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Kevin De Bruyne zieht Belgiens Kopf aus der Schlinge – Die Roten Teufel gewinnen mit viel Mühe und Glück 2:1

17.06.2021, Dänemark, Kopenhagen: Yussuf Poulsen (3.v.l) von Dänemark erzielt das 1:0. Foto: Hannah Mckay/POOL Reuters/AP/dpa

Trotz einer katastrophalen ersten Halbzeit hat die belgische Fußball-Nationalelf auch ihr zweites Gruppenspiel bei dieser EM gewonnen. Die Roten Teufel gewannen gegen entfesselt aufspielende Dänen mit viel Mühe und Glück 2:1.

Auch viel Herz und Leidenschaft haben Dänemark im ersten EM-Spiel nach dem dramatischen Zusammenbruch von Topstar Christian Eriksen nicht vor der zweiten Niederlage bei der Fußball-Europameisterschaft bewahrt.

Unterstützt von 25.000 lautstarken Zuschauern in Kopenhagen verlor der Co-Gastgeber am Donnerstag trotz früher Führung und eines leidenschaftlichen Auftritts gegen den WM-Dritten Belgien mit 1:2 (1:0) und steht vor dem vorzeitigen EM-Aus.

17.06.2021, Dänemark, Kopenhagen: Romelu Lukaku (l) von Belgien und Simon Kjaer von Dänemark kämpfen um den Ball. Foto: Friedemann Vogel/EPA Pool/AP/dpa

Der noch punktlose Europameister von 1992 ist hinter Belgien (6), Russland (3) und Finnland (3) nun sogar Gruppenletzter.

Entscheidend für den Spielverlauf war das Comeback des belgischen Topstars Kevin de Bruyne von Manchester City, der nur zweieinhalb Wochen nach seinem Augenhöhlen- und Nasenbeinbruch im Champions-League-Finale zu Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Der 29-Jährige bereitete den Ausgleich durch Thorgan Hazard (55. Minute) vor und erzielte dann selbst den Siegtreffer (71.).

Yussuf Poulsen (2.) vom deutschen Vizemeister RB Leipzig hatte die Gastgeber früh in Führung gebracht und die Gänsehaut-Atmosphäre im Parken Stadion sogar noch gesteigert.

Leidenschaftlicher Auftritt der Dänen

Für die Dänen war es bei der Rückkehr an den Ort ihres Dramas der erwartet emotionale Abend. In dem Stadion, in dem der 29 Jahre alte Eriksen am vergangenen Samstag beim Auftaktspiel gegen Finnland (0:1) auf dem Spielfeld zusammengebrochen und wiederbelebt worden war, wurden seine Teamkollegen diesmal schon beim Aufwärmen bejubelt.

17.06.2021, Dänemark, Kopenhagen: Thomas Meunier (l) von Belgien kämpft mit Yussuf Poulsen von Dänemark um den Ball. Foto: Friedemann Vogel/EPA Pool/AP/dpa

Alle trugen etwas zu diesem Gesamterlebnis zu Eriksens Ehren bei. Zahlreiche Fans kamen mit seinem Namen und seiner Rückennummer 10 auf ihren Trikots ins Stadion. An den Tribünen hingen Plakate wie „Hele Danmerk er med dig, Christian“ (Ganz Dänemark ist mit dir, Christian).

Die Stadionregie spielte noch vor den Nationalhymnen die Fußball-Hymne „You’ll never walk alone“ ein, die als Symbol des Zusammenhalts ansonsten vor allem beim FC Liverpool gespielt wird. Nach zehn Spielminuten unterbrach Schiedsrichter Björn Kuipers aus den Niederlanden dann sogar die Partie, damit alle Zuschauer und Spieler noch einmal lautstark für Eriksen applaudieren konnten.

Dänemarks Trainer Kasper Hjulmand hatte am Vortag noch davor gewarnt, dass diese riesige Welle der Unterstützung seine Spieler auch überfordern könnte. Doch tatsächlich passierte dann das, was Kapitän Simon Kjaer schon am Nachmittag in seiner Grußbotschaft an die Fans vorweggenommen hatte: „Wir werden den Platz mit Christian in unseren Herzen betreten“, schrieb der Abwehrchef vom AC Mailand. Dass es Eriksen wieder besser gehe, sei „die größte Motivation für uns alle“.

Mit Witsel, Eden Hazard und De Bruyne kam die Wende

Das setzte bei den Dänen so viele Kräfte frei, dass sie mit sportlichen Mitteln regelrecht über die Belgier herfielen und sich leidenschaftlich in jeden Ball und jeden Zweikampf warfen. Es waren gerade 99 Sekunden gespielt, da schien die Arena in ihren Grundfesten zu erbeben. Nach einem Fehler in der belgischen Abwehr kam Poulsen an den Ball und traf mit einem präzisen Flachschuss ins Eck. Es war das zweitschnellste EM-Tor der Geschichte nach dem Russen Dmitri Kiritschenko, der 2004 gegen Griechenland schon nach 65 Sekunden getroffen hatte.

17.06.2021, Dänemark, Kopenhagen: Kevin De Bruyne (l) und seine Teamkollegen von Belgien feiern den Treffer zum 1:2. Foto: Friedemann Vogel/EPA Pool/AP/dpa

Die Dänen agierten wie aufgedreht und ließen die Belgier überhaupt nicht zur Entfaltung kommen. Joakim Maehle, Daniel Wass und Mikkel Damsgaard hätten die Führung vor der Pause ausbauen können. Die Belgier um ihren mit Eriksen befreundeten Stürmerstar Romelu Lukaku blieben in der ersten Halbzeit dagegen ohne Torchance.

Doch dann kam de Bruyne, der den EM-Auftakt gegen Russland (3:0) noch verpasst hatte. Der frühere Bundesligaprofi vom VfL Wolfsburg führte sich gleich gut ein, als er mit einem Querpass den Ausgleich durch Thorgan Hazard vorbereitete. Vorangegangen war ein unwiderstehliches Solo von Lukaku. Wenig später gab Axel Witsel nach 159 Tagen sein Comeback. Der Defensivmann von Borussia Dortmund hatte sich Anfang Januar beim Bundesligaspiel in Leipzig einen Achillessehnenriss zugezogen.

Es war aber vor allem de Bruyne, der dem belgischen Spiel die zuvor vermissten Impulse gab. Der Blondschopf dirigierte nicht nur, sondern traf auch selbst mit einem Flachschuss ins kurze Eck zur Führung. Aus Respekt vor Eriksen bejubelte er seinen Treffer nicht. Kurz vor Schluss standen die nie aufgebenden Dänen dicht vor dem Ausgleich, doch Martin Braithwaite (87.) traf mit einem Kopfball nur die Latte. (dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

26 Antworten auf “Kevin De Bruyne zieht Belgiens Kopf aus der Schlinge – Die Roten Teufel gewinnen mit viel Mühe und Glück 2:1”

  1. In der ersten Hälfte hatte ich das Gefühl, dass Belgien unbedingt den ersten Gruppenplatz vermeiden wollte, um nicht gegen den Dritten der Gruppe A spielen zu müssen. So schlecht wie Belgien in den ersten 45 Minuten spielt nicht mal eine Amateurmannschaft. Aber gut, dann kamen Kevin, Eden und Axel, und alles wurde gut.

  2. Rundes Leder

    War voraus zu sehen, dass schwere Spiel! Ericsen’s Schicksal tat das seine dazu, und dann das frenetische Publikum. Ein Glück das wir die alten, tollen Spieler haben! Sehr endtäuscht u a: Tielemans, den Docker, Meunier, Mertens und Carrasco, teils auch die 3 Verteidiger! Aber Hauptsache gewonnen! Go Devils, go!

  3. Erster Durchgang war lustlos und grausig von den Belgiern. Nach den notwendigen Wechseln kam dann aber Klasse ins Spiel obwohl die wackelige Abwehr mehr Skepsis als Euphorie wecken dürfte.
    Beide Tore waren absolute Weltklasse aber der Rest war schon sehr dürftig.
    Was wohl keiner verstehen kann, wieso würde der solide Boyata durch Denayer ersetzt?
    Katastrophaler Doppel Fehler beim 1-0 und Bis zum Schlusspfiff ein absoluter Unsicherheitsfaktor. 1 Duell von 9 gewonnen bis Pause. Als zentraler Abwehrchef ein No Go

    • Jupiters Fred

      Na ja, ich würde das jetzt nicht alleine an Denayer festmachen. Die erste Halbzeit war unterirdisch und es gab fast nur Fehlpässe,Stellungsfehler,Stolperer,…. Bisschen kurzsichtig Denayer jetzt rauszupicken. Taktisch gesehen hätten wir wahrscheinlich besser verloren um Italien aus dem Weg zu gehen.

          • Ossenknecht

            Die Ironie sollte zeigen, dass das eine Taktik ist, durch die Belgien die Entscheidung über den weiteren Turnierverlauf nicht gewinnt, sondern eher aus der Hand gibt.

            Ein Spiel zu schieben ist aber vor allen Dingen auch
            1. wettbewerbsverzerrendes unsportliches Verhalten, das die Sportgerichte schwer bestrafen; und nach bisheriger Rechtspraxis auch
            2. zivilrechtlicher Betrug, durch den unter anderem unzählige Menschen um ihre Gewinne aus Spielwetten und ähnlichen Verträgen gebracht werden.

            Für mich Gründe genug, wettbewerbsverzerrende Taktiken erst gar nicht in Erwägung zu ziehen.

              • Jupiters Fred

                Um das auch noch klar zu stellen! Ich schrieb: Taktisch gesehen hätten wir wahrscheinlich besser verloren um Italien aus dem Weg zu gehen.
                Damit war kein absichtliches Verlieren gemeint! Bei der WM gab’s die Diskussion auch, ob es besser wäre ( weiss jetzt garnicht mehr welches Spiel genau.Gegen England?) zu verlieren um Brasilien und danach Frankreich ( spekulativ) aus dem Weg zu gehen und so den vermutlich leichteren Weg über Portugal und Kroatien ins Finale zu gehen.

                • Ossenknecht

                  Da haben Sie vollkommen recht, ich hatte Sie missverstanden.

                  Im Fußball denke ich bei „Taktik“ und „taktisch“ immer an einen Plan des Coachs. Aber wenn Sie nur gemeint haben, dass eine unbeabsichtigte Niederlage eventuell für die K.O.-Phase besser gewesen wäre, dann ist das etwas Anderes.

                  Ich ticke da andersrum. Nämlich, dass jede Niederlage Belgien schwächt, nicht zuletzt medial-psychologisch, und dass es nach der Vorrunde wahrscheinlich sowieso keine schwachen, chancenlosen Gegner geben wird. Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Italien auszuschalten könnte die Roten Teufel entscheidend stärken, ihnen Selbstvertrauen geben und die späteren Gegner (Frankreich!) entscheidend beunruhigen. Dann wäre Belgien nämlich nicht nur der talentierte und respektable Weltranglisten-Erste, sondern auch noch das mächtige Team, das die unglaubliche Erfolgsserie der bärenstarken Italiener fulminant durchbrochen hat.

      • freizeit

        JUPITERS FRED es ist schon sehr erstaunlich welche analysen hier aufgeführt werden ( 1x sogar auf dem punkt gebracht ) spiel besser verlieren ??? und Denayer war vielleicht doch nicht so schlecht. ich bin mir nicht sicher ob wir vom gleichen spiel schreiben.

        • Jupiters Fred

          Denayer in Halbzeit 1 genauso gut/schlecht wie die anderen Feldspieler. Der entscheidende Fehlpass kam von ihm ,ja richti.Die anderen 65 Fehlpässe kamen von den anderen Belgier führten aber zufällig nicht zum Gegentor. Boyata hätte sich da auch eingereiht. Was erlaube Carrasco? Habbe gespielt wie Flasche leer. Um nur auch Mal einen rauszupicken.
          Ich glaube, dass Belgien sich darauf eingestellt hatten, dass bis zu dieser blöden Applaus Unterbrechung ein Nichtangriffspakt besteht. Freundschaftlich zu Ehren Eriksons. Sie liefen naiv, fröhlich nichtsahnend in den dänischen Hinterhalt. Etwas überspitzt formuliert. Dauerte dann 45 Minuten um sich von dem Überfall zu erholen und die Waffen rauszuholen.

      • Boah nee...

        Welche „Analyse“, @Rainer Higers? Der Mannschaft mit auf den Weg geben, dass sie besser verlieren sollte, anstatt das bestmögliche abzuliefern? Tolle „Analyse auf den Punkt getroffen! 👍“!

  4. Standpunkt

    Wir waren die 1. Halbzeit nicht präsent und in einem Schockzustand…. die emotionale Atmosphäre haben die Dänen motiviert und unsere einfach gelähmt….mit dem 1-0 Rückstand waren wir gut bedient….mich haben in der 1. Halbzeit fast jeder sportlich enttäuscht aber auf menschlicher Seite hat unserer Mannschaft mich total imponiert….ABER die 2. Halbzeit haben wir wieder bewiesen was für ein Potenzial in dieser Mannschaft steckt und was für ein großartiger Trainer Belgien hat. Er hat alles richtig gemacht, die Wechsel, die Einstellung, usw…
    De Bruyne war Weltklasse und ebenfalls für mich Lukaku der die 2 Tore eingeleitet hat , die Zweikämpfe gewann und in keinster Weise egoistisch war.
    Die 2 Tore waren einfach Weltklasse gespielt. Wie sagte der dänische Spieler im ZDF: ich hatte Belgien schon auf der Liste aber nach dieser 2. Halbzeit stehen sie für mich ganz ganz vorne.

    • Guter Artikel, Standpunkt! Schade das wir soviele mittelmässige dabei haben. Unsere Abwehr ist total zu alt und behäbig zu langsam, die wurden heute sehr oft ausgespielt und sind Weltmeister im Rück- und querpassspilen. Unsere Asse sind: Courtois, Hazard, De Bruyne, Witsel und natürlich Lukaku! Was der Mann alles leistet ist schon stark! Es ist noch alles drin!

  5. Boah nee...

    Ist doch gar nicht so schlecht, wenn während eines Turniers genügend Potential nach oben bleibt. Mit der Einwechselung und Anwesenheit von Debruyne und den (hoffentlich) kontinuirlichen Steigerungen von E. Hazard und Witsel ist mit allem möglichen zu rechnen!

  6. Katastrophe!!!

    Denayer, sorry aber Boyata ist bei weitem besser…
    Dendonker ufff gut das Witzel da war, das sind Welten…
    Die jung Stars, naja da fehlt sehr sehr viel … Tielemans immer nur am meckern, aber gut macht er es auch nicht wirklich …
    Bis auf castagne, Doku, und trossard und Boyata ist keiner der neuen richtig auf der Höhe …
    Kein gutes Spiel !
    Die sollten echt schnell zulegen, das geht so nicht lange gut!

  7. Belgische Fahne

    🖤💛❤️
    Mir ist aufgefallen, dass viele Häuser mit der belgischen Fahne geschmückt sind.
    Kann es jedoch sein, dass die meisten die Fahne falsch hissen ? (anbringen)
    🖤
    💛
    ❤️

  8. Taratata

    Naja, Hauptsache gewonnen. Nur gegen eine Mannschaft wie Italien oder Frankreich hätte es bis zur Pause schon 3 oder 4:0 gestanden und dann hätte der kleine Rote wie ich ihn nenne auch nichts mehr ausgerichtet. Genauso wenig wie die gesamte Hintermannschaft die einfach für Tempofussball viel zu langsam ist. Da hilft auch Routine und Erfahrung nichts. Einschlaffussball,mit ewigen Rück- oder Querpässen war gestern. Wer darauf steht soll zur As gehen, die können das auch.

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