Leserbrief

Johann Klos: Soziale Markwirtschaft, das Ende einer Illusion?

Die Eupener Innenstadt verdeutlicht wohl am ehesten, wie es um die Finanzkraft der Bürger auch bei uns bestellt ist. Das desolate Baumanagement der Stadt beschleunigt nur einen Prozess, der seine Wurzeln im Aussterben eines finanzkräftigen Mittelstandes findet. Gesamtvermögen: Von 1990 bis 2010 halten die Reichen von damals um die 40% jetzt um die 65%.

Die sich in Deutschland abzeichnende große Koalition wird diesen Tatbestand noch verstärken. Sie ist Gift für die Sozialstandarts angrenzender Länder wie Belgien.

In der EU arbeiten um die 130 Millionen Menschen für einen Lohn unterhalb von 7 Euro pro Stunde. Davon entfallen auf D etwas über 4 Millionen.

Wenn Ihnen der Begriff „working poor“ noch nichts sagt, so schreiben Sie ihn auf. Er besagt, dass selbst wenn Sie bis zum Umfallen arbeiten, von diesem Lohn nicht mehr leben können. Genau dieses „working poor“ wird der Exportschlager der BRD, wenn der Rest von Europa dies zulässt.

Europaweit werden unzählige Arbeitsplätze vernichtet durch unbedachtes Verteilen von Fördergeld für das Große. Beachtung finden nur noch intern. Konzerne sowie Kolosse wie Monsanto. Der Mittelstand kann schauen, wo er bleibt, und wird durch eine besessene Regulierungswut am Rand seiner finanziellen und humanen Ressourcen gedrängt.

Selbst der Hunger kehrt in Europa zurück. Wenn von den neu aufgenommenen Mitgliedsländern wie z.B. Ungarn eine Stadt wie Budapest über 30.000 Obdachlose zählt, dann, ja dann stimmt unsere gemeinsame Marschrichtung nicht.

Im vereinigten Inselkönigreich verteilt das Rote Kreuz zum ersten Mal seit nun bald 70 Jahren wieder Lebensmittel. Auch besagt eine RK-Studie, dass es in Europa jetzt schon um die 40 Millionen Bürger gibt, welche sich nicht satt essen können.

Die Massenarbeitslosigkeit unter Europas Jugendlichen nimmt dramatisch zu; mehr als 50% der Jugendlichen in Spanien, zwei Drittel in Griechenland und jeder Dritte in Italien und Portugal sowie jeder Fünfte EU-weit finden keinen Job.

Der Euro ist für die Südstaaten einfach zu stark. Es kann nur eine Antwort aus diesem Dilemma geben. Ein Europa der zwei Geschwindigkeiten. Ein Europa mit einem weichen und einem harten Euro.

Fraglich ist, in welchem von beiden Belgien sich aufstellen sollte. Dies wäre ein Anfang auf dem Weg zu einer anderen Gesellschaftsform.

2.12.2013 Johann Klos, Eupen

2 Antworten auf “Johann Klos: Soziale Markwirtschaft, das Ende einer Illusion?”

  1. Jetzt, wo die GroKO sich darauf verständigt hat, endlich einen Mindestlohn einzuführen (Ok, mit zeitlicher Staffelung, …) , sprechen sie von einem Exportschlager „working poor „aus der Bundesrepublik in der es, ihren Statistiken zufolge, 4 Millionen Menschen gibt, die in diese Kategorie fallen, gegenüber 130 Millionen in ganz Europa. Merkwürdige Logik.
    Ansonsten gehe ich mit ihren Aussagen konform. Nur, welche Handlungsmöglichkeiten sehen sie für die einzelnen Bürger ?

  2. Réalité

    @ Johann Klos
    In vielem hiervor gebe ich Ihnen recht.Jedoch sollten wir auch nicht all zu schwarz in die Zukunft sehen!Ich setze grosse Hoffnung auf die Bürger unseres Kontinents,siehe auch Weltweit!In einigen,noch zu vielen Ländern des Globus herrscht noch Anarchie und Misswirtschaft.Lange aber nicht mehr soviel wie vor 1-2 Jahrzehnten!Unter anderm ein Verdienst der Demokratischen Staaten,die einfach den Geldhahn zudrehten,damit litt die Entwicklungshilfe zu Gunsten dieser Länder.Die Bürger lassen sich nicht mehr zum Narren halten von inkompetenten Politikern,diese Leute werden umgehend abgestraft bei den nächsten Wahlen!In der Welt die besten Beispiele in der kurzen Vergangenheit;Arabische und Afrikanische Länder,Nah- und Fernöstliche,z Zeit in der Ukraine und in Thailand.Und das ist gut so!Auch in den Süd Europäischen Ländern wird die Wirtschaft und die Kaufkraft wiederkehren,nur müssen die „Berlusconis und Konsorten“ aussortiert werden!Wir brauchen Politiker mit Aussage-und Willenskraft,Übersicht und Zuverlässigkeit!Keine Machtgierigen,Unbedachten und Verschwenderischen Blender und Gutredner!Die Politik würde gut tun Ihren Beruf mal gehörig unter die Lupe zu nehmen!Anfangen mit den horrend dicken Besoldungen und Nebenverdiensten so z Bspl in den sogenannten Interkommunalen usw!Die Anzahl Posten und Pöstchen in dieser Branche sollten drastisch gekürzt werden.Viel zu viele nützen das selbstaufgebaute System weidlich aus und füllen sich still und leise ihre Taschen,sehr viele sogar bis weit übers Pensionsalter hinaus,da Vorsorge geschaffen im Berufsleben,durch „wie du mir,so ich dir“!So z Bspl:bei grossen Multis und grossen Institutionen.Genügend Beispiele sind vorhanden!Sie gebrauchen auch in der „heutigen Moderne“ den Englischen Wortschatz,so „Working poor“,destiniert u a an den Fleischer/Ausbeiner,die Putzfrau,die Friseuse,den Arbeiter am Fliessband,da sind die von mir hier oben zitierten Personen glattweg „überfuttert“ im Vergleich!Siehe unsere Vielzahl an Ministern,die Regionalparlamentspräsidenten mit über 8.000 € z Bspl total und unrechtmässig zu hoch entlohnt!Man könnte Seitenlange Geschichten darüber schreiben.Gerade diese ungerechten Tatsachen entzweien die Gesellschaft!Die Korruption,logische Folge der Gier,tut das übrige hin zum Aufmüpfen des Volkes!Die Reichen sollten sich nicht zu reich und zu stark fühlen,denn der gepiesackte Bürger könnte sich eines Tages bitter rächen!“Denn er ist das Volk“,so erlebt in 1989!Wer hätte das je gedacht,es sollte eine Mahnung sein!

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