Leute von heute

Rummel um Harry und Meghan geht auch vielen Menschen auf die Nerven

19.05.2018, Windsor: Zwei Besucher in den britischen und US-Farben kommen zum Long Walk vor Schloss Windsor vor Beginn der Hochzeitsfeierlichkeiten. Foto: Mike Egerton/PA Wire/dpa

Hohe Kosten, Medienrummel und das Zelebrieren einer veralteten Staatsform. Die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle bringt auch einem Teil der Bevölkerung Großbritanniens auf die Palme. Im Netz und auf Veranstaltungen machen sie ihrem Ärger Luft.

Wenn man sich in diesen Tagen nur auf die Medien verlässt, könnte man meinen, ganz Großbritannien, ja sogar ganz Euro sei verrrückt nach Prinz Harry und Meghan Markle vor deren „Traumhochzeit“ am kommenden Samstag.

Schlagzeile von bild.de am Samstag, 19.05.2018.

Dieser Eindruck entsteht vor allem deshalb, weil die Medienhäuser fast ausschließlich ihre Klatschreporter und Bewunderer der Monarchie und des royalen Kitschs auf die royale Vermählung in London angesetzt haben, die ein zum Teil völlig verzerrtes Bild von der Wirklichkeit vermitteln – gemäß der Devise: „Ganz Großbritannien ist entzückt…“

Es gibt aber auch auf der Insel Menschen, die das royale Paar am liebsten auf den Mond schießen würden. Dahinter stecken zum Teil Unbehagen mit der Monarchie, Kritik an den hohen Sicherheitskosten und Überdruss am Medientrubel.

Graham Smith von der Organisation „Republic“, die sich für eine Abschaffung der Monarchie einsetzt, findet es nicht in Ordnung, dass die Öffentlichkeit für die erheblichen Sicherheitsvorkehrungen in Windsor aufkommen soll.

Friedliche Proteste erlauben

Schätzungen zufolge könnte der Polizeieinsatz bei der Feier am 19. Mai den Steuerzahler rund sieben Millionen Pfund (etwa acht Millionen Euro) kosten.

„Unterm Strich ist das eine private Hochzeit, und wenn sie das in Windsor feiern wollen in einer Art, die die Steuerung von Menschenmassen und Sicherheitsmaßnahmen erfordert, dann sollte die Königsfamilie selbst dafür zahlen“, sagte er dem “Belfast Telegraph“.

19.05.2018, Windsor: Ein Zuschauer in einer britischen Flagge schläft auf einer Bank vor Beginn der Hochzeitsfeierlichkeiten. Foto: Mike Egerton/PA Wire/dpa

Smith verlangt, dass friedliche Proteste in der Nähe der Kutschen-Route von Prinz Harry und Meghan nicht eingeschränkt werden. Bei der Hochzeit von Prinz William und seiner Frau Kate wurden 2011 angeblich Monarchiegegner bei einer Protestaktion festgenommen. Ob am 19. Mai Demonstranten nach Windsor kommen, blieb zunächst unklar.

Auch in den sozialen Netzwerken ist nicht überall eine positive Stimmung, wenn es um das royale Fest geht. Auf Facebook tummeln sich Seiten mit Namen wie „Boycott The Royal Wedding“ oder „Anti-Royal Wedding“. Ein monarchiekritscher Hashtag (#antiroyal) macht außerdem auf dem Kurznachrichtendienst Twitter die Runde.

Die Kunst-Szene setzt sich mit dem royalen Event ebenfalls kritisch auseinander. Am 12. Mai fand in der Londoner Bar Number 177 eine Show mit dem Titel „A Right Royal Group Show“ statt, bei der Künstler ihre Werke zur Königsfamilie und dem Medientrubel um die Hochzeit zeigten. Bereits in der Einladung wurde gewarnt: Manche Stücke könnten Kontroversen auslösen.

Monarchie als System veraltet

So entwarf zum Beispiel der Künstler RIP Artist ein Gemälde, auf dem Prinz Harry und Meghan Markle im Zentrum einer britischen Flagge zu sehen sind. Mit je einem Hund auf dem Arm sitzen sie Seite an Seite auf dem Boden, dazu die Aufschrift „remove them“ (weg mit ihnen). Die Schriftart erinnert an ausgeschnittene Zeitungsbuchstaben.

Das von der Royal Mail zur Verfügung gestellte Foto zeigt eine Sonderbriefmarke mit dem offiziellen Verlobungsfoto von Prinz Harry und Meghan Markle. Foto: Alexi Lubomirski/Royal Mail/dpa

Initiatorin der Veranstaltung ist die Betreiberin des Blogs „Hello the mushroom“, Sara Lucas. Sie lud 40 Künstler ein, darunter einige Gegner des Königshauses.

Sara selbst ist an den Royals nicht besonders interessiert. „Ich finde, es gibt wesentlich wichtigere Dinge, über die berichtet werden sollte“, sagt sie. Die Schlagzeile „Mann heiratet Frau“ sei keine Nachricht wert. „Ich denke, dass die Monarchie als System veraltet ist und als solches auch nur in Geschichtsbücher gehört.“

In einem Pub im mittelenglischen Derby sind sämtliche Themen rund um die royale Hochzeit verboten. Wer die Wörter „wedding“ (Hochzeit) oder „royal“ (königlich) in den Mund nimmt, muss sogar ein Pfund-Stück in ein Sparschwein werfen. Die Fernseh-Übertragung der Hochzeit wird, ebenso wie die von William und Kate, nicht in der Kneipe zu sehen sein. „Ich bin mir sicher, dass die Gäste, die wir damals hatten, dieses Jahr wiederkommen“, sagt die Betreiberin.

Auch in Schottland hält sich das Treiben rund um Prinz Harry und seine Verlobte in Grenzen. Gerade einmal ein Straßenfest zu Ehren der frisch Vermählten sei derzeit in Planung, berichtet die Boulevardzeitung „Daily Express“ auf ihrer Website. Und die soll sogar erst einen Tag nach der Hochzeit stattfinden. (dpa/cre)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf „Ostbelgien Direkt“:

  1. R.A. Punzel

    Der „Rummel“ um diese A…mtsträger geht auch manchen DG-lern auf die Nerven. Warum wird so ein Schwachsinn veröffentlicht? Hängen die ganzen Blödleser jetzt in diesem Blog ´rum?

  2. Mischutka

    Stimmt haargenau ! Danke für den Artikel. Übrigens stand noch vor ein paar Tagen in diversen Zeitungen zu lesen, die Schwester der Braut Meghan habe den Prinzen ausdrücklich und mehrmals vor einer Heirat mit „dieser Frau, meine sogenannte Schwester“ gewarnt !!! (Es gebe genüg „Gründe“ von einer Heirat abzusehen…….).
    Und da fällt mir noch ein WITZ ein :
    Der kleine Sohn geht zum ersten Mal mit seinem Vater in den Zoo. Der kleine Mann ist ganz begeistert von den vielen Tieren. Dann kommen beide bei den Kamelen vorbei. Fragt der Kleine seinen Vater : „Sag mal Papi, heiraten eigentlich auch Kamele ?“ – Darauf der Vater : „NUR Kamele, mein Sohn“ …….

  3. Gut, dass so ausführlich darüber berichtet wird.

    Da kann die eine Hälfte der Bevölkerung, nein eher 90 %, jubeln und den tristen Alltag vergessen, die restlichen 10 % können sich so herrlich darüber empören, dass so viel darüber berichtet wird und dass die Leute jubeln, und die Medien können sowohl über die Feier und das Jubeln als auch über die Empörung berichten. In letztere Kategorie fällt wohl dieser Artikel hier bei OD, während die Hofberichterstattung schon frühzeitig am 27.11. stattfand: „aufgeregt und hocherfreut“:
    https://ostbelgiendirekt.be/prinz-harry-und-meghan-markle-wollen-heiraten-155101

    Zum Schloss sind alle glücklich und zufrieden, was ja wohl der Zweck der Sache ist.

  4. Alfons Van Compernolle

    Mich interessiert dieses ganze Theater ueberhaupt nicht. Sollen auch diese Menschen Heiraten wem immer sie moechten ohne dieses ganze Thaeter ! Was fuer mich interessant ist, was dieses Theater kostet und wer es Bezahlen muss ????

Hinterlasse eine Antwort

Desktop Version anfordern