Leute von heute

„Spiegel“: Haarrisse bei belgischen Reaktoren schon in der Bauphase

Blick über die Maas auf die drei Kühltürme des Kernkraftwerks Tihange bei Lüttich. Foto: Rainer Jensen/dpa

Die Haarrisse in den belgischen Reaktoren Tihange 2 und Doel 3 sind nach einem Bericht des „Spiegel“ schon in der Bauphase Mitte der 1970er Jahre entdeckt worden.

Das meldet das Magazin am Freitag unter Berufung auf interne Sitzungsprotokolle und Analysen, die die belgische Atomaufsicht FANC der deutschen Grünen-Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl zur Verfügung gestellt habe.

Das Atomkraftwerk Doel in der Provinz Antwerpen. Foto: Shutterstock

Bereits ab April 1975 wurden dem Bericht zufolge Risse in Bauteilen für die Druckbehälter der beiden Reaktoren festgestellt. In den Behältern befinden sich unter anderem die nuklearen Brennstäbe.

Dem „Spiegel“ zufolge wurden die problematischen Teile eingebaut, obwohl sie nach Einschätzung eines belgischen Gutachters nicht die Anforderungen von höchster Qualität erfüllten.

Der Zustand der belgischen Kernkraftwerke Tihange (ca. 60 Kilometer von Aachen entfernt) und Doel (ca. 140 Kilometer) beunruhigt vor allem Bevölkerung und Politik in Nordrhein-Westfalen.

Zuletzt empfahlen belgische Wissenschaftler die Abschaltung von Tihange 2 und Doel 3, weil sie die Hüllen als zu schwach für den Weiterbetrieb einschätzten. Die belgische Atomaufsicht FANC hält eine Schließung hingegen für unnötig.

Ein Blister mit Jodtabletten wird am Montag, 28. August 2017, in Aachen von einem Mitglied der Familie Vitrs gehalten. Sie werden angewendet zur Jodblockade bei kerntechnischen Unfällen. Ab 1. September 2017 werden in der Region Aachen kostenlos Jodtabletten verteilt. Foto: dpa

In der Region Aachen haben laut „Spiegel“ inzwischen mehr als 75.000 besorgte Bürger vorsorglich Jodtabletten für den atomaren Ernstfall beantragt. Die Zahl habe sich seit vergangener Woche mehr als verdoppelt, berichtet das Nachrichtenmagazin.

Anfang der Woche hatte der Betreiber mitgeteilt, dass ein Meiler in dem umstrittenen belgischen Kernkraftwerk Tihange länger abgeschaltet bleibt als ursprünglich geplant.

Der Kraftwerksblock 1 war Mitte September für eine außerplanmäßige Wartung abgeschaltet worden und sollte nach einigen Tagen wieder ans Netz gehen. Am Montag hatte der Betreiber Electrabel mitgeteilt, dass der Block noch bis 30. November außer Betrieb bleibe.

Anwohner der Region Aachen können seit dem 1. September 2017 kostenlos Jodtabletten beziehen, um im Fall eines Atomunfalls besser gegen Schilddrüsenkrebs geschützt zu sein. (dpa)

  1. Auf Französich sagt man : „du n’importe quoi“. Wenn das stimmen würde, dann ist ja die Ungefährlichkeit der Einschüsse (keine Risse) bewiesen, schliesslich haben sie 40 Jahre lang zu keinen Problemen geführt.
    Nur, die Einschüsse sind gefunden worden als man Untersuchungsmethoden angewandt hat, die es vor 40 Jahren noch gar nicht gab. Daraufhin hat man sofort die Kernreaktoren still gelegt.
    Erst nach vielen Untersuchungen und Versuchen sind diese Reaktoren wieder gestartet worden.
    Was die „Grünen“ (wer sonst?) da auf die Tapete bringen ist also (wieder mal) kompletter Blödsinn. Stimmungsmache, sonst nichts. Hoffentlich bekommen diese „Grünen“ morgen ihren Denkzettel.

  2. Pensionierter Bauer

    Der „Pleinchamps“, das ist die Wochenzeitung des Wallonischen Bauernverbandes FWA, shrieb in ihrer gestrigen Ausgabe einen Text unter dem vielsagenden Titel : Stop au marketing de la peur“.
    Es sind die Anhänger der Ökokirche, welche nicht nur ihre Gesellschaftsansichten sondern auch ihre Produkte mit Hilfe der Zukunftsangst agressiv an den Mann bringen wollen. Genau wie es vor der Aufklärung die tradionellen Kirchen auch taten.
    Ich fürchte zZt. nichts mehr als dass morgen in Deutschland eine Schwarz Grüne Koalition zustande käme.

  3. Ostbelgien Direkt

    ZUSATZ – Anträge für Jodtabletten in Region Aachen verdoppelt

    In der Region Aachen haben laut «Spiegel» inzwischen mehr als 75 000 besorgte Bürger vorsorglich Jodtabletten für den atomaren Ernstfall beantragt. Die Zahl habe sich seit vergangener Woche mehr als verdoppelt, berichtet das Nachrichtenmagazin. Anfang der Woche hatte der Betreiber mitgeteilt, dass ein Meiler in dem umstrittenen belgischen Kernkraftwerk Tihange länger abgeschaltet bleibt als ursprünglich geplant.

    Der Kraftwerksblock 1 war Mitte September für eine außerplanmäßige Wartung abgeschaltet worden und sollte nach einigen Tagen wieder ans Netz gehen. Am Montag hatte der Betreiber Electrabel mitgeteilt, dass der Block noch bis 30. November außer Betrieb bleibe.

    Anwohner der Region Aachen können seit dem 1. September kostenlos Jodtabletten beziehen, um im Fall eines Atomunfalls besser gegen Schilddrüsenkrebs geschützt zu sein.

  4. http://ruhrkultour.de/wie-sehen-journalisten-ihren-arbeitsalltag-und-ihre-fehler/
    Es gebe einen klaren Zusammenhang zwischen den Einstellungen von Journalisten und der Rechtfertigung fragwürdiger Praktiken, sagt Kepplinger. Das sei in zwei Fällen besonders auffällig, etwa bei der Darstellung und Skandalisierung der Kernenergie.
    Kepplinger

    Dies treffe zum Beispiel auf die Berichterstattung über Fukushima zu. In Deutschland habe man die ersten drei Tage die Kernenergie in den Mittelpunkt der Berichterstattung gerückt, der nur drei oder fünf Menschen zum Opfer gefallen seien, in Großbritannien und Frankreich dagegen die Opfer des Tsunami.

    Es lasse sich nachweisen, sagt der Medienwissenschaftler, dass die Meinung der Bevölkerung der Meinung von Journalisten in einem Abstand von ein bis zwei Jahren folge. In Bezug auf die Kernenergie seien die Journalisten die Wegbereiter der zunehmend ablehnenden Bevölkerungsmeinung.
    ….
    Die Panikkäufe von Jodtabletten in Aachen zeigen nur wie recht der Mann hat. Wie schon gesagt, die mit Abstand größten ***** die vor einer Tastatur sitzen sind Journalisten….

    • Das ändert auch nichts daran, dass _belgische_ Experten Haarrisse entdeckt haben und das für lange Zeit verschleiert wurde und den Betrieb der AKWs nicht empfehlen. Der Vorsitzende von FANC war selbst Kraftwerkleiter.
      Ein Problem nur auf seine Medienpräsenz zu reduzieren, da sind Sie wahrlich ein Experte.
      Aber abseits der Medien gibt es genug andere Gründe für die Abschaltung.

  5. Abendland

    1. feststellung: ein reaktor mit rissen hält also 40 Jahre.
    2. feststellung: dann könnte der auch noch weitere 40 jahre halten.
    3. feststellung: warum werden dann in d’land reaktoren abgeschaltet, die noch keine 40 jahre ohne risse gelaufen sind?

    fragestellung: hat in d’land die politik+presse etwa risse?

      • Mischutka

        @ Käpten Blaubär :
        Hallo …. jetzt sitzt du schon seit fast genau 2 Jahren neben meinem Fernseher …. (meine kleine Enkelin hat mir einen 30cm großen Käpten Blaubär zum „70.“ geschenkt). Der hat aber keine Risse… (☺).
        Aber mal ohne Quatsch : Eine Aachener Dame, die in einer Apotheke arbeitet, hat selbst zu mir gesagt : „Wenn die Leute nur mal die ganzen Nebenwirkungen von diesem Jodzeug lesen würden“ …
        MfG. (und bleibe gesund).

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