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„Immerather Dom“ liegt wegen der Braunkohle in Schutt und Asche

Die Kombo zeigt den Abriss des sogenannten „Immerather Doms“ in Erkelenz-Immerath am Montag und Dienstag. Foto: Gambarini/Kaiser/dpa

AKTUALISIERUNG – Stundenlang hatten Greenpeace-Aktivisten die frühere Kirche „Immerather Dom“ besetzt und den Abriss für den Braunkohle-Tagebau verzögert – bis die Polizei die Aktion beendete. Höhenretter der Polizei holten nach Polizeiangaben am Montag drei Aktivisten von dem mächtigen Gebäude in Erkelenz-Immerath (zwischen Aachen und Mönchengladbach).

Das entwidmete Kirchengebäude ist ein Wahrzeichen in der Region und heißt wegen seiner imposanten Erscheinung im Volksmund Immerather Dom.

Außerdem löste die Polizei drei Aktivisten, die sich an einem Abrissbagger festgekettet hatten. Diese sechs Aktivisten seien zwecks Feststellung der Identität in Gewahrsam genommen worden, daneben noch vier weitere.

Abriss über Stunden verschoben

„Durch eine deeskalierende Strategie ist es gelungen, die Situation friedlich zu beenden“, sagte ein Polizeisprecher vor Ort. Mit der Aktion habe Greenpeace ein Zeichen gegen die Zerstörung von Dörfern und Landschaften gesetzt, sagte Sprecherin Anike Peters.

Bagger beginnen am 08.01.2018 in Immerath zwischen Aachen und Mönchengladbach mit dem Abriss der Kirche. Das Gebäude ist ein Wahrzeichen in der Region und wird wegen seiner imposanten Erscheinung im Volksmund „Immerather Dom“ genannt. Der Ort muss dem Tagebau Garzweiler weichen. Foto: Henning Kaiser/dpa

Drei Aktivisten waren in der Dunkelheit des frühen Morgens am Montag in das Gebäude geklettert und hatten an Seilen hängend draußen über dem Portal ein Banner entfaltet mit der Aufschrift: „Wer Kultur zerstört, zerstört auch Menschen“. Der Tagebaubetreiber RWE Power hatte die Abrissarbeiten über Stunden verschieben müssen.

Für den Klimaschutz sei der Kohleausstieg unvermeidbar, stellte Greenpeace fest und forderte einen schrittweisen sozialverträglichen Kohleausstieg bis 2030. Es gebe ein Überangebot an Braunkohle. Die Abrissarbeiten müssten stoppen, bis die kommende Bundesregierung über die künftige deutsche Energiepolitik und damit über ein mögliches Ende der Kohlenutzung entschieden habe.

„RWE schafft in Immerath Fakten, während in Berlin zur gleichen Zeit über ein mögliches Ende der Kohlenutzung beraten wird“, erklärte die Organisation mit Blick auf die Sondierungsgespräche für eine neue große Koalition.

Ein Abrissbagger steht am 09.01.2018 in Erkelenz – Immerath auf den Trümmern des „Immerather Doms“. Foto: Federico Gambarini/dpa

Der Sprecher des Tagebau-Betreibers RWE Power, Guido Steffen, sagte, es gehe bei dem Protest nicht um den „Immerather Dom“ und auch nicht um den Ort Immerath: „Es ist ein weiteres Schauspiel von Demonstranten gegen die Braunkohle.“ Die Braunkohle trage ein Viertel zur deutschen Stromversorgung bei. „Das zeigt, dass die Braunkohle gebraucht wird.“

Das frühere Kirchengebäude der katholische Pfarre St. Lambertus ist seit 2013 entwidmet und damit kein Gotteshaus mehr. Notwendig wird der Abriss nach Angaben von RWE Power wegen des nahenden Braunkohletagebaus Garzweiler: Nach dem Abbau der Autobahn 61 zwischen Wanlo und Jackerath, der im Sommer beginne, würden die Schaufelradbagger die frühere Ortslage von Immerath erreichen.

Am Dienstag war Abbruch des „Immerather Doms“ abgeschlossen. Nach einem von Protesten begleiteten Abriss lag die ehemalige Kirche im Rheinischen Braunkohlerevier in Schutt und Asche.

Der Abriss sei deutlich schneller gelaufen als geplant, teilte der deutsche Energiekonzern und Tagebaubetreiber RWE Power am Dienstag mit.

Die rund 130-jährige Geschichte der mächtigen Basilika, für die Bauern gespendet und Dorfbewohner von 1888 bis 1891 mit angepackt hatten, ist damit vorbei. Am Wochenende hatten sich Hunderte Menschen von ihrem „Dom“ verabschiedet. (dpa)

  1. Für den Hambacher Forst findet sich sofort eine Lobby. Grüne, Umwelbund, Anwohner etc. ( die sogenannten „Aktivisten“ möchte ich da ausklammern).
    Für ein Gotteshaus geschieht bis auf Kleinigkeiten nahezu nichts! Deprimierend.

    • Wen interessiert denn so ’ne blöde Kirche? Wenn ich die Story von Jesus noch richtig im Kopf habe, glaube ich kaum, dass er das ganze aktuelle katholische Kirchenkonstrukt gebilligt hätte.

  2. marcel scholzen

    Greenpeace-Aktionen sollten auch in China (Abbau der seltenen Erden mit katastrophalen Umweltschäden) oder Afrika (Abbau von Rohstoffen im Kongo) organisiert werden. Da geht’s schlimmer zu als in Deutschland. Renaturierung, Respekt vor Mensch und Tier sind dort unbekannte Begriffe.

  3. Alle die den Braunkohle-Abbau so toll finden empfehle ich eine Sontags-tour nach Ellen, Düren Richtung Aachen. Unvorstellbare Ausgrabungen, die GIGA-Bagger sehen aus wie Spielzeug im Sandkasten. Alle paar Meter stehen große Pumpen die tagtäglich über Jahre das Grundwasser abpumpen. Wenn da sich nicht mal die Natur recht?

  4. Tja, das hat Deutschland davon. Für Strom aus KKW Produktion brauchen nicht ganze Landstriche abgebaut zu werden.
    Und wenn mal was passiert dann strahlen die Wahrzeichen in einem ganz anderem Licht …

  5. Wann mögen diese „Aktivisten“ wohl das letzte mal einen Gottesdienst besucht haben? Die protestieren nicht FÜR die Kirche, sondern GEGEN den Braunkohletagebau! Das ist ein himmelweiter Unterschied! Diese „Aktivisten“ würden sich an alles und jedes ketten um unsere Energiewirtschaft im Namen der Klimakirche zu zerstören. Weder das Kirchengebäude als solches noch die Religion dahinter interessiert die auch die Bohne….

  6. Am wenigsten interessiert so ein Abriss den sogenannten besorgten Bürgern, die wegen jedes Kopftuches das Abendland bedroht sehen. Diese Leute siehst du (Gott sei dank) nie beim Gottesdienst oder wenn es darum geht Sozialdienst zu leisten. Meckern geht natürlich für dieses Klientel immer.

  7. Es reicht!

    Falls es icht zu GROKO kommt können die Bürger ja ihre Stimme im Fall von Neuwahlen den Grünen geben dann wird der Braunkohleabbau schnelllstens gestoppt. Also anstatt sich an irgendwelche Gebäude (die Kirche wurde mit Sicherheit entwiehen und gilt nicht mehr als Gotteshaus) zu binden wäre es besser von Tûr zu Tür zu pilgern und den Bürger zu überzeugen bei den nächsten Wahlen grün zu wählen.

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