Kultur

Rolling Stones begeistern in Brüssel – fast auf den Tag genau 60 Jahre nach ihrem ersten Konzert in London

11.07.2022, Belgien, Brüssel: Sänger Mick Jagger (l) und Gitarrist Keith Richards, Mitglieder der britischen Band Rolling Stones, treten während des Konzerts im Rahmen der „Stones Sixty Europe 2022“-Tournee in Brüssel auf. Foto: Eric Lalmand/BELGA/dpa

Fast auf den Tag genau 60 Jahre nach ihrem allerersten Konzert in London traten die Rolling Stones am Montagabend in Brüssel auf. Millionen Fans von Mick Jagger & Co. sind heute in Rente oder schon gestorben – die Stones sind immer noch da.

Am Vortag ihres Auftritts im König-Baudouin-Stadion hatte Mick Jagger einen Spaziergang durch die belgische Hauptstadt unternommen und einige Fotos auf Twitter gepostet (siehe Tweet unten). Vor 46 Jahren war die legendäre Band das letzte Mal in Brüssel aufgetreten, damals in Forest National.

Seine berühmten Tanzbewegungen hatte Jagger noch nicht drauf, als die Band am 12. Juli 1962 in London ihr erstes Konzert gab.

11.07.2022, Belgien, Brüssel: Mick Jagger, Sänger der britischen Band Rolling Stones, tritt während des Konzerts im König-Baudouin-Stadion auf. Foto: Eric Lalmand/BELGA/dpa

Keith Richards hat gute Erinnerungen an jenen denkwürdigen Auftritt. „Ich weiß noch, wie ich das Gefühl hatte, dass ich in einem großen Stadion spiele“, erzählte der Rolling-Stones-Gitarrist der Deutschen Presse-Agentur. „Das Marquee war ungefähr der größte Club in London zu der Zeit. Und wir hatten vorher im Prinzip nur in Garagen gespielt.“

60 Jahre ist der historische Auftritt im Marquee Club nun her, bei dem die Band erstmals als „The Rollin‘ Stones“ auftrat, angeblich sogar als „Mick Jagger and The Rollin‘ Stones“. Dieser Abend im Londoner Stadtteil Soho war der Startschuss für eine unvergleichliche Rock’n’Roll-Karriere, die bis heute andauert.

Der Auftritt von Montag in Brüssel war Teil der „Sixty“-Jubiläumstour. Nach dem Tod ihres Drummers Charlie Watts im vergangenen Jahr präsentieren sich die überlebenden Stones Mick Jagger (78), Richards (78) und Ronnie Wood (75) immer noch voller Energie.

Im Sommer 1962 waren weder Wood noch Watts dabei. „Wir schummeln ein bisschen“, befand Jagger 2012 zum 50. Jubiläum im Magazin „Rolling Stone“. „Denn es ist ja nicht dieselbe Band, aber immer noch derselbe Name. Nur Keith und ich sind noch dieselben Leute.“

Die junge Band bestand aus Jagger (Gesang), Richards (Gitarre), Brian Jones (Gitarre), Ian Stewart (Klavier) und Dick Taylor (Bass).

11.07.2022, Belgien, Brüssel: Sänger Mick Jagger (l) und Gitarrist Ronnie Wood, Mitglieder der britischen Band Rolling Stones, treten während ihres Konzerts in Brüssel auf. Foto: Eric Lalmand/BELGA/dpa

Darüber, wer im Marquee am Schlagzeug saß, wird bis heute diskutiert. Mitunter ist zu lesen, dass es Tony Chapman war, der damals häufig für die Gruppe trommelte. Laut Keith Richards und Stones-Biograf Christopher Sandford war es Mick Avory. Fotos, die das klären könnten, gibt es offenbar nicht. Watts, der sich schon im Dunstkreis seiner späteren Kollegen bewegte, stieß ein halbes Jahr später dazu, gab den Rolling Stones ihren Rhythmus und spielte fortan auf jedem Album der Gruppe. Wood folgte erst 1975.

Den ersten Auftritt verdankten die Rolling Stones ihrem Weggefährten und Unterstützer Alexis Korner und dessen Band Blues Incorporated, die jeden Donnerstag im Marquee auftraten. Weil Korner eine Einladung der BBC annahm, wurde ein Ersatz für ihn gesucht. Jones soll den Inhaber des Marquee – damals ein Jazzclub – überzeugt haben, die Stones spielen zu lassen. Der Legende nach kam er dabei auch spontan auf den Bandnamen, inspiriert von Muddy Waters Song „Rollin’ Stone“.

Frühe Stones-Hits wie „(I Can’t Get No) Satisfaction“, „Get Off Of My Cloud“ oder „Paint It Black“ lagen da noch in der Zukunft. Und so gaben Jagger und Co. eine knappe Stunde lang amerikanische Rhythm-and-Blues-Klassiker zum Besten.

11.07.2022, Belgien, Brüssel: Mick Jagger, Sänger der britischen Band Rolling Stones, während des Konzerts in Brüssel. Auf seine Tanzbewegungen auf der Bühne mag er auch im Alter von 78 Jahren nicht verzichten. Foto: Eric Lalmand/BELGA/dpa

In seiner Autobiografie „Life“ erinnert sich Richards an „Dust My Broom“ (Elmore James), „Got My Mojo Working“ (Muddy Waters) und „Confessin’ The Blues“ (Jay McShann), das einige Jahre später auch auf der Stones-EP „Five By Five“ landete.

Dem Vernehmen nach erlebten die gut 100 unbeeindruckten Marquee-Gäste an jenem Abend noch nicht Jaggers Tanzbewegungen, die heute ebenso ikonisch sind wie das 1970 entwickelte „Tongue and Lips“-Logo der Band.

Der erst 18 Jahre alte Gitarrist Richards galt auch noch nicht als Personifizierung des Rock’n’Roll und trat fast förmlich in einem dunklen Anzug auf. Die Musiker, die für den Auftritt rund fünf Pfund pro Person erhielten, sollen nervös gewirkt haben.

Niemand konnte vorhersehen, dass aus dieser unerfahrenen Band eine der berühmtesten und erfolgreichsten Rockgruppen werden würde, ein Popkultur-Phänomen und eine Weltmarke, die 60 Jahre später Fans rund um den gesamten Globus begeistert. Auch die Rolling Stones selbst hatten an jenem 12. Juli keine Ahnung, aber immerhin ein Gefühl.

„Man spielt und denkt: Oh yeah!“, erinnerte sich Keith Richards in seiner Autobiografie. „Dieses Gefühl ist mehr wert als alles andere. Da ist dieser bestimmte Moment, wo du merkst, dass du den Planeten ein wenig verlassen hast, niemand kann dich berühren. Das ist wie Fliegen ohne Führerschein.“ (dpa/cre)

Zum Thema siehe auch folgenden Artikel auf OD:

13 Antworten auf “Rolling Stones begeistern in Brüssel – fast auf den Tag genau 60 Jahre nach ihrem ersten Konzert in London”

    • Jürgen Margraff

      Ich war da & hab zirka 200€ hingeblättert, fand das auch teuer – ABER, versuchen sie mal für 200€ eine gleich grosse Baukolonne arbeiten zu lassen – Tontechniker (Plural) & Toningenieur, Lichttechniker (Plural) & Lichtingenieur, Bühnenmonteure, Security, Rotes Kreuz, + die Musiker (Hintergrundsänger, Saxophonisten, Keyboard, etc pp) UND die Band – ein Arbeitgeber lacht sie aus wenn sie eine derartige Kolonne zu SO einem Preis haben wollen

  1. Kunigunde

    Und dann der Auftritt in diesem alten Schuppen von Heysel Stadion, shame you! Eine Blamage für unser Land, dass wir noch nicht mal ein einziges schönes, modernes und grosses Fussballstadion uns leisten!? Desaströs sowas! Schämt Euch, Regierung, Fussballverband und die Stadt Brüssel! Sowas kriegt sogar eine kleine Stadt wie Freiburg gebaut! Unglaublich, unverständlich? Die ganze Welt lacht uns aus!

    • Schämen sollten sich eher die, die „schöne, moderne und grosse Fussballstadions“ irgendwo hin pflastern. Unnötige Wahnbauten, die meistens leer liegen oder nach ein Paar Jahren wieder abgerissen werden.

  2. Peer van Daalen

    Ich habe die Stones fünf mal gesehen. War immer ein tolles Erlebnis. Das erste mal 1965 in der Berliner Waldbühne mit Papa zusammen. Da war ich gerade 13. Das letzte mal 2006 im Berliner Olympiastadion.

    Danach war mir klar, – ich hör auf damit, wenn es am schönsten ist.

    Charlie Watts war übrigens früher regelmäßig auf dem CHIO gewesen und hat in der Mayer´schen Pferdebücher gekauft.

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