Kultur

Rhetorika 2014: Ungelöste Krim-Krise bringt Joshua Weinbrenner den Sieg

Die Finalisten der Rhetorika 2014. Foto: Jannis Mattar

Am Samstagabend fand im Kino Scala in Büllingen die diesjährige Rhetorika statt. Gewinner des Rednerwettstreits wurde Joshua Weinbrenner vom Königlichen Athenäum St.Vith mit seiner Rede über die Krim-Krise. Er gewann vor Ruth Butler (RSI Eupen) und Patrick Spies (Maria-Goretti St.Vith). Letzterer gewann den Publikumspreis.

Wenngleich sich die Rede-Themen der Rhetorika von Jahr zu Jahr ändern, kommen sie den Zuschauern doch bekannt vor.

Die Abiturienten sprachen am Samstagabend über das, was auch die weltweiten Medien und die Politik beschäftigt, sei es nun Putins Machtkampf mit den USA, die Vergabe der Fußball-WM an ein Land mit mittelloser Bevölkerung oder die Transparenz und Glaubwürdigkeit eines Industrieriesen.

Sieger Joshua Weinbrenner. Foto: Jannis Mattar

Sieger Joshua Weinbrenner. Foto: Jannis Mattar

Dass es nicht leicht ist, diese Themen interessant und argumentativ aufzuarbeiten, sagte auch Jurypräsident Harald Mollers. „Es waren sehr komplexe Themen, die in einer sehr kurzen Zeit bearbeitet werden mussten. Ich möchte allen Finalisten gratulieren. Jeder Einzelne hat großen Respekt verdient.“

Neben der vorbereiteten Rede mussten die Teilnehmer auch wieder spontan auf ein Zitat antworten: „Humor haben nicht selten die Menschen, die eigentlch nichts zu lachen haben.“

Abgesehen von den mittlerweile schon bekannten Sticheleien zwischen Moderator Olivier Krickel und dem jeweiligen DG-Minister (in diesem Jahr war es wieder Harald Mollers), hatte der Jurypräsident die schwierige Aufgabe, mit seinen sechs Kollegen die Bestplazierten festzulegen.

Ruth Butler belegte den zweiten Platz. Foto: Jannis Mattar

Ruth Butler belegte den zweiten Platz. Foto: Jannis Mattar

Den dritten Platz belegte laut ihrer Einschätzung Patrick Spies, der auch den Publikumspreis gewann. Er sprach über das Tabuthema Homosexualität im Sport. Dabei sei nicht der Sportler das Problem, so Spies: „Die sexuelle Neigung sagt rein gar nichts über die Leistungsfähigkeit aus. Der Sportler macht seinen Job deswegen nicht schlechter, und darum geht es. Die Gesellschaft hat sich dem Thema zwar schon geöffnet, aber nicht genug, da muss sich noch etwas ändern.“

Das Rennen um Platz zwei machte Ruth Butler. Ihre gewagte Eröffnungsthese („Geld existiert eigentlich nicht, es ist eine Erfindung der Menschheit“) wurde belohnt. „Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Schuld daran ist die Gier derjenigen, die sowieso schon über ein großes Vermögen verfügen. Wie man das allerdings ändern soll, weiß ich nicht.“

Patrick Spies belegte Platz 3 und gewann den Publikumspreis. Foto: Jannis Mattar

Patrick Spies belegte Platz 3 und gewann den Publikumspreis. Foto: Jannis Mattar

Sieger der Jurypreises war in diesem Jahr Joshua Weinbrenner. Er wusste die Jury mit seinem Referat zur Krim-Krise voll und ganz zu überzeugen. Und er sprach in seinem Plädoyer sogar über einen Lösungsansatz. „Wirtschaftliche Sanktionen wären effektiv, da Russlands Export – abgesehen von Gas und Öl – nicht sehr groß ist. Aber das geht nur, wenn die USA der EU die Versorgung an Erdöl und Gas zusichern.“

Nach seiner Auffassung kann die derzeitige Situation gut und gerne als Kalter Krieg 2.0 bezeichnet werden. Weinbrenner: „Die Umstände sind gegeben. Russland und die USA lassen die Muskeln spielen, und wir stehen dazwischen.“

Es soll nicht ungesagt bleiben, dass auch die restlichen fünf Finalisten des Rednerwettstreits von „Jugend und Gesundheit“ Beeindruckendes geleistet haben und verdienterweise nicht leer ausgingen. Neben Büchergutscheinen durften alle Teilnehmer einen Gutschein für jeweils 500 Euro vom Autohaus Johnen in Empfang nehmen.

Die Jury der Rhetorika. Foto: Jannis Mattar

Die Jury der Rhetorika. Foto: Jannis Mattar

Die acht Finalisten und ihr Thema:

  • Florence Eicher: „ADAC – Auto Daten Austausch Club“
  • Patrick Spies: „Ende der Toleranz? Homosexualität im Sport“
  • Nora Sproten: „Sterbehilfe – Wer entscheidet über Leben und Tod?“
  • Ruth Butler: „Millionäre – Die Schere zwischen Arm und Reich klafft weiter auseinander“
  • Caroline Palm: „Migrationspolitik – integriert und doch ausgewiesen?“
  • Elena Hoffmann: „Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien – Mega Event zu jedem Preis?“
  • Joshua Weinbrenner: „Krim: Kalter Krieg 2.0“
  • Clarisse Egyptien: „ADHS – der moderne Zappelphilipp?“

Die Jury bildeten: Harald Mollers (Minister), Jürgen Heck (Grenz-Echo), Robert Brandt (Versicherungen Brandt), Martha Kerst (Autonome Hochschule), Marc Klütgen (ING Ostbelgien), Toni Wimmer (BRF), Werner Zimmermann (Dolmetscher).

JANNIS MATTAR

  1. Die Rhetorika ist eine tolle Initiative, die ich jedes Jahr verfolge. Unmöglich finde ich jedoch seit Beginn die Zusammensetzung der Jury. Was tut jemand von den Brandt Versicherungen oder der ING in der Jury? Nur weil deren Firmen Sponsoren sind? Auch über die Präsenz in der Jury von Minister Mollers und BRF-Direktor Wimmer ließe sich streiten. Ich wüsste nicht, was Herrn Wimmer für einen solchen Rednerwettstreit qualifiziert. Vom BRF hätte Moderator Krickel oder ein anderer Redakteur dort sein müssen, aber nicht der Direktor. Aber gut. Wie gesagt, abgesehen von diesem Manko ist diese Rhetorika eine lobenswerte Initiative.

  2. Réalité

    „Logo“,dass diese Leute auch mit in der Jury sitzen,wenn die schon Sponsoren und die Preise u Kosten tragen!
    Auch Leute aus der Wirtschaft haben studiert und Fortbildungen,siehe Übungen mit Kundengesprächen usw gemacht und sind sicher auch intelligent genug in dem Wettbewerb zu urteilen!
    Wer sollten das denn tun meinen Sie?
    Etwa noch mehr Lehrer und oder Minister!?Und der Herr Wimmer,der findet sich ganz sicher dort wieder,indem er ja Jahrelang Pressearbeit machte bei der RWTH Aachen!Er kann seinem Herrn Krickel gewiss noch viele Tipps geben!

  3. hella signon

    Das Autohaus Johnen hat zwar jedem Finalisten einen Gutschein über 500€ überreicht, jedoch ist dieser NUR einzulösen beim Ankauf eines Autos!!!! Die Abiturienten sind17!!! PR für Johnen, aber sonst nur heiße Luft und Enttäuschung bei den Jugendlichen.

  4. Jetzt werden schon die Kinder gedrillt, Gedichte gegen Russland aufzusagen.
    Die EU ist eine Demokratie, die jeden mit Sanktionen belegt, der Volksabstimmungen durchführt, egal ob Schweiz oder Krim.

  5. Jannis Mattar

    Ich denke, man sollte da mit Herrn Johnen nicht zu streng sein. Natürlich will er als Geschäftsmann auch von der Geste profitieren, aber fakt ist: Einige der Abiturienten werden zum studieren vielleicht ein Auto kaufen. Wenn sie das bei Johnen tun, bekommen sie 500 Euro Ermäßigung und 2 Jahre Wartung.
    Niemand ist gezwungen dieses Angebot wahrzunehmen.

    • und zudem kommt: alle 8 haben schon ein dickes Geschenk bekommen: sie haben diese Chance bekommen, sie sind toll begleitet worden, sie haben feed-backs bekommen, sie standen im Mittelpunkt. Immateriell sind sie also schon reich beschenkt worden, jetzt über die an die Bedingungen geknüpften 500 € zu lamentieren ist schlechter Stil.

  6. Schlauberger

    Ich denke, dass es alles andere als fieser Kommerz von Johnen ist. Alle 8 Finalisten sind reich beschenkt worden und sind bestimmt nicht dafür angetreten, damit sie vom Geschenk von Garage Johnen profitieren können, sondern um was dabei zu lernen. Das hier ist eine feine Geste, womit keiner gerechnet hat und die sie jetzt mit abgestaubt haben, oder nicht? Wer erwartet von einem Autohaus, dass es Ihnen 500 € Geschenkgutscheine vom Mediamarkt oder ähnliches kauft?? Oder glaubt ihr etwa, das wenn sich eine Metzgerei als Sponsor eingeschaltet hätte keine Wertgutscheine für 500 € Fleisch gegeben hätte?… Einer der ersten Schritte in die Selbstständigkeit ist der Kauf eines Autos. Egal welches, ob alt oder jung, und genau das ist die feine Geste. Fieser wäre gewesen hätte er sie festgenagelt ein Neufahrzeug zu kaufen, denn dazu haben in der Tat nicht viele junge Leute die Mittel. Aber die Leute bei Johnen unterstüzt sie mit den Mitteln, die die Jugendlichen haben. Ich persönlich wäre mit diesem Geschenk froh gewesen als junger Gewinner. 500 € + 2 jahre Wartung oder?….

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