Politik

Provinzgouverneur zur Hochwasser-Katastrophe: Es gab „keine Schwachstellen“, allenfalls „kleinere Fehler“

Provinzgouverneur Hervé Jamar sagte am Freitag vor dem Untersuchungs-Ausschuss zur Hochwasser-Katastrophe von Mitte Juli aus. Foto: Gerd Comouth

Für Gouverneur Hervé Jamar gab es bei der Hochwasser-Katastrophe Mitte Juli in der Provinz Lüttich keine großen Fehler, allenfalls wurden „kleinere Fehler“ gemacht.

„Jeder hat mit den vorhandenen Mitteln sein Bestes gegeben. Ich sehe keine Schwachstellen. Möglicherweise gab es kleinere Fehler, etwa die Entsendung der Armee in ein bestimmtes Dorf statt in ein anderes. Aber ich sehe keinen Organisations-, Verwaltungs- oder Beurteilungsfehler meiner Dienststellen“, sagte Hervé Jamar, Gouverneur der Provinz Lüttich, am Freitag bei seiner mit Spannung erwarteten Anhörung vor dem parlamentarischen Untersuchungs-Ausschuss zur Hochwasser-Katastrophe.

Sollten trotzdem Fehler gemacht worden sein, „werde ich persönlich die Verantwortung dafür übernehmen, auch wenn ich in den ersten Tagen nicht physisch anwesend war“, fügte er hinzu.

17.07.2021, Eupen: Provinzgouverneur Hervé Jamar (M) mit Premierminister Alexander De Croo (l) und DG-Ministerpräsident Oliver Paasch (r) am Samstag nach der Hochwasser-Katastrophe in der Eupener Unterstadt. Foto: Gerd Comouth

Zu Beginn der Katastrophe, die sich am 14. und 15. Juli 2021 ereignete, befand sich Hervé Jamar im Urlaub in der Ardèche. Am Morgen des 15. Juli kehrte er in den Provinzpalast zurück, aber seine Nachfolgerin, Catherine Delcourt, führte die Amtsgeschäfte weiter.

„Ich habe natürlich mit Catherine Delcourt telefoniert. Ich war ‚in Urlaub‘, in Anführungsstrichen. Sie hat die Sitzungen ab der Nacht vom 13. auf den 14. Juli geleitet… Wir haben keine zwei Minuten gebraucht, um zu verstehen, dass es für sie besser war, die operative Leitung des provinzialen Krisenstabs angesichts der Anzahl der Sitzungen fortzusetzen, nachdem ich selbst zurückgekommen war und mich ‚in ihren Dienst’ gestellt hatte. Ich denke, wir haben die richtige Entscheidung getroffen, um keine Zeit zu verlieren“, betonte Jamar.

In diesem Zusammenhang hatte der Gouverneur seinerzeit in einem Interview mit der Zeitung „Le Soir“ erklärt, dass er ein „freiwilliger Gouverneur“ gewesen sei, was viel Wirbel ausgelöst hatte und woran ihn mehrere Parlamentarier am Freitag erinnern mussten. „Was ich sagen wollte, wenn auch auf ungeschickte Art und Weise, ist, dass ich gekommen bin, um die Mannschaft zu unterstützen. Wir haben bis zum 19. Juli so gearbeitet, in perfekter Zusammenarbeit, und dann haben wir offiziell wieder die Rollen getauscht“, verteidigte sich der Gouverneur.

19.07.2021, Belgien, Pepinster: Ein Mann geht an beschädigten und weggeworfenen Haushaltsgegenständen vorbei. Pepinster ist eine der Gemeinden, die von der Hochwasser-Katastrophe am härtesten getroffen wurden. Foto: Valentin Bianchi/AP/dpa

„Ich möchte nicht, dass man mir unterstellt, dass die Tatsache, dass ich mein Amt nicht sofort übernommen habe, Konsequenzen gehabt haben könnte“, fuhr er fort.

„Der Kapitän ist vor Ort, übernimmt aber nicht das Kommando über das Schiff, das verstehe ich nicht“, sagte André Frédéric (PS). „Entweder man ist anwesend und übernimmt seine Verantwortung oder man ist nicht anwesend. Ich verstehe nicht, warum Sie nicht das Ruder übernommen haben“, sagte François Desquesnes (CdH).

„Wenn ich meine Aufgaben direkt übernommen hätte, hätten wir zwei oder drei Stunden verloren, was, davon bin ich überzeugt und ich werde meine Meinung nicht ändern, den Opfern zum Nachteil gereicht hätte“, antwortete Hervé Jamar.

Der Gouverneur von Lüttich kam schließlich auf die laufenden Ermittlungen der Justiz zur Hochwasser-Katastrophe zu sprechen. „Die Anhörungen haben begonnen. Es ist nicht leicht für Menschen, die mehrere Tage hintereinander gearbeitet haben und nun eine Vorladung erhalten, in der ihnen mitgeteilt wird, dass sie Verdächtige in einem Ermittlungsverfahren wegen Totschlags sind“. (cre)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

36 Antworten auf “Provinzgouverneur zur Hochwasser-Katastrophe: Es gab „keine Schwachstellen“, allenfalls „kleinere Fehler“”

  1. Clärchen Grommes

    Lassen Sie mich raten, sein Haus wurde nicht überschwemmt, er hat nichts verloren .

    „Es ist nicht leicht für Menschen, die mehrere Tage hintereinander gearbeitet haben und nun eine Vorladung erhalten, in der ihnen mitgeteilt wird, dass sie Verdächtige in einem Ermittlungsverfahren wegen Totschlags sind“
    Wobei die Frage sich stellt, was jemand wie dieser Herr, unter Arbeit versteht.

  2. Osteuropa

    Da fehlen einem die Wort bei derartigen Äusserungen unseres ???? Provinzgouverneurs – am besten die Provinzen abschaffen und alles in Eigenregie übernehmen – wo befindet sich der Arbeitsplatz des Eupener Talsperren Verantwortlichen ?? in Eupen ?? Lüttich ?? Namur ?? Ardèche ??

  3. Halbwahrheiten

    Wie immer, eine Schande.
    So versteht man auch wenn wir Bürger nichts mehr, aber gar nichts mehr von der hiesigen Politik und dem Belgischen Staat halten.
    Ich gehe nicht mehr zur Wahl. Oder wähl extrem. So einfach ist das.

    • Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht, wir waren gestern 17.10.2021 an der Talsperre und waren sehr verwundert das diese sehr, sehr leer war. Für uns gefühlt wie jedes Jahr um diese Jahreszeit, wo es sonst nicht so viel Geregnet hat. Wir sind keine Experten aber wir waren sehr erstaunt, und hätten nicht damit gerechnet.

  4. Der einarmige bandit

    Ich habe es immer wieder betont und werde es weiterhin behaupten , das wir von viel zuvielen Profiteuren belagert werden , die nur überall ihre Vorteilen herauspicken . Das gravierenste aber ist bei verschiedene dieser Helden, das sie nicht vor ihren alter zurückschrecken um noch überall mit ihren Visagen präsent zu sein .

  5. Von den Bürgern bezahlt, nicht erwünscht, dickes Gehalt aber in keinster Weise für den Bürger da sein. Schämen sollte sich dieser Profiteur.
    Die Katastrophe hat gezeigt wie schlecht dieser Föderalismus für Belgien ist. Es wird diskutiert wer Schuld ist aber den Leuten hilft das nicht weiter. Drei Monate nach der Flut müssen immer noch Essen verteilt werden. Das spricht für sich.

  6. Delcourt

    Nicht die Anhörung von Jamar war gestern von Interesse, sondern die seiner Vertreterin Catherine Delcourt, die den fahrigen Gouverneur während der Hochwasserkatastrophe vertrat.
    Deren Ausführungen war klar, professionell und zeugten – im Gegensatz zum eher bemitleidenswerten Auftritt des Provinzgouverneurs – von Kompetenz.
    Aber dies wissen die Kommentatoren hier ja alles besser…

  7. Demuts Lamm

    Typisch für diesen Berufsstand! Einer der das Wort „Demut“ nicht in seinem Wortschatz hat! Überhaupt sollte der Provinzsalat abgeschafft werden in Zukunft! Ebenso die Regionen und Gemeinschaften, letzere eventuell drastisch verkleinert werden. Das sind Leute die total überflüssig sind in der heutigen Zeit! Kosten dem Bürger jede Menge Geld, und bringen nichts! Hier müssen die Medien dran bleiben, es wurden zuviele Menschen und Hab und Gut verloren! Die Schuligen müssen büssen! Grausame Wahrheit und Tatsache, das darf und kann nicht ungeschoren bleiben! Niemals. Wenn der Mann Charakter hatte, dann wäre er noch am anderen Morgen Heimgekehrt, um zu helfen! Null Punkte.

  8. Es geht sich ja nicht nur um die möglichen Fehler die in den Tagen vor dem grossen Regen gemacht wurden, das geht ja noch viel weiter. Jetzt werden in der Unterstadt die Flussbetten gesäubert, 2 m Schlamm vor den Wehren abgebaggert und der Bewuchs an den Ufern zurückgeschnitten. Das wurde 50 Jahre lang nicht gemacht! Die Frage ist nicht nur was hätten die Verantwortlichen in den Tagen vor der Flut besser machen können, sondern auch warum seit Jahrzehnten die Flussläufe sich selbst überlassen wurden – und das von ALLEN Politikern die die letzen 50 Jahre das Sagen hatten. Das Kalb ist ertrunken, jetzt wird der Brunnen abgedeckt und keiner hat Schuld….

  9. Alle Politiker drehen im Kreis , und dann immer dem Vordermann auf die Schulter klopfen und sagen .alles richtig gemacht’.
    Wer hat denn was anderes erwartet.
    Es ist Zeit für eine Revolution…

  10. Corona2019

    Das Schlimmste in diesem Fall ist die Arbeitsverweigerung der Staatsanwaltschaften. Alleine bei diesen Aussagen mancher Politiker müsste den Staatsanwaltschaften doch klar sein, das hier eindeutig Fluchtgefahr besteht, und handeln.

  11. Die Politiker sollen sich schämen

    Die Angehörigen der Flutopfer werden bei solchen Aussagen von Politikern wütend. Wieso bestehen die anderen Politiker nicht darauf das HENRY endlich zurück tritt und VERANTWORTUNG für die Katastrophale Verwaltung der Talsperre nimmt!!!!

  12. Da sieht man wie die uns veraschen, die kleben alle an ihrem Posten. Eins steht fest wenn man 2 Tage früher die Schleussen auf gemacht hätte dann wäre das Wasser schon weg gewesen. Aber dem Volk kann man ja erzählen was man will, und die bezahlen auch noch ein Experte in der Schweiz, hätten besser den Flutopfer das Geld gegeben.
    Armes Belgien

  13. Corona2019

    @ – Alfred

    Ich finde Ihren Kommentar sehr zutreffend, besonders bezüglich der Feststellung, dass man das Geld dass man jetzt insgesamt wieder an Expertisen ausgegeben hat, besser den überflutungs opfern zu Verfügung gestellt hätte.

    Ich kann Ihnen aber jetzt schon versichern, dass man die Expertise damit begründen wird, dass diese so notwendig sei, damit so etwas nie wieder vorkommt.

    So etwas würde aber sowieso nie mehr wieder vorkommen, wenn man die Verantwortlichen einschließlich unserem weit entfernten ober Verantwortlichen, so nah wie möglich am Wasser in der Unterstadt ansiedeln würde.
    Jede expertise dient also nur die Unschuld, der Schuldigen für diese Schlamperei zu beweisen.
    Die Frechheit an dieser- wir waren es nicht- expertise , ist, dass die Opfer diese Expertisen mitbezahlen.

    • Corona2019

      @ – Karlh1berens

      Das wird ja immer schlimmer mit euch.
      Alles in Verbindung mit der Impfung zu bringen, ist für mich persönlich ganz lustig, bis lächerlich.
      Wie das ihr Psychologe sieht ist natürlich wieder eine andere Sache.

    • karlh1berens

      @ Corona2019 18/10/2021 20:05

      Ich habe das nur in Verbindung zu Ihrem Nick gebracht, Mi(ni)ster CORONA – haben Sie vielleicht italienische Vorfahren ?

      Und mein Psychologe studiert noch Ihren Fall : Einmal machen die Minister alles richtig, dann wiederum machen sie alles falsch – ja was denn nun ? Ich sag’s ihnen : Am besten wäre, die machen gar nix. Denn der Volxmund wusste es schon immer : Wer nix macht, kann auch nix falsch machen !
      Und SIE wollen uns doch auch nur ein X malen ! Sacken Sie Ihre Rente ein und gut is.

  14. Corona2019

    @ – Karlh1berens

    Achso, ja gut .Die Minister( zu denen ich nicht gehöre) auch nicht als Mini , oder möchte gern dazugehöriger, werden wohl auch oft unterschiedlicher Meinung sein, genau wie es hier eben in vielen Kommentaren so ist.

    Aber so richtig werde ich aus ihrem Kommentar nicht schlau.
    In diesem Falle, haben Die doch nichts gemacht.
    Das war ja das Schlimme.
    Und was sie jetzt mit dem X meinen kann ich eigentlich auch nur vermuten.
    Ein Kreuz auf einem Wahlzettel?
    Da muss ich Sie enttäuschen, ich persönlich bin selber seit einer Ewigkeit nicht mehr wählen gewesen.
    Wahlpflicht hin oder her.
    Das Spiel läuft doch immer auf das Gleiche raus, man macht sein Kreuzchen , wie auf einem Lottoschein, und gleich wo Sie das Kreuzchen machen verlieren wir trotzdem immer.

    Italienische Vorfahren?
    Nicht dass ich wüsste.

    Achso, hätte ich fast vergessen, grüßen Sie mir ihren Psychologen, und richten Sie ihm aus, dass ich mich geehrt fühle, dass er sich mit mir so lange beschäftigen muss.
    Wahrscheinlich wird er keine Lösung finden 😅😉

  15. Zuhörer

    Grade im Fernsehen wieder Corona Horror Nachrichten. Komisch die Infektionszahlen höher als voriges Jahr, besonders in GB. Es läge daran dass die impfwirkung nachlasse. Also jetzt jeden Monat impfen, oder wie verstehe ich das?

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