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„Wo ist Juan Carlos?“ – Altkönig untergetaucht

04.05.2019, Luxemburg: Das frühere Königspaar Sofia und Juan Carlos von Spanien gehen nach dem Staatsbegräbnis von Luxemburgs Altgroßherzog Jean aus der Kirche. Foto: Harald Tittel/dpa

AKTUALISIERT – Das spanische Fernsehen sprach von der „Nachricht des Jahres“, und auch in den Cafés überall im Lande gab es trotz Pandemie und Maskenpflicht kein anderes Thema: Der der Korruption verdächtige Ex-König Juan Carlos verlässt Spanien und taucht unter. In der Karibik?

Als das spanische Königshaus am Montagabend völlig unerwartet das Exil von Altkönig Juan Carlos bekanntgab, da war der 82-Jährige offenbar schon über alle Berge.

Der von einem Korruptionsskandal und von Justizermittlungen bedrängte Vater von König Felipe VI. hatte den Zarzuela-Palast nordwestlich von Madrid – seine Residenz der vergangenen 58 Jahre – nach Medienberichten bereits am Sonntag verlassen. Er sei mit einem Wagen nach Galicien und von dort über die Grenze nach Portugal gefahren, hieß es.

08.06.2016, Spanien, Madrid: König Felipe von Spanien (l) und sein Vater Altkönig Juan Carlos nehmen an der Sitzung der Cotec-Stiftung teil. Foto: Chema Moya/EFE/epa/dpa

In Porto soll Juan Carlos dann einen Flieger Richtung Karibik bestiegen haben, wie unter anderem auch die den Royals sehr nahe stehende Zeitung „ABC“ versicherte. In der Dominikanischen Republik habe das frühere Staatsoberhaupt Zuflucht bei einem engen Freund, dem Zuckermagnaten Pepe Fanjul, gesucht, hieß es.

Eine Stellungnahme der „Casa Real“ oder der Regierung gab es dazu vorerst nicht. Das sorgte für Verwirrung. Der staatliche TV-Sender RTVE und auch die Menschen in den Cafés überall im Lande stellten deshalb immer wieder dieselbe Frage: „Wo ist Juan Carlos?“

Pablo Iglesias, der Chef des Juniorpartners der sozialistischen Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez, des Linksbündnisses Unidas Podemos, beklagte eine „Flucht“ des Altkönigs und erneuerte seine Forderung nach Abschaffung der Monarchie. «Eine demokratische Regierung darf da nicht wegschauen», schrieb er auf Twitter. Juan Carlos‘ Anwalt Javier Sánchez-Junco beteuerte, sein Mandant stehe der spanischen Justiz weiter zur Verfügung.

Die in Sachen Monarchie sehr gut informierte Zeitung „El Mundo“ versicherte unterdessen, das Exil von Juan Carlos sei von Felipe und Sánchez vereinbart worden. Das Königshaus habe Juan Carlos zum Verlassen Spaniens „gezwungen“, um die konstitutionelle Monarchie zu retten, so das Blatt.

09.03.2013, Spanien, Madrid: Juan Carlos, damals König von Spanien, winkt, als er in einem Wagen ein Krankenhaus verlässt. Juan Carlos hat seine Heimat verlassen und wechselt ins Ausland. Foto: Jack Abuin/Zuma Press/dpa

Ob es etwas bringt? „El Mundo“ meint, die „dramatische Geste“ von Juan Carlos werde den „Kreuzzug“ der Monarchiegegner um Iglesias nicht stoppen. Sorge auch im Ausland: Die Londoner „Times“ warnte, die spanische Monarchie sei so beschädigt, „dass ihr langfristiges Überleben ungewiss ist“.

Dabei galt Juan Carlos jahrzehntelang als Vorzeige-König. Erst recht, nachdem er 1981 die damals noch sehr junge spanische Demokratie nach einem Putschversuch energisch verteidigt hatte.

Doch in den letzten zehn Jahren erregte er immer wieder Ärger: eine umstrittene Elefantenjagd, Medienberichte über angebliche Seitensprünge, ein Betrugsskandal, der sich über Jahre hinauszog und bei dem sein Schwiegersohn Iñaki Urdangarin zu knapp sechs Jahren Haft verurteilt wurde.

Und dann wurde zu allem Übel auch der ominöse Deal um den „Wüstenzug“ aufgedeckt: Juan Carlos soll 2008 Schmiergeld in Höhe von 100 Millionen US-Dollar kassiert haben, damit der Bau einer rund 450 Kilometer langen Schnellbahnstrecke zwischen Mekka und Medina durch ein spanisches Konsortium zustande kam. Das Oberste Gericht leitete im Juni offiziell Ermittlungen gegen den von rund 20 Operationen körperlich stark geschwächten Juan Carlos ein.

10.03.2018, Chile, Santiago: Juan Carlos, ehemaliger König von Spanien, in der Diplomatische Akademie Chiles. Foto: Francisco Flores Seguel/Agencia Uno/dpa

Für die vier Jahrzehnte, die er König und Staatsoberhaupt von Spanien war (vom 22. November 1975 bis zum 14. Juni 2014) genießt Juan Carlos Immunität. Doch obwohl die mutmaßliche Schmiergeldzahlung 2008 erfolgte, könnte der Ex-König in Zusammenhang mit dem Skandal unter anderem der Geldwäsche und des Steuerbetrugs in der Zeit nach 2014 beschuldigt werden.

Nach seinem Thronverzicht zugunsten seines Sohnes hat Juan Carlos zwar auch heute noch Sonderrechte, kann aber vom Obersten Gericht auf die Anklagebank gesetzt werden.

Juan Carlos hatte zuvor bereits im März einen heftigen Schlag erlitten, als sein Sohn nach einem Bericht des „Telegraph“ mit ihm brach. Das britische Blatt hatte enthüllt, dass Felipes Name – offenbar ohne sein Wissen – als Begünstigter einer dubiosen Offshore-Stiftung aufgetaucht war, in der auch Teile der Saudi-Dollars deponiert sein sollen. Der König verzichtete auf sein Erbe und strich dem Vater auch noch das Jahresgehalt von 194.000 Euro.

25.07.2020, Spanien, Madrid: Eine Frau trägt ein Schild mit dem Wort „No“(nein) an der Stirn bei einem Protest gegen die Monarchie. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa

Ans Licht waren die offenbar unsauberen Saudi-Geschäfte gekommen, als Medien 2018 Aufnahmen eines Gesprächs veröffentlichten, bei dem eine Deutsche dem Altkönig Korruption und Geldwäsche vorwirft. Die heute 55-Jährige war dem Bourbonen nach eigenen Angaben bis 2012 eng verbunden. Sie sei „eine innige Freundin“ gewesen, sagte sie den Medien, die immer wieder gern über ihr Leben berichten.

In einem vom Königshaus veröffentlichten Brief an seinen Sohn schrieb der Altkönig nun, er wolle mit seiner Entscheidung, ins Ausland zu ziehen, die Arbeit von Felipe als Staatschef „erleichtern“, „angesichts der öffentlichen Auswirkungen, die gewisse vergangene Ereignisse meines Privatlebens derzeit verursachen“. „Es ist eine Entscheidung, die ich mit tiefen Gefühlen, aber mit großer Ruhe treffe.“

Gattin Sofía wird laut Medien nicht mit ins Ausland gehen. Die 81-Jährige ist bereits seit einigen Tagen auf Mallorca und wartet in der Sommerresidenz der Royals auf der Mittelmeerinsel, dem Palacio Marivent, auf die für Freitag vorgesehene Ankunft von Felipe (52), Königin Letizia (47), Kronprinzessin Leonor (14) und Infantin Sofía (13). Auf alle warte ein „bewegter Sommer“, so RTVE. (dpa)

15 Antworten auf “„Wo ist Juan Carlos?“ – Altkönig untergetaucht”

  1. volkshochschule

    Die Saudis bringen so manchen Politikern , Köfferchen voller Geld wenn es um ihre Interessen geht, denn was der kölsche Küngel kann können die Scheichs schon lange. Und auch kostbare Schweizer Armbanduhren werden nur mal so für kleine Gefälligkeiten verteilt, sicher gibt es auch in Belgien den ein oder anderen der so zu seiner Uhr gekommen ist. Meistens bringen das dann die Leute zur Anzeige die selbst leer ausgegangen sind, vielleicht weil sie zu unwichtig waren oder schlicht vergessen wurden.

  2. Ekel Alfred

    Es sind IMMER nur angebliche Schmiergelder….Juan Carlos ist ein Schmierlappen….und so einer gehört in’s Gefängnis….nur weil diese Leute über Geld verfügen….können die auch noch die Flucht antreten….

  3. Freie Fahrt

    Nur Adelige, Politiker und hohe Funktionäre erlauben sich sowas! Und danach lässt man sie einfach laufen! Eine Kotzbande sondergleichen! Denen passiert schon nichts, und danach haben sie zur Strafe noch ein sorgenloses Leben! Abscheuliches Verhalten!

  4. Ossenknecht

    Ich sehe nicht, dass sich in Spanien jetzt eine Mehrheit findet kann, die die post-Franco-Konstitution von 1978 dahingehend ändert, dass das Land zur Republik wird. Zumal dem jetzigen König nichts derartigen anhaftet; er hat sogar eine Bürgerliche geheiratet und ist der Machenschaften seines Vaters unverdächtig.

    Im Übrigen bin ich dafür, alle Gedenkstätten für Leopold II mit Warnungen vor rassistisch motiviertem Massenmord zu versehen.

  5. volkshochschule

    Erst mal lebt der König mit Karlspreis und persönlichem Gefolge, jetzt unter Palmen genießt jeden Tag und lässt es in einem 5 Sterne Luxushotel oder bei befreundeten Burgbesitzern krachen, mit ordentlich Rum aus dem Fass. In der Zwischenzeit bemüht sich die spanische Justiz um ein Auslieferungsverfahren das den der Bestechlichkeit verdächtigen Monarchen zurück bringen soll in sein Heimatland. Dagegen wehrt er sich mit guten und teuren Anwälten über Jahre. Dann ist er so alt und gebrechlich das ein Prozess zur Aufklärung der Machenschaften , für ihn ein schweres gesundheitliches Risiko darstellen würde. Dann wird die ganze Sache eingestellt. Wo die 100 Millionen Dollar sind interessiert dann auch keinen mehr. Und die Machthaber in Riad lachen sich eins in ihre blütenweißen Gewänder. Hauptsache die Bahn die rollt nach Fahrplan, durch das Wüstenland.

  6. Walter Keutgen

    Das mit dem Schmiergeld verstehe ich nicht. Der Kunde, die Saudis, sollen eine politische Persönlichkeit geschmiert haben, damit er bei einer Firma im Lande kauft. Gewöhnlich schmiert es sich andersherum. Bestenfalls wäre das etwas um einem Embargo zu entgehen. Aber ein Embargo auf rein zivilem Material der EU, der UNO oder der USA gegen Saudi-Arabien, das kann ich mir nicht vorstellen.

  7. borderside

    Der Adel gehört in den Mülleimer der Geschichte. Eine Bande der besonderen Art – Luxusleben zu Lasten der Völker. Wer braucht diese Schmarotzer? Als Republikaner ist es für mich eine Beleidigung Adelsfratzen auf den Euro – Münzen im Geldbeutel zu haben. Ohne Leistung und teilweise korrupt macht diese Bande sich die Taschen voll. Wer braucht in unserer aufgeklärten Welt einen König – eine Lachnummer? Niemand.

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