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Warum kommt der König nicht zum PDG am Kaperberg?

Am 18. Juli kommt das (alte) Königspaar nach Eupen. Anlass ist nicht die bevorstehende Abdankung von Albert II., sondern das 20-jährige Thronjubiläum des Monarchen. Wer das Programm der Visite aufmerksam liest, stellt einen kleinen, aber nicht unwichtigen Schönheitsfehler fest: Zumindest von den Örtlichkeiten her ist der Besuch von Albert und Paola in Eupen eine reine Regierungsveranstaltung. Dabei stattet das Königspaar der gesamten DG einen Besuch ab. Weshalb also nicht auch einen Abstecher ins Parlamentsgebäude am Eupener Kaperberg vorsehen?

Empfangen werden Ihre Majestäten um 11 Uhr am Sitz des Ministerpräsidenten. Um 11.15 Uhr kommt es zu Darbietungen von Akteuren aus der DG im Garten der Residenz in Gospert 42. Kurz nach 12 Uhr begibt sich das Königspaar zu Fuß zum Ministerium der DG – also zur Regierungsverwaltung – auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dabei nehmen Albert und Paola auch ein Bad in der Menge.

Die Wiege unserer Autonomie

Das Parlamentsgebäude am Eupener Kaperberg spielt keine Rolle. Dabei wäre es für die letzte Visite von Albert II. in dessen Funktion als Staatsoberhaupt geradezu prädestiniert gewesen – und dies aus mehrfacher Hinsicht.

Zum einen steht das Parlament stellvertretend für alle Bürger der DG da. Zum anderen verkörpert kein anderes Gebäude die 40-jährige Autonomie unserer Gemeinschaft so stark wie das Parlament am Kaperberg. Es ist die Wiege unserer Autonomie. Hier wurde am 23. Oktober 1973 der Rat der deutschen Kulturgemeinschaft (RdK) eingesetzt.

Obendrein hat dieses altehrwürdige Gebäude am Kaperberg schon sehr bald als Sitz der Volksvertretung der DG ausgedient. Ein Besuch des Königs, kurz bevor dieser abdankt, wäre ein Zeichen großer Wertschätzung gewesen für diesen Ort und für all das, was in vier Jahrzehnten dort geschehen ist.

Das Parlament ist schwach

Chance verpasst. Leider. Es zeigt sich mal wieder, wie schwach und devot das Parlament inzwischen ist. Es hätte dem Parlamentspräsidenten sicherlich gut zu Gesicht gestanden, die Regierung daran zu erinnern, dass der Besuch des Königspaares der gesamten DG gilt und nicht nur deren Regierung.

Zwar sind bei der Visite auch Vertreter des PDG anwesend, in erster Linie dessen Präsident, doch wirken diese im Blitzgewitter der Pressefotografen wie Statisten – mehr aber auch nicht.

Manfred Betsch, Kurt Ortmann und Fred Evers hätten es garantiert nicht so weit kommen lassen. Irgendwann muss ein Parlament auch den Mut haben, der Regierung zu zeigen, wo der Hammer hängt…

GERARD CREMER

Siehe auch „Alles nur Satire – Königspaar am 18. Juli in Eupen“

24 Antworten auf “Warum kommt der König nicht zum PDG am Kaperberg?”

  1. Alemannia4ever

    Das Parlament zieht doch um, weil es zu eng ist. Und das Königshaus ist doch zur Einweihung des neuen Parlamentsgebäudes am 23. Oktober eingeladen. Wer glaubt denn ernsthaft, dass das Königspaar binnen kürzester Zeit zweimal dieselbe Institution besucht?

  2. Gerard Cremer

    @Alemannia4ever: Am 23. Oktober kommt nicht König Albert, sondern König Philippe, wenn er denn kommt. Und er besucht nicht das Parlament am Kaperberg, sondern das neue Parlamentsgebäude im ehemaligen Sanatorium am Kehrweg. Jedenfalls kann man davon ausgehen. Der Besuch von Albert und Paola am 18. Juli wäre eine einmalige Gelegenheit, das jetzt schon geschichtsträchtige Parlamentsgebäude am Kaperberg ein letztes Mal in einem feierlichen Rahmen – und im Beisein des amtierenden belgischen Staatsoberhaupts – zu würdigen.

  3. Alemannia4ever

    @Gerard Cremer
    Ich habe weder König Albert noch das Parlament am Kaperberg geschrieben. Es geht mir um die Institution Parlament. Und ob der König nun Albert oder Philippe heißt – und ob der Besuch nun am Kaperberg oder am Kehrweg stattfindet – das ist doch nun wirklich unerheblich.
    Warum soll man denn Altem hinterher trauern? Also ich zeige lieber was Neues als was Altes. Und Sie berichten doch auch lieber über Neuigkeiten als über kalten Kaffee.

  4. Abenteuerliche Verbindung mit Verschwörungsbeigeschmack. Gerard Cremer wie er leibt und lebt.

    Der König der Belgier wird doch wenn ich das richtig verstanden habe im Oktober das neue Paaarlament einweihen.

    • Gerard Cremer

      Genau, im Oktober besucht der NEUE König das NEUE Parlament der DG. Insofern wäre es nicht falsch gewesen, wenn am 18. Juli der ALTE König das ALTE Parlament besucht, zumal dieses sehr bald nicht mehr am Kaperberg angesiedelt sein wird. Wäre eine schöne Geste gewesen für ein Gebäude, das für 40 Jahre Autonomie steht. Ich sehe da auch keine Anhaltspunkte für irgendwelche Verschwörungstheorien…

      • Eastwind

        @Vereidiger: Sie schreiben, Hauptsache alles sei schön… Wenn es nur danach ginge, müsste Kattrin Jadin statt KH Lambertz das Königspaar empfangen :) Es geht nicht darum, dass der König dort empfangen werden soll, wo es die schönsten Gärten sind.

  5. Vereidiger

    Schon gewagt, das Ministerium als „Regierungsverwaltung“ zu bezeichnen… Und was sind da die Kabinette? Würden Sie eine Gemeindeverwaltung also als „Kollegiumsverwaltung“ bezeichnen?

    Außerdem kann der Sitz des MP eine schönere Architektur und einen repräsentativeren Garten vorweisen, als das PDG (wenn denn dort überhaupt eine Gartenanlage existiert).

    Am Ende zählen nur die Bilder, und da kann der Rahmen nicht exklusiv genug sein… Solange der PDG-Präsi mit von der Partie ist, ist allen Formalien Genüge getan.

  6. Zappel Bosch

    Vereidiger-Zitat : Schon gewagt, das Ministerium als “Regierungsverwaltung” zu bezeichnen

    Das Ministerium heißt Ministerium, weil es die Anweisungen, Erlasse und Dekrete der Minister umsetzt. Das Werkzeug der Exekutive sozusagen. Die machen keine Politik, zumindest sollten die das nicht machen…
    Die Kabinette sind die politischen Berater der Minister und gehören integral zur Exekutive, d.h. sie erarbeiten u.a. die Erlasse und Dekrete (und kümmern sich z.B. um die Reisen ;) )

    Ähnlich verhält sich das bei einer Gemeinde

    • Zappel Bosch

      Man sollte zumindest den „Alten“ doch auch mal an der Baustelle vorbei kutschieren (eine offene Droschke wäre vielleicht angebracht), damit er bewundern kann, was wir mit unseren Dotationen so alles bewerkstelligen können…
      Auch die innerbelgischen Parlamentarier dürften demnächst vor Neid – oder wird es Entrüstung sein – erblassen…

      • Alemannia4ever

        @ Zappel Bosch: Schauen Sie sich mal kleinere Parlamente wie etwa das der Flämischen Gemeinschaftskommission an. Da werden Sie feststellen, dass die DG wirklich bescheiden ist. Da werden andere Parlemtarier beim Anblick der PDG-Baustelle weder neidisch noch entrüstet sein.
        Warum kann man in der DG nicht stolz sein auf das Erreichte? Warum muss gerade hier in Kommentaren alles infrage gestellt werden?

        • Zappel Bosch

          Das flämische Parlament (Region und Gemeinschaft) ist garnicht so „üppig“, das wallonische auch nicht (Region; haben Sie sich mal angeschaut, wie die sitzen, idem in den Kommissionsräumen unterm Dach?) , beides mit bedeutend mehr Abgeordneten. Über die verschiedenen Brüsseler Parlamente (Region, Cocof und Flämische Gemeinschaftskommission kann ich nichts sagen, kenne ich nicht, aber das sind ja auch Bruxelairs (Dickenecks) …
          Warum muss ich mich freuen, dass wir ein unverhältnismäßig schönes großes Parlamentsgebäude haben, während Beamte „beschnitten“ werden müssen und andere Sparmaßnahmen (z.B. bei NGOs) nötig sind? Steuergeld sollte „en bon père de famille“ ausgegeben werden, wenn unsere Kinder – unter welchen Konjunkturbedingungen? – nicht auch noch dafür bluten sollen. Die Schulden eines Einfamilienhauses reicht man in der Regel auch nicht seinen Kindern durch…

          • Réalité

            @Zappel Bosch

            wie immer Zappel!Sie treffen den Nagel auf den Kopf!Man kann auch vieles übertreiben!Wenn man dies mit dem „eigenen Ersparten tut“….schneidet man sich selbst in die Finger und man tut’s damit sicher nie wieder,wenn man’s denn aber mit „Fremdgeld tut“….dann wird es schon kritischer!Dann muss man sich nicht wundern wenn man bei der nächsten Wahl „krachend durchfällt“…..!Denn der heutige Bürger ist schon sehr feinfühlig in diesen Sachen!Wir mussten hier im beschaulischen Ost-Belgien keine Prunkbauten haben wie diese….!?Einfach so…und nicht mal den Bürger gefragt vorher!!Unverzeilich und Unverständlich!!

  7. Eastwind

    Kann es sein, dass der König ein Sozialist ist? Der hatte doch schon vor der letzten PDG-Wahl unseren Ministerpräsidenten zum Königlichen Vermittler berufen und ihm damit ein großes Wahlgeschenk ermöglicht. Jetzt kann Lambertz wieder dank Albert „glänzen“.

    • Flitzpiepe

      Ein Monarch ein Sozialist? Das muss ein Scherz Ihrerseit sein lieber Eastwind. Geistig stehen sich Sozialismus und Monarchie diametral engegen. Nur ein Beispiel, der Sozialist ist gegen eine Klassengesellschaft, die Monarchie ist Eckpfeiler einer Stände- oder Klassengesellschaft. Wäre der MP ein Konservativer, dann hätten Sie sicherlich recht, denn Monarchien stehen konservativem Gedankengut selbstverständlich näher.

  8. Dr. M.A. Buse

    Interessant wäre es schon zu wissen, was eine Königsfamilie so den ganzen Tag macht: Bald haben wir drei Queens, zwei Kings, und jede Menge Nachkommen. Womit verbringen die eigentlich ihren Alltag?

    • Hallo Dr MA Buse, jetzt weiß ich auch, was „Burger King“ bedeutet : „König der Bürger“.

      „…….und jede Menge Nachkommen. Womit verbringen die eigentlich ihren Alltag?“

      Hoffentlich nicht damit, eine Menge Nachkommen zu…..

  9. Jim Knopf

    Der stachlige Herr Cremer. Nur wieso sie unbedingt wollen, dass man sich die Bruchbude anschauen geht vetsteh ich nicht. An Ende sieht noch jeder, dass der Neubau notwendig und gerechtfertigt ist.

  10. Eupener Platz

    ..soll ein Art Lokalgebäck sein. Spaß beiseite, bei der Anzahl der zu erwartenden Gäste ist es wahrscheinlich am Kaperberg zu eng. Und schließlich war Herr Lambertz auch mal königlicher Vermittler und der König verabschiedet sich just bei seinen Weggefährten.

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