Politik

Bruno Fagnoul, erster Ministerpräsident der DG und ehemaliger Bürgermeister von Raeren, gestorben

V.l.n.r.: Moderator André Goebels, Bruno Fagnoul, Marcel Lejoly und Mathieu Grosch beim Festakt zum 30-jährigen Bestehen der DG-Regierung am 1. Februar 2014. Foto: OD

Der erste Ministerpräsident der DG und spätere Bürgermeister von Raeren, Bruno Fagnoul, ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Fagnoul war der erste Vorsitzende der Exekutive, wie die Regierung nach der Gründung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Anfang 1984 genannt wurde. Zusammen mit Joseph Maraite (CSP) und Marcel Lejoly (SP) bildete der PFF-Politiker die erste Ministerriege im ehemaligen Gebäude der Post an der Eupener Klötzerbahn.

Ein Porträt von Bruno Fagnoul durch Journalist Freddy Derwahl für den wenige Wochen vor der Einsetzung der ersten Regierung gegründeten „Grenzland-Report“ erregte mächtig Aufsehen.

Die erste Regierung der DG mit Premierminister Wilfried Martens (2.v.r.): Marcel Lejoly, Bruno Fagnoul und Joseph Maraite (von links). Foto: Archiv

Fagnoul empfand Derwahls Artikel als Ehrabschneid, in Wirklichkeit fehlte in der hiesigen Öffentlichkeit für das im „Spiegel“-Stil verfasste Porträt „Der Hauptlehrer von Ostbelgien“ noch die nötige Akzeptanz.

In gewisser Hinsicht war Bruno Fagnoul vom Politikertyp her jemand, der es heute wahrscheinlich zu einer viel größeren Popularität gebracht hätte als in den 1980er und 1990er Jahren. Denn Fagnouls Tugenden als „Erbsenzähler“ wären in der heutigen Welt der vielen „Schaumschläger“ und „Sonntagsredner“ gefragter denn je.

Bürgermeister von Raeren war Fagnoul von Anfang 1989 bis Ende 2000. In jener Zeit machte sich der Liberale sogar über die Grenzen der Töpfergemeinde hinaus einen Namen, als er sich vehement für mehr Steuergerechtigkeit zwischen einheimischen und zugezogenen, größtenteils deutschen, Bürgern stark machte, was ihm bisweilen Kritik einbrachte.

In Fagnouls Amtszeit fiel auch die Explosion der Fina-Tankstelle in Eynatten am 18. Juni 1995, bei der 16 Menschen ums Leben kamen. Die Katastrophe erregte sowohl im Inland als auch im Ausland Aufsehen. (cre)

Yves Kreins, Bruno Fagnoul, Norbert Scholzen, Albert Gehlen und Ferdi Dupont (v.l.) bei einem Besuch des damaligen Premierministers Wilfried Martens (2.v.r) in Eupen. Foto: PDG

 

5 Antworten auf “Bruno Fagnoul, erster Ministerpräsident der DG und ehemaliger Bürgermeister von Raeren, gestorben”

  1. Mitglied einer Partei die ich niemals wählen würde.. Aber ich habe oft die Gelegenheit gehabt mit ihm zu reden. Und es waren immer sehr angenehme und interessante Gespräche. Ruhen sie in Frieden Herr Fagnoul.

  2. Freddy Derwahl

    Bruno Fagnoul stand immer im Schatten von Fred Evers. Das liess ihn oft etwas klein, schüchtern und unglücklich erscheinen. Dann reagierte er gereizt. So zunächst auch auf den Artikel (siehe „Mit Faust und Feder“, Reportagen,GEV, Eupen, 1985, Seite 189)

    Doch kein Zweifel: Ich behalte ihn als einen Ehrenmann in Erinnerung. Eine Woche nach dem umstrittenen Porträt im „Grenzland-Report“ spendierte er mir an der Theke im PFF-Hauptquartier bei Albert Bosten ein Bier und sagte:“Es hat sehr wehgetan, aber Schwamm drüber, wir kennen ja alle deine spitze Feder und das Revolverblatt von Gerard Cremer …“

  3. Eastwind

    Man konnte Bruno Fagnoul natürlich einen „Erbsenzähler“ nennen, aber dies kann man durchaus als Kompliment verstehen. Fagnoul zählte nämlich die Erbsen nicht in seinem eigenen Interesse, sondern im Interesse der Bürger. Er war ein ehrlicher Arbeiter. RIP

  4. Franz-Josef Heinen

    Bruno Fagnoul war ein Mensch und Politiker mit Herz, Prinzipien und Rückgrat, also mit Werten, die so mancher Berufskollege und so einige ostbelgische Kommentatoren vermissen lassen. Herr Fagnoul möge in Frieden ruhen!

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