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Pilotenstreik lässt hunderte Flüge bei der Billigairline Ryanair ausfallen: „Ryanair muss sich ändern!“

10.08.2018, Frankfurt am Main: Beschäftigte der Fluggesellschaft Ryanair tragen im Main Airport Center (MAC) bei einer Demonstration für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung T-Shirts mit der Aufschrift „Ryanair Must Change!“ (Ryanair muss sich ändern). Foto: Silas Stein/dpa

AKTUALISIERT – Mitten in der Urlaubszeit wird der irische Billigflieger Ryanair vom bislang größten Pilotenstreik getroffen. Die Passagiere waren rechtzeitig informiert – an den Flughäfen bleibt das Chaos aus.

Wegen eines Pilotenstreiks in fünf europäischen Ländern, darunter Belgien, sind am Freitag rund 400 Flüge des irischen Billigfliegers Ryanair ausgefallen.

Die Fluggesellschaft hatte die Verbindungen vorsorglich gestrichen und die rund 55.000 betroffenen Passagiere informiert, so dass ein Chaos an den Flughäfen trotz Urlaubszeit ausblieb. Die Piloten wollen sich mit dem 24-stündigen Ausstand bessere Arbeitsbedingungen erstreiten.

Mit 250 Flugausfällen war Deutschland Schwerpunkt des bislang größten Pilotenstreiks in der Geschichte des Unternehmens. Ryanair hat alleine dort an elf Flughäfen Jets stationiert.

10.08.2018, Belgien, Charleroi: Ein Banner mit der Aufschrift „Ryanair im Streik – Ryanair muss sich ändern“ hängt in der Abflughalle des Flughafens Charleroi. Foto: Virginie Lefour/BELGA/dpa

An Standorten wie Frankfurt und Berlin blieben am Freitagmorgen sämtliche Flugzeuge am Boden, und an den Schaltern herrschte gähnende Leere. Im Laufe des Tages landeten die ersten Ryanair-Maschinen aus nicht bestreikten Ländern und hoben auch wieder mit neuen Passagieren zu weiteren Zielen ab.

Auch in Schweden, Irland, Belgien und den Niederlanden legten die Piloten ihre Arbeit nieder. In Belgien fielen über 100 Flüge aus. Das Unternehmen teilte mit, dass trotz der Streiks am Freitag europaweit rund 2.000 Flüge stattfinden sollten – rund 85 Prozent des ursprünglichen Flugplans. Die österreichische Ryanair-Beteiligung Laudamotion strich 20 Flüge, weil die von Ryanair ausgeliehenen Flugzeuge und Besatzungen fehlten.

In den Niederlanden war Ryanair am Vorabend mit dem Versuch gescheitert, den Streik per Gerichtsbeschluss stoppen zu lassen. Flugausfälle habe es dort aber nicht gegeben, teilte das Unternehmen mit. Nach Informationen der Pilotengewerkschaften wurden in den niederländischen Jets sogenannte Managementpiloten und nicht streikberechtigte Leih-Piloten aus Belgien eingesetzt.

10.08.2018, Spanien, El Prat de Llobregat: Passagiere warten an den Ryanair-Schaltern am Flughafen Barcelona auf den Check-In. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa

Die deutsche Gewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ (VC) zeigte sich am Freitag zufrieden mit dem Verlauf des Arbeitskampfes. Eine Verlängerung über Samstagmorgen um 02.59 Uhr sei nicht geplant, sagte Sprecher Janis Schmitt. „Wir werden uns den heutigen Tag anschauen und bewerten. Wir hoffen, dass Ryanair unser Signal verstanden hat und dann zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist.“

Weitere Streiks will die Gewerkschaft nicht ausschließen. „Wenn da nichts kommt, können wir uns auch weitere Aktionen vorstellen“, sagte Schmitt.

Aus Sicht der Gewerkschaft hat Ryanair mit seiner umfassenden Absage der deutschen Flüge vernünftig gehandelt, da man so sämtliche betroffenen Passagiere rechtzeitig informieren konnte. Es sei durchaus auch im Sinne der Piloten, wenn Chaos an den Schaltern vermieden werde. Auch stünden die Flugzeuge nach einem Tag Pause am Samstagmorgen wieder dort, wo sie benötigt würden.

In Berlin bemängelte hingegen eine Reihe von Passagieren, dass Ryanair nur diejenigen informiert habe, deren Flüge gestrichen wurden. Sie hätten sich auch eine Bestätigung für jene gewünscht, die fliegen können.

Die abgestimmte Aktion ist der bislang größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas, die erst seit Ende 2017 Gewerkschaften anerkennt. Vor zwei Wochen hatten zudem Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien über zwei Tage zusammen rund 600 Flüge mit knapp 100.000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen.

10.08.2018, Belgien, Charleroi: Flugzeuge von Ryanair stehen während eines Streiks von Piloten der irischen Low-Cost-Airline am Flughafen Charleroi. Foto: Virginie Lefour/BELGA/dpa

Unter den europäischen Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt.

Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit rund sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren. Die VC will bei der irischen Gesellschaft erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht dafür andere Fluggesellschaften als Muster heran.

In den Vorschlägen sind zahlreiche Details etwa zu Dienstzeiten, Versetzungen oder Fixanteilen des Gehalts enthalten. Ryanair verweist auf vergleichsweise hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten. Das Unternehmen will keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept in Frage stellen würden. (dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf „Ostbelgien Direkt“:

14 Antworten auf “Pilotenstreik lässt hunderte Flüge bei der Billigairline Ryanair ausfallen: „Ryanair muss sich ändern!“”

  1. Jochen Haarmann

    Würden die Verbraucher mal endlich verstehen, dass „billig fliegen“ gleich mit Ausbeutung ist, vielleicht könnten die Mitarbeiter von Ryanair dann auch korrekt bezahlt werden.
    Aber leider sind immer mehr Menschen nur auf Geiz ist Geil aus.

    • deuxtrois

      Ryanair macht allerdings schon seit Jahren fette Gewinne. Diese „Ausbeutung“ dient lediglich der eigenen Gewinnmaximierung und kann nicht mit billigen Tickets gerechtfertigt werden. „Geiz ist Geil“ trifft hier wohl genauso den Verbraucher, aber auch die Chef’s in den höheren Etagen der Ryanair.

    • Dummes Grünzeug

      „Den Diesel beschimpfen aber für 30,–€ mal kurz nach Malle und Co.
      Schweineheuchler! “

      Heuchler sind vor allem die grün angehauchten Politikerschlümpfe!
      Um Ihr Beispiel zu untermauern : ein „normales“ Verkehrsflugzeug stößt (rein statistisch) so viel Schadstoff aus, wie insgesamt 153 Pkws ! Die Flugzeuge bekommen diesbezüglich aber keinerlei Auflagen gemacht, aber die Dieselfahrer werden schikaniert!

      • Tiefflieger

        Das mit den 165 Pkw’s scheint weder korrekt noch präzise zu sein.
        Es sei denn es ist pro Person und im Schnitt gemeint…
        Denn laut NABU kommt PRO PERSON ein einzelner Mittelstreckenflug in der Umweltbelastung einer jährlichen Pkw Fahrleistung gleich. Das schein auch logisch, wenn man weiß welche Leistung erforderlich ist ein solch schweres Gerät abheben zu lassen usw.
        Wahrscheinlich sind die peripheren Umweltbelastungen dabei noch nicht mal berücksichtigt, wie Herstellung des Fluggerätes und der Einrichtungen (Fluhafen, Überwachung usw.) sowie parallele Belastungen wie unverbrannter Treibstoffausstoß usw. Fein zerstäubtes Kerosin, und das in nicht unerheblichen Mengen, ist noch ziemlich wenig analysiert, aber bestimmt nicht gesund. Selbst die aus Wasserdampf bestehenden und auf den ersten Blick als unproblematisch anzusehenden Kondensstreifen haben einen nicht unerhebliche Auswirkung auf das Klima.
        Also, echte Sauerei das Ganze. Nur noch getoppt durch die Schiffahrt nebst völlig überflüssigen Kreuzfahten. Dabei kann man die negativen Auswirkungen um mehr als das hundertfache bewerten gegenüber dem Flugverkehr. Da ist das Auto ein Winzling gegen.

        • Dummes Grünzeug

          @ Tiefflieger,
          Im Grunde widersprechen Sie mir ja nicht, im Gegenteil, wie Sie richtig erwähnen, ist die Umweltbelastung, u.a. durch die Schiffe, ebenfalls Fakt. Wenn ich mich richtig erinnere, lief vor einiger Zeit ein Beitrag im TV, wo berichtet wurde, dass, wenn nur ein einziges dieser von Ihnen erwähnten Kreuzfahrtschiffe aus dem „Verkehr gezogen“ würde, man sich weltweit das gesamte“ Brimborium“ um die Dieselfahrzeuge sparen könnte. Nun, was Letzteres angeht, ist das mMn auch mit Vorsicht zu genießen, genau so wie andererseits die Panikmache einiger sog.“Klima-Experten“, die uns den baldigen Weltuntergang prophezeien…

        • Alfons Van Compernolle

          Sie haben Recht ! Da gibt es dann aber auch noch die Handelsschifffahrt, die ohne jegliche Auflage auf den Weltmeeren mit „Schweroel“ betrieben werden duerfen. Schweroel ist der groesste Dreck , der Abfall aus der Treibstoffindustrie! Ein einziges Handelsschiff auf dem Atlantik etc. betrieben mit Schweroel ( aus Kostengruenden) hat eine Schadstoffemission pro Stunde von 4,5 Millionen Kraftfahrzeugen im 24 Std.-Dauerbetrieb. Der derzeitige Handelsschiffsbestand betraegt 90000 , von denen ca 2000
          pro Tag auf den Weltmeeren unterwegs sind ! In den Seehaefen, wo es keine Landstromversorgung gibt (z.B. Gent) sind die Seeschiffe gezwungen ihre Generatoren laufen zu lassen, wobei der „saubere Dieselverbrauch“ bei 150 bis 250 l pro Betriebsstunde liegt. Wir heben hier das Glueck ein paar Messstationen im Hafen zu haben, so weiss man sehr genau, dass jedes Handelsschiff pro Betriebsstunde 1,5kg an Schadstoffen in die Umwelt abgibt. Ein KFZ. im Vergleich zwischen 0,02 bis 0,05 g pro Kilometer ! Es liegen im Durchschnitt 10 Handelsschiffe hier im Hafen !
          Bei der Handelsschifffahrt begnuegt sich die Politik auch nur mit freundlichen Bitten an die Reeder „eventuell doch einmal etwas fuer einen verminderten Schadstoffausstoss zu tun“ !!

        • Walter Keutgen

          Dummes Grünzeug, Tiefflieger,

          Ich habe vor 44 Jahren mal den Verbrauch eines Passagierflugzeuges grob ausgerechnet. Die hier angegebenen Größenordnungen stimmen. Ich bin auf soviel pro Passagier gekommen wie mit einem von einer Person besetzten Auto, wenn ich mich richtig erinnere.

          Daraus kann man auf den Wasser- und Kohlendioxidausstoß schließen, also Klimaerwärmung. Die anderen Schadstoffe hängen von den Umständen ab, sind aber für Menschen nur am Flughafen relevant.

          • abendland

            wenn man mit dem flugzeug fliegt, sollte man nur auf den preis inkl. service schauen.
            das CO2 ist sch…egal. aber irgendwann kommt ne ganz spezielle CO2-steuer auf flugtickets, damit die urlauber lieber mit bus+bahn in den urlaub fahren sollten. wetten?

            wer trotzalledem daran interessiert ist, wie viel CO2 beim flug entsteht, sollte sich diese sinnfreie kalkulations-website anschauen.

            https://www.atmosfair.de/de/kompensieren/flug/

            bei dieser sinnfreien berechnung produziert ein passagier in der first-class mehr CO2 (mehr als doppelt so viel) als ein passagier in der economy. so ein quatsch!!!???
            auch wenn das flugticket der first-class teurer ist, so muss man den gesamtverbrauch der maschine durch alle an bord befindlichen personen teilen. also verbraucht jeder das selbe; nur eben dem gewicht nach ein 3-zentner-mensch mehr als ein kleinkind. aber daran denken oeko-kalkulierer nicht.

            so sind die naiven „gruenen kalkulationen“ unserer klima-glaeubigen öko-marxisten: am ende ist der boese reiche kapitalist alles schuld. und den muss man an den pranger stellen und aburteilen.
            alles quatsch. alles klimaquatsch.
            ===============
            P.S. was das thema hier anbelangt, meine ich, dass die soziale marktwirtschaft siegen sollte. ryanair hat in der zivilen luftfahrt mit niedrigen preisen marktwirtschaftsgeschichte geschrieben und nun ist das soziale dran. hoffentlich kommt was vernuenftiger raus, fuer personal und passagiere.

          • abendland

            vergessen sie nicht auf dieser flugberechnugs-website unten zu spenden:
            da koennt ihr eure suenden freiwaschen mit modernem ablasshandel fuer öko-projekte…
            :-) ;-) :-) :-) :-) :-) :-) :-) :-)

  2. Mischutka

    Wie man im Teletext lesen konnte, haben Fluggäste bis zu 4 Stunden im (geschlossenen) Flugzeug am Boden warten müssen, um dann zu erfahren, der Flug würde ausfallen. In der Zwischenzeit habe die Fluggesellschaft den Menschen im Flugzeug ….. Wasser angeboten, da es ja verboten ist, Flüssigkeiten mit an Bord zu nehmen. Doch die haben das (einfache) Wasser nicht kostenlos verteilt, sondern „sehr hohe Preise“ für jedes Glas Wasser (0,25 L) verlangt……

  3. Das war absehbar. Ryanair hat den Bogen überspannt und bekommt jetzt die Folgen zu spüren. Aber auch die Fluggäste, die glauben es sei normal für den Preis einer ASEAG Monatskarte an’s Mittelmeer zu fliegen müssen lernen dass das billigste Angebot manchmal das teuerst sein kann…..

  4. Die Neue ordnung

    Es steht ja jedem frei den angebotenen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Jeder der das macht weiss worauf er sich einlaesst. Wenn einem die Konditionen dann irgendwann nicht mehr passen soll gekuendigt aber nicht gestreikt werden. Die Streikerei wird ja langsam zum Kulturerbe.

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