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UN-Tribunal: Lebenslang für Ratko Mladic, den „Schlächter vom Balkan“

Der serbische Ex-General Ratko Mladic (M) begrüßt am 22.11.2017 vor der Urteilsverkündung in einem Saal des UN-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag einen seiner Verteidiger. Foto: Peter Dejong/AP POOL/dpa

Ratko Mladic gilt als der schlimmste Kriegsverbrecher in Europa nach 1945. Tausende Tote hat der serbische Ex-General auf dem Gewissen – vor allem durch den Völkermord von Srebrenica. Kurz vor seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft sorgt er für einen Eklat.

Rund 22 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica hat das UN-Kriegsverbrechertribunal den bosnisch-serbischen Ex-General Ratko Mladic (75) zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ein Mann geht vor einem Wandgemälde des früheren Serben-Generals Ratko Mladic in einem Vorort von Belgrad (Serbien) entlang. Foto: Koca Sulejmanovic/EPA/dpa

Die Richter sprachen den Angeklagten am Mittwoch in Den Haag für schlimmste Gräueltaten im Krieg (1992-1995) schuldig – für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Völkermord in Srebrenica 1995, wo bosnisch-serbische Truppen etwa 8000 bosnisch-muslimische Jungen und Männer ermordet hatten.

Es war das schlimmste Kriegsverbrechen nach 1945 in Europa. Maldic war danach als „Schlächter vom Balkan“ bezeichnet worden.

Mladic war Oberkommandant der bosnischen Serben während des Krieges mit etwa 100.000 Todesopfern und über zwei Millionen Vertriebenen. Die Richter unter Vorsitz des Niederländers Alphons Orie sahen die Schuld des Angeklagten als zweifelsfrei erwiesen an. „Das Gericht verurteilt den Angeklagten daher zu einer lebenslangen Haftstrafe“, sagte Orie.

Eklat im Gerichtssaal

Zuvor hatte der Angeklagte für einen Eklat gesorgt. Der Vorsitzende Richter Orie ließ ihn aus dem Gerichtssaal entfernen, nachdem Mladic lautstark protestiert hatte. Die Verteidigung hatte zuvor erfolglos gefordert, die Urteilsverkündung abzukürzen, weil der Blutdruck des Angeklagten gefährlich hoch sei. Das Gericht setzte die Verlesung des Urteils dann ohne Mladic fort.

Der serbische Ex-General Ratko Mladic zeigt am 22.11.2017 beim Betreten des UN-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag den Daumen nach oben. Foto: Peter Dejong/AP POOL/dpa

Mladic wurde schuldig gesprochen für Verbrechen wie Mord, Vertreibung, Folter – dazu gehört auch die über drei Jahre dauernde Belagerung und der Dauerbeschuss von Sarajevo – 10.000 Menschen wurden getötet.

Im Juli 1995 dann hatten serbische Einheiten unter seinem Kommando die damalige UN-Schutzzone Srebrenica überrannt und kurz darauf Tausende muslimische Männer und Jungen ermordet. Die niederländischen UN-Blauhelme hatten sich damals kampflos ergeben.

Der Ex-General war erst 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht festgenommen worden. Er selbst hatte stets seine Unschuld beteuert. Er habe sein Volk nur verteidigt. Es gilt als sicher, dass er gegen das Urteil Berufung einlegen wird.

Bereits 2016 war sein politischer Chef, der damalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic, für eine fast identische Anklage zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Es war der letzte Völkermord-Prozess des Tribunals. Ende des Jahres wird das Gericht nach 24 Jahren seine Arbeit abschließen. Wegen des Völkermordes in Srebrenica waren mit Mladic 16 Personen schuldig gesprochen worden.

Ratko Mladic will Berufung gegen das Urteil einlegen. Das teilten sein Verteidiger sowie der Sohn am Mittwoch in Den Haag mit, wie die niederländische Nachrichtenagentur ANP berichtete. (dpa)

Fikret Alic hält am 22.11.2017 vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ein Banner und ein Titelbild des Time Magazin. Das Bild zeigt den abgemagerten Alic im Jahr 1992 in einem Lager bei Prijedor in Bosnien-Herzegowina. Foto: Phil Nijhuis/AP/dpa

  1. Pensionierter Bauer

    Zwar eine Späte aber immerhin eine kleine Gerechtigkeit. Ich glaube die größte Strafe ist, dass nun für immer sein Name bei den größten Verbrechern aller Zeiten eingemeißelt sein wird.

  2. Da kann es sich nur um ein skandalöses Fehlurteil handeln.
    Brave serbische Christen, wenn auch orthodoxe, Anhänger der Religion, die die Nächsten-, ja die Feindesliebe ais höchstes Gebot hat, begehen keinen Völkermord.
    Das tut nur die Gegenseite.
    Oder irre ich mich?

  3. Ohne „Uncle Sam“ hätte es weder die Nürenberger Prozesse noch dieses Tribunal gegeben! Europa hat im Balkan-Massaker kläglich versagt! Ohne den Sheriff aus Washington wären die Massengräber in Bosnien mit Gras bewachsen und Leute wie Ratko Mladic weiter an der Macht. Jetzt den Moralapostel spielen, das können die Europäer besonders gut, wenn es aber darum geht den Schlächtern das Messer aus der Hand zu schlagen, laden unsere Poltiker zum Stuhlkreisgespräch….

    • Ohne „Uncle Sam“ hätte es weder die Nürenberger Prozesse noch dieses Tribunal gegeben!

      @ Dax

      Darum hat „Uncle Sam“ das Tribunal bis heute nicht anerkannt und weigert sich Urteile und Beschlüsse dieses Gerichtes umzusetzen.

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