Gesellschaft

Hubert Bosten: „Roger fehlt jeden Tag“

Das Hotel Ambassador-Bosten ist eine Institution in Eupen. Foto: OD

Vor drei Jahren, am 30. Oktober 2009, starb der Eupener Hotelier Roger Bosten an den Folgen eines Herzversagens. In jenen Tagen herrschte in ganz Eupen und sogar darüber hinaus tiefe Betroffenheit, die bis heute anhält. In einem Gespräch mit „Ostbelgien Direkt“ schildert Rogers Bruder Hubert Bosten, was in den drei Jahren alles unternommen wurde, damit das Hotel-Restaurant Ambassador-Bosten weitergeführt werden konnte.

Von jenem tragischen 30. Oktober 2009 an war Hubert Bosten gefordert. Er war es, der das Heft in die Hand nahm und neben seinem Job als Geschäftsführer von NMC den Betrieb in der Eupener Unterstadt auf neue Füße stellte.

Vom Tod seines Bruders an jeden Tag vor Ort

OD: Herr Bosten, vor drei Jahren starb Ihr Bruder Roger. Für Ihre Familie, für die Mitarbeiter des Hotels sowie für sehr viele Eupener war dies ein Schock. Sie haben danach das Heft in die Hand genommen. Welches waren in diesen drei Jahren die wichtigsten Maßnahmen, die getroffen wurden?

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Hubert Bosten (2.v.l.) mit seinem Bruder Roger (links) bei einem Ausflug zu einem Rockfestival 2008.

Hubert Bosten: Die wichtigste Maßnahme war, Vertrauen herzustellen, dass der Hotelbetrieb weitergehen kann – sowohl bei den Kunden als auch bei den Banken und den Mitarbeitern. Daher war ich vom Tag des Todes an fast jeden Tag vor Ort, habe viele Gespräche geführt und durch aktives Mitarbeiten den Gästen gezeigt, dass ich den über 100-jährigen Familienbetrieb nicht fallenlassen möchte. Dabei war ich wohlgemerkt nicht alleine. Auch meine Mutter, mein Vetter, meine Schwägerin und meine Töchter haben sich sehr engagiert, und natürlich die Mitarbeiter, ohne die ein Fortführen gar nicht möglich gewesen wäre.

OD: Sicherlich mussten auch finanzielle Dinge geklärt werden, oder?

Bosten: Ja, das war auch wichtig, denn ein Unternehmen mit 28 Mitarbeitern braucht klare Verhältnisse und Verantwortlichkeiten. Ich denke, meine Schwägerin und ich haben in einer sehr schwierigen und emotionalen Situation eine vernünftige Einigung erreicht, die auch meine Mutter und der Friedensrichter voll unterstützt haben.

OD: Sie haben einiges investiert in den letzten Jahren.

Bosten: Wir haben zahlreiche Investitionen getätigt. Zum Beispiel wurde die Terrasse eröffnet, eine tolle Brasserie eingerichtet und der Hotelaufzug vergrößert und behindertenfreundlich gestaltet. Daraufhin haben wir auch neue Angebote erarbeitet wie zum Beispiel Dine & Dance, Dine & Jazz, Tanz bei Kerzenlicht oder ein Familienbrunch am ersten Sonntag des Monats. Als nächstes Event veranstalten wir am 24. November einen Rock’n’Roll-Abend mit den Cable Bugs. Und dann steht auch schon Weihnachten und Silvester vor der Tür, wo wir wieder an allen Tagen geöffnet haben und ein volles Haus erwarten.

Herausforderung war am Anfang enorm

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Das Ambassador Hotel Bosten „by night“.

OD: Ihr Bruder Roger ging in seiner Aufgabe als Hotelier zu hundert Prozent auf. Sie hingegen kannten das Restaurant- und Hotelgewerbe bis vor drei Jahren nur als Mitglied der Familie. Plötzlich mussten Sie sich mit Problemen befassen, die Sie bis dahin nur nebenbei gekannt hatten. Vor allem hatten Sie als Geschäftsführer von NMC ja noch einen Job. Wie sind Sie mit dieser Doppelbelastung klar gekommen?

Bosten: Die Herausforderung war am Anfang ganz enorm. Mein Bruder hatte die entsprechende Ausbildung und nach 20 Jahren im Job seine Sache voll im Griff. Es war nicht leicht, sich einzuarbeiten, zu verstehen, wie er bestimmte Themen angegangen und gelöst hätte, und auch die Verwaltungsaufgaben zu erledigen. Vor allen Dingen abends und am Wochenende waren unzählige Stunden nötig, um die Sache in den Griff zu bekommen. Zum Glück bin ich im Hotel groß geworden, ich wusste also, was da im Groben auf mich zukam. Mein Bruder und ich hatten auch ein sehr gutes Verhältnis und haben uns über unsere Sorgen und Aufgaben regelmäßig ausgetauscht. Ich habe mich aber auch vom ersten Tag an auf die Mitarbeiter verlassen und viele Aufgaben delegiert.

OD: Und wie kommen Sie heute damit klar?

Bosten: Seit mehr als einem Jahr unterstützt mich Gerald Maraite in der Geschäftsführung des Hotels, und ich bin sehr zufrieden mit seiner Entwicklung und mit der Zusammenarbeit meiner Mannschaft. Ich kann wieder mehr Sport treiben, ruhigen Gewissens Geschäftsreisen für NMC unternehmen oder mit meinen Kindern und Freunden auch mal ausgehen.

Was in Eupen so alles erzählt wird

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Die Brasserie des Hotel Ambassador-Bosten (dieses Foto wurde an Weihnachten gemacht).

OD: Mit der Zeit machten Gerüchte in Eupen die Runde, für das Hotel Ambassador-Bosten werde ein Käufer gesucht. Nie daran gedacht, das Hotel und/oder das Restaurant zu verkaufen?

Bosten: Das sind Gerüchte, und dies ist geschäftsschädigend. Es überrascht mich, was in Eupen so alles erzählt wird: So viele Hochzeiten, wie ich aufgrund des Verkaufs angeblich persönlich abgesagt haben soll, finden in Eupen überhaupt nicht statt. Wir arbeiten alle daran, das Lebenswerk meiner Familie und den Traum meines Bruders fortzuführen. Meine Tochter hat mit der Hotelfachschule in Den Haag begonnen – nein, das Hotel wird nicht verkauft.

OD: Kann ein solches Hotel auf Dauer überhaupt auf eigenen Füßen stehen? Die Internationalisierung wird durch die großen Hotelketten immer weiter vorangetrieben.

Bosten: Ich kann Ihnen versichern, es ist kein leichter Job. Mein Bruder ist nicht sorgenfrei verstorben. Die großen Hotelketten haben sich bisher nicht für Eupen interessiert, und dies zeigt, dass sie keinen Markt für ein größeres Hotel sehen und es noch viel im Bereich Tourismus zu machen gibt.

Führer etwas vorsichtiger und kritischer

OD: Sicher hat es ja auch seit November 2009 den einen oder anderen Rückschlag gegeben. Beim Restaurant-Führer Gault Millau wurde Ihr Haus herabgestuft, und bei Michelin wurde Ambassador-Bosten erst gar nicht mehr berücksichtigt. Wie überwindet man solche Rückschläge?

Bosten: Das tut weh, und eine Herabstufung hat schon manchen Restaurantbesitzer dazu verleitet, sich das Leben zu nehmen. Nach dem Tode meines Bruders war aber zu erwarten, dass die Führer etwas vorsichtiger und kritisch werden. Auch wenn mal hier und da ein Fehler passiert, denke ich aber, dass wir die Qualität haben halten können, ja wir hier und da sogar etwas mutiger und kreativer sind. Wichtiger als jede Bewertung eines Restaurantführers ist eh, dass unsere Gäste zufrieden nach Hause gehen, ein paar angenehme Stunden bei uns verbracht haben und gerne wiederkommen. Dafür stehen wir alle zusammen, wollen Rogers Arbeit fortführen und fühlen uns dabei auch von unserer Kundschaft ermutigt. Wir konzentrieren uns auf kontinuierliche Arbeit und Weiterentwicklung.

OD: Würden Sie sich mehr Unterstützung durch die DG oder die Stadt Eupen erhoffen? Wenn ja, in welcher Form?

Bosten: Hilfe sollte man nie ausschlagen. Auch auf politischer Ebene weiß man, was es bedeutet, ein solches Unternehmen mit einer solchen Infrastruktur auf Kurs zu halten. Vom Umsatz her sind wir doppelt so groß wie das Triangel in Sankt Vith, und auch die Infrastruktur ist gewaltig, die Herausforderung für uns als Familie ist entsprechend riesig. Ich wäre für jedes Hilfsangebot und jede Unterstützung dankbar.

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Er hat eine große Lücke hinterlassen: Roger Bosten erlag vor drei Jahren einem Herzversagen.

Roger war ein einzigartiger Typ

OD: Vielleicht zum Schluss noch ein Wort zu Ihrem Bruder Roger, der sehr vermisst wird?

Bosten: Roger fehlt jeden Tag. Meine Schwägerin hat ihren Mann verloren, meine Neffen ihren Vater, meine Mutter ihren Sohn, ich meinen einzigen Bruder, die Familie einen Vetter, Kinder ihren Onkel, die Mitarbeiter ihren Chef und viele einen sehr, sehr guten Freund und Ansprechpartner. Roger war ein einzigartiger Typ, privat immer zu Scherzen aufgelegt und unglaublich unterhaltsam. Bei Kindern kam er immer gut an, und dies zeigt in meinen Augen, welch ein warmherziger Mensch er war. Für seinen Betrieb hat er sich eingesetzt und aufgerieben. Er war immer vor Ort und hat sich immer eine Freude daraus gemacht, seine Gäste persönlich zu begrüßen und zu verabschieden, egal um welche Uhrzeit. Durch seine hohe Fachkompetenz hat er das Hotel und das Restaurant zu einer Referenz in der ganzen Gegend gemacht und so die Tradition unserer Eltern fortgesetzt. Genau wie unser Vater, war er auch immer gut informiert, hatte ein offenes Ohr für alle und fragte auch gerne mal selber nach, was es denn so an Neuigkeiten gäbe. Leider kann ihn keiner in seiner unvergesslichen Art ersetzen. Ich vermisse ihn sehr. (cre)

Siehe dazu auch Artikel „3. Ausschreibung Fonds Roger Bosten“

 

9 Antworten auf “Hubert Bosten: „Roger fehlt jeden Tag“”

  1. Udo Theodor

    Wieso muß man solch einem Beitrag noch solch eine Frage hin zu fügen? Wieso sollte die DG Privaten Unternehmen unterstützen? In welcher Form? Und dann dann als Antwort einen Vergleich mit dem Triangel machen…? Hätte Roger das auch gemacht.?

  2. Clooth Patrick

    Wenn ich auch nicht mehr in Eupen wohne, so sehe ich doch mit Freude das eine Familie vielen Menschen Arbeit und Einkommen sichert. Die „Frage“ finde ich sehr berechtigt, die Politik unterstützt doch auch das Heidbergkloster, ohne Skrupel.

    • L. Frings

      Das Heidbergkloster gehört der Deutschsprachigen Gemeinschaft, und das Hotel Bosten gehört der Familie Bosten. Ich hoffe sehr, man sieht den Unterschied. Ansonsten eröffne ich gleich nächste Woche eine Firma und verlange, dass die öffentliche Hand zusieht, dass bei mir der Rubel rollt. Übrigens hat Roger Bosten nie nach Unterstützung durch die öffentliche Hand gerufen. Auch daran sieht man, dass sich „bei Bosten“ manches geändert hat.

        • L. Frings

          Soweit mir bekannt, wird das Heidbergkloster ein Bildungs- und Begegnungszentrum und kein Hotel. Das bedeutet, dass die dort vorhanden Zimmer (38 Doppelzimmer) nicht frei zu buchen, sondern den Teilnehmern der dortigen Veranstaltungen vorbehalten sind. Es können also maximal 76 an einer dortigen Veranstaltung teilnehmende Personen dort untergebracht werden. Geht man davon aus, dass an vielen der Veranstaltungen mehr als 76 Personen gleichzeitig teilnehmen, werden diese sicherlich auch in den 28 Zimmern des Hotel Bosten untergebracht. Das Heidbergkloster bringt also dem Hotel Bosten zusätzliche Gäste. Ich bin sicher, dass Roger Bosten den Weitblick hatte um das zu verstehen. Wie man hört, soll es in Eupen eine Hotelinitiative geben, die genau das verstanden hat.

      • ja das finde ich auch Herr Frings! Es hat sich mit Sicherheit seit dem Tode von Herrn Roger Boster vieles geändert. Schade finde ich nur persönlich, dass der Bruder sich hier im Vordergrund rückt. Ich meine, die Ehefrau sowie die Kinder des Verstorbenen sind für mich persönlich die Leidtragenden, und man sollte vielleicht auch ein wenig Respekt der Ehefrau entgegenbringen, die ganz bestimmt das ihre dazu beigetragen hat, dass das was „Hotel Bosten“ Heute ist.

  3. Frank Bosch

    Hut ab vor Hubert Bosten, der sich das noch – zusätzlich – antut! Wenn man da nicht von Aufopferung für seine Familie (im guten Sinne . für die Bosten-„Dynastie“) spricht, dann weiß ich es nicht. Er hat beruflich und privat bestimmt genug bis sehr viel zu tun! Nötig hatte er das jedenfalls nicht. Wäre es eine „Firma ohne Seele“ gewesen, wer weiß was er gemacht hätte, wahrscheinlich verkauft oder „ausgeschlachtet“. Beispiele dafür gibt es heutzutage genug.

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