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RTL holt Pinar Atalay von den „Tagesthemen“ der ARD

31.01.2019, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Moderatorin Pinar Atalay kommt zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2019. Die „Tagesthemen“-Moderatorin Pinar Atalay wechselt zum 1. August zum Privatsender RTL. Foto: Henning Kaiser/dpa

Erst Jan Hofer zu RTL, dann Linda Zervakis zu ProSieben – jetzt legt RTL nach. Bekannte ARD-Nachrichten-Journalisten wechseln zu den privaten TV-Sendern. Ein Trend?

Die „Tagesthemen“-Moderatorin Pinar Atalay wechselt zum 1. August zum Privatsender RTL. Das gab RTL am Dienstag in Köln bekannt. Per Video in die RTL-Pressekonferenz zugeschaltet, sagte die 43-Jährige, sie freue sich auf eine neue Herausforderung.

Atalay werde den Ausbau der Informations- und Nachrichtenangebote in zentraler Rolle mitgestalten. Die Journalistin wurde in einer Mitteilung zitiert: „In diesen politisch spannenden Zeiten wird das journalistische Profil von RTL weiter gestärkt, und ich freue mich, daran teilhaben zu dürfen.“ Sie wolle mit ihrer Erfahrung als TV-Journalistin und Moderatorin dem steigenden Informationsbedürfnis der Zuschauer gerecht werden, mit Qualitätsjournalismus, der für die Gesellschaft unabdingbar sei.

14.12.2020, Berlin: Jan Hofer, Chefsprecher der „Tagesschau“, liest die Nachrichten in seiner letzten Sendung. Foto: –/ARD/dpa

In einem Statement von Marcus Bornheim, Erster Chefredakteur ARD-aktuell, hieß es: „Das ‚Tagesthemen‘-Moderationsteam mit Caren Miosga und Ingo Zamperoni wurde durch Pinar Atalay journalistisch wie menschlich bereichert. Wir wünschen ihr alles Gute.“ Zu einer möglichen Nachfolge wurde zunächst nichts bekannt.

Von außen mutet das an wie einer kleiner Trend, weil es sich die Personalien in relativ kurzer Zeit häufen: Vor längerem hatte RTL bekanntgemacht, dass der frühere „Tagesschau“-Chefsprecher Jan Hofer eine Nachrichtensendung bekommt. Die Details dazu sind noch nicht bekannt.

Hofer ging im Dezember nach rund 36 Jahren bei der „Tagesschau“ der ARD als quotenstärkster Nachrichtensendung zur besten Sendezeit in Deutschland mit 68 Jahren in den Ruhestand.

Der Konkurrenzsender ProSieben in Unterföhring bei München überraschte dann damit, dass „Tagesschau“-Sprecherin Linda Zervakis dort anheuerte. Sie interviewte bereits den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD). Und jetzt wieder RTL mit Pinar Atalay.

27.04.2021, Hamburg: Das Standbild der „Tagesthemen“-Sendung vom 26.04.2021 zeigt „Tagesthemen“-Moderator Ingo Zamperoni, der Moderatorin Linda Zervakis in ihrer letzten Sendung mit einem Blumenstrauß verabschiedet. Foto: –/ARD/dpa

Damit holen sich private TV-Sender prominente Nachrichtenjournalisten von ARD-aktuell in Hamburg, die für Seriosität und Verlässlichkeit stehen – und zugleich einem Millionenpublikum bekannt sind in Deutschland.

Die Personalien passen zusammen mit der Strategie in beiden Medienhäusern Mediengruppe RTL Deutschland und ProSiebenSat.1, das eigene Nachrichtenangebot im Programm zu stärken. ProSiebenSat.1 will ab 2023 seine Nachrichtensendungen selbst produzieren und baut dazu eine Nachrichtenredaktion auf.

Und der Geschäftsführer von RTL News, Stephan Schmitter, sagte über Atalay als nun zweiten Neuzugang von der ARD: „Sie ist eine Topjournalistin mit Haltung und großer Ausstrahlung. Ein Familienmensch mit einem spannenden Lebensweg, warmherzig und neugierig. Gemeinsam mit Peter Kloeppel und Jan Hofer wird sie zukünftig unsere Nachrichtenformate, Spezialsendungen und Themenabende prägen und unseren Zuschauerinnen und Zuschauern die komplexen Zusammenhänge der Welt verständlich erläutern und einordnen.“

Das erste Projekt steht schon fest: Am 29. August wird Atalay laut RTL gemeinsam mit RTL-Nachrichten-Anchorman Peter Kloeppel das Kanzlerkandidatengespräch zwischen Armin Laschet (CDU), Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) moderieren. (dpa)

5 Antworten auf “RTL holt Pinar Atalay von den „Tagesthemen“ der ARD”

  1. delegierter

    also dass sich solche „seriösen“ Leute zu so einem Werbesender locken lassen, das kann ja wohl nur an der Gage liegen. Werde trotzdem nicht da rein schauen wegen der vielen Allways-Werbung.
    Was will ein Jahn Hofer mit fast 70 noch da? Die Zielgruppe des Senders liegt bei weit U-50.
    Will er da aus der „Rentner-Bravo“ sprich Apotheken-Rundschau vorlesen oder was.
    Außerdem nimmt er anderen jungen Leuten den Job weg.

  2. Krisenmanagement

    Ich kann diese Leute gut verstehen. Von Journalismus kann bei den öffentlichen rechtlichen in Deutschland und auch in Belgien keine Rede mehr sein. Das Lied der Regierung musste gesungen werden. Oberlehrer der Nation zu sein macht keinen Spass.

    • Die private Meinung eines Journalisten interessiert ja auch keinen. Die Nachrichten müssen fundiert und recherchiert sein. Sehr wohl dürfen Journalisten kritische Fragen stellen. Und das tun sie auch.

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