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Beenkens (RTBF) und Neumann (ZDF): Fußballreporter in der Kritik

Rodrigo Beenkens und Claudia Neumann. Fotos: Belga - Rainer Jensen/dpa

In Belgien und in Deutschland wird in diesen WM-Tagen gegen zwei Fernsehreporter in der Öffentlichkeit schweres Geschütz aufgefahren. Rodrigo Beenkens (RTBF) und Claudia Neumann (ZDF) mussten und müssen sich insbesondere in den sozialen Medien viel Kritik gefallen lassen.

Die Kompetenz des RTBF-Sportreporters Rodrigo Beenkens ist unumstritten. Er gilt schon seit Jahren als einer der besten Vertreter seiner Zunft im frankophonen Landesteil Belgiens, vor allem was den Radsport betrifft.

Ihm bei der Tour de France zuzuhören, wenn er sie kommentiert, ist ein Genuss. Sein Hintergrundwissen ist enorm – auch im Fußball. Man könnte ihm stundenlang zuhören.

Entschuldigung auf Twitter

Nach der Übertragung des WM-Achtelfinals zwischen Belgien und Japan am vergangenen Montag jedoch sah sich Beenkens einem Tsunami an Kritiken in den sozialen Medien ausgesetzt.

02.07.2018, Russland, Rostow am Don: Trainer Roberto Martinez von Belgien (l) und Japans Trainer Akira Nishino stehen nach dem Spiel gemeinsam auf dem Platz. Martinez hatte alles richtig gemacht. Foto: Hassan Ammar/AP/dpa

Sofort nach dem furiosen Ende des Spiels, das Belgien zum Glück noch mit 3:2 gewann, entschuldigte sich Beenkens auf Twitter und räumte ein, dass nach dem 2:0 für Japan bei ihm die Leidenschaft für die belgische Mannschaft durchgegangen sei.

Beenkens, der das Spiel in Rostow am Don zusammen mit Ex-Nationalspieler Philippe Albert kommentierte, war nach dem Treffer des Japaners Inui in der 52. Minute völlig aus der Haut gefahren. Er regte sich vor laufendem Mikrofon tierisch darüber auf, dass Belgiens Trainer Roberto Martinez völlig regungslos am Spielfeldrand stand und zunächst keinen Spielerwechsel vornahm.

Auch Philippe Albert, bei der WM 1994 in den USA zweifacher Torschütze für Belgien, vertrat den Standpunkt, dass jetzt Michy Batshuayi eingewechselt werden müsste, um das Spiel noch drehen zu können.

Es war beispiellos, dass ein Fernsehreporter den Nationaltrainer derart unflätig an den Pranger stellte, noch bevor die Begegnung zu Ende war.

In der 65. Minute nahm Martinez dann einen Doppelwechsel vor: Marouane Fellaini kam für Dries Mertens und Nacer Chadli für Yannick Carrasco. Batshuayi blieb auf der Bank.

Beide Wechsel sollten sich als Volltreffer erweisen. Nachdem Jan Vertonghen in der 69. Minute mit viel Glück der Anschlusstreffer zum 1:2 gelungen war, besorgten Fellaini in der 74. Minute das 2:2 und Chadli in der 94. Minute das 3:2.

Claudia Neumann gegen WM-Hetze

Martinez hatte also Recht behalten. In der Kritik stand nach dem Spiel dann auch nicht er, sondern Beenkens, der den Nationaltrainer in einer Weise runtergemacht hatte, wie dies einem angesehenen und erfahrenen Journalisten wie ihm nicht passieren darf.

Beenkens zeigte nach dem Schlusspfiff Reue und schrieb etwas diplomatisch auf Twitter:

„Glückwunsch an die Roten Teufel und Glückwunsch an Roberto Martinez, der zum Glück die Ruhe behalten hat (er) und die richtigen Entscheidungen treffen konnte. Die Emotion lässt uns manchmal Dinge sagen, die nicht richtig sind. Sie rechtfertigt nichts, sorry. Respekt!“

Schlagzeile von bild.de am Mittwoch.

Auch RTBF-Sportchef Michel Lecomte schaltete sich ein und räumte indirekt ein, dass Beenkens bei seiner Kritik an Martinez während des Spiels gegen Japan eine Grenze überschritten habe.

Noch schlimmer als Rodrigo Beenkens erging es in Deutschland ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann.

Nach Tagen der Anfeindungen hat sich die 45-Jährige, die auch das Achtelfinale zwischen Belgien und Japan kommentierte, erstmals zu den sexistischen Beleidigungen gegen sie geäußert.

„Ich finde das einfach grauenvoll“, sagte die 54-Jährige der «Zeit» (Donnerstag). „Man kann den Menschen nur immer wieder zurufen: Geht länger zur Schule. Bildet euch weiter, erweitert euren Bewusstseinshorizont, dann lernt man auch, andere Haltungen zu tolerieren.“ Die Hetze gerade in sozialen Netzwerken sei „kein Claudia-Neumann-Problem, sondern ein gesellschaftliches Phänomen“.

Während der Fußball-Weltmeisterschaft ist Neumann online aufs Übelste beschimpft worden. Das ZDF stellte Strafantrag gegen zwei Nutzer.

Neumann ist die einzige Frau, die im deutschen Fernsehen Spiele der WM in Russland kommentiert hat. „Vielleicht brauchen Männer ihre kleine Oase des Rückzugs, in der man sie Kind sein lässt“, sagte Neumann nun dazu.

Manche Kritik an Neumann können viele Zuschauer jedoch durchaus nachvollziehen. Durch ihre Stimme und viele der Plattitüden, die sie während einer Übertragung zum Besten gibt, fühlen sich Fernsehzuschauer genervt.

Noch mehr nervt, dass man all jene, die Kritik üben, als frauenfeindlich abtut. Dabei verweisen sie darauf, dass es im Sport nicht wenige weibliche Reporter gibt, die mit viel Fachkompetenz ihren …Mann stehen. (cre/dpa)

20 Antworten auf “Beenkens (RTBF) und Neumann (ZDF): Fußballreporter in der Kritik”

  1. standpunkt

    zum 1. Mal fand ich in diesem Jahr die Kommentatoren in den Spielen wo Belgien beteiligt war in Ordnung ausser effektiv beim Spiel gegen Japan.

    Frau Neumann war nicht nur nervig sondern auch fachlich nicht auf der Höhe. Nicht der Versprecher von der Transferthöhe für Kevin de Bruyne von 150 Euros (das sie sofort korrigierte) sondern andere Patzer z. B: sie sagte wann hatte zuletzt Belgien 2 Tore kassiert….das ist schon sehr lange her…Sorry aber das waren gerademal einige Tage her und zwar gegen Tunesien (5-2 für Belgien)

    Das waren nicht die einzigen Patzer und dann die negative Einstellung gegenüber Belgien war so nervig.
    Die neuen Kramer und wie heisst der andere Hannes oder so sind wirklich angenehm, neutral und sehr kompetent.

  2. 1.Beenkens: ich habe das Spiel auf dem Belgier gesehen und war auch erschrocken was er nach dem 2-0 so von sich gab. Dachte mir schon dass das noch Thema werden würde. Höre ihn gerne aber da hat er definitv überzogen und war ja gar nicht zu beruhigen. Und im Endeffekt hat Martinez alles richtig gemacht. Übrigens habe ich für einige Minuten umgeschaltet um es nicht weiter ertragen zu müssen. Nach dem 2-2 hörte ich ihm weiter zu.

    2.Neumann: schalte oft aber nicht immer weg wenn sie kommentiert. Das hat aber nichts mit Sexismus zu tun. Sie redet ganz gut und hat gutes Wissen und ist gut vorbereitet aber ich mag ihre Stimme überhaupt nicht. Diese ertrag ich nicht auf Dauer. Denke das geht einigen so und diese Form der Abwahl ist dann auch völlig in Ordnung. Aber die Art der Hetze ist schon erschreckend. Ein Spiegelbild jedoch unsere kranken Gesellschaft

  3. RTBF empfang ich nicht und die Dame kommentiert für sie ein Spiel mit ausländischen Mannschaften. Daher ist man auch nicht so emotional. Den Ton kann man auch leiser drehen und gut ist. Wichtig ist das Spiel.

  4. Eigentore

    und glaubt Ihr vielleicht, dass eure Kommentare hier in diesem Forum wären sachlich fundiert, respektvoll, nicht emotional ? Die Sportreporter stehen wenigstens noch mit ihrem Namen hinter dem, was sie sagen.

  5. Was viele Leute ärgert, ist dass die Frau Neumann Narrenfreiheit genießt. Sie wird von den ZDF-Oberen geschützt, weil sie eine Frau ist. Kritik an ihr ist per se frauenfeindlich. Béla Rethy darf man kritisieren, nicht aber Frau Neumann. Sie ist eine Frau. Es ist ähnlich wie bei den Flüchtlingen. Die darf man auch nicht kritisieren, weil man dann automatisch ein Rassist und Rechtsaußen ist. Das macht viele Leute wütend. Der Populismus ist hausgemacht.

  6. Rundes Leder

    Der Rodrigo war in keiner guten Form, ansonsten ist er gut, und sachlich kompetent dabei! Sein Erinnerungsvermögen ist sehr gut. Da ist für mich der Pauwels eher eine Fehlbesetzung des Öfteren!
    Grundsätzlich gibt es sehr wenige Frauen die überhaupt taugen zu einer Sportsendung! Die Müller-Hohenwarth ist +- OK, die Töpperwien im Radio auch, die Jessy Wellmer nur „so so gut“, die Neumann grottenschlecht, kommt gar nicht rüber mit ihrem Klaaf, und Unkenntnis! Eine gute und Kennerin ist die Frau Ogier-Kaiser im Rallysport! Chapeau! Eine hiesige gute darin ist die Kathrin Margraff beim BRF.
    Die Frauen Reporterinnen beim Sport ist fast so wie Mannsleute als Fashion-Week und Modeschauenreporter! Oh graus!

  7. Also ich habe da lieber eine emotionsgeladenen Reporter auf belgischen Programmen als diese dumme Statiskgeschwätz auf deutschen Programmen. Das nervt einfach nur. Auf dem belgischen Programm ist wenigstens Feuer und Leidenschaft drin.

  8. Auch wenn ich mir vorstellen kann, dass einige der Anmerkungen weit unter die Gürtellinie gegangen sind, teile ich die Meinung, was die Unfähigkeit von Frau Neumann angeht. Nervige Stimme, verdrehte Fakten und unnötige wie abgedroschene Kommentare machen ihre Reportagen zu einer Tortur für die Zuschauer. Die Mute-Taste wird dabei zum besten Freund. Schade dass dies von ihr auch nur als frauenfeindlich aufgefasst wird und sie dadurch quasi keinerlei Kritik an ihrer Person zulässt.

    Liebe Frau Neumann, Sie müssen irgendwann einsehen, dass, unabhängig von ihrem Geschlecht, der Sch… den Sie verzapfen einfach nicht auszuhalten ist.

    Bei Beenkens finde ich eher amüsant, dass er sich trotz aller Professionalität als einfacher Fußballfan zeigt. Und Emotionen sind doch genau das, was dieses Spiel ausmachen.

    • Eastwind

      @Paletti: Dass Reporter Beenkens Emotionen zeigt, hat niemand kritisiert. Darum geht es nicht. Kritisiert wird vielmehr, dass er vor laufendem Mikro die Nerven verloren hat und vor allem auf eine etwas bedenkliche Weise Trainer Martinez attackierte und so tat, als sei Martinez ein Hampelmann, der unfähig sei, nach dem 0:2 zu reagieren. Dabei tat Martinez nichts anderes, als zu überlegen, was zu tun sei.

  9. Heinrich

    Es hat nichts mit Sexismus zu tun. Sie ist leider nicht kompetent und ihre Stimme empfinde ich als sehr unangenehm.

    Zu RTBF, ich finde es gar nicht so schlimm. Klar ist da eine Grenze überschritten worden, aber das war auch ein hartes stück. 0-2 gegen Japan. Das ist zwar damit nicht zu entschuldigen, aber so etwas wird ihm bestimmt nicht wieder passieren.

    Verzeihen soll man.

  10. Mischutka

    „Wir“ zu Hause haben da kein Problem mit. Da kann meinetwegen der Papst oder dieser Rollmops aus Korea die Spiele kommentieren. „Das“ erledigen wir …..selbst. Allerdings sind unsere „Kommentare“ nicht für Jugendliche (☺) oder empfindliche Personen geeignet. Für jedes (nur bisherige !!!) L…m…a…A… nur 10 Cent in eine Dose, dann könnte man sich am Ende der WM einen neuen tollen Fernseher kaufen…… Jeder „blöde“ Schiedsrichter würde uns persönlich verprügeln (oder verklagen) genau so wie manche „bösen“ (Gegen-)spieler…. Aus Erfahrung weiß ich, daß es genau SO auch bei vielen anderen gleich ist. Und wenn man für jeden Fluch oder „fiesen“ Ausdruck nur 1 Tag in die Hölle käme, wäre diese „Wohnung“ beim Teufel für -zig Jahre im Voraus ausgebucht …..

  11. grashopper

    Weiss nicht so recht…Aber wenn ich Bela Rethy (der Name ist nicht Programm!!)im Vorspann höre ,wünsche ich mir die Frau Neumann herbei!!!! Was der Typ loslässt,spottet jeder Beschreibung!!!Da ist Frau Neumann um Welten besser,vor allem lebt Sie das jeweilige Spiel mit,und das zählt meiner Meinung nach mehr(siehe auch belgischen Reporter) als eine reine Fussballrethorik a la Rethy,die auch noch zum Kotzen falsch ist….Aber Sie ist halt eine Frau,und das akzeptieren einige nicht.!

    • German angst

      @grashopper
      Habe mir das letzte Spiel und das gestern. gezwungenermaßen, auf ZDF an tun müssen.
      Sie haben recht. Bela Rethy ist noch viel unerträglicher als die Neumann.
      Der erzählt nicht nur genauso viel dummes Zeug wie die Neumann, dem fiel auch schwer zu ertragen, dass Belgien gewinnt.
      Genauso wie übrigens dem Kahn. Hat er sich, laut Moderator, so gefreut als Japan die beiden Tore schoss und muss im Studio regelrecht ausgeflippt sein vor Freude. Erklärt hat er es damit, dass er immer zum Underdog hält. Gestern hielt er dann zum Underdog Brasilien.
      So viel zum Thema; Deutschland hält jetzt zu Belgien.

  12. Rundes Leder

    Hier im Forum sind da welche sich regelrecht am austoben, in Bezug Fussball!? Täten besser dran ihre Herzfrequenz „etwas“ runter zu fahren! Zumal da so einige „Laien“ dabei sind, die sich zwar anstrengen, aber niemals siegreich sein werden, mit ihrer Taktik!
    Geht an die frische Luft! Ist viel besser! Ihr wisst es nur noch nicht!?

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