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Staatsarchiv eingeweiht: Im ehemaligen Parlament lagert jetzt das „kollektive Gedächtnis“ Ostbelgiens

Hier ist das kollektive Gedächtnis der DG untergebracht. Foto: Helmut Koch

Am Dienstag, dem 21. April 2026, wurde der neue Komplex des Staatsarchivs in Eupen offiziell eingeweiht, unter anderem im Beisein von Föderalministerin Vanessa Matz (Les Engagés), zuständig für die Modernisierung der Verwaltung, und DG-Ministerpräsident Oliver Paasch (ProDG).

Die Restaurierungs- und Erweiterungsarbeiten dauerten etwa zweieinhalb Jahre und wurden im Sommer 2025 abgeschlossen. Im November 2025 wurde das Projekt durch die Installation von Kompaktusanlagen fertiggestellt, sodass das Staatsarchiv seine neuen Räumlichkeiten beziehen konnte.

Gastgeber und Ehrengäste beim Gruppenfoto anlässlich der offiziellen Einweihung des neuen Gebäudekomplexes des Staatsarchivs am Dienstag. Foto: Helmut Koch

Das Projekt beläuft sich auf Kosten von rund 8,8 Millionen Euro und wurde durch die Nationallotterie sowie durch einen Zuschuss der Europäischen Union im Rahmen des REPowerEU-Plans finanziell unterstützt.

„Mit der Einweihung dieses neuen Gebäudekomplexes in Eupen verwirklichen wir weit mehr als nur ein Immobilienprojekt: Wir stellen dem Staatsarchiv einen Ort zur Verfügung, damit es seine wichtigen Aufgaben erfüllen kann. Dieses Gebäude steht für unseren Willen, unser Kulturerbe für künftige Generationen zu wahren“, erklärte Ministerin Vanessa Matz (Les Engagés). Dank der Fachkompetenz und des Engagements der Gebäuderegie sei es gelungen, ein geschichtsträchtiges Gebäude in eine moderne, nachhaltige Infrastruktur zu verwandeln, die den heutigen Anforderungen in jeder Hinsicht entspreche. Es handele  sich um eine strategische Investition zugunsten des kollektiven Gedächtnisses, in die Forschung sowie in die demokratische Transparenz.

Die unter Denkmalschutz stehende Fassade des ehemaligen Parlamentsgebäudes wurde vollständig renoviert. Foto: Helmut Koch

Die Einweihung dieses prächtigen Gebäudes markiert laut Xavier Jacques-Jourion, Generalarchivar des Königreichs, einen Neuanfang in der Geschichte der Archivierung in Ostbelgien. „Das rasche Wachstum unserer Bestände, die sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt haben, macht diese Modernisierung unerlässlich.“

Der neue, renovierte, erweiterte, nachhaltige und barrierefreie Gebäudekomplex umfasste drei Teilbereiche:

– Die Restaurierung des straßenseitigen Gebäudes, das unter Denkmalschutz steht und aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt. Das Dach wurde originalgetreu erneuert und mit Wärmedämmung versehen, während die Fassaden und die äußeren Holzarbeiten vollständig restauriert wurden. Dieser Gebäudeteil beherbergt Büros, Besprechungsräume und den Lesesaal.

– Die Renovierung des bestehenden Anbaus aus den 1970er Jahren, einschließlich seiner Umgestaltung und Anpassung an die geltenden Sicherheits- und Energieeffizienzanforderungen. Die Fassaden wurden vollständig isoliert und die Innenräume so angepasst, dass dort Kompaktusanlagen installiert werden konnten.

Vanessa Matz, föderale Ministerin für die Modernisierung der Verwaltung. Foto: Helmut Koch

– Der Bau eines zusätzlichen vierstöckigen Anbaus, der hauptsächlich Kompaktusanlagen sowie eine Entladerampe beherbergt.

Neben der Wärmedämmung wurden zahlreiche Maßnahmen zur Energieoptimierung umgesetzt, darunter die Installation von LED-Beleuchtung, ein Belüftungssystem mit Wärmerückgewinnung, ein Regenrückhaltebecken, 64 Photovoltaikmodule sowie zwei Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Der gesamte Komplex ist zudem vollständig barrierefrei zugänglich (Plattformlift, Aufzug, Sanitäranlagen, Parkplätze usw.).

– Die Archive öffentlicher Institutionen in der DG: Die Dienststelle des Belgischen Staatsarchivs in Eupen bewahrt hauptsächlich das Archivgut staatlicher Institutionen mit Bezug zu Ostbelgien. Dazu zählen insbesondere staatliche Behörden, Gemeinden, Notare und Kirchenfabriken. Auch Privatpersonen, Firmen und Vereine geben ihr Archivgut an das Staatsarchiv ab, wo es fachgerecht konserviert wird. Diese Archive sind grundsätzlich für alle im Lesesaal zugänglich und können zudem online über das Portal u>agatha.arch.be recherchiert werden.

Nachfolgend einige Bilder von Fotograf Helmut Koch vom Innern des Staatsarchivs (Zum Vergrößern Bild anklicken):

Am Samstag Tag der offenen Tür im Staatsarchiv

Wann bietet sich schon die Gelegenheit, einen Blick dorthin zu werfen, wo Jahrhunderte an Geschichte aufbewahrt werden?

Els Herrebout, Leiterin des Staatsarchivs. Foto: Helmut Koch

Am Samstag, dem 25. April 2026, öffnet das Staatsarchiv von 9 bis 16.30 Uhr seine Türen und präsentiert dabei sein vor kurzem umgebautes Gebäude, das nicht nur äußerlich ein neues Gesicht erhalten hat, sondern auch in Bezug auf Arbeits- und Nutzungsbedingungen wesentlich modernisiert wurde.

Führungen oder individuelle Besichtigung: Wer tiefer in die Welt des Archivs eintauchen möchte, kann an einem der regelmäßig angebotenen Rundgänge teilnehmen, bei denen Fachleute durch Depots, Lesesaal und Arbeitsbereiche führen. Wer lieber auf eigene Faust erkundet, kann das Gebäude auch individuell besichtigen — ganz nach eigenem Tempo und Interesse. An verschiedenen Stationen stehen Mitarbeitende für Fragen zur Verfügung: Wie werden Dokumente übernommen, erfasst und dauerhaft gesichert? Nach welchen Kriterien wird entschieden, was archiviert wird und was nicht? Und wie können Bürger das Archiv für eigene Recherchen nutzen?

Geschichte des Hauses in Bild und Text: Zum Programm gehört auch eine kleine Ausstellung, die den Verlauf des Gebäudeumbaus sowie die Geschichte des Hauses von seinen Anfängen bis heute in den Blick nimmt.

Eintritt frei – keine Anmeldung erforderlich!

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