Standpunkt

Mathieu Grosch der „Steinbrück von Ostbelgien“?

Mathieu Grosch hat also die Katze aus dem Sack gelassen: Der ehemalige Kelmiser Bürgermeister steht bei der Europawahl im kommenden Jahr nicht mehr als Spitzenkandidat zur Verfügung. Grosch wird zwar noch für die CSP kandidieren, um ihr zu helfen, wie er selbst sagt, aber eine aktive Rolle wird der Kelmiser nicht mehr spielen. Vielleicht wird Grosch ja in den nächsten Jahren den Peer Steinbrück vor dessen Kanzlerkandidatur abgeben – mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und anderen Veranstaltungen zu politischen Themen.

Über den Mehrwert eines Europaabgeordneten für die DG lässt sich streiten. Sicher, wenn es schon 22 (künftig 21) EU-Parlamentarier aus Belgien gibt, dann sollte auch ein Deutschsprachiger darunter zu finden sein. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass dieses Mandat einen echten Mehrwert für das Gebiet deutscher Sprache hat. Wie gesagt, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein.

Hat das EU-Mandat für DG einen Mehrwert?

Einen Mehrwert hat dieses Mandat auf jeden Fall für Mathieu Grosch selbst gehabt. In Straßburg ist noch nie ein Abgeordneter vor lauter Stress umgefallen, um es mal etwas überspitzt zu formulieren. Und die Bezüge sind mehr als ausreichend, die Pensionen ebenso. Europa zahlt gut.

Mathieu Grosch sei es gegönnt. Es ist eben nicht jedermanns Sache, vier Mal in Folge (1994, 1999, 2004 und 2009) für ein Mandat gewählt zu werden, auch wenn dies zugegebenermaßen für einen Spitzenkandidaten der stärksten Partei in der DG nicht allzu schwer war.

Dass bei einem Teil von Groschs Parteifreunden heute ein fader Beigeschmack bleibt, obwohl sie eigentlich allen Grund hätten, dem ehemaligen Kelmiser Bürgermeister und scheidenden Europaparlamentarier dankbar zu sein, hat wohl mit der letzten Gemeinschaftswahl zu tun.

Vor der PDG-Wahl 2009 ein großer Fehler

Im Vorfeld der PDG-Wahl 2009 machte Grosch einen großen Fehler, der ihm von Parteifreunden bis heute nicht verziehen wurde und möglicherweise auch eine Erklärung für das Desaster bei der Kelmiser Gemeinderatswahl im Oktober 2012 ist.

Statt sich als CSP-Spitzenkandidat für die PDG-Wahl und damit als Herausforderer von Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz (SP) zur Verfügung zu stellen, war Grosch vor allem darauf erpicht, bei der gleichzeitig stattfindenden Europawahl als Spitzenkandidat anzutreten und sein Mandat im EU-Parlament zu verteidigen. So war Grosch damals bei der CSP der Einzige, der sich am Wahlabend freuen durfte.

Das nehmen ihm einige heute noch übel, denn sie sind – bei allem Respekt für Patricia Creutz – der festen Überzeugung, dass es mit Mathieu Grosch als PDG-Spitzenkandidat gelungen wäre, die Lambertz-Regierung zu stürzen.

Fairness und Korrektheit

Wie dem auch sei, eine große politische Karriere geht zu Ende. Erwähnt sei an dieser Stelle übrigens die Fairness und Korrektheit, die Mathieu Grosch in all den Jahren im Kontakt mit dem politischen Gegner und auch mit dem einen oder anderen unbequemen Journalisten an den Tag gelegt hat. Daran können sich andere Politiker ein Beispiel nehmen.

Und sollte der 63-Jährige demnächst tatsächlich den Peer Steinbrück abgeben, dann sei ihm auch dies gegönnt. Neid ist nun mal die höchste Form der Anerkennung…

GERARD CREMER

Siehe dazu auch Artikel „Europawahl: Mathieu Grosch nicht mehr Spitzenkandidat [mit Interview]“

 

11 Antworten auf “Mathieu Grosch der „Steinbrück von Ostbelgien“?”

  1. Werner Pelzer

    Wie Grosch im GE-Interview von letzter Woche versicherte, wird er keine Vorträge, Podiumsdiskussionen und andere Veranstaltungen zu politischen Themen wahrnehmen.

    Insofern brauchen sich die Neider darum keine Sorgen zu machen.

  2. Gerard Cremer

    @Werner Pelzer: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Mathieu Grosch bei der Pressekonferenz am Freitag gesagt haben soll, er werde „keine Vorträge, Podiumsdiskussionen und andere Veranstaltungen zu politischen Themen wahrnehmen“.

  3. Werner Pelzer

    Sorry, war kein Interview, sondern eine Reportage von Nathalie Wimmer, in der geschrieben steht, dass er nicht vor hat, durch die Hörsäle dieser Welt zu tingeln.

    Ich denke, dazu ist er ja auch ein bisschen zu unbekannt und außerdem hat er finanziell ausgesorgt.

  4. Marc Van Houtte

    Herr Cremer
    Ich glaube so langsam das sie mehr als der Vorstand der CSP mit Herrn Groschs Entscheidung von 2009 ein Problem haben.
    Abgesehen davon hat Herr Grosch Kelmis in einer Guten Finanzieller Situation übergeben das kann nicht von vielen behauptet werden.
    Dies Trotz neuem Schwimmbad Etc…
    Nach Gründlicher Analyse der Gemeindefinanzen wird dies auch Herr Göbbels sagen insofern er Bilanzen versteht. Und dadurch zugibt das die Erhöhung der Gemeindesteuer verfrüht war.

  5. Freddy Olbertz

    Herr Grosch hat seine Schäfchen auf dem Trockenen und wenn er mit 63 Jahren die Brocken hinschmeißt, ist das absolut nachvollziehbar. Um ihn braucht sich niemand Sorgen zu machen und wenn ich die Rente eines Mathieu Grosch bekommen würde, ließ ich sofort den Hammer fallen und zwar mit 49.

  6. DenMathiö

    …kann ich gut verstehen. Noch nie ist so mit Dreck auf die Politiker geworfen worden, auch wenn sie ihren Job nach bestem Wissen und Gewissen gemacht haben. Die meisten arbeiten viel für diesen Job. Herr Grosch hat auch seine Arbeit getan und hat sicherlich dafür Geld verdient. Sollen Einsatz und Fähigkeiten den nicht mehr entlohnt werden. Der war noch unterwegs, dann standen andere schon stundenlang am Buffet oder lagen vor dem Fernsehgerät und waren am mullen.

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