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„Rien ne va plus“ zwischen Freddy Derwahl und dem Grenz-Echo – Neuer Streit wegen Autobiografie

Freddy Derwahl bei einem Gespräch „auf dem Marktplatz“. So lautet auch der Titel seiner im März erscheinenden Autobiografie. Foto: OD

„Rien ne va plus“ zwischen dem Eupener Journalisten und Schriftsteller Freddy Derwahl und dem Grenz-Echo-Verlag. Die Absage des Zeitungs- und Buchverlags an eine Veröffentlichung seiner Autobiografie über sein 50-jähriges Wirken als Journalist hat den 71-jährigen Autor noch mehr in Rage gebracht.

Im Frühjahr 2018 hatte Freddy Derwahl in einem Brief an Direktor Olivier Verdin aus lauter Empörung seinen Rücktritt als Mitarbeiter erklärt. Die „Agitation“ einiger Redakteure der Tageszeitung gegen ihn kritisierte Derwahl als „heimtückisch, niveaulos und beleidigend“.

Gut ein halbes Jahr später scheint es zum totalen Zerwürfnis gekommen zu sein. Auslöser ist diesmal ein Brief von Verdin an Derwahl, in dem der Direktor des Grenz-Echo dem 71-Jährigen mitteilt, dass seine Autobiografie nicht vom Grenz-Echo verlegt werden könne.

„Im GE heimtückisch exekutiert worden“

Der Grund ist laut Verdin, dass „eine Veröffentlichung für den ostbelgischen Markt kaum tragfähig“ sei. „Ein bescheidener bzw. sehr überschaubarer Buchmarkt, verknüpft mit einer ‚kleinen’ Auflage, lassen uns aus wirtschaftlichen Gründen keinen Handlungsspielraum“, so Verdin.

Der Eupener Schriftsteller Freddy Derwahl bei einer seiner vielen Lesungen.

Derwahl hält Verdins Argument,  dass seine Autobiografie finanziell nicht tragfähig sei, für eine faule Ausrede. Derwahl gegenüber „Ostbelgien Direkt“: „Dass jetzt meine Lebensgeschichte (persönlich, politisch, publizistisch) die Leser nicht interessieren soll, leuchtet nicht ein, zumal sie auch in Brüssel, Aachen und in der Eifel spielt. Vor allem wenn man bedenkt, dass in diesem regional orientierten Grenz-Echo Verlag weitaus bescheidenere Bücher etwa über Steuerwesen, die Kelmiser Koul und Nonnenpfürzchen erschienen sind“.

Noch am selben Abend nach Erhalt der Absage schickte Derwahl eine gepfefferte Antwort an Verdin. „Leider kann ich keiner Zeile deiner Mail vertrauen. Unter deiner Direktion lässt du zu, dass mir intrigante Hände anonym in den Rücken fallen. In deine Verantwortung fällt, dass ich von dir in diesem Jahr als Journalist und als Autor im GE heimtückisch exekutiert worden bin. Dies als Jahrzehnte langer verdienstvoller Mitarbeiter, ohne ein Wort ehrlicher Erklärung, ohne ein aufrichtiges Gespräch. Das ist dein Führungsstil, über den ich noch schreiben werde.“

Einladung zu einer Veranstaltung am Sonntag im Kloster Garnstock, bei der Freddy Derwahl u.a. aus seiner Autobiografie liest.

Seine Protestnote am letzten Montag, dem Tag des Ablebens des großen französischen Chansonniers Charles Aznavour, beschloss Derwahl mit den Worten: „Wäre Aznavour heute nicht gestorben, wäre ich enttäuscht. Jetzt bin ich aus viel wichtigeren Gründen traurig, das lässt euch vergessen.“

„Hinter dem schwachen Olli Verdin stehen Hintermänner, die den Abschied von Alfred Küchenberg dazu nutzen, mich, als dessen Freund, aus Redaktion und Verlagshaus zu vertreiben“, beklagte Derwahl gegenüber „Ostbelgien Direkt“. Die Mail von Direktor Verdin sei „keine Erklärung, sondern ein Dokument verlegerischer Inkompetenz“. Auch die Leserschaft des Grenz-Echo, für die er seit 1965 geschrieben habe, werde nicht informiert. „Es erinnert an die Totschweige-Zeiten von Henri Michel“, so Derwahl.

Erscheinen wird die Autobiografie trotzdem, so Derwahl. Er werde sich „von den verlagsinternen Beratern des GE-Direktors Verdin nicht aus dem ostbelgischen Kulturleben verdrängen lassen“. Seine Erinnerungen über 50 Jahre journalistische Tätigkeit in Ostbelgien würden im kommenden Frühjahr in „einem jungen, erfolgreichen deutschen Verlag erscheinen“.

Bereits am kommenden Sonntag, dem 7. Oktober 2018, liest Freddy Derwahl um 17 Uhr im Kloster Garnstock aus seiner Autobiografie im Rahmen der Veranstaltung „Musik und Literatur im Kloster Garnstock“. Der Eintritt ist frei. (cre)

20 Antworten auf “„Rien ne va plus“ zwischen Freddy Derwahl und dem Grenz-Echo – Neuer Streit wegen Autobiografie”

  1. Bücher-Muffel

    Kann es nicht sein, dass der Herr Derwahl sich, bzw. die Wichtigkeit seiner Person, etwas überschätzt? Auch wenn ich erahne, dass es beim Grenz-Echo „Heckenschützen“ durchaus geben kann,
    Und ohne jetzt despektierlich zu erscheinen : ich habe keines seiner Bücher gelesen und ich habe trotzdem nicht den Eindruck, dass mir etwas entgangen ist……
    Jedenfalls wünsche ich ihm viel Erfolg für den Verkauf seiner Autobiographie

    • Wenn Sie keines seiner Bücher gelesen haben, können Sie nicht wissen, ob Ihnen etwas entgangen ist.
      Nach 50 Jahren Tätigkeit für das GE kann man schon etwas Dankbarkeit dieses Verlages erwarten. Das Verhalten seines ehemaligen Arbeitgebers klingt schäbig.

      Ich werde mir die Biografie kaufen.

  2. Es gibt viel Schlimmeres

    Nicht der Rede wert! Da sind zwei Parteien am streiten, welche beide viel zu hoch zu Rosse sind! Beide sind des nicht der Wert! Hier wird so vieles viel zu hoch gesehen, angefangen bei der Politik! Die geben dazu das beste Beispiel ab! Ein MP der eine Laudatio bei der „goldenen Antenne“ abliest und vorträgt, steht da für ein gutes Beispiel! Da ist die Mediensucht schon so hoch, der Derwahl spielt mit in dem Spiel, und meint er wäre der Ostbelgische Literat par excéllençe!? Weit gefehlt, denn kleine Marke!

  3. Alternativen

    Herr Derwahl kann ja seine Autobiografie wie viele andere Autoren auch selbst veröffentlichen. Online gibt es die tollsten Möglichkeiten der Eigenvermarktung. Unter dem Strich – falls ein Buch verkauft wird – bleibt auch noch mehr Geld über.
    Vielleicht hat aber das Grenz-Echo die Absage auch aus finanztechnischen und wirtschaftlichen Gründen erteilt.

  4. Zaungast

    Nach Bruno Karthäuser ist Freddy Derwahl nun der zweite Literat aus dem deutschsprachigen Ostbelgien, der von den herrschenden Kreisen in Politik und Medien abgesägt wird.

    Beide waren früher übrigens mal enge Kampfgenossen in Sachen Niermann, beide wurden auch Opfer eines von Ihnen so gesehenen Justizskandals, beide eint auch der gleiche polemische Stil, wenn sie finden, dass ihre literarischen Meriten von den „tumben“ (O-Ton B.K.) Ostbelgiern nicht gebührend gewürdigt werden.

  5. Eastwind

    Derwahl hat recht. Im GE sind jahrelang Bücher über Themen herausgegeben worden, von denen man sich immer fragte, wer denn so etwas lesen wolle. Derwahls Autobiographie wäre ein interessanter Streifzug durch ein halbes Jahrhundert Ostbelgien. Normalerweise ermöglicht die DG solche Bücher. Ich nehme mal an, dass die DG den Kauf einer bestimmten Anzahl Bücher von vornherein garantiert und die Bücher dann verschenkt oder einfach in einem Keller sich selbst überlässt. So hat das meiner Meinung nach immer funktioniert. Weshalb die DG nicht auch von Derwahls Autobiographie eine Mindestanzahl garantiert, wird wohl damit zu tun haben, dass die DG dies auf einmal nicht mehr wollte. Bei der nächsten Geschichte über einen Bäckerladen in Eupen Ende des 19. Jahrhunderts wieder dabei. Mit der Geschichte tut man ja auch niemandem weh, denn die Betreiber des Bäckerladens sind längst tot. Dagegen täte die Autobiographie von Derwahl sehr wohl einigen Leuten weh. That‘s Ostbelgien!

  6. Herr Derwahl soll bei den Politiker nachfragen, die helfen ihn. Er war doch einmal ,PFF Mann – dann SP Mann – dann CSP Mann nun Pro DG Mann und dazwischen Auch einmal für die PDB Sprüche am klopfen.
    Also politisch hat er schonmal alle Farben getragen…..

  7. Bibelkenner

    Auch bei einer Scheidung ist es besser, wenn man den oder die Ex irgendwann in Ruhe lässt. Die Ehe zwischen F. Derwahl und dem GEV ist nun mal unheilbar zerrüttet. Der Autor kann sich doch nur glücklich schätzen, dass ein junger deutscher Verlag seine Autobiografie verlegen will! „Und wer irgend euch nicht aufnimmt noch eure Worte hört – geht hinaus aus jenem Haus oder jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen“ (Mt 10,14).

  8. Zaungast

    @ ‚Eastwind‘
    „Normalerweise ermöglicht die DG solche Bücher. Ich nehme mal an, dass die DG den Kauf einer bestimmten Anzahl Bücher von vornherein garantiert und die Bücher dann verschenkt oder einfach in einem Keller sich selbst überlässt. So hat das meiner Meinung nach immer funktioniert.“

    Ihre Annahme ist zutreffend.
    Ein Freund von mir kommt regelmäßig in den Genuss solcher Geschenkaktionen und hat mir auch schon mal das ein oder andere von den recht generös verteilten Exemplaren abgegeben.

    Zugleich hat dann die DG-Regierung ein probates Druckmittel in der Hand, um sich die Redaktion der Zeitung GE gefügig zu machen. Kronzeuge ist da Herr Cremer von OD:
    https://ostbelgiendirekt.be/serie-6-folge-lambertz-und-die-alte-dame-vom-marktplatz-116406

    Kernsätze im Zusammenhang mit dem Thema hier: „Eines Tages zitierte mich Küchenberg in sein Büro. Er war so aufgeregt, wie ich ihn selten erlebt habe. Mit zittriger Stimme sagte er mir: „Gerard, du musst unbedingt mit Lambertz sprechen, die DG kauft keine Bücher mehr bei uns.“

    Das nennt sich wohl ostbelgische Pressefreiheit?

  9. St.Vither

    Wenn das Grenz-Echo das Buch nicht verlegen möchte – aus welchen Gründen auch immer – sollte Herr Derwahl es hier versuchen : https://www.bod.de/ Books on demand. Minimales finanzielles Risiko für den Autor (jedes Exemplar wird einzeln bei Bestellung per Digitaldruck gefertigt) und weltweiter Versand. Der Autor kann den Preis (und somit seine Marge) selbst bestimmen und braucht keine Angst zu haben, auf einem Stapel unverkaufter Bücher sitzen zu bleiben. Weshalb also auf das Grenz-Echo fixieren und aus einer Mücke einen Elefanten machen?

    • Deuxtrois

      Der Typ ist in Ordnung. Aber der Rede eigentlich kaum Wert, denn man muss nicht zwangsläufig jeden kennen.

      Der einzige Grund warum das veröffentlicht wird hier ist, weil der Besitzer dieser Seite eben auch eine gewisse Hassliebe zu seinem alten Verlag pflegt und solche Geschichten wie diese hier, immer gut ankommen.

    • Walter Keutgen

      Drucken auf Bestellung ist eine gute Lösung, die mein vorletzter Arbeitgeber auch für die Handbücher eingeführt hatte, bevor nur noch Anleitungen in elektronischer Form gemacht wurden. Man wird all der Papier- und Platzverschwendung Herr.

  10. Zaungast

    Wie man auf dem oben abgebildeten Plakat sehen kann, wird Freddy Derwahl am kommenden Sonntag im Garnstock aus seiner neuen Biografie und aus seinen Gedichten lesen.

    Aus seinen Gedichten? Etwa das hier (Auszüge):

    Christi Himmelfahrt

    Nimm uns doch mit
    bei den grandiosen Stürzen.
    Wir fallen nur,
    du eilst hinauf.
    Doch höllentief
    reicht deine Hand
    den steilen Weg
    uns abzukürzen
    durch Galaxien
    im Kometenlauf.
    Das Jenseits
    ist kein Haus
    für blinde Passagiere.
    Du wartest in der
    Sternenwüste,
    denn die Nacht ist groß.
    Das Zelt steht offen
    und ein Cherub küsste
    von Mund zu Mund
    uns atemlos.

    Da oben dreht die Saljut
    einsam ihre Runden
    und steuert greise Millionäre
    für ein paar schnelle Tage
    durch das Engelsheer.

    Liebhaber Derwahlscher Lyrik können sich in den ganzen Text versenken, sofern sie Abonnenten des GE sind: https://www.grenzecho.net/kultur/christi-himmelfahrt-3

    Ein typisches Beispiel Derwahlscher Prosa dagegen gibt es hier: „Die Mädchen und der Schwarze Tod“ im GE-Wochenmagazin vom 30.04.2016, von Abonnenten im Archiv abzurufen.

    Viel Vergnügen am Sonntag!

  11. Zaungast

    Was hat der Herr Derwahl denn nun am Sonntag zum Besten gegeben?
    War jemand dort?

    Währen es sonst über jeden Kegelabend berichtet, brachte das GE über diese Dichterlesung kein einziges Wort, aus verständlichen Gründen.

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