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Stirbt die Tageszeitung?

Es ist ein Thema, über das in der heutigen Welt der Medien nicht oft und vor allem nicht gerne berichtet wird. Zum Teil dramatische Auflagenverluste und Mindereinnahmen im Bereich der Werbung lassen Zeitungsverleger aufschrecken. Fieberhaft suchen sie nach Auswegen aus der Krise. Im Internet werden mittlerweile vermehrt Bezahlschranken eingeführt. Doch sind die Leser überhaupt bereit, für Informationen im Netz zu zahlen?

Der Schweizer Medienforscher Kurt Imhof hat diesbezüglich Zweifel. „Die Verleger haben stark am Schaden der Zeitung mitgearbeitet“, sagt Imhof: „Sie haben Nachrichten gratis zur Verfügung gestellt. Sie stellen es auch gratis zur Verfügung in Form von Gratiszeitungen. Das bedeutet, dass das Preisbewusstsein beim Publikum für Journalismus gefallen ist. Das Publikum hat das Gefühl: Journalismus ist etwas, das ich gratis bekommen muss. Gleichzeitig ist aber auch das Qualitätsbewusstsein gefallen, sowohl auf Verlegerseite als auch auf Publikumsseite.“

Handy und Smartphone dominieren

Noch halten sich viele Zeitungen über Wasser, weil ihre Verleger die Hoffnung nicht aufgegeben haben, dass sich das Blatt doch noch zum Guten wendet. Sie übersehen aber, dass sich mit dem Internet das Leseverhalten komplett geändert hat. Im Gegensatz zu früher trifft man in Großstädten in der U-Bahn, in der Straßenbahn oder im Bus immer seltener Fahrgäste an, die Zeitung lesen. Die Zahl derjenigen, die ihr Handy benutzen oder ihr Smartphone bedienen, wächst und wächst.

Lange Zeit haben die Zeitungen vom sogenannten „demografischen Wandel“ profitiert, also von der stetig höheren Lebenserwartung, wodurch mehr Leser länger an die gute alte Tageszeitung gebunden wurden. Doch ist dieser Effekt inzwischen aufgebraucht. Und von der heranwachsenden Generation weiß man, dass sie immer weniger liest – schon gar nicht eine Zeitung. Da können Zeitungsverleger noch so viele Jugendseiten, Jugendbeilagen und Jugendhefte anbieten, Abonnent wird man dadurch nicht unbedingt, so löblich diese Initiativen auch sind.

Kurzum, die Medienwelt muss sich neu erfinden. Jedoch vermag niemand zu sagen, wie lange es die Tageszeitung noch gibt. Eine Todesanzeige mehr ist sehr oft auch ein Leser weniger.

GERARD CREMER

 

42 Antworten auf “Stirbt die Tageszeitung?”

  1. Alemannia4ever

    Bezahlschranken sind doof. Wenn ich mich einmal an Gratis-Lektüre gewöhnt habe, dann werde ich nicht von heute auf morgen für vermeintlich mehr Lektüre bezahlen. Das Wichtigste wird eh in Anreißermeldungen und guten Schlagzeilen vermittelt.
    Und wenn ich richtig gute Zeitungslektüre brauche, dann lade ich mir den Soir, die Süddeutsche oder die Zeit auf mein Tablet – und gut ist.
    Ich ertappe mich schon seit Längerem dabei, dass ich in meiner abonnierten Heimatzeitung nur noch das regionale Geschehen lese: Auslandsgeschehen, Sport, Politik, Kultur, etc. habe ich tags vorher schon im Internet gelesen bzw. im Radio gehört oder im Fernsehen gesehen.
    Ich glaube auch nicht, dass man mit schönen Beilagen über Jugendtehmen, Motorsport, etc. die unter 30-Jährigen zu einem Zeitungsabonnement bewegen kann. So traurig das auch ist.
    Wir leben halt in einer Welt mit einer veränderten Lesekultur, einer veränderten WIssensvermittlung und Wissensaufnahme.

  2. Zappel Bosch

    Sie haben die Zeichen der Zeit jedenfalls richtig erkannt, Herr Cremer! Nochmals Glückwunsch. Aber reicht die Akquise von Werbekunden denn aus, oder haben Sie noch andere Förderer? Geht mich/uns ja eigentlich nichts an…

  3. Mischutka

    @Alemannia4ever schreibt meiner Meinung nach schon perfekt : Auch ich würde NIE UND NIMMER für Artikel im Internet auch nur 1 Cent ausgeben, für den ich bezahlen muss. Insbesondere, da man DIE GLEICHEN Berichte überall sonstwo im Internet GRATIS lesen kann ! Alles, was unsere Ostbelgische Heimat betrifft, lese ich hier bei OBdirekt, perfekt geschrieben ! Wenn ich Nachrichten aus Belgien lesen möchte, gibt es genug belgische Tageszeitungen im Netz – oder man orientiert sich in deutschen, namhaften Zeitungen – GRATIS. Für den Wetterbericht gibt es -zig Seiten, für Film/TV Auch (z.B. auf Promi-Flash de.) – für den Sport auch – für die Damen Modemagazine, dann Gesundheit-Journals, Gratisspiele für Jung und Alt usw…usw…
    Freunde/Bekannte/Nachbarn und ich, wir haben schon OFT darüber gesprochen, WIE jemand auf die „Super-Idee“ kommen konnte, diverse Beiträge in der „Deutschsprachigen Tageszeitung in Ostbelgien“ KOSTENPFLICHTIG zu machen… wo es, wie gesagt, DAS GLEICHE überall GRATIS gibt !
    Ein Vergleich : KEIN normaler Mensch würde je auf die Idee kommen, sein Brot bei einem Backer für (z.B.) 2 € zu kaufen, wenn es DAS GLEICHE Brot genau nebenan GRATIS geben würde !
    Einen schönen „Sommertag“ wünscht ALLEN : euer Mischutka.

  4. Zappel Bosch

    Sie haben Recht, Mischutka. Ich bleibe trotzdem GE-Abonnent bzw. „Förderer“, denn wenn das GE noch verschwindet, der BRF durch 100,5 ersetzt wird, dann bleibt uns nur noch OD für unabhängige und kritische Berichterstattung…
    Obwohl, seit sich das GE an Proma AG bzw. regioMedien AG mit 5% beteiligt hat (sich beteiligen hat müssen?), habe ich qua Unabhängigkeit auch so meine Bedenken…
    Bald sind wir LL (Lambertz-Land) ;)

  5. Ich komme aus der Zeitungsbranche. nie würde ich einen Cent für Artikel im Internet bezahlen. Das GE und Bild machen das ja seit kurzem auch so, darum umgehe ich, wie auch andere, diese Seiten.
    Und ja die Druckindustrie ist mehr als nur krank, Ebooks sind auch im kommen. Unzählige Druckereien pleite und das Sterben geht munter weiter.

      • die wahrheit

        Lieber malnurso, viele wollen aber dieses Blatt und ich auch. Und ich bezahle gerne diese Abo. Man muss ich aber auch mal die Frage stellen, wie viel Arbeit steckt hinter einer Zeitung. Kann man wirklich vom GE verlangen so gut zu sein wie die „Laatste Nieuws“? f. Das GE hat vielleicht eine Auflage von 12000 und die LN mehr als 200 000. Der Aufwand ist der GLEICHE, nur muss das GE über viel weniger Mittel auskommen.

  6. Kopfschüttel...

    Zitat von Kurt Imhof: „Das Publikum hat das Gefühl: Journalismus ist etwas, das ich gratis bekommen muss. Gleichzeitig ist aber auch das Qualitätsbewusstsein gefallen, sowohl auf Verlegerseite als auch auf Publikumsseite.”

    OD ist ein beredtes Beispiel für die Richtigkeit dieser Aussage.

  7. Réalité

    wenn man das Grenz-Echo mit anderen Tageszeitungen vergleicht,dann ist das Blatt mangelhaft!Habe es seit einiger Zeit abbestellt!Mir sind vor allem die vielen Vereins-und Regionalartikel überflüssig!Diese interessieren ja nur die jeweiligen Mitglieder.Da fehlt vor allem die Sparte Politik,Allgemeines u Sport!Und dann diese Monatsausgaben!Viel zu bunt und Reklameblattmässig das ganze.Kein Wunder das sie so viele Leser verlieren.Im allgemeinen ist der Zeitungsmarkt sehr rückläufig.Siehe Verkäufe vom Springer Verlag letzter Tage.

    • Zappel Bosch

      Dass Springer die Zeitungen kurz vor bzw. mitten in der Zeitungskrise noch losgeworden ist, kann ich nicht verstehen…

      Die meisten abonnieren oder kaufen doch das GE gerade wegen der Regional- und Vereinsnachrichten. Auch wegen der Todesanzeigen… Und für die, die nicht im Internet unterwegs sind, ist der Rest (große Politik und Anderes) m.E. ausreichend vertreten. Bei Interesse darüber hinaus kauft man sich ohnehin (noch) eine andere Zeitung.
      Ich bleibe Abonnent des GE, als Unterstützung für diese Zeitung und hoffe dass sie die Turbulenzen übersteht. Die kostenpflichtigen Beiträge im Internet werden das langfristig nicht alleine schaffen.

    • @ „Réalité,

      Mit vielen Beiträgen, die Sie hier bringen, bin ich größtenteils einverstanden, mit dem obigen betr das.Grenz-Echo, jedoch nicht.
      Wollte Ihnen meine Sicht der Dinge schildern, da sehe ich gerade den Beitrag von Zappel Bosch.
      So sehe ich das auch und brauche es demnach auch nicht nochmals zu erwähnen

    • Kopfschüttel...

      Und was wäre OD ohne das so verhasste Grenz-Echo? In wieviel OD-Beiträgen steht: „Wie das Grenz-Echo berichtet, …“? Wo ist z.B. der Burka-Artikel erschienen, über den den sich die hier versammelte Schar der Gut- und Wutbürger in epischer Breite auslassen kann? Ohne Grenz-Echo müsste G. Cremer selbst nach bester Walraff-Manier mit einer Burka bekleidet durch die Eupener Unterstadt spazieren.

        • Mischutka

          @ Kopfschüttel…. :
          Bitte nicht böse sein : aber es steht in jeder Zeitung (oder Internet-Zeitung) fast immer bei den Artikeln „wie …. berichtet“ – sogar in der Tagesschau, Heute-Journal usw. heisst es immer : „wie …. heute schrieb…usw. Das ist absolut korrekt !
          Am lustigsten fand ich die Bemerkung, der gute G.Cremer müsste selbst mit einer Burka bekleidet durch die Eupener Unterstadt spazieren…. Nun, wenn er jetzt einen Bericht über die AS Eupen (z.B.) schreibt, muss er dann beim nächsten Spiel mitspielen ? Oder, bei einem Bericht über Schulen evtl. noch selbst unterrichten gehen ? Oder bei einem Bericht über Autorennen mitrasen ? Oder beim Artikel über die Prügelei am Bushof auch noch selbst mitboxen ?
          MfG……und noch einen schönen Tag !

          • Kopfschüttel...

            Klar ist das korrekt. Wenn man allerdings bei OD die Artikel weglässt, in denen „wie das GE berichtet“ steht, bleibt nicht viel übrig.

            OD wird sich z.B. damit brüsten, wieviel Posts es unter dem Burka-Artikel gibt. Aber wenn das GE diese Aktion nicht gestartet hätte, müsste G. Cremer – wenn er darüber berichten will – eine solche Aktion selbst starten.

            Aber wie wird Kurt Imhof im obigen Artikel zitiert: “Gleichzeitig ist aber auch das Qualitätsbewusstsein gefallen, sowohl auf Verlegerseite als auch auf Publikumsseite.”

            • Mischutka

              @ Obsolet : Das hast du EXTRA-SUPER GUT geschrieben ! Dem ist nun wirklich nichts hinzu zu fügen. Und viele “freuen“ sich darauf, hier ihre Meinung zu äussern !
              MfG. und einen guten Start in die Woche….
              (Entschuldigung, ich habe hier das Ende der Nachrichten von N24 zitiert…. (:-) ).

      • Nein das braucht Herr Cremer nicht. Das Geschäftsmodell alternativer Medien nährt sich zum grossen Teil aus den Fettnäpfchen der etablierten Medien und Politiker (man lege den Finger in die Wunde), dicht gefolgt von den Spucknäpfen der Leserbriefschreiber, die heute keine Führescheinprüfung bestehen würden.

        OD besetzt eine Marktnische, die schon lange überfällig war. Ich kann ihm nur zu seinem Projekt gratulieren.

  8. Werner Pelzer

    Die gedruckte Zeitung wird wohl über kurz oder lang verschwinden und mit ihr der gute Journalismus. Die Jugend liest nicht mehr und die alte, treue Leserschaft stirbt eines Tages aus.

  9. Ich hatte früher immer den Spiegel, die Zeit, la libre, die FAZ und häufig auch noch le soir, de standaard, manchmal die süddeutsche und die gar nicht dazu passenden Exemplare konkret und le monde diplomatique regelmäßig zuhause.
    Mein zuhause war ein Zeitungsarchiv. Meine Mutter bekam das GE, das ich heuchlerichescher Weise nie las, (diese Bildzeitung für Ostbelgier), aber wundersamer Weise schon durchgelesen hatte, bevor sie die erste Seite las.
    Ich war ein Zeitungsjunkie, teilweise hat mir das Internet von dieser „Sucht“ geholfen, aber vor allem die sinkende Qualität, die aus zwei Aspekten bestand:
    Immer weniger eigene Artikel, stattdessen Argumenturmeldungen und die nachlassende Objektivität, die dadurch ersetzt wurde, dass irgenwelche Journaliten anfingen andere Menschen erziehen zu wollen.

  10. Es reicht!

    Würde mir wünschen dass OD von der drastischen Immobiliensteuererhöhung durch die Provinz berichten würde.
    Titel könnte lauten : „Lohnt sich in Belgien Eigentum noch?“

    Anstatt hier über Burkas zu debattieren. Die Immobiliensteuer betrifft doch gerade in Ostbelgien fast alle Arbeiter und Angestellten?

  11. Käthepopäthe

    Das Printmedium Tageszeitung wird, so hoffe ich, nicht aussterben. Wohl eher wird sie zum Luxusgut. Onlinemedien bedienen ein ganz anderes Publikum, und bieten eine ganz andere Art von Journalismus, schneller, knackiger. Das bedeutet lediglich, dass Verlage ihr Angebot anpassen und auf Onlinebereiche ausdehnen, nicht aber ihr ursprüngliches Geschäftsfeld aufgeben müssen. Dass manche Menschen für die Leistungen, die Journalisten erbringen, sei es online oder print, nicht zu zahlen bereit sind, finde ich mehr als arm. „Wenn ich dafür zahlen muss, dann lese ich es nicht mehr“ – Darüber kann ich nur lachen. Arbeit soll bezahlt werden.
    Wer sich beschwert, das GE biete zu wenig „Aus aller Welt“, der sollte sich bewusst werden, dass es sich um eine regionale Tageszeitung handelt, die ihr Augenmerk wohl auf das Regionale legt.
    Und noch etwas: Ich finde es ziemllich amüsierend, wie hier einige Leser zu ALLEM ihren Senf hinzu geben müssen – Danke dafür.

  12. Ob eine Zeitung nun stirbt oder nicht, hängt auch viel von denn jeweiligen Mitarbeiter dieser Zeitung ab. Und dazu gehören nun mal die Journalisten, sind diese fähig, forschend, kritisch oder nicht. Von diesen sogenannten Journalisten sieht man im Grenz-Echo rein gar nichts. Diese Personen sind eher arrogant oder provozierend aber selten selbstkritisch. Daher wird das Grenz-Echo auch wenn es die einzige deutschsprachige Zeitung in Ostbelgien ist, sich wohl nie mit eigenen Mitteln selbst finanzieren können. Brauchen wir überhaupt das Grenz-Echo? Ich denke nein, weil alles Wissenswerte wir doch sowieso frei Haus geliefert bekommen, und wir brauchen auch keinen Sportjournalisten der täglich einige Seiten des Grenz-Echo über die KAS Eupen füllt (oder hat der Katar sich das Grenz-Echo schon einverleibt). Daher werde ich das Abo. dieser Zeitung auch nicht mehr verlängern.

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