Donald Trump läuft derzeit politisch tatsächlich Gefahr, bei den kommenden Midterm-Wahlen nicht nur die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu verlieren, sondern im ungünstigsten Fall auch die Kontrolle über den Senat.
Bis zum Wahltag am 3. November 2026 sind es aktuell rund 192 Tage – und genau diese Zeit dürfte entscheidend dafür sein, wie groß sein politischer Handlungsspielraum danach noch ist.
Die Midterms gelten in den USA traditionell als Referendum über den amtierenden Präsidenten. Historisch verliert die Partei im Weißen Haus fast immer Sitze im Kongress, oft deutlich. In Trumps Fall wird dieser strukturelle Nachteil durch die aktuelle Stimmungslage verstärkt: Seine Zustimmungswerte liegen nur bei etwa 33 bis 36 Prozent, während Umfragen zur generellen Parteipräferenz („generic ballot“) einen leichten, aber stabilen Vorsprung für die Demokraten von rund 2 bis 5 Prozentpunkten zeigen. Besonders unabhängige Wähler, die bei Zwischenwahlen oft den Ausschlag geben, wenden sich derzeit eher von den Republikanern ab.

18.04.2026, USA, Washington: US-Präsident Donald Trump spricht im Oval Office des Weißen Hauses. Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa
Im Repräsentantenhaus ist die Lage deshalb besonders heikel. Die republikanische Mehrheit ist äußerst knapp, sodass bereits wenige Sitzverluste ausreichen würden, um die Kontrolle zu verlieren. Vor diesem Hintergrund erscheint ein Machtwechsel hier derzeit eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich. Viele Wähler signalisieren zudem den Wunsch nach einem politischen Gegengewicht zum Präsidenten – ein klassisches Muster bei Midterm-Wahlen.
Der Senat hingegen ist deutlich umkämpfter. Zwar verfügen die Republikaner dort aktuell über einen solideren Vorsprung, doch entscheidet sich die Mehrheit in wenigen Schlüsselstaaten. Besonders in Pennsylvania, Wisconsin, Arizona, Georgia und Nevada zeigen Umfragen extrem knappe Rennen – oft innerhalb der Fehlermarge von etwa drei Prozentpunkten. Kleine Verschiebungen bei Wahlbeteiligung, wirtschaftlicher Entwicklung oder Kandidatenqualität können hier den Ausschlag geben. Entsprechend wird der Senat derzeit als echtes Kopf-an-Kopf-Rennen bewertet.
Neben diesen innenpolitischen Faktoren kommen zunehmend externe Belastungen hinzu. International wurde die Wahlniederlage von Viktor Orbán im Jahr 2026 von manchen Beobachtern als mögliches Warnsignal für politisch verwandte Bewegungen interpretiert. Orbán galt lange als ideologischer Bezugspunkt für Trump; sein Machtverlust zeigt, dass auch scheinbar gefestigte politische Systeme kippen können, wenn sich wirtschaftliche Unzufriedenheit und eine mobilisierte Opposition verbinden.

02.01.2026, USA, Washington: Dokumente mit geschwärzten Passagen, die in den vom US-Justizministerium freigegebenen Jeffrey-Epstein-Akten enthalten sind, werden am Freitag, 2. Januar 2026, in Washington gezeigt und fotografiert. Foto: Jon Elswick/AP/dpa
Hinzu kommt die außenpolitische Lage, insbesondere die Spannungen und militärischen Entwicklungen im Verhältnis zum Iran. Dieser Kurs stößt in der US-Bevölkerung auf Skepsis, da viele Wähler neue militärische Verstrickungen ablehnen. Politisch ist das brisant, weil Trump im Wahlkampf wiederholt betont hatte, die USA aus neuen Kriegen heraushalten zu wollen. Der aktuelle Kurs steht dazu im Widerspruch und wird von Kritikern als Belastung für seine Glaubwürdigkeit gewertet.
Zusätzlichen Druck erzeugt ein älterer, aber wieder stärker in den Fokus gerückter Komplex: die Affäre um Jeffrey Epstein. Neue Veröffentlichungen und Untersuchungen zu bislang teilweise geschwärzten Dokumenten halten das Thema in den Schlagzeilen. Trumps frühere Bekanntschaft mit Epstein ist dokumentiert, auch wenn keine strafrechtlichen Verfehlungen nachgewiesen wurden. Politisch wirkt die Affäre vor allem indirekt: Sie nährt Vorwürfe von Intransparenz und Elitenverflechtungen und bietet politischen Gegnern zusätzliche Angriffsfläche.
Unterm Strich ergibt sich ein klares, wenn auch nicht eindeutiges Bild: Ein Verlust des Repräsentantenhauses ist für Trump ein realistisches und derzeit sogar wahrscheinliches Szenario. Der Senat bleibt offen, könnte aber ebenfalls kippen, wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen. Zusammengenommen entsteht damit eine Lage, in der es durchaus möglich ist, dass die Republikaner bei den Midterms beide Kammern des Kongresses verlieren – mit erheblichen Folgen für Trumps politische Agenda in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit. (cre)
Oh Herr habe Erbarmen, schenke den Amis Hirn und beende diese Farce