Standpunkt

Wird der BRF platt gemacht?

„Auf dem Weg zur DG-Medien AG“ lautete der Titel eines Berichts von „Ostbelgien Direkt“ Mitte November 2012, in dem von einer möglichen Zerschlagung des BRF und einer Gleichschaltung von BRF, „100’5 – Das Hitradio“ sowie dem Grenz-Echo unter der Ägide der DG-Regierung die Rede war. Nur zwei Monate später mussten Medienministerin Isabelle Weykmans (PFF) und BRF-Direktor Toni Wimmer einräumen, dass an eine neue Rechtsform für den BRF gedacht werde, sprich: an die Umwandlung des BRF in eine Aktiengesellschaft. Ist dies der Anfang vom Ende des BRF?

Seit Monaten gibt es immer neue Anzeichen dafür, dass eine Privatisierung des BRF angestrebt wird. Die Liberalen sind es, die diese Option systematisch vorantreiben.

Liberalisierung in vollem Gange

Die PFF hat im Medienbereich fast alle Schlüsselpositionen inne. Sie stellt mit Isabelle Weykmans die Medienministerin, mit Dirk Vandriessche den Präsidenten des BRF-Verwaltungsrates, mit Ludwig Rompen den Regierungskommissar sowie mit Herbert Ossemann den Präsidenten der RegioMedien AG, der Betreibergesellschaft von „100’5 – Das Hitradio“, und der Proma AG, der DG-Beteiligungsgesellschaft. Der Präsident des Medienrates (Yves Derwahl) war bis vor kurzem ebenfalls Mitglied der PFF.

Der Generalsekretär des Ministeriums der DG, Norbert Heukemes, Verwaltungsratsmitglied der Proma AG, und Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz (SP) sind die Einzigen in der medienpolitischen Führungsriege der DG, die nicht liberal sind, wenngleich Lambertz inzwischen Aussagen macht, die eher aus dem Munde eines PFF-Politikers als aus dem eines Sozialisten stammen könnten.

Wenn der Ministerpräsident im DG-Parlament erklärt, der BRF erhalte jährlich 5 Millionen Euro von der DG und diese Gelder seien „nach einem Jahr weg“, und gleichzeitig in höchsten Tönen vom kommerziellen Sender „100’5 – Das Hitradio“ schwärmt, weil dieser rentabel sei, dann fragt man sich, ob da tatsächlich ein Sozialist gesprochen hat.
Die sozialistische Gewerkschaft CGSP erachtete jedenfalls die Spekulationen über eine Umwandlung des BRF in eine Aktiengesellschaft als „eine weitere kalte Dusche nach den belastenden Ereignissen des Jahres 2012“.

Sender ist schon heute geschwächt

Fakt ist, dass die Demontage des BRF in vollem Gange ist. Die amtierende DG-Regierung kann oder will sich offenbar einen öffentlich-rechtlichen Sender auf Dauer nicht mehr leisten. Es sieht ganz danach aus, als werde der BRF langsam, aber sicher platt gemacht.

Geschwächt ist der BRF jetzt schon: Vier Mitarbeiter wurden entlassen und sechs weitere frühpensioniert. Macht zehn Beschäftigte weniger. Gleichzeitig sind Programme gekürzt oder gar gestrichen worden. Unter diesen Umständen ist ein Qualitätsverlust unvermeidbar. Und wahrscheinlich ist spätestens 2015 – das sagt BRF-Direktor Toni Wimmer – mit weiteren Sparmaßnahmen zu rechnen. Kein Zweifel, für den BRF sind die goldenen Zeiten für immer vorbei.

GERARD CREMER

10 Antworten auf “Wird der BRF platt gemacht?”

  1. Jetzt versteh‘ ich erst, weshalb der Pressesprecher von Frau Weyckmans hier im Forum vor einigen Monaten richtigstellte, dass nicht die gesamten Einnahmen aus der Rundfunksteuer integral in den BRF fließen… Das GANZE Geld für sich zu behalten und die regioMedien (oder Proma AG) eine BRF AG gründen oder den BRF gleich übernehmen zu lassen, das könnte doch der DG ein wenig aus der „Finanzpatsche“ helfen, oder ?
    Das GE der gleichen AG einzuverleiben, ist eigentlich nur die logische Folge dieser Politik des „Medienstandorts DG“ und könnte dem GE sicher mehr als entgegen kommen (gegen Aufstockung der bisherigen Beteiligung von 5% an der regioMedien AG in entsprechender Höhe).
    Man darf ja mal fantasieren bzw den Faden weiter spinnen … Dass sich etwas tun wird, scheint mir evident.

  2. Das Ganze schwappt ja sogar noch zu unseren Nachbarn rüber, die regioMedien ist ja auch noch am Sender Antenne AC in Würselen beteiligt und eine verstrickung mit 96,7 Radio Fantasy gibt’s wohl auch….

  3. senfgeber

    Am günstigsten wäre es, wenn bei einem Plattmachen des BRF je eine Vollzeitkraft im WDR und SWR finanziert würden, die in den Regionalsendungen dann aus dem Norden bzw. Süden berichten würden, gelebte Euregio sozusagen. Der BRF muss nicht über jedes Dorffest oder jeden Traktorunfall berichten, die Hofberichterstattung ist sowieso eine Realsatire, das ist einfach eine Frage des verantwortungsbewussten Umgangs mit öffentlichem Geld.

  4. Vorweg einmal die grundsätzliche Frage, wie viel Radio Fernsehen, Zeitung und Online sich die DG für 75000 Bewohner leisten kann und will.
    Würde es sich bei der DG um eine städtische Struktur handeln, gibt es sicherlich Modelle in Europa, die zeigen was geht.
    Hier geht es aber um viel Landschaft, welche nur im Norden an eine wirtschaftlich starke Region, die Stadt Aachen grenzt.
    Die Idee, mit einer Redaktion Radio, Fernsehen, Zeitung und Online produzieren und verbreiten zu können, ist sicherlich spannend aus der Vergangenheit betrachtet nennt man das aber Gleichschaltung. Dabei ist es egal ob das öffentlich oder privat organisiert ist.
    Denn zu einer solchen Redaktion gibt es keine ernsthaft möglichen Wettbewerber zumal man die auch nicht braucht da man ja alles unter Kontrolle hat.Ich zitiere da gerne einen Landrat der mal so schön sagte warum soll ich mit irgendwem reden, was ich zu sagen habe reiche ich an die Zeitung und an den Radiosender weiter, an denen ich beteiligt bin das reicht mir.

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