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AS Eupen: Stinkt der Fisch vom Kopf? [Zwischenruf]

Düstere Zeiten im Kehrweg-Stadion. Foto: Belga

Nach der 1:5-Pleite bei Cercle Brügge herrschen im Eupener Kehrweg-Stadion große Ernüchterung und Ratlosigkeit. Viel Zeit zum Grübeln bleibt allerdings nicht, denn schon an diesem Dienstag um 18.30 Uhr steht das nächste Spiel gegen OH Löwen an. Ein Zwischenruf.

Als im Mai 2012 die Katarer beim ranghöchsten ostbelgischen Fußballverein einstiegen, machte sich sofort Euphorie breit. Die AS Eupen war zwar ein Jahr zuvor in die 2. Division abgestiegen, doch war dies das kleinste Problem. Mit einem derart potenten Investor wie Aspire im Rücken war Platz für die kühnsten Träume.

Die ersten Jahre unter katarischer Flagge waren nicht einfach. Auf die Rückkehr ins Oberhaus des belgischen Fußballs musste man vier Jahre warten und schaffte sie auch nur, weil White Star Brüssel als Meister der 2. Division keine Profilizenz erhalten hatte.

Das war vor 10 Jahren. Der neue katarische Investor präsentiert sich im Rahmen einer Pressekonferenz im Kehrweg-Stadion am 6. Juni 2012 (v.l.n.r.): Josep Colomer, Andreas Bleicher, AS-Präsident Dieter Steffens, Bürgermeister Elmar Keutgen und Ivan Bravo. Foto: Belga

Seitdem hat man sieben Mal den Klassenerhalt geschafft, was eine tolle Leistung ist, auch wenn es durchaus Stimmen gibt, die sich aufgrund der enormen Summen, die von den Katarern in das Projekt AS Eupen gesteckt wurden, mehr erhofft hatten.

Zum Beginn der laufenden Saison waren sich indes alle darin einig, dass man von dieser Mannschaft nicht mehr als den Klassenerhalt würde verlangen können, zumal es am Ende dieser Saison gleich drei Direktabsteiger geben wird.

Nach 12 Spieltagen muss man feststellen: Nur ein Fußballwunder wird die Schwarz-Weißen am Ende der klassischen Phase der Meisterschaft vor dem Abstieg retten können. Anlass zur  Hoffnung gibt allenfalls der Umstand, dass zwischen Tabellenplatz 13 (KV Mechelen) und dem Schlusslicht (Zulte Waregem) gerade mal 3 Punkte liegen.

Der neue Cheftrainer der AS Eupen, Bernd Storck, bei seiner ersten Pressekonferenz im Kehrweg-Stadion im Juli 2022. Foto: Belga

Und dennoch hat man nach der Partie am Samstag gegen Cercle Brügge das Gefühl, dass diese AS nicht in der Lage ist, am Ende mindestens Platz 15 zu erreichen, auch wenn die Mannschaft von Trainer Bernd Storck das Kunststück schaffte, den heute bereits für das Achtelfinale der Champions League qualifizierten FC Brügge zu besiegen.

Wie viel Schuld Storck an der Misere trifft, ist schwer zu sagen. Der deutsche Coach, den zum Saisonstart fast alle als Wunschtrainer gelobt hatten, hat sicherlich Fehler gemacht. Sein größter Fehler war es wohl, diesen Kader von Beginn an stärker zu reden, als er in Wirklichkeit ist. Das hat Erwartungen geweckt, die unmöglich erfüllt werden konnten und wahrscheinlich auch die Vereinsführung in dem Glauben gelassen haben, das Potenzial werde schon ausreichen, um das Minimalziel Klassenerhalt ein achtes Mal zu erreichen.

Selbstverständlich trifft die Spieler eine Mitschuld, obwohl man in den bisherigen 12 Begegnungen nie das Gefühl hatte, dass die Profis auf dem Platz es am nötigen Einsatz hätten fehlen lassen.

AS-Finanzdirektor Thomas Herbert (links) und Generaldirektor Christoph Henkel. Foto: OD

Nein, statt auf Trainer oder Mannschaft herumzuhacken, müsste sich auch mal die Vereinsführung an die eigene Brust fassen. Stinkt der Fisch vom Kopf?

Es ist ja schön für Generaldirektor Christoph Henkel und Finanzdirektor Thomas Herbert, dass ihre Verträge verlängert wurden. Aber haben sie in diesen 10 Jahren in Eupen nicht doch mehr verwaltet als gestaltet?

Man kann es auch zum Teil an der spärlichen Kulisse im Kehrweg-Stadion erkennen: Diese AS Eupen „made in Qatar“ hat nur sehr selten begeistert. Und viele fragen sich, weshalb in Anbetracht der enormen Summen, die Aspire seit 2012 in das Eupener Projekt investiert hat, nicht mehr als nur der Klassenerhalt zustande gekommen ist und man jetzt sogar heilfroh wäre, wenn wenigstens der Abstieg in die 1B vermieden würde.

Sollte auch das Spiel an diesem Dienstag gegen Löwen für die Schwarz-Weißen in die Hose gehen, wird Storck definitiv nicht mehr zu halten sein. Doch nur mit einem Trainerwechsel würden sich die Probleme wohl nicht lösen lassen. (cre)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

18 Antworten auf “AS Eupen: Stinkt der Fisch vom Kopf? [Zwischenruf]”

  1. Schwanengesang

    Wenn die AS morgen gegen Löwen klar verlieren sollte, dann wird es zu einem langen tragischen Schwanengesang kommen. Denn auch ein neuer Trainer wird das marode AS-Schiff nicht mehr vor dem Untergang retten können.

  2. askiebitz

    Mechelen hat heute nach enttäuschendem Start den Trainer gewechselt. Eupen nicht. Warum?
    a) die Vereinsleitung ist nicht enttäuscht, denn das würde ein Minimum an emotionaler Implikation bedeuten.
    b) die Vereinsleitung ist mit der Vorbereitung von Eupen B gegen Katar zu beschäftigt.
    c) Die AS braucht keinen Wechsel. Stef Peters agiert ab sofort als Spielertrainer, Motivator und Mediator.
    d) Der neue Trainer ist längst unterwegs; braucht aber aufgrund der langen Anreise aus Australien noch etwas.
    Bitte schickt eure Lösung an Aspire und gewinnt für Freunde und Familie 4000 Tickets für den Kracher gegen Löwen (Stadion wäre damit zu 50% ausgelastet).

  3. Frage: Wer interessiert sich denn noch für diese Söldnertruppe?
    Gehe lieber zu dem 200 Meter Luftlinie entfernten FC. Da hat man wenigstens noch einen regionalen Bezug, und Fussballspielen können die auch, sogar besser!

  4. Peter Müller

    Trainer werfen ist die billigste Lösung. und die Probleme vom Comite werden auf andere geschoben.
    Ich würde mal gerne lesen: Christoph Henkel ist zurück getreten. Ich habe versagt und übernehme für die schlechte Situation die Verantwortung.

  5. Es werden nur noch Spieler aufgestellt von denen man hoffen kann sie am Ende der Saison mit einem Mehrwert verkaufen zu können. Deshalb auch die Vertragsvelängerungen.
    So hofft man die sichere Unzahlungsfähigkeit des Vereins abfedern zu können. Verständlich, aber besch… für die Fans.

  6. Man sollte nicht vergessen wo wir hier sind!
    Wodurch die D1 ermöglicht wird!

    Aber die wichtigest Frage ist wieviele der hier rummaulenden regelmäßig im Stadion sind.
    Weil im motzen sind se alle gut!

    • Etwas skuriler Text Foot!? Die Leute haben Grossteils Recht, oder kriegen Sie geschimmeltes Brot angeboten, oder kaufen sich saure Milch? Die Scheichs machen da keine Almosen Einsätze, die bezwecken schon was dabei!? Ich glaube eher dass die befehlen: kauft billige Spieler ein, und verkauft sie teuer, waaa!?

    • Warum sollte man ins Stadion gehen ?
      Kaum hat man sich an Spieler gewöhnt und kann sich an Gesicht und Nummer erinnern wird er durch nen anderen ersetzt…
      Bei der AS müsste man quasi jedes Jahr Fan einer neuer Mannschaft werden.

  7. Immer dieser “ dumme “ Komentar mit dem FC Eupen.
    Dann geht doch einfach zum FC. Der “ Bezug zur Fussballmannschaft “ ist das das wichtigste?
    Eine Fussballannschaft ist schon längst kein Hobbykicken mehr. Das sind Unternehmen die auch nur ans Geld denken. Trainer, Spieler usw. Wieviele Antwerpener spielen beim Antwerp? Wieviele Brüsseler bei Anderlecht? Sogar in den Provinzklassen werden Spieler aus anderen Dörfern rekrutiert.

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