Meinung

Wer „triellt“ am besten im Wahlk(r)ampf? [Kommentar]

12.09.2021, Berlin: Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD, l-r), Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) und Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) reden miteinander im Fernsehstudio (Bildschirmfoto). Foto: WDR/dpa

Drei „TV-Trielle“ mit den drei Kandidaten für das Kanzleramt, bei denen immer das Gleiche gesagt wird – erst bei RTL und ntv, gestern bei ARD und ZDF sowie am kommenden Sonntag bei Pro7 und Sat.1. Dreimal dieselben Köpfe, dreimal die gleichen Fragen, dreimal die gleichen Antworten.

Dieser Wahlkampf vor der Bundestagswahl am 26. September ist ein Wahlkrampf. Er wird dominiert von drei Personen, die angeben, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden zu wollen. Diese Frage ist aber zunächst völlig unwichtig, denn erst einmal wird ein neuer Bundestag gewählt, also Parteien.

12.09.2021, Berlin: Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD, l-r), Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Bündnis90/Die Grünen) und Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) stehen im Fernsehstudio. Foto: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa

Schon im Jahr 2002, als sich nur zwei Kanzlerkandidaten „duellierten“, zog der damalige FDP-Chef Guido Westerwelle, offiziell Kanzlerkandidat der Liberalen, bis vors Bundesverfassungsgericht, um seine Teilnahme an den TV-Duellen zwischen Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber (CSU) durchzusetzen.

Westerwelles Beschwerde wurde mangels Erfolgsaussicht gar nicht erst zugelassen. Das Verfassungsgericht bestätigte damals die Urteile zweier Vorinstanzen: Demnach träfen im Duell der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zwei Politiker aufeinander, „die allein ernsthaft damit rechnen können, zum Bundeskanzler gewählt zu werden“. Folglich scheide eine Teilnahme Westerwelles aus, weil er „keine realistische Aussicht“ habe, die Wahl zu gewinnen.

Fragt sich nur, inwiefern 19 Jahre später Annalena Baerbock „realistische Chancen“ haben soll, Nachfolgerin von Angela Merkel (CDU) zu werden.

Der Journalist Gabor Steingart schrieb an diesem Montag treffend in seinem „Morning Briefing“: „Annalena Baerbock ist nur deshalb in der Runde, weil sie von sich selbst behauptet, sie kämpfe um das Bundeskanzleramt. Es ist ausweislich aller Umfragen unrealistisch, dass sie dort als Regierungschefin landen wird.“

12.09.2021, Berlin: Annalena Baerbock (l), Kanzlerkandidatin und Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, spricht mit Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Kanzlerkandidat der Union, nach dem zweiten TV Triell. Foto: Christophe Gateau/dpa

Außerdem bemängelt Steingart: „Durch die Frontstellung – zwei rot-grüne Spitzenpolitiker gegen einen angeschlagenen Unions-Kandidaten – entsteht der Eindruck, das Land sei in diesem Wahlkampf nach links gerückt (…) Die Stimme des liberalen Bürgertums, die einen Kontrapunkt hätte setzen können, wurde von den TV-Machern bewusst ausgeblendet. Es geht hier nicht um die FDP. Es geht um die vorsätzliche Verengung des Debattenraums. Das ist nicht Journalismus, das ist versuchte Bevormundung.“

Jahrzehntelang haben wir Ostbelgier Deutschland darum beneidet, dass dort die Politik noch übersichtlich und leicht nachvollziehbar ist, weil sehr personenbezogen, während im belgischen Durcheinander zumeist nur noch die Politiker selbst und einige Politologen den Durchblick haben.

Wenn aber in Deutschland die Einfachheit jetzt so weit geht, dass ein Wahlkampf auf die Person von drei selbsternannten Kanzlerkandidaten reduziert wird, sehnt man sich fast schon nach einem richtig komplizierten belgischen Wahlkampf. GERARD CREMER

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

22 Antworten auf “Wer „triellt“ am besten im Wahlk(r)ampf? [Kommentar]”

  1. Gerhard Schmitz

    Da saßen nun 3 Polit- und 2 Medien-Profis vor einem Millionenpublikum zusammen und alle waren sich in einem Punkt einig: „Ein Drittel der Deutschen ist dumm! Sie kapieren einfach nicht, dass unsere Impfwahrheit eine ABSOLUTE Wahrheit ist.“

    Vor diesem Hintergrund war es natürlich nicht denkbar, dass den drei Kandidaten folgende Frage gestellt wird: Warum sollte ein Ungeimpfter Sie wählen?

  2. Hausmeister

    Was mir als „Rechtsradikalem“ auffällt ist, dass in den beiden Triellen bisher kein Wort über die Folgen und die Zukunft der Migration gefallen ist. Die existiert scheinbar gar nicht!

  3. Eastwind

    Es ist die heimliche Sehnsucht der Deutschen nach einer starken Führungskraft (Führer darf man ja nicht mehr sagen). Wer den Kanzler stellt, hat die nächste Wahl fast schon gewonnen. Kohl hat sie 1998 verloren, weil er zu lange Kanzler war. Deshalb hätte Merkel auch heute verloren, wenn sie sich nochmal zur Wahl gestellt hätte. Schröder hat 2005 aus eigenem Verschulden verloren, weil er sich am Wahlabend wie ein Blödmann benommen hatte. So wurde Merkel, die die Wahl eigentlich verloren hatte, Kanzlerin. Und die ist es bis heute geblieben. Wie gesagt, viel zu lange.

    • Eastwind
      Kohl hat die Wahl verloren es ging um das Ehrenwort wegen Geld das er angeblich gespendet hat, aber um es zu vertuschen sagte er nichts er hat es selbst behalte, Merkel deckte es auf, und er nannte sie sein Mädchen sie schoss ihn ab um auf seinen Posten zu kommen, Schröder wollte Hartz durch bringen und das wars, sein Schwur nach seiner Wahl sagte er zum wohl des Deutschen Volkes, nicht so war mir Gott helfe sein Schwur war ein Face so konnte ihn keiner belangen wegen Meineid,Schröder war Anwalt und kannte sich aus mit den Tricks ein paar Worte geändert und das war es
      Überhaupt die Amtszeit gehört begrenzt auf 2 Wahlperioden dann ist Schluß fürs ganze Leben wie in den USA, Auch Schröders Worte waren als er zu Putin ging jetzt kann ich richtig Geld machen,Und die Sauerei er bekommt auf Lebenszeit in Berlin ein Büro mit 2 Sekretärinen bezahlt vom Deutschen Staat egal wieviel er verdient

      • Jeglicher Eid wird in Deutschland entweder mit oder ohne religiöse Beteuerungsformel abgelegt. Das hat nichts mit einem Trick zu tun, sondern steht der schwörenden Person frei. Der Grund liegt in der Religionsfreiheit. Denn sie garantiert, dass man an Götter seiner Wahl glauben darf („positive Religionsfreiheit“) UND dass man nicht glauben muss („negative Religionsfreiheit“).

        • oh nein
          Sollte es nach ihnen gehen kann jeder seinen Privaten Eid ablegen, denn es gibt viele Götter der einfachste Gott ist das Geld das man so ganz nebenbei erhält, Schwarzgeld
          Alles ist Käuflich nur eine Frage des Preises

          Sogar der Hipprogrates Eid (bekannt nach dem Griechischen Arzt ist ein Arztgelöbnis Hipprogrates ca 460 370 v Christus) die Urheberschaft des Eides ist jedoch etwas ungeklärt

  4. Corona2019

    @ – Eastwind

    Schröder stand am Wahlabend eindeutig unter Drogen .
    Ich habe mir mehrfach meine Video Aufzeichnungen von diesem Abend angesehen , und habe da überhaupt keine Zweifel.
    Ob er sich die Drogen jetzt selber verabreicht hatte ,
    oder ob sie ihm verabreicht wurden kann natürlich niemand sagen .

    • SCHRÔDERS DROGEN waren rotwein-promille: COTE DE BEAUNE, grand cru, 2002: siehe Spiegel.

      ZUM DREIER: der kleine Laschet hat Bock auf die high-heels der Baerin und Scholz ist in Spahn verliebt; DIE NACHFOLGE DER KEUSCHEN ANGIE IST MULTICOLOR. Ba wa?

  5. Adenauers Erben

    Wer mir bei Anne Will (im Anschluss an das Triell) auf die Nerven gegangen ist, das ist der Gesundheitsminister Spahn. Was für ein agressiver und selbstherrlicher Typ. Dabei kriegt er selbst nichts auf die Kette. Sein Corona-Management ist ein einziges Desaster und er schämt er sich nicht, andere anzugreifen Was Scheuer für die Mobilität ist, Klöckner für die Landwirtschaft, das ist Spahn für die Gesundheit. Lauter unfähige Großkotze. Falls die CDU/CSU am Wahlabend abkackt, „mach ich ein Glas auf“ (Zitat Stoiber). Deutschland hat Besseres verdient.

    • Hop Sing

      Adenauers Erben : Bravo für Ihren Kommentar. Ich will es am Wahlabend ähnlich halten, wenn die Union verliert. Die CDU in deren jetziger personeller Besetzung (Laschet, AKK, Spahn, Merz etc.) ist eine einzige Zumutung. Untergehen und neu aufbauen, lautet die Devise.

  6. In den deutschen Medien kursieren die Ergebnisse einer Umfrage (wer war der beste im Triell), das echt witzig interpretiert werden kann. Platz 1: SPD, Platz 2: Grüne; Platz 3: alle gleich gut; Platz 4: CDU. Also bei einem „Triell“ erreicht die CDU den „vierten“ Platz.

  7. Immer noch besser als die Linken, ist eine Jamaika Gruppe! SPD, Grüne und die Linke, das wird niemals gut gehen, daher eher CDU/Grüne und FDP, da weiss man was man hat! Die anderen melken die Bürger mit noch mehr Steuern! Von denen sind wir es gewohnt!

  8. Karnevalsarmin

    Schwach, schwächer, Laschet … wer hat um Gotteswillen (bleiben wir doch im CDU Fachjargon…) den Laschet statt Söder aufgestellt? Der Mann schafft es sogar, den kleinen Journalisten*innen des Kinderfernsehen aggressiv und dumm zu kommen… aber dafür findet er immerhin Hochwasser witzig und hat im Eisrestaurant die Prüfungen der Studenten verloren. Deutschland hat die Qual der „schlechten Wahl“… bin weder links noch grün, doch diese Kandidatinauswahl der Union muss abgestraft werden.

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