Mehrere Abgeordnete des Europäischen Parlaments fordern Fußballverbände in den EU-Staaten in einem Brief dazu auf, sich für eine Untersuchung gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino einzusetzen.
Die FIFA solle aufklären, ob Infantino an der Entscheidung beteiligt gewesen sei, die Sperre nach der Roten Karte gegen US-Fußballer Folarin Balogun aufzuheben – und ob Druck der US-Regierung dabei eine Rolle gespielt habe, heißt es in einem von 72 Abgeordneten unterzeichneten Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
„Eine rote Linie wurde überschritten“, teilte der dänische sozialdemokratische EU-Parlamentarier Niels Fuglsang mit, der zu den drei Initiatoren des Briefes gehört. „Fußball sollte Menschen zusammenbringen und nicht als eine Plattform für politische Begünstigung dienen. Wenn der FIFA-Präsident die Grenzen zwischen Sport und Politik verwischt, wird die Integrität des Spiels dadurch riskiert.“

28.08.2018, USA, Washington: US-Präsident Donald Trump (r) hält während eines Treffens mit FIFA-Präsident Gianni Infantino im Oval Office des Weißen Hauses am 28.08.2018 eine Rote Karte hoch. Foto: Evan Vucci/AP/dpa
In dem Schreiben betonen die EU-Parlamentarier, dass die Fußballverbände nach ihrem Verständnis des Ethik-Kodex der FIFA verpflichtet seien, Funktionäre zur Verantwortung zu ziehen, wenn es Beweise gebe, dass diese die Regel politischer Neutralität brächen. Der Entscheidungsprozess zur Aufhebung der Sperre gegen den US-Stürmer müsse überprüft werden.
Balogun war beim 2:0-Erfolg im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina mit Rot vom Platz geflogen und damit für die Achtelfinal-Partie gegen Belgien gesperrt worden. Die FIFA hob die Sperre aber überraschend auf.
Trump hatte zuvor nach eigenen Angaben mit einem Anruf bei der FIFA um eine Überprüfung der Sperre gebeten, was für große Kritik gesorgt hatte. Balogun stand gegen Belgien zwar in der Startelf des WM-Mitgastgebers, spielte in dem Duell aber keine große Rolle. Die Belgier gewannen mit 4:1. (dpa/cre)