Leute von heute

Ryanair nach Streichung von Flügen in der Kritik

Ryanair-Chef Michael O'Leary äußert sich bei einer Pressekonferenz in Berlin. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Billigflieger Ryanair ist wegen der Streichung von Flügen heftig in die Kritik geraten. Die EU-Kommission mahnte die Iren am Montag, die europäischen Verbraucherrechte der Passagiere zu achten. Diese hätten bei der Absage eines Flugs eine Reihe von Ansprüchen, sagte ein Sprecher der Kommission in Brüssel.

Auch die belgische Verbraucherschutz-Organisation Test-Achats protestierte. Ryanair versäume es, die Passagiere korrekt zu informieren. Zusammen mit Verbraucherschutz-Organisationen in Italien, Spanien und Portugal gibt Test-Achats der Billigairline eine Woche Zeit, um die Versäumnisse zu beheben. Andernfalls werde man rechtliche Schritte einleiten, hieß es bei Test-Achats.

Laufen Airline Piloten weg?

Gleichzeitig wurden Zweifel an den von Ryanair vorgebrachten Begründungen laut. Statt einer verfehlten Personalplanung könnten nach Ansicht von Experten auch massenhafte Kündigungen von Piloten oder eine strategische Entscheidung zur Air-Berlin-Insolvenz hinter den Flugstreichungen stehen.

Ryanair hatte vergangene Woche angekündigt, täglich bis zu 50 ihrer mehr als 2.500 Flüge zu streichen. Bis Ende Oktober wären das insgesamt rund 2.000 Verbindungen. Offizielle Begründung des Unternehmens: Man wolle die eigene Pünktlichkeit verbessern und müsse zudem Urlaubsansprüche der Crews berücksichtigen.

Ein Flugzeug vom Typ Boeing 737-800 der Fluggesellschaft Ryanair fährt in Hamburg über das Vorfeld. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Ryanair-Chef Michael O’Leary rechnet mit einem negativen Ergebniseffekt von „unter 5 Millionen Euro“, wie er am Montag auf einer Analystenkonferenz in London sagte. Die Ausgleichsansprüche bezifferte der Manager auf bis zu 20 Millionen Euro. O’Leary räumte ein, dass die Streichungen das Image von Ryanair beschädigen könnten.

Die Piloten will Ryanair mit einem „Loyalitätsbonus“ bei der Stange halten. Wie O’Leary weiter sagte, würden Konkurrenten um die Piloten von Ryanair buhlen – es gebe jedoch keinen Personalengpass. Die deutsche Gewerkschaft Vereinigung Cockpit teilte hingegen der „Mitteldeutschen Zeitung“ mit, dass Ryanair-Piloten massenhaft das Weite suchten und bei anderen Gesellschaften anheuern wollten.

Nach einschlägigen EU-Regeln aus dem Jahr 2004 müssen Fluglinien ihre Kunden mindestens zwei Wochen vor Abflug über eine Streichung informieren. Ist die Frist kürzer, müssen sie den Passagieren eine neue Verbindung anbieten.

Lauert Ryanair auf Air Berlin?

Je weniger Zeit bis zum gebuchten Abflug bleibt, desto weniger Spielraum hat die Airline: Werden Kunden weniger als sieben Tage vorher unterrichtet, darf der Ersatzflug nicht mehr als eine Stunde früher abgehen und nicht mehr als zwei Stunden später ankommen als die ursprünglich gebuchte Verbindung.

Schafft die Fluglinie das nicht, muss sie den Kunden entschädigen, wie die Kommission klarstellte. Man erwarte, dass sich Ryanair daran halte, sagte der Sprecher. Für die Durchsetzung der Rechte zuständig seien aber nationale Behörden.

Ein Luftfahrtexperte sieht die vorgebrachten Gründe für die Flugausfälle als womöglich nur vorgeschoben an: Ryanair bereitet sich nach Einschätzung von Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne auf den möglichen Fall vor, dass die insolvente Air Berlin ihren Flugbetrieb aus Geldmangel vorzeitig einstellen muss. (dpa/cre)

 

  1. Johann Klos

    Na ja , also nach meinem Wissensstand sind um die 150 Piloten von Ryan Air zur Norwegian Air gewechselt.
    Nun gibt es ja einige tausend arbeitlose Piloten aber man muss ja zuerst mal wieder einige davon einstellen.

    • Wo gibt es denn „tausende arbeitslose Piloten“? Das genaue Gegenteil ist der Fall! Der Flugverkehr nimmt stetig zu. Und deshalb wird überall auf der Welt händeringend nach Piloten gesucht. Das Problem dabei ist, dass die Pilotenausbildung, zumindest bei Berufspiloten, sauteuer ist. Die macht niemand mal einfach so wie einen Autoführerschein! Viele Berufspiloten machen ihre Ausbildung bei einer Fluggesellschaft und müssen hinterher dann entweder jahrelang für genau diese Gesellschaft fliegen oder halt ihre gesamten Ausbildungskosten zurückzahlen. Und selbst, wenn es arbeitslose Piloten gäbe, dürften die nicht so einfach für Ryanair fliegen. Die meisten Piloten müssten zuerst mal das Typrating für die, von Ryanair ausschließlich genutzte, Boeing 737 machen. Und wenn sie länger arbeitslos waren, und damit ihre Mindestflugstunden nicht zusammenbekommen haben, ist deren Lizenz abgelaufen. Dann geht es zuerst mal zur Nachschulung. Man kann also einen arbeitslosen Piloten nicht mal so eben einstellen wie einen Handwerker oder eine Bürokraft!

      Das „Pilotenproblem“ von Ryanair dürfte aber viel wahrscheinlicher strategischer Natur sein. In dem Moment, wenn Air Berlin den Flugbetrieb einstellt, werden deren Flugstreckenrechte neu vergeben. Und die kann eine andere Fluggesellschaft nur dann übernehmen, wenn sie die auch sofort bedienen kann. Und dazu braucht man halt „freie“ Kapazitäten, die sofort einsatzbereit sind.

        • Klar gibt es so etwas. Wer noch nicht First Officer ist, befindet sich sehr wahrscheinlich noch in der Ausbildung und verdient sich so etwas dazu. Aber wer bei der LH kurz davor ist, First Officer zu werden, wird garantiert nicht zu Ryanair wechseln. Ryanairs 737-800 NG dürfte der sowieso nicht fliegen, weil es die bei der LH nicht gibt und er somit auch keine Typzulassung dafür hat. Ich würde mich aber nicht mal wundern, wenn bei der LH ein Flugbegleiter mehr verdient als ein Interimpilot (und das ist ja die Mehrheit der Ryanairpiloten) bei Ryanair.

Hinterlasse eine Antwort

Desktop Version anfordern