Zeitumstellung aus. Es war die mit Abstand erfolgreichste Befragung, die die Behörde bis dato durchgeführt hatte. Allerdings: Die 4,6 Millionen Teilnehmer stellen weniger als 1 Prozent der EU-Bevölkerung dar. Und allein 3 Millionen von ihnen kamen aus Deutschland.

– Wie ist die Lage im Moment?

In Mitteleuropa gibt es derzeit eine große Zeitzone von Polen bis Spanien. Zu ihr gehören Belgien und 16 weitere EU-Länder. Einige Staaten – etwa Griechenland – sind eine Stunde voraus, andere – zum Beispiel Portugal – eine Stunde zurück. Am letzten Sonntag im März und am letzten Sonntag im Oktober wird die Uhr jeweils eine Stunde umgestellt.

– Wo ist nun das Problem?

Der Vorschlag der EU-Kommission ist klar, das Europaparlament macht ebenfalls Druck. Die Abgeordneten sprachen sich mit deutlicher Mehrheit für eine Abschaffung der Umstellung im Jahr 2021 aus. Dafür bräuchte es aber auch eine Mehrheit unter den EU-Staaten. Es gebe aber kaum Bewegung, hieß es aus EU-Diplomatenkreisen in Brüssel. Einige Staaten haben noch immer keine Position, bei anderen gibt es Sorgen, dass die Auswirkungen einer Änderung nicht ausreichend analysiert seien.

– Wie könnte es nun weitergehen?

Die nächste offizielle Gelegenheit für die EU-Staaten, das Thema abzuschließen, bietet sich beim Treffen der zuständigen Verkehrsminister im Dezember. Die Agenda für das Treffen solle bis Ende November festgezurrt werden, hieß es in Brüssel.

Die Uhren der Installation „Zeitfeld“ von Klaus Rinke zeigen am 24.03.2017 in Düsseldorf die Zeit an. Foto: Federico Gambarini/dpa

Unklar ist allerdings auch, wie die neue EU-Kommission von Ursula von der Leyen sich zu dem Thema verhalten wird. Ihr wahrscheinlicher Starttermin wird nach derzeitigem Stand der Dinge der 1. Dezember sein. Theoretisch könnte die Behörde unter von der Leyen den bestehenden Vorschlag weiterverfolgen, ändern, oder sogar zurückziehen.

– Seit wann gibt es die Sommerzeit?

Die Uhrenumstellung in heutiger Form wurde in Belgien 1977 und in Deutschland 1980 eingeführt – mit dem Ziel, Energie zu sparen. Regelungen auf EU-Ebene zur Sommerzeit gibt es seit 1981. Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück. (dpa)

21 Antworten auf “Fragen & Antworten zum Thema Zeitumstellung”

    • DerPostbote

      Meine Worte! Wer eine Stunde Umstellung nicht verkraftet (einfach ne Stunde früher bzw. später ins Bett gehen), der hat ganz andere Probleme. Im Sommer dann einen 3-6 Stunden Jetlack in Kauf nehmen, das ist dann aber selbstverständlich.
      Die Auswirkung auf Tiere halte ich für minimal/verkraftbar. Die sind ganz andere Umstellungen gewohnt (Baustellen, Schwertransporte, Autobahnen, etc.).
      Die Auswirkungen auf die Elektronik sind ebenfalls mittlerweile zu unterschätzen. Nur vor ein paar Jahren wurde halt eine Sekunde zurückgestellt oder abgezogen – das ist aber auch nicht jedes Jahr.

  1. Das war ja mal wieder typisch Junker bzw Europaparlament!
    Die halbjährliche Zeitumstellung abschaffen ist ja ok, aber kein Plan zu haben wie das vollzogen werden soll, und dann letztendlich entscheiden dass jedes Land selbst entscheiden soll ob und wie es stattfinen soll…. Typisch EU!!
    Wir sind sowieso die Lachnummer der ganzen Welt, sei es mit dem Brexit, Zeitumstellung, mal hart auf dem Tisch klopfen bei der Türkei usw. Keiner wagt es mal Entscheidungen zu fällen, Charakter oder Stärke zu zeigen.
    Also weg mit den sinnlosen EU-Politiker die nur vom Kassieren in eigener Sache was verstehen

    • Lachnummer ist korrekt.
      Doch war von vornehmeren gewusst, dass sich darauf wieder einmal die Nationalstaaten einigen müssen oder auch nicht.
      Juncker hat nichts anderes gesagt als: wenn die Leute das wollen, dann machen wir das. Im Bewusstsein, dass weder die Kommission noch er noch das Parlament das umsetzen können.

      Den Nationalstaaten viel Vergnügen diesen einfachen Sachverhalt zu lösen.

    • DerPostbote

      Warum kreiden Sie das Problem jetzt wieder mal der EU an?
      Die Abschaffung der Zeitumstellung ging nicht von der EU aus. Die Bürger haben abgestimmt und wollten es so. Die EU – als demokratische Institution – folgt deshalb den Bürgern (hätte sie das Bürgervotum ignoriert, DANN wäre hier aber auch wieder was los gewesen).

      Das Problem sind letztlich die Mitgliedsstaaten: Die Grundfrage, ob Sommer- oder Winterzeit konnte bisher nicht einstimmig entschieden werden. Winterzeit ist zwar die Normalzeit (also die Zeit vor der Umstellung), aber auch die „Normalzeit“ heißt nur so, weil ein Mensch sie so genannt hat.
      Zeit ist etwas von Menschen Geschaffenes, normal ist da GAR NICHTS.

      Also: Der Ball liegt aktuell bei den Mitgliedsstaaten, die sich auf eine gemeinsame Zeit einigen müssen. Das hat nichts mit „typisch EU“, „Lachnummer“ oder „Unfähigkeit der EU“ zu tun. Es ist einfach schwierig, die 17 betroffenen EU-Länder unter einen Hut zu bringen. In manchen 5-köpfigen Vereinsvorständen ist das manchmal noch nicht einmal machbar, warum sollte das bei der EU anders sein?

      Aber es ist wie immer in diesem Forum: Hauptsache mal wieder undifferenziert gegen die EU wettern, obwohl man das System noch nicht im Ansatz verstanden hat.

  2. Zaungast

    „Das war ja mal wieder typisch Junker bzw Europaparlament!
    Die halbjährliche Zeitumstellung abschaffen ist ja ok, aber kein Plan zu haben wie das vollzogen werden soll, und dann letztendlich entscheiden dass jedes Land selbst entscheiden soll ob und wie es stattfinen soll…. Typisch EU!!“

    Dazu: „Die EU kann zwar die zweimal jährlich stattfindende Zeitumstellung abschaffen, ist aber nicht befugt, eine EU-weite Standardzeit einzuführen“
    ( http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2014_2019/plmrep/COMMITTEES/ITRE/PA/2019/02-19/1171920DE.pdf – Seite 4)

    Wenn nun die EU „diktatorisch“ verfügt hätte, die Sommerzeit abzuschaffen, hätten manche Kritikaster hier aud OD bestimmt auch laut aufgeheult. Man kann es halt nie allen recht machen…

    • Pensionierter Bauer

      Das ist auch meine Meinung!
      Wo kommen wir hier in Europa denn hin, wenn in Zukunft das eine Land ganzjährig Sommer- und das Nachbarland Winterzeit hat. Gerade für uns im direkten Grenzland müsste man dann evt. zwei Uhren mit verschiedenen Uhrzeiten im Haus haben.
      Ich bin der Meinung, dass das mit der Zeitumstellung eine gute Lösung ist um das Tageslicht am besten ausnutzen zu können.

  3. ProSecCo

    Wie schon mal hier bei OD bemerkt: Hätte man diesen Quatsch nicht begonnen, müsste man jetzt nicht die „kostbare“ Zeit der EU-Politiker investieren, auf einen Nenner zu kommen. Was ist denn so kompliziert? Als das System eingeführt worden ist, hatte doch jedes Land einen Plan. Den holt man nun wieder hervor, organisiert das, anwenden und fertig. So würde jeder Unternehmer handeln. Der hat keine Jahre Zeit zum Überlegen. Der Staat nimmt sich immer alle Rechte – hat permanent Ausreden… Die Unternehmen werden gedrängt, bekommen Auflagen mehr und mehr, immer mehr Papierkram zu erledigen! Also EU bitte zeigt mal endlich, dass Ihr wenigstens bei diesen einfachen Entscheidungen kompetent seid, und nun schnellstmöglich die Lösung findet. Winterzeit ist die normale natürliche Zeit- und die soll bleiben !

    • DerPostbote

      Es gibt keine „natürliche Zeit“. Normal ist das, was man als normal bezeichnet hat bzw. was vor einer Umstellung war.

      Ein Beispiel: Vor der Demokratie gab es Mord- und Totschlag: Ist Mord- und Totschlag deshalb das ‚Normale und Natürliche‘, nur weil es vor einer Einführung eines neuen Systems bestanden hat?

  4. Peer van Daalen

    Am 5. September 1999 gegen 17:30 Uhr explodierten in den israelischen Städten Haifa und Tiberias Autobomben. Statt Zivilisten starben drei palästinensische Attentäter. Eine Rekonstruktion des geplanten Anschlags ergab, dass offenbar die Zeitumstellung Schlimmeres verhinderte: So hatte Israel kurz zuvor von der Sommer- auf die im Volksmund Winterzeit genannte ursprüngliche Zeit umgestellt.

    Die Terroristen aus dem Westjordanland taten das offenbar nicht. Jedenfalls fragten die Überbringer der Bomben nicht nach, nach welcher Uhrzeit sie sich richten sollten. Deshalb explodierten die Sprengsätze noch auf dem Weg zu ihren Zielen. Man könnte sagen, die Sommerzeit habe Leben gerettet.

    https://ostbelgiendirekt.be/wp-content/uploads/2018/03/56EC3157-8D37-4722-A205-851ED266E64C.jpeg

    Ich bin für die Abschaffung dieses unsinnigen Schwachsinns und der sofortigen Beibehaltung der seit heute wieder geltenden NORMALZEIT!!! Diese ständigen Umstellungen sind ein Relikt aus der Nazizeit …

        • Walter Keutgen

          Peer van Daalen, die Briten haben es in beiden Kriegen auch gemacht und sogar beibehalten. Für die vollständige, alphabetische Aufstellung der Länder die niederländische Version lesen. So erfährt man, dass Belgien Sommerzeit ab 1977 hatte und Deutschland ab 1980. War toll für den Zugverkehr.

    • DerPostbote

      Lieber Herr van Compernolle,

      was glauben Sie, worüber die EU aktuell diskutiert?
      Bingo!: WELCHE Zeit beibehalten wird. Und in genau dieser Frage kommen die betroffenen Einzelländer eben nicht auf einen gemeinsamen Nenner.

      Himmel, wären alle nur so pragmatisch wie Sie… (Ironie)

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