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Theresa May: Ist sie die Angela Merkel von Großbritannien?

Theresa May macht in Großbritannien oft wegen ihrer extravaganten Schuhe und ihrer auffallenden Kleider von sich reden. Foto: epa

Der Machtkampf um die Nachfolge des britischen Premierministers David Cameron ist überraschend schnell entschieden. Innenministerin Theresa May hat sich durchgesetzt und ihr Ziel erreicht: Parteichefin ist sie schon, in die Downing Street 10 zieht sie am Mittwoch ein.

Gegen May war zum Schluss nur noch eine einzige Konkurrentin bei den Konservativen im Rennen: Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom. Die zog sich aber am Montag plötzlich aus dem Rennen um die Nachfolge Camerons zurück.

Cameron hatte nach seiner Niederlage beim Brexit-Referendum seinen Rücktritt erst für September in Aussicht gestellt. Am Montagnachmittag kündigte er nun an, dass seine letzte Kabinettssitzung schon an diesem Dienstag sein werde – und er am Mittwoch Königin Elizabeth II. seinen Rücktritt anbieten wolle.

Theresa May: 26 Jahre nach Margaret Thatcher wieder eine Frau in Downing Street 10. Foto: Shutterstock

Theresa May: 26 Jahre nach Margaret Thatcher wieder eine Frau in Downing Street 10. Foto: Shutterstock

May will auf jeden Fall Großbritannien in den Brexit führen. Es soll keine Versuche geben, „durch die Hintertür“ doch in der Union zu bleiben. „Brexit bedeutet Brexit – und wir werden einen Erfolg daraus machen“, betonte die 59-Jährige.

May hatte während des Brexit-Wahlkampfs für den Verbleib in der EU plädiert, sich aber mit ihrer Meinung geschickt zurückgehalten – jetzt präsentiert sie sich als Versöhnerin, die die tief zerstrittene Partei einigen könne. May tritt aber auch für Änderungen beim Thema Einwanderung ein – in der Frage gilt sie als Hardlinerin.

Für den deutschen Fernsehsender n-tv ist May so etwas wie die Angela Merkel von Großbritannien: „Eine Pfarrerstochter, die spröde und nüchtern agiert, doch immer genau weiß, wo sie hin will. Wie Merkel war auch May in der Krisenzeit ihrer Partei Generalsekretärin, wie Merkel verteilte auch May politische Wundsalbe, wie Merkel setzte sich auch May gegen allerlei Macho-Männer mit kühler Zielstrebigkeit durch.“

Auch die italienische Zeitung „La Repubblica“ sieht in Theresa Merkel eine britische Angela Merkel: „Wie Merkel ist Theresa May Tochter eines protestantischen Pastors. Wie Merkel hat sie keine Kinder. Wie Merkel liebt sie den Urlaub in den Bergen. Und wie Merkel ist sie eher pragmatisch als idealistisch, eher konkret als charismatisch.“

David Cameron tritt am Mittwoch als britischer Premier zurück. Foto: Shutterstock

David Cameron tritt am Mittwoch als britischer Premier zurück. Foto: Shutterstock

Von ihrem Outfit ist die designierte englische Premierministerin indes ganz anders ausgerichtet als die biedere, fast immer in Hosenanzügen auftretende deutsche Kanzlerin. „Besonders ihre extravaganten Schuhe haben es der Boulevardpresse angetan – und könnten zu ihrem Markenzeichen werden“, schrieb Spiegel Online: „Kniehohe Lackstiefel, nietenbesetzte Slipper, bunte Ballerinas, Pumps mit Zebramuster: Theresa May liebt Schuhe. Soweit so normal. Doch weil die 59-Jährige seit sechs Jahren britische Innenministerin ist und nun Premierministerin wird, ist ihr Erscheinungsbild häufig Thema in der britischen Öffentlichkeit.

Zu Mays Modestatements gehören Kleider und Kostüme in, zumindest für Politiker, grellen Farben. Auch greift sie gerne zu großflächigen Mustern. Mays Geschmack ist so extravagant, dass ihr Äußeres bei Twitter und in der britischen Boulevardpresse gern diskutiert wird. Zuletzt war es ein rotes Kleid, das vielen Beobachtern zu freizügig war.“ (cre/dpa/spiegel.de)

Siehe auch Artikel „Großbritannien: 26 Jahre nach Margaret Thatcher wieder Frauenpower in Downing Street 10“

6 Antworten auf “Theresa May: Ist sie die Angela Merkel von Großbritannien?”

  1. http://www.welt.de/wirtschaft/article156998920/Briten-droht-der-schnelle-Exodus-ihrer-Job-Elite.html
    Einer Stepstone-Umfrage zufolge planen Hunderttausende Fachkräfte, Großbritannien den Rücken zu kehren. Viele sind bereits dabei, ihren Jobwechsel zu organisieren. Die meisten wollen nach Deutschland.
    …..
    Das Brexit-Votum hat bereits jetzt, wenige Wochen nach der historischen Abstimmung, Auswirkungen auf den britischen Arbeitsmarkt. Allein in der Woche nach dem 23. Juni ging die Zahl der freien Stellen landesweit um fast 700.000 zurück, zeigen Zahlen der Unternehmensberatung CEB.

    Demnach waren in der Woche vor dem Referendum fast 1,5 Millionen freie Stellen ausgeschrieben. Davon blieben weniger als 820.000 übrig – ein massiver Rückgang, variiert die Zahl der verfügbaren Stellen nach Angaben von CEB doch üblicherweise höchstens um fünf bis zehn Prozent.

    Dieser Trend wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen: Ein Viertel der britischen Firmenbosse plant laut einer Umfrage des Institute of Directors (IoD), nach dem Brexit-Votum vorerst keine neuen Mitarbeiter einzustellen. Fünf Prozent wollen schon jetzt Stellen streichen.
    ….
    GB begeht wirtschaftlichen Selbstmord!

    • Wirtschaftlichen Selbstmord und völkerrechtlichen Selbstmord. Nicht nur droht Schottland sich abzuspalten, auch Nordirland und Gibraltar könnten diesen Weg einschlagen, sogar London ist im Gespräch – dort waren in einer Umfrage vom 1.–6. Juli nur noch 32% für den Status quo der Stadt, die viel zu bieten und viel zu verlieren hat. Oder Nordirland sieht ein Wiederaufleben des Bürgerkriegs zwischen Königstreuen und Irlandtreuen. Oder Gibraltar wird ein spanisch-britisches Kondominium. Im Moment scheint nichts mehr ausgeschlossen.

      Auf Abspaltungen als Präzedenzfälle warten die Katalanen natürlich schon, ebenso die Korsen, die Padanier, nicht wenige Flamen und und und.

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