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In Großbritannien verpesten Fäkalien Badestrände – Kloake statt Idylle: Ungeklärte Abwässer ins Meer

13.02.2024, Großbritannien, Whitstable: Die Kunstinstallation Sirens of Sewage von Jason DeCaires Taylor wurde am Strand von Whitstable enthüllt. Mit der Kunstinstallation sollen Menschen gewürdigt werden, die Teil eines landesweiten Netzwerks von Freiwilligen sind, das den öffentlichen Diskurs und politische Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Gewässer und der Meeresökologie vorantreibt. Foto: Gareth Fuller/PA Wire/dpa

Kaum ein Land in Europa hat so viel Küste wie das Vereinigte Königreich. Doch die „Great British Seaside“ wird zunehmend von Abwasser verschmutzt. Die Gründe dafür sind haarsträubend.

Die britische Königin Victoria (1819 – 1901) liebte das Meer. Ihre „Bathing Machine“, eine rollende Strandkabine die sie vor neugierigen Blicken schützte, ist noch heute am Privatstrand ihres Landsitzes Osborne House auf der Isle of Wight zu besichtigen. Doch wer heutzutage ganz in der Nähe ein Bad im Meer nehmen will, könnte eine unverhoffte Begegnung mit etwas machen, von dem er sich mit Betätigen der Klospülung vermeintlich für immer verabschiedet hatte.

Die nahe „Queen Vickys“ Domizil gelegene Cowes Beach ist der am stärksten von ungeklärtem Abwasser verschmutzte Strand des ganzen Landes, wie eine Analyse offizieller Daten durch die Umweltaktivisten Friends of the Earth offenbarte. Demnach floss dort im vergangenen Jahr knapp 5.000 Stunden lang Schmutzwasser ins Meer.

17.05.2024, Großbritannien, Brixham: Abgefülltes Wasser steht auf dem Freshwater-Parkplatz in Brixham. Rund 16.000 Haushalte und Unternehmen in der Region Brixham in Devon wurden aufgefordert, ihr Leitungswasser nicht ohne vorheriges Abkochen und Abkühlen zu verwenden, nachdem im örtlichen Wassernetz geringe Spuren eines Parasiten entdeckt worden waren. Foto: Ben Birchall/PA Wire/dpa

– Kleine Häufchen markieren verschmutzte Badestrände: Das ist alles andere als ein Einzelfall, wie ein Blick auf die Webseite einer anderen Organisation zeigt: Die Surfer against Sewage (Surfer gegen Abwasser) stellen eine Karte zur Verfügung, die anzeigt, wo gerade ungeklärtes Abwasser ins Meer gelassen wurde. Kleine Häufchen markieren die Stellen, an denen von einem Bad dringend abgeraten wird und das sind oft nicht wenige.

Allein in England wurden im Jahr 2023 mehr als 440.000 Stunden lang ungeklärte Abwässer an der Küste ins Meer geleitet. Ein Viertel davon in der Nähe von Badestränden.

Das Problem ist nicht neu. Im Bericht zur Badewasserqualität der Europäischen Umweltagentur EEA im Jahr 2020, dem letzten, in dem Großbritannien vor dem Brexit noch enthalten war, nahm das Land den letzten Platz ein. Nur 17,2 Prozent der Badegewässer wurden als exzellent bewertet. Doch warum steht ausgerechnet Großbritannien so schlecht da?

– Ungeklärtes Abwasser geht regelmäßig in Gewässer: Dass Schmutzwasser hin und wieder unbehandelt in Seen, Flüsse und Küstengewässer gelangt, geschieht auch in anderen Ländern. Grund dafür ist, dass besonders in großen Städten Schmutzwasser und Regenwasser oft in ein einziges Kanalsystem fließen.

Damit bei starken Regenfällen das Abwasser nicht wieder in Häuser und auf Straßen gedrückt wird, und Kläranlagen nicht überlaufen, wird durch den sogenannten Mischwasserüberlauf das Kanalisationssystem entlastet. Dann fließt ein Mix aus ungeklärtem Abwasser und Regenwasser direkt in die Natur. Das Problem: In Großbritannien ist das beinahe schon zur Regel geworden. In manchen Fällen geschieht es sogar, wenn es nicht geregnet hat.

Grundsätzlich ist die Mischwasserkanalisation laut dem Infrastruktur-Experten und Professor für Wirtschaftspolitik Dieter Helm von der Universität Oxford aber nicht Kern des Problems. Tatsächlich wäre eine flächendeckende getrennte Kanalisation gar nicht zu finanzieren – und auch nicht notwendig, sagt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

17.05.2024, Großbritannien, Paignton: Menschen verteilen Wasser in Flaschen auf dem Broadsands-Parkplatz in Paignton. Rund 16.000 Haushalte und Unternehmen in der Region Brixham in Devon wurden aufgefordert, ihr Leitungswasser nicht ohne vorheriges Abkochen und Abkühlen zu verwenden, nachdem im örtlichen Wassernetz geringe Spuren eines Parasiten entdeckt worden waren. Foto: Ben Birchall/PA Wire/dpa

– Dividenden wurden durch Kredite finanziert: Das Problem ist vielmehr, dass in den vergangenen Jahrzehnten in das bestehende Abwassersystem trotz höherer Anforderungen und wachsender Bevölkerung kaum investiert wurde.

Der Grund dafür liegt laut Helm an einem katastrophalen Versagen der Aufsichtsbehörden: Denn die Ende der 1980er Jahre privatisierten Wasserversorger wurden nicht daran gehindert, statt zu investieren, fleißig Dividenden an ihre Anteilseigner auszuschütten – sogar mit Geld, das aus Krediten stammte.

„Das ist als würde man beim Fußball zuerst den eigenen Torwart vom Platz nehmen und dann auf einen Schiedsrichter verzichten“, sagt Helm, der in einem insolvenzähnlichen Verfahren für den hoch verschuldeten Wasserversorger Thames Water den einzigen Ausweg sieht. Doch das lehnen bislang beide große politische Parteien in Großbritannien ab. Stattdessen verhandeln die Aufsichtsbehörden mit den Wasserversorgern um Investitionsprogramme, die jedoch Preiserhöhungen von bis zu 44 Prozent für Haushalte mit sich bringen sollen. Viele Briten empfinden das als schamlos.

Pünktlich zum Start der Badesaison in Großbritannien Mitte Mai machte die Nachricht Schlagzeilen, dass selbst der idyllische Lake Windermere im Lake District mit Fäkalien verpestet wurde. In der Grafschaft Devon erkrankten durch kontaminiertes Trinkwasser Dutzende Menschen an Durchfall und Übelkeit. Bis Großbritanniens Fäkalien-Krise gelöst ist, dürften mindestens zehn Jahre vergehen, glaubt Experte Helm. (dpa)

16 Antworten auf “In Großbritannien verpesten Fäkalien Badestrände – Kloake statt Idylle: Ungeklärte Abwässer ins Meer”

  1. Eiserne Lady

    Dort kann man überall die Folgen der neo liberalen Politik besichtigen. Schon die rein marktgläubige Eiserne Lady hat ab 1979 ganze Arbeit geleistet, hunderttausende Jobs in der Schwerindustrie im Kahlschlagverfahren vernichtet und kräftig umverteilt von unten nach oben.

    • Gesundheit

      Ich fürchte, es wird hier auch nicht besser aussehen, wenn Vivaldi und Konsorten fertig mit uns sind. Auch in Belgien wird kräftig von unten nach oben umverteilt. In der EU macht VdL Geschäfte mit Big Pharma und verschleudert Steuergelder und die Steuerzahler dürfen nicht wissen, was in den Verträgen steht. Wo waren da die Politiker, die jetzt um unsere Stimmen buhlen, ganz besonders die hiesigen Parteikollegen ?

  2. Bäderkönig Eduard

    Wenn es möglich wäre dann würden sich die Londoner Kapitalisten noch nach dem Wasser in England, den Sauerstoff privatisieren lassen. Für das atmen wird dann eine Tagesgebühr fällig, die automatisch vom Lohn einbehalten wird,

  3. Fish n Chips

    Wenigstens essen die Ihre eigene Schei… selber wieder auf.
    An alle Fischesser,lasst es euch auf der Zunge zergehen.

    Wie war das hier bei manchen Kommentaren,
    Die Welt kann ruhig noch mehr Menschen ernähren, gar kein Problem.
    Ja, klar wenn man die eigene Schei… frisst.

    Guten Hunger 🤣

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