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Paar aus Brüssel verirrte sich im Venn – Erinnerungen an die Tragödie von 1871 („Das Kreuz der Verlobten“)

09.01.2021, Belgien, Weismes: Dichter Schnee liegt in einem Waldgebiet in der Gegend des Hohen Venns. Hier kann man schnell die Orientierung verlieren. Foto: Nicolas Maeterlinck/BELGA/dpa

In den Weiten des Venns kann man sich schnell verirren, selbst bei Tageslicht. Wenn es dunkel wird, ist die Gefahr, die Orientierung zu verlieren, noch viel größer. Diese Erfahrung machte am Mittwoch ein Paar aus Brüssel.

Um 17.30 Uhr ist es bereits dunkel. Es ist schwer, sich zurechtzufinden, wenn man sich mitten im Venn befindet.

Um diese Zeit erhielt die Polizei von Stavelot-Malmedy am Mittwoch einen Anruf. Wie der Regionalsender Vedia berichtete, hatte sich ein Paar aus Brüssel zwischen Soubrodt und der Marie-Anne-Libert-Brücke verlaufen.

27.12.2020, Belgien, Weismes: Menschen gehen durch einen verschneiten Wald bei Botrange im Hohen Venn. Foto: Nicolas Lambert/BELGA/dpa

Die beiden jungen Leute sollten einen sechsstündigen Fußmarsch von Eupen bis zum Signal von Botrange unternehmen und dort in den Linienbus steigen, um nach Eupen zurückzukehren.

Nur wusste das Paar bei Einbruch der Dunkelheit nicht genau, wo es sich befand, und befürchtete, den Abend draußen verbringen zu müssen. Ein Abenteuer, das für die beiden bei der eisigen Kälte schlimm hätte enden können.

Die Polizei nahm nach dem Anruf die Suche auf und konnte den Mann und die Frau gegen 21 Uhr finden. Laut Vedia war das Paar am Ende seiner Kräfte. Einige Stunden länger hätten die beiden wohl nicht mehr ausgehalten.

„Die junge Frau war unterkühlt und verwirrt, sie wusste nicht, wo sie war, ob sie nach links oder rechts gehen sollte. Ein paar Stunden mehr und ich denke, es hätte ein Drama werden können“, so Polizeiinspektor Manu Servais. Das Paar wurde zurück nach Eupen gebracht, wo es ein Hotelzimmer gebucht hatte.

Das Hohe Venn fasziniert zu jeder Jahreszeit, aber seine Gefahren werden oft unterschätzt. Foto: Eastbelgium.com

Die Geschichte erinnert an die von Marie Solheid und François Reiff, die fast auf den Tag genau vor 150 Jahren, am 21. Januar 1871, bei einem furchtbaren Schneesturm im Venn unweit von Baraque Michel ums Leben gekommen sind.

An ihr tragisches Schicksal erinnert das „Kreuz der Verlobten“ im Venn, rund anderthalb Kilometer von Baraque Michel entfernt (siehe Tweet unten).

Die Verlobten waren auf dem Weg nach Xhoffraix, Maries Geburtsort, um Heiratspapiere zu besorgen. Der rund 20 km weite Weg führte durch das tief verschneite Venn, aus dem die beiden nicht mehr lebend herauskommen sollten.

Marie brach irgendwann vor lauter Erschöpfung zusammen, und ihr Verlobter nahm an, sie sei verstorben. Ebenfalls am Ende seiner Kräfte, kämpfte er sich weiter durch die Kälte und die Dunkelheit des Venns, brach dann aber ebenfalls zusammen und starb.

Die Leichen der beiden Verlobten wurden erst im März während der Schneeschmelze gefunden, zwei Kilometer voneinander entfernt. (cre)

Zum „Kreuz der Verlobten“ siehe folgenden Tweet:

34 Antworten auf “Paar aus Brüssel verirrte sich im Venn – Erinnerungen an die Tragödie von 1871 („Das Kreuz der Verlobten“)”

  1. Rauw Erik

    Kann mich erinnern dass meine Eltern ,mein Vater gebürtig aus Sourbrodt mit meiner Mutter in den 50 Jahren die Heimreise nach Eupen per Auto antraten . Auf dem Venn herschte an diesem Abend ein Schneesturm, und meine Eltern mit ihrem Auto standen fest auf der Vennstrasse nach Eupen. Sie fanden Unterkunft im Mont Rigi. Herr Duez der meinen Vater gut kannte bot ihm ein Zimmer an ,wo meine Eltern übernachten konnten .So ist schon manchen Leuten das Venn im Winter zum Verhängnis geworden .

  2. Eifel_er

    Ehrlich gesagt, kein Wunder bei der maroden Beschilderung. Wir selber haben uns auch dort schon verlaufen. Beim Wandern haben uns etliche Touristen angesprochen um zu wissen wo sie eigentlich sind da die Beschilderung so miserabel ist. Es wundert mich auch, dass da nicht mehr passiert.
    Die TAO macht Werbung ohne Ende, jedoch müssen die Gäste über marode Brücken „klettern“, und hoffen, sich nicht zu verlaufen. Traurig traurig.
    In Südtirol kann man zb ohne Probleme ohne jegliche Karte wandern gehen da da wirklich gute Beschilderungen existern. Hier wohl anscheinend ein Fremdwort.

    • @Eifel_er, da kann ich Ihnen nur 100% zustimmen, aber nicht nur auf dem Venn, auch in den Wäldern rund um Eupen. Wegweiser kaum bis gar nicht. Habe mal einen darauf angesprochen in Eupen, da kam nur ein blöder Kommentar, die Leute können sich ja Karten besorgen.
      Wenn man sieht – wie Sie auch schreiben – In Österreich – Südtirol usw, da baucht man keine Karte, alles tip top Beschildert, mit Zeitangaben, verschiedene Möglichkeiten um an ein Ziel zukommen, mit Zeitangaben, da kann man dann entscheiden wie man gehen will.
      Aber in Eupen bzw. Ostbelgien, da verteilen sie lieber Posten, schimpfen sich Tourismusschöffe und bekommen nichts auf der Reihe, außer bei Empfängern und Eröffnungen von Waldwegen in der ersten Reihe zu stehen und auf unsere Kosten zu essen uns zu trinken,.

    • Friedrich Meier

      Südtirol ist um einiges teurer. Unterkunft und Verpflegung finanziert die Touristenwege mit.
      Außerdem das das Land Südtirol mindestens 40 Jahre Vorsprung, bei dem Vermarkten von Urlaub in dieser Region.
      Die Knotenpunktwanderung, die die TAO initiiert hat, ist schon ein richtiger Schritt und funktioniert einwandfrei.
      In Österreich, in Tirol, habe ich vergleichbares vergebens gesucht. Jedes Jahr mache ich etliche Touren dort und ohne eine App wie Bergfex hätte ich mich auch schon manches mal hoffnungslos verlaufen.
      Der wichtigste Vorteil den man dort antrifft sind die Ortsansässigen. Die motzen nicht rum wie manch einer hier, sondern sind freundlich und helfen persönlich ohne auf die Unzulänglichkeiten der Oberen zu verweisen.

          • Pensionierter Bauer

            Also, ich wusste es auch nicht. Dabei lese ich GE, höre BRF und sehe RTBF und VRT. In der Flut von Bestimmungen, Bestimmungsänderungen und das ganze dann auch noch anders in den verschiedenen Regionen, da kann man dann schonmal den Überblick verlieren, besonders dann, wenn man nicht mit dem entsprechenden Metier verbandelt ist.

            • @P.B. Die Hotels dürfen in allen Regionen öffnen. Also ich bin nicht aus dem Hotelgewerbe und habe meine Informationen aus den Medien die Sie zitieren. Es reicht schon genau hinzuhören und sich nicht nur auf die Verbote zu konzentrieren.
              @A mit Ihrem Kommentar geben Sie ja preis, dass ihre Informationsquellen lückenhaft sind.
              Hetz Medien, sind Medien die gezielt Themen aufgreifen die die Leser echoffieren ohne das Ziel einer breiten Information zu verfolgen.

  3. Ich hatte mal die Orientierung im Preuswald verloren, obwohl ich mich dort auskenne wie in meiner Westentasche. Ich war selbst überrascht. Bei einem Blick auf Google Maps wusste ich dann aber schnell, in welcher Richtung mein Auto stand. Das müsste auch im Venn möglich sein. Vorausgesetzt man hat ein Smartphone dabei.

      • Walter Keutgen

        Eifel_er, Logisch, Satellitenempfang hat man sehr wohl, man muss vielleicht von den Bäumen weg gehen. Allerdings muss die Karte vorher über das Netz geladen sein. Nichts mit „failed state“.

        • @Walter Keutgen: Ich weiß nicht, was Sie für ein Smartphone haben, aber die Navigation von Google Maps funktioniert ohne Internet und vorher braucht man auch keine Karte hochzuladen. Auch mitten im Urwald hat erreicht einem das GPS-Signal. Wenn man 30 Euro anlegt, lädt man sich Komoot runter. Dort gibt es weltweit nicht einen Waldweg, der nicht kartografiert ist. Landkarten und Schilder waren gestern.

      • Walter Keutgen

        Eifel_er, doch ein bisschen failded state. GPS ist ein System des US-amerikanischen Militärs. Die Europäische Raum-Agentur hat ein Konkurrenzsystem entwickelt oder entwickeln wollen. Lange nichts mehr davon gehört.

  4. @Eifel_er und ???????? Kann Ihnen nur beipflichten.Habe letztens noch 2 Damen 1km von Ternell entfernt getroffen.Sie wussten nicht wo Sie waren.Gerade im Bereich Venn ist die Infrastruktur oft katastrophal,und somit auch Verletzte stellenweise sehr schwer zu bergen.Tourismus in Ostbelgien ist ,trotz des vorhandenen Potentials oft mehr gewollt wie gekonnt.

  5. Förster

    Ja, die Beschilderung ist manchmal unzureichend.
    Dazu muss man wissen, dass lange Zeit nur die Forstverwaltung beschildert.
    Provinz und Tourismusminister hielten sich vornehm zurück.
    Allerdings ist es schwer, den Weg von Eupen zur Baraque Michel zu verfehlen, es sei denn es liegt Schnee.
    Bei Schnee findet man keinen Pfad im Venn, auch bei noch so guter Beschilderung

    Menschen welche bei Schnee eine grosse Vennwanderung beginnen müssen, gelinde gesagt, einen an der Waffel haben.

  6. Arnold Heck

    Da die Verlobten auf dem Weg nach Xhoffraix, Maries Geburtsort, waren um Heiratspapiere zu besorgen, kann man die Ärmsten getrost als Opfer der Verwaltung und der Bürokratie verorten.

  7. Wanderer

    an Eifeler und Logisch ihr habt wohl noch nie was von GO EASTBELGIUM gehört.: Das ist ein
    Wanderroutenplaner GO Ostbelgien mit Navigation. https://www.ostbelgien.eu/de/wandern/wanderroutenplaner
    Das Knotenpunktsystem gibt es auch hier in Eupen. Leider sind im Eupener Wald die Posten noch nicht aufgestellt.Wogegen in St.Vith stehen sie . Aber es funktioniert auch ohne die Posten ; man muß nur ein Smartphone dabei haben und natürlich die APP. erst laden. Und wer hat heut zutage kein Smartphone bei sich?

  8. Dieses ganze Gelaber geht mir gehörig auf die Nerven, hab mein ganzes Leben nie ein Smartphone zum Wandern gebraucht. Weder in Südtirol, Österreich, noch im Venn. Es gibt auch Menschen die durch eine Stadt laufen mit dem Smartphone in der Hand damit sie sich nicht verlaufen, vermutlich auch in ihrem Haus, sonst finden sie die Toilette nicht. Unglaublich wie leer die Gehirne der meisten Menschen sind seitdem es diese ganzen Geräte gibt. Ich freue mich immer wenn ich mal nicht weiter weiß, dann frag ich jemanden, eine Chance Leute kennen zu lernen. Und wenn ich mich nicht kenne renne ich im Winter nicht durch das Venn, es ist jedem selbst überlassen die Gefahr zu suchen. Ich kenne viele Berg Retter in Südtirol, die jedes Jahr ihr Leben aufs Spiel setzen um Bekloppte aus dem Schnee zu bergen, und ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen.

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