Leute von heute

Werner Giet und die „Türken“

Werner Giet (2.v.l.) wollte eine Fusion zwischen Faymonville und Weismes. Foto: GDS

Unruhige und schwere Zeiten für den Fußball-Verein Turkania Faymonville. Eine Zukunft in der Promotion ist größtenteils aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich. Die von Präsident Werner Giet befürwortete Fusion mit Wallonia Weismes in der 2. Provinzklasse wurde vor einer Woche von einer Zweidrittelmehrheit der Vereinsmitglieder abgelehnt.

Bleibt nur noch ein Neustart in der 4. Provinzklasse mit Spielern aus der Reserve und Jugendspielern aus der Spielgemeinschaft mit Weismes, Ovifat und Sourbrodt. Das wird schwer genug, denn ein gut funktionierender Verein braucht viele ehrenamtliche Helfer.

Diesen Sonntag fand eine weitere Versammlung zwischen Vereinsführung und Supportern statt. Nach Angaben der Tageszeitung „La Meuse“ wird man sich zunächst einmal beim belgischen Fußballverband erkundigen, ob ein Neubeginn in der 4. Provinzklasse mit der heutigen Stammnummer möglich ist oder eine völlig neue Vereinsgründung erfordert.

Seit 2006 spielt Turkania Faymonville in der Promotion und nahm sogar mehrmals an der Aufstiegsrunde teil. Foto: GDS

Seit 2006 spielt Turkania Faymonville in der Promotion und nahm sogar mehrmals an der Aufstiegsrunde teil. Foto: GDS

Das Aus in der Promotion zum Ende dieser Saison hat nicht nur finanzielle Gründe (stetig abnehmende Zuschauerzahlen). Auch das allgemeine Desinteresse für die Vorstandsarbeit spielt eine Rolle.

Nach Meinung von Werner Giet sind jetzt jene Vereinsmitglieder am Zug, die eine Fusion mit Weismes abgelehnt haben, weil sie partout den Fortbestand des Klubs unter dem Namen „Faymonville“ wollten, notfalls ganz unten in der 4. Provinzklasse.

Turkania Faymonville gehört seit der Saison 2006-2007 der Promotion an. Mehrere Male nahmen die „Türken“ an der Endrunde um den Aufstieg in die 3. Division teil. Den Verein nennt man „Turkania“, weil bei der Gründung in den 1920er Jahren die Einwohner von Faymonville „Türken“ genannt wurden, obwohl es unter ihnen anscheinend keine Türken bzw. nicht mehr Türken gab als in den Nachbargemeinden.

2 Antworten auf “Werner Giet und die „Türken“”

  1. Jochen Lentz

    Als ehemaliger Jugendspieler und langjähriger Fan der Turkania und als Enkel, Sohn und Bruder von ehemaligen Spielern der ersten Mannschaft nur soviel: Es gibt mehrere Vermutungen, warum die Faymonviller als Türken bezeichnet werden. Die gängigste besagt Folgendes: Anders als die benachbarten wallonischen Ortschaften gehörte Faymonville im Ancien Régime nicht zur Abtei Stablo-Malmedy, sondern zum Herzogtum Luxemburg. Als es darum ging, für die Bekämpfung der Türken einen Obulus zu entrichten, blieben die Faymonville aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu Luxemburg davon befreit – anders als die Nachbarortschaft. Diese beschimpften die Faymonviller daraufhin als Türken. Nur fassten die „Außenborner‘ (so wurden die Faymonviller früher in der deutschsprachigen Gegend genannt) den Namen nicht als Beleidigung auf.
    Wie dem auch sei: Ich wünsche den „Türken“, bei denen ich viele frohe und gesellige Stunden verbracht habe, alles Gute – ob in der Promotion oder in der 4. Provinzklasse. Ich kann mich übrigens noch gut erinnern, dass man bereits einmal in der 4. gespielt hat, so u.a. gegen Wallerode, als man den Aufstieg schaffte.

  2. Vereidiger

    „das allgemeine Desinteresse für die Vorstandsarbeit spielt eine Rolle“

    Das ist ein Grundübel in der heutigen Vereinswelt und darüber hinaus: Immer weniger Leute im „aktiven“ Alter finden sich bereit, ihre sowieso schon für 100.000 wichtige und unwichtige Dinge beanspruchte Freizeit auch noch für (jahrelanges) ehrenamtliches Engagement zu opfern.
    Neben der allseitigen Beanspruchung vieler Menschen in der stets komplizierteren Beziehung Arbeit-Familie-Freizeit ist sich breit machende Bedien-mich-Mentalität zu beklagen (ich bezahle Beitrag, also erwarte ich hochstehenden Service, Beschäftigung meiner Kinder, Erfolge…). Ein weiterer Grund sind die stets größeren Vorschriften und zugleich die entmutigende Kritik, der sich Ehrenamtler immer mehr ausgesetzt sehen.

    Es ist daher zu befürchten, dass noch manche Vereine (ob in Sport oder Kultur) ihre Tätigkeiten einschränken oder gar beenden werden, wenn die Zahl derjenigen, die sich eine Vorstandsarbeit noch „antun“ wollen, weiter zurückgeht…

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