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Julen ist tot: Trauriges Ende einer dramatischen Bergung – Das erhoffte Wunder fand nicht statt

26.01.2019, Spanien, Totalan: Die Guardia Civil patrouilliert in der Nähe des Brunnenschachts, in dem Rettungsteams den Körper des toten Julen gefunden haben. Foto: Álvaro Cabrera/dpa

AKTUALISIERT – Fast zwei Wochen lang haben Rettungsteams nach dem in einem tiefen Brunnen verschollenen Julen gesucht. Jetzt wurde aus den schlimmsten Befürchtungen traurige Gewissheit: Der kleine Junge hat den Sturz nicht überlebt. Dabei hatten viele noch auf ein Wunder gehofft.

Julen ist tot, und ganz Spanien trauert. Fast zwei Wochen lang hatten Hunderte Einsatzkräfte unermüdlich gearbeitet, um den zweijährigen Jungen aus einem 107 Meter tiefen Brunnenschacht in dem Ort Totalán zu bergen.

Am Freitag gelang es ihnen endlich, zu dem Kind vorzudringen. Jedoch konnten sie nur noch seine Leiche bergen. Vorausgegangen waren immer neue Rückschläge wegen des harten Gesteins an dem schwer zugänglichen Unglücksort am Hügel Cerro de la Corona nahe der Küstenstadt Málaga.

24.01.2019, Spanien, Totalan: Jose Rosello (l) und Vicky Garcia (M.), Eltern des zweijährigen Julen, schließen die Augen und umarmen sich bei einem Treffpunkt mit Medien. Foto: Daniel Pérez/dpa

Nach tagelangen Bohrungen wurde der Junge in einer Tiefe von mehr als 70 Metern gefunden, wie das spanische Fernsehen berichtete.

„Die Einsatzkräfte haben um 1.25 Uhr den unglücklicherweise leblosen Körper des Kleinen lokalisiert“, twitterte der Delegierte der Madrider Zentralregierung in Andalusien, Alfonso Rodríguez Gómez de Celiz, der den Eltern sein Beileid aussprach. Die spanische Zivilgarde schrieb: „Leider haben wir es trotz aller Bemühungen so vieler Menschen nicht geschafft… Ruhe in Frieden Julen.“ Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Retter hatten seit dem 13. Januar versucht, zu dem Kind in dem extrem engen, nur 25 Zentimeter breiten Schacht vorzudringen. Allerdings gab es keine Lebenszeichen von ihm, zudem war unklar, in welcher Tiefe des illegal auf der Suche nach Wasser gegrabenen Loches es sich befand.

Dennoch hatten nicht nur die Eltern, die 2017 bereits einen Sohn verloren hatten, auf ein Wunder gehofft. Noch am Donnerstagabend waren Hunderte Anwohner aus dem Ort zu einer Mahnwache zusammengekommen, um für das Kind zu beten.

Über 300 Retter bei Bergungsarbeiten im Einsatz

Experten hatten versichert, dass es nicht ausgeschlossen war, das Kind lebend zu finden. Jedoch waren die Hoffnungen auf ein glückliches Ende des dramatischen Unfalls mit jeder Minute geschrumpft. Besonders bei der Bohrung eines Parallel-Tunnels war es zu immer neuen Verzögerungen gekommen, weil die Retter auf extrem hartes Gestein stießen.

25.01.2019, Spanien, Totalan: Francisco Delgado Bonilla, Vorsitzender der Feuerwehr von Malaga, spricht mit Journalisten über den Fall des zweijährigen Julen, der in einen Brunnenschacht gestürzt sein soll. Foto: Daniel Pérez/dpa

Experten betonten, normalerweise seien für eine solche Aktion, bei der 40.000 Tonnen Erde abgetragen wurden, Monate nötig. Einen vergleichbaren Notfall in einer solchen Tiefe habe es weltweit noch nie gegeben, hieß es.

Seit Donnerstagabend hatten erfahrene Bergarbeiter aus der nordspanischen Kohleregion Asturien unter schwierigsten Bedingungen vom Grund des Parallelschachts aus einen vier Meter langen horizontalen Tunnel gegraben, um zu Julen vorzudringen. Sie konnten dabei 36 Stunden lang nur kniend oder liegend in Zweier-Teams arbeiten und kämpften sich mit Spitzhacken und Presslufthämmern durch den Felsen.

Mehrmals waren Mikrosprengungen nötig, so noch am späten Freitagabend, als die Spezialisten nur noch wenige Zentimeter von Julen trennten. Zudem war bis zuletzt unklar, ob der Junge tatsächlich in der von den Experten vermuteten Tiefe gefunden werden würde.

Der Kleine war bei einem Ausflug mit seiner Familie in das Loch gefallen. Bei Kameraaufnahmen war im Schacht eine Tüte mit Süßigkeiten entdeckt worden, die Julen bei sich hatte, später waren Haare des Jungen gefunden worden. Mehr als 300 Retter hatten sich an den Bergungsarbeiten beteiligt. (dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

23 Antworten auf “Julen ist tot: Trauriges Ende einer dramatischen Bergung – Das erhoffte Wunder fand nicht statt”

  1. Kaiser Monika

    Unser Enkelkind ist mit 2,5 Jahren auch in einen 4 Meter tiefen Brunnen gefallen. Irgendwo in der Mitte müssen wohl 1.000 Schutzengel ihn aufgefangen haben, sodass er genau bis zum Mund ins Wasser gekommen ist. Ich fühle und bange so sehr mit den Eltern und hoffe, dass alles gut ausgehen wird.
    Monika Kaiser

  2. Alfons van Compernolle

    Wie wohl die Ueberlebenschancen des kleinen Jungen sind im 100 m tiefen Schacht , tage lang ohne Wasser und Nahrung ??? Nach 30 Jahren ehrenamtlichen Dienst beim THW in einer Bergungsbereitschaft
    und diversen Bergungseinsaetzen im In & Ausland , denke ich (Leider) , dass die Chancen dieses Kind lebend zu Retten, gering sind ! Leider ! Aber man sollte die Hoffnung nicht aufgeben ! Als 4 facher Vater haben diese Eltern mein volles Mitgefuehl!

  3. Ich denke die Eltern haben unser Aller Mitgefühl. Die Chancen das der Junge noch lebt sind denke ich gleich Null, wobei die Hoffnung natürlich bis zur letzten Sekunde bestehen wird, egal wielange es dauert. Das ist denke ich normal und menschlich. Auf der Anderen Seite sollte man bedenken was es fudas Kind heissen würde, wäre er tatsächlich noch am Leben. So lange Zeit alleine in einem engen finsteren kalten Loch ohne Nahrung Flüssigkeit usw….verletzt und zerschunden…pure Angst und verlassen…Warum kommen Mama und Papa nicht?…diese Vorstellung schmerzt noch mehr…

  4. Idée fixe

    Jeder der selbst Kinder hat ( wenigstens meine Wenigkeit) denkt jeden Abend an diesen armen kleinen Kerl. Manchmal wünscht mein Unterbewusstsein sich das er diesen Horrorfilm nicht allzu lange erleben musste.
    Zum heulen.

  5. ganz langsam kommt auch etwas wie ärger auf die medien hoch, hält man doch noch die „spannung“ hoch, ob das kind gar noch lebend und gesund geborgen werden könnte.
    Wieviel tage ist das her, das das kind da 100 m tief gefallen ist?????

  6. geistesblitz

    Hallo an Herrn Cremer!
    Bitte nicht in die Spamm ..Danke.
    Den Kommentatoren. Oder Besser gesagt Facebook Geistlichen,usw.
    Information anstatt Spekulation.
    https://www.linternaute.com/actualite/societe/1763128-julen-en-espagne-le-final-dramatique-du-sauvetage-de-l-enfant-direct/
    Mein Beileid der Familie ,
    Von dem einen oder anderen würde ich mir wünschen die Internationale -Presse zu lesen.
    mal selber zu Recherchieren.
    Statt wie hier mal wieder ,Eure Duftmarken Zu setzen,
    Danke

    • Andre hermann

      Sie haben schon recht.
      Dazu möchte ich schreiben, daß die Medien zu oft nur über emotionalen Nachrichten intensiv berichten. Die dramatische Entwicklung war hier mediatorisch sehr „tragend“.
      In Brasilien ist ein Staudamm gebrochen und mindestens 200 Menschen werden vermisst. Diese Nachricht ist für Medien nicht so „interessant“ weil keine Mutter „Oh! Armes Kind!“ schreiben wird.

    • Was erwarten Sie von einem Gott? Soll er alle menschlichen Fehler (illegal gegrabenes Loch) einfach verbessern oder nicht zulassen? Ich glaube an einen Gott, der den Menschen nicht die Freiheit beschneidet, der den Menschen auch für ihr Tun oder Nicht-Tun die Freiheit und die Verantwortung überlässt. Und ich glaube, dass dieser Gott mich mit meinen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten einfach gern hat.
      Ich habe Ihnen nur meine Überzeugung mitgeteilt und erwarte nicht, dass Sie damit einverstanden sind. Jeder Mensch ist frei in seinem Glauben.

      • Ja nee is klar. Weil ein abgeblich wohlwollender und gutmütiger Gott ein zwei-jähriges Kind nicht hätte ablenken können. Ich mein ja nur, weil Zwei-jährige ja auch so ein super voll entwickeltes Verständnis der Welt haben, und hätte wissen müssen, nicht da rein kriechen zu müssen. Freier Wille und so.

        • Verstehe ich Sie richtig, dass Ihr Gott immer eingreifen müsste, wenn aus menschlichen Aktivitäten Gefahren für andere entstehen könnten? Beispiele: das Graben dieses Lochs in Spanien, Geschwindigkeitsbegrenzung bei PKW’s, Handygebrauch beim Autofahren, Schwindel bei Brückenbauten, die später einstürzen … Dieser Gott würde dem Menschen keine Freiheit lassen. Und das bisschen Freiheit, das ich habe, möchte ich behalten. Dabei ist die Kehrseite der Freiheit Verantwortung.

  7. Für mich zählt nur eines, dass dieses Kindchen um aller Herrgotts Willen nicht leiden mußte und so schnell wie möglich sich von dieser Welt verabschieden konnte. Der Gedanke, es könnte schwer verletzt in diesem dunklen Loch gelegen haben, keine Mama, kein Papa bei ihm um es zu trösten oder etwas zu erklären, dieser Gedanke ist einfach so entsetzlich, dass man selber sterben möchte. Und das ist wahrscheinlich auch der Gedanke, den die Eltern nicht loswerden können, egal, was die Autopsie verkündet (oder verschweigt). Wie soll man da als Eltern weiterleben, wieviel Kraft braucht man dazu, zumal bereits ein Kind zuvor verstorben ist. Der „liebe“ Gott hat seine Gnade sehr undurchsichtig für uns Menschen verteilt.

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