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Nach der EM wird Hansi Nachfolger von Jogi

25.05.2021, Hessen, Frankfurt am Main: Hans-Dieter Flick (2.v.l) sitzt, während er den Vertrag als neuer Bundestrainer unterzeichnet, neben Oliver Bierhoff, DFB-Direktor Nationalmannschaften und Akademie, in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Dahinter stehen Stephan Osnabrügge (l-r), DFB-Schatzmeister, Peter Peters, 1. DFB-Vizepraesident, und Rainer Koch, DFB-Vizepraesident. Foto: Vera Loitzsch/DFB/dpa

Hansi Flick wird neuer Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalelf und beerbt seinen einstigen Chef und Weltmeister-Coach Joachim Löw.

Wie der Deutsche Fußball-Bund am Dienstag bestätigte, wird der 56-Jährige nach seinem erfolgreichen Engagement mit sieben Titeln beim FC Bayern München nach der EM in diesem Sommer das höchste nationale Traineramt übernehmen.

Flick erhält einen Vertrag bis zur Heim-Europameisterschaft 2024. Das erste große Turnier wird für Flick die WM im Spätherbst 2022 in Katar sein. „Meine Vorfreude ist riesig, denn ich sehe die Klasse der Spieler, gerade auch der jungen Spieler in Deutschland. So haben wir allen Grund, die kommenden Turniere, zum Beispiel die Heim-EM 2024, mit Optimismus anzugehen“, sagte Flick in einer Pressemitteilung.

19.06.2012, Polen, Danzig: Bundestrainer Joachim Löw (r) und sein damaliger Assistent Hans-Dieter „Hansi“ Flick gestikulieren während eines Trainings nahe dem Mannschaftshotel Dwor Oliwski. Foto: Andreas Gebert/dpa

„Die menschlichen und fachlichen Qualitäten von Hansi Flick kenne und schätze ich seit unseren vielen gemeinsamen erfolgreichen Jahren bei der Nationalmannschaft. In der Zeit bei Bayern München hat er gezeigt, wohin er eine Mannschaft als Cheftrainer führen kann“, sagte Oliver Bierhoff. „Wir haben ein großes gemeinsames Ziel: zurück an die Weltspitze“, betonte der DFB-Direktor.

Die Entscheidung pro Flick kommt nicht mehr überraschend. Er war seit der Rücktrittsankündigung von Löw im Februar stets der Wunschkandidat von Bierhoff. Zuletzt ging es vornehmlich um vertragliche Details. Flick dürfte dabei auch darauf gedrängt haben, dass Bierhoff in der Führungskrise beim DFB sein Vorgesetzter und Ansprechpartner bleibt.

Nach den Bayern-Erfolgen soll der künftige Bundestrainer auch bei europäischen Topclubs wie dem FC Barcelona oder Tottenham Hotspur ein Kandidat gewesen sein. Der Bundestrainer-Posten hatte für Flick aber immer Priorität.

Für Flick ist der DFB-Job eine Rückkehr. 2006 machte ihn Löw nach dem WM-Sommermärchen und der eigenen Beförderung zum Bundestrainer zu seinem Assistenten. Bereits einmal stand Flick als verantwortlicher Coach bei einem wichtigen Länderspiel an der Seitenlinie. Als Löw im EM-Viertelfinale 2008 von der UEFA gesperrt war, gewann die Nationalmannschaft mit ihm als Aushilfscoach in Basel 3:2 gegen Portugal.

13.06.2020, Bayern, München: Bayern-Trainer Hansi Flick (M) bedankt sich nach Spielende bei Torwart Manuel Neuer. Foto: Matthias Balk/dpa

Die ersten Länderspiele als richtiger Chef stehen für Flick nun in der WM-Qualifikation Anfang September gegen Liechtenstein (2.9.), Armenien (5.9.) und Island (8.9.) an. Es folgen in diesem Jahr noch je zwei weitere Pflichtspiele im Oktober und November.

Zeit zum Experimentieren und Einspielen hat Flick nach dem Sommer nicht. In der Gruppe J ist die DFB-Auswahl auf dem Weg nach Katar 2022 nach der peinlichen 1:2-Niederlage gegen Nordmazedonien im März in Duisburg nur Tabellendritter. Lediglich der Gruppensieger qualifiziert sich direkt für das Großereignis am Golf. Der Gruppenzweite muss in zwei schwierige Playoff-Runden.

Flick begleitete Löw als Assistent bis zum WM-Triumph 2014, an dem er als taktischer Ideengeber maßgeblich beteiligt war. Dann stieg er beim DFB zum Sportdirektor auf. 2017 verließ der ehemalige Bayern-Profi überraschend den Verband, um sich eine Auszeit zu nehmen. Ein halbes Jahr später wurde er Geschäftsführer bei der TSG Hoffenheim – das Projekt währte aber nur einige Monate.

Beim FC Bayern stieg Flick 2019 nach längerer Pause als Co-Trainer von Niko Kovac wieder ein und wurde nach dem Aus des Kroaten zunächst Interimschef. Die Starspieler um Müller und Kimmich folgten ihm. Flick schrieb eine ungeahnte Erfolgsgeschichte mit sieben Titeln in 18 Monaten – darunter der Champions-League-Triumph 2020 in Lissabon.

Als Löw im Februar seinen Rückzug nach der EM ankündigte, war Flick sofort ein logischer Kandidat für dessen Nachfolge. Offizielle Gespräche durften wegen des bestehenden Bayern-Vertrages bis 2023 nicht geführt werden, doch Flick selbst schaffte Fakten und bat im April nach dem Königsklassen-Aus bei Paris Saint-Germain und dem folgenden Sieg gegen den VfL Wolfsburg um Freigabe bei den Bayern.

Er war auch entnervt vom Machtkampf mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Der FC Bayern gab Flick zum 30. Juni frei – vermutlich wird es im Gegenzug ein Freundschaftsspiel der DFB-Elf gegen den Rekordmeister geben – und löste als Nachfolger Julian Nagelsmann vom Liga-Kontrahent RB Leipzig aus. (dpa)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

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