Standpunkt

Alles Gute, Fred!

Fast 40 Jahre lang hat Fred Evers die Politik in Ostbelgien mitbestimmt. Seit Montag ist der heute 78-jährige Liberale offiziell wieder Renter, so wie er es schon war, bevor er sich im Herbst 2012 noch einmal in ein politisches Abenteuer stürzte, das sich letztlich jedoch für ihn als zu strapaziös erwies. Mit Evers verabschiedet sich ein Urgestein der ostbelgischen Politik, einer mit Ellenbogen, Mundwerk und Charisma. Er war als Politiker ein großer Rhetoriker, ein großer Populist, ein großer Provokateur und noch einiges mehr. Viele werden ihn vermissen.

Ich erinnere mich an eine der ersten öffentlichen Veranstaltungen mit dem Politiker Fred Evers Mitte der 70er Jahre im damaligen „Kurhotel Pauquet“ in Eupen. Evers war gerade Abgeordneter geworden, mehr oder weniger per Zufall, aber er war noch nicht Eupener Bürgermeister.

Es war schon erstaunlich, wie dieser Mann mit seiner mächtigen Statur die Zuhörer sofort in seinen Bann zog. Wenn Evers sprach, war es im Saal mucksmäuschenstill. Es war „großes Kino“.

Zuhörer in seinen Bann gezogen

Wenn der lange Liberale auf eine Frage keine Antwort wusste, gab er dies offen zu, ja manchmal kokettierte er sogar damit. Das vermittelte seinen Zuhörern das Gefühl, es ausnahmsweise mal mit einem „ehrlichen Politiker“ zu tun zu haben. Ich höre ihn bei jener Veranstaltung im „Kurhotel Pauquet“ noch sagen: „Wissen Sie, ich habe auch keine Ahnung, wie sich dieses Problem lösen lässt! Das könnte wahrscheinlich nicht einmal Henry Kissinger lösen…!“

Applaus! Der Saal tobte… Typisch Evers!

Es war der Beginn des kometenhaften Aufstiegs des Fred Evers. Er wurde in der Folgezeit Eupener Bürgermeister, Parlamentsmitglied in Kammer oder Senat, Regionalabgeordneter, Ratspräsident… Dazu war er Unternehmer, Präsident der Febetra usw.

Fred Evers war stets der Liebling der Medien. Ein Interview mit ihm ließ sich nun mal besser „verkaufen“ als eines beispielsweise mit Albert Gehlen – bei allen Meriten, die der CSP-Parlamentarier aus Breitfeld gehabt hat. Noch bevor mit Evers ein Interview geführt wurde, konnten sich die Journalisten einer Schlagzeile sicher sein.

Politik mit hohem Unterhaltungswert

In der Eifel stieß Evers anfangs auf viel Skepsis, war er doch irgendwo von seinem Auftreten her der Prototyp des „arroganten Eupeners“, so schien es jedenfalls. Mit der Zeit jedoch nahm die Popularität der Galionsfigur der PFF auch im Süden unseres Gebietes zu. Wenn Evers kam, war eben „Showtime“… Politik mit hohem Unterhaltungswert.

Natürlich hat auch Evers seine Schwächen, seine Fehler. Er konnte sogar ziemlich unangenehm werden. Wenn man das Pech hatte, bei ihm in Ungnade zu fallen, dann konnte er einen an den Eupener Theken kraft seiner rhetorischen Fähigkeiten richtig „zur Minna machen“…

Dies alles war jedoch Teil seiner Persönlichkeit. Sie wird uns fehlen. Alles Gute, Fred!

GERARD CREMER

Siehe auch Artikel „Für Fred Evers zum Rücktritt ein kleiner ‚Fußtritt‘ von der CSP“

 

11 Antworten auf “Alles Gute, Fred!”

      • Zappel Bosch

        Man kann Evers zu seiner Karrière, sowohl beruflich als auch politisch, nur gratulieren. Egal wie man im Einzelnen sein Wirken beurteilt… Ein lucky guy, aber sehr effektiv, ein Selfmademan und „Womenizer“, eine solche „Type“ hat die DG seitdem nicht mehr hervorgebracht.

        Den Promoter des ATC haben Fred Evers und das andere politische Urgestein, Kurt Ortmann, seinerzeit nach Eupen „gelockt“ bzw. mit unerfüllbaren Erwartungen zu einer solchen Investition „verleitet“ (400.000 Menschen im Einzugsgebiet, vom Bahnhof direkt in das Einkaufsparadies…). Das musste in die Hose gehen, aber damit hatten sie den Schandfleck der abgebrandten Ruine des „Schokolates“ (Chocolaterie Jacques) aus dem Innenstadtbereich… Bewusste oder unbewusste Irreführung?
        Wie es heißt, hatten Ortmann und Evers seinerzeit auch generell „ihre Finger“ im Immobiliengeschäft, wobei ich nicht glaube, dass sie konkret an diesem Projekt beteiligt waren, aber entsprechende Beziehungen hatten…
        Am meisten hat sich wohl der aktuelle Besitzer des ATC gefreut, der den Komplex (ca. 30 Mio BEF) m.W. für ca. 3 Mio BEF aus dem Konkurs erstanden hat. Da kann man ruhig auf bessere Zeiten warten…
        Irgendwann wird es auch dafür Verwendung geben, und sei es durch die Stadt und/oder DG.

        • Réalité

          Unrühmlicher Abgang des langen Fred!Vor allem das Dossier ATC wird der Stadt wohl noch lange einen Klumpen am Bein sein.Einige Leute hatten wohl damals „die Augen grösser wie den Bauch“!Schade drumm!Vor allem war die Mehrstöckige Bauart im Nachhinein nicht optimal und hindernd!“Teure Blamage“!?

  1. „Den Promoter des ATC haben Fred Evers und das andere politische Urgestein, Kurt Ortmann, seinerzeit nach Eupen “gelockt” bzw. mit unerfüllbaren Erwartungen zu einer solchen Investition “verleitet“.

    Nun Herr Bosch, erfahrene, gewiefte Unternehmer lassen sich normalerweise weder „locken“ noch“ verleiten“ (auch nicht durch „clevere“Politiker).Solche Unternehmer geben in der Regel selbst Studien in Auftrag, um schlüssig zu erkennen, ob sich ein Objekt in dieser Größenordnung auch „rechnet“.Ich weiß nicht, wie das nun im Fall des ATC gelaufen ist, scheinbar aber nicht in die richtige Richtung……

      • „aber auch “Studienbüros” können sich irren, oder?“
        In der Tat……
        Aber selbst wenn ein Einzugsgebiet von 400.000 Menschen vorhanden ist, ist Skepsis durchaus geboten. Selbst eine so hohe Zahl bedeutet de facto ja noch nicht, dass damit ein solches Projekt existieren kann.
        Diese 400.000 Menschen waren ja schon vor dem ATC da, könnte man ironisch bemerken und schon auf andere Geschäfte „verteilt“.Nun, wie auch immer…

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