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EU-Parlament fordert Regeln gegen geschönte Kilometerstände bei Autos

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Hat dieser Gebrauchtwagen wirklich erst 40.000 Kilometer auf dem Buckel? Verbraucher in Europa können sich beim Autokauf oft nicht ganz sicher sein. Das EU-Parlament hat Ideen, was dagegen zu tun ist. Der ostbelgische EU-Abgeordnete Pascal Arimont (CSP-EVP) empfiehlt das belgische Car-Pass-System als Vorbild für Europa.

Das EU-Parlament will europaweit gegen geschönte Kilometerstände bei Gebrauchtwagen vorgehen. Die gefahrenen Kilometer von Autos sollten bei jedem Werkstattbesuch in Datenbanken erfasst werden, heißt es in einem diese Wichw verabschiedeten Bericht. So sollen Unregelmäßigkeiten auffallen.

Die Datenbanken müssten grenzüberschreitend zugänglich sein. Außerdem müssten alle EU-Staaten manipulierte Angaben als Betrug und damit als Straftat verfolgen.

Mit der Einführung des so genannten Car-Pass in Belgien im Jahr 2006 konnte die Manipulation der Kilometerstände von Gebrauchtwagen innerhalb von nur zwei Jahren auf praktisch null Prozent gesenkt werden. Foto: Shutterstock

Manche Händler setzen den Kilometerstand künstlich herab, um Kunden glauben zu machen, der Motor sei neuer, als er tatsächlich ist. Damit lassen sich höhere Verkaufspreise erzielen.

Bei 30 bis 40 Prozent der Gebrauchtwagen, die über Grenzen von EU-Ländern hinweg gehandelt werden, stimmen die Werte EU-Schätzungen zufolge nicht. Nach Angaben des verkehrspolitischen Sprechers der europäischen Sozialdemokraten, Ismail Ertug, entsteht Verbrauchern dadurch jährlich ein Schaden zwischen 5,5 und 9,6 Milliarden Euro.

Belgien und die Niederlande hätten das Problem fast gelöst, heben die EU-Abgeordneten hervor. In beiden Ländern werden die Zählerstände regelmäßig erhoben und festgehalten. Betrügereien fallen so schneller auf.

Bei Kauf von Gebrauchtwagen ein Problem

In Belgien sei der Anteil an Autos mit geschönten Werten auf diese Weise innerhalb von zwei Jahren von 8,6 Prozent auf 0,2 Prozent gefallen, heißt es in einer Studie, die vom Verkehrsausschuss des EU-Parlaments in Auftrag gegeben wurde. Seitdem die Nachbarländer die Daten untereinander austauschten, gebe es noch weniger Fälle.

Der ostbelgische EU-Abgeordnete Pascal Arimont (CSP-EVP) erklärte zum Hintergrund der Resolution, die des Parlaments: „Die Manipulation von Kilometerzählern ist vor allem beim grenzüberschreitenden Verkauf von Gebrauchtwagen ein immer noch gravierendes Problem. Hier beläuft sich der Anteil der manipulierten Fahrzeuge Studien zufolge auf 30 bis 50 Prozent. Jeder Autobesitzer weiß, dass sich der Kilometerstand sehr stark auf den Marktwert eines Fahrzeugs auswirkt.“

Der ostbelgische EU-Abgeordnete Pascal Arimont.

Laut Arimont hat das belgische System Vorbildcharakter für die EU: „In Belgien besitzen wir mit dem Car-Pass ein sehr wirksames Mittel, mit dem die Manipulation nach Einführung in kürzester Zeit praktisch total verhindert werden konnte. Wir verlangen von der Kommission, dieses System für ganz Europa einzuführen“, so Arimont.

Mit der Einführung des so genannten Car-Pass in Belgien im Jahr 2006 sei die Manipulation der Kilometerstände von Gebrauchtwagen innerhalb von nur zwei Jahren auf praktisch null Prozent gesenkt worden, so Arimont. Durch den Car-Pass sei ein Datenbanksystem geschaffen worden, mit dem die Stände der Kilometerzähler bei regelmäßigen technischen Wartungs- und Inspektionsbesuchen in Werkstätten gespeichert werden, ohne dass dabei irgendwelche personenbezogenen Daten erfasst werden.

Dies ist laut Arimont nicht nur für den Verbraucherschutz wichtig: „Die Manipulation kann auch schwerwiegende negative Folgen für die Straßenverkehrssicherheit haben, wenn beispielsweise aufgrund des falschen Kilometerstands ein falscher Wartungs- und Inspektionsplan vorgesehen wird und somit Bauteile fälschlicherweise oder zu spät ausgetauscht werden.“ (dpa/cre)

3 Antworten auf “EU-Parlament fordert Regeln gegen geschönte Kilometerstände bei Autos”

  1. Km/miles

    Immer feste dran glauben. Die Datenbank ist eine Katastrophe! Wenn man als Garagist die Daten übermittelt, bekommt man ständig antworten wie: Fahrzeug nicht bekannt obwohl das Fahrzeug schon länger in Belgien gemeldet ist. Wenn ein Kilometerstand mit einer 0 endet bekommt man die Rückmeldung das der Kilometerstand geschätzt sei. Macht echt Spaß die Daten zu übermitteln und am Ende noch ne schlecht Bewertung von diesem System zu bekommen! Wird in den Garagen doch nur was eingegeben um keine Kontrolle zu haben. Und am Ende Nutz es eh nix.

  2. Alfons Van Compernolle

    Halte ich ,angesichts der massiven Tachomanipulationen, fuer eine gerechtfertigte und sinnvolle Sache.
    Allerdings bestehen auch Manipulationsmoeglichkeiten waehrend der jaehrlich vorgeschriebenen Hauptuntersuchung. Der KFZ.-Sachverstaendige muss z.B. hier in Vlaanderen, den Kilometerstand von Hand eingeben in den „Car-Pass“ Bestand. Kennt man den Sachverstaendigen gut ist schnell ein anderer Kilometerstand ablesbar. Die vorhandenen Datensaetze sind aenderbar und somit auch nicht unbedingt als unmanipulierbar zu bezeichnen. Besser waere es die Kliometerstaende ueber die im beinahe jeden (nach Baujahr 1995) KFZ vorhandene Diagnosebuchse abzurufen. Ein weiterer Vorteil waere, dass man beim Auslesen des Motorsteuergeraets auch gleich eine Fehlerdiagnose inkl. Bremsoelzustand somit auch einen Einblick in den Zustand des Bremssystems und Wartungszustand erhaelt ! Betrug bei einer daerartigen Vorgehensweise , nicht unmoeglich , aber sehr weitgehend ausgeschlossen ! Sicherheit, kann man auch aus den Daten des Motorsteuergeraets erlangen, dass alle wichtigen Daten und Ereignisse aufzeichnet. Das dann in Verbindung mit den ueblichen Kontrolltest’s , waere ein echter Sicherheitsgewinn !

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