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AS Eupen könnte erstmals mehr Punkte haben als Anderlecht – Rekordmeister kassiert weitere Niederlage

Anderlechts Spielertrainer Vincent Kompany im Spiel beim KRC Genk. Foto: Belga

AKTUALISIERT – Der RSC Anderlecht schlittert noch tiefer in die Krise. Der Rekordmeister kassierte am Freitagabend seine dritte Niederlage im fünften Spiel. Die „Veilchen“ verloren beim Titelverteidiger KRC Genk 0:1. Der erhoffte Neuanfang ist damit erst einmal misslungen.

Trotz der namhaften Verstärkungen, die im Sommer getätigt wurden, angefangen bei Spielertrainer Vincent Kompany, der auch mit 33 Jahren noch immer ein Abwehrspieler von internationaler Klasse ist, ist dem RSC Anderlecht in den ersten fünf Spielen kein Sieg gelungen.

In der Tabelle stehen die „Veilchen“ punktgleich mit der AS Eupen auf dem 13. Platz – bei jetzt sogar einem Spiel mehr, denn Eupen spielt erst am Sonntagabend in Mouscron. Anderlecht und Eupen haben nur zwei magere Punkt auf dem Konto – für Eupen nach Begegnungen gegen Antwerp, AA Gent und FC Brügge mehr oder weniger normal, aber für den 34-maligen Landesmeister Anderlecht?

Anderlecht-Boss Marc Coucke. Foto: Belga

Neben Kompany wurden auch noch Topleute wie der ehemalige französische Nationalspieler Samir Nasri und der belgische Nationalspieler Nacer Chadli verpflichtet. Beide wären ohne Kompany nie und nimmer in die Jupiler Pro League gewechselt. Trotzdem kommt Anderlecht nicht in die Gänge.

Unter all den Diskussionen, die es seit Saisonbeginn um den erfolgreichsten Fußballclub Belgiens gibt, steht eine wichtige Frage: Kann man auf hohem Niveau als Spielertrainer überhaupt funktionieren? Oder stellt diese Doppelfunktion eine Überforderung der Person, die sie ausübt, und auch der Mannschaft dar?

Nach der dritten Niederlage im fünften Spiel werden wahrscheinlich in der Führungsetage des Rekordmeisters um Marc Coucke grundlegende Zweifel aufkommen, ob der mit der Verpflichtung von Kompany eingeschlagene Kurs der richtige ist. Die Fans im Stadion von Genk verabschiedeten indes die Mannschaft am Freitagabend trotz der erneuten Niederlage mit Applaus. Sie glauben nach wie vor an den Erfolg des Projekts mit Kompany & Co.

Das Vereinswappen des RSC Anderlecht steht für eine glorreiche Vergangenheit. Heute spielt der RSC Anderlecht erstmals seit 56 Jahren nicht im Europapokal und befindet sich in der nationalen Meisterschaft im Tabellenkeller. Foto: Shutterstock

Übrigens könnte es an diesem 5. Spieltag der Jupiler Pro League zum ersten Mal überhaupt passieren, dass die AS Eupen, die den Spieltag am Sonntagabend zu Gast bei Excel Mouscron beschließt, mehr Punkte auf dem Konto hat als Anderlecht.

Dabei bestreitet Anderlecht zum ersten Mal seit der Saison 1963-1964 keinen Europapokal und kann sich damit erstmals seit 56 Jahren ganz auf die beiden nationalen Wettbewerbe konzentrieren. Bisher ist den „Veilchen“ diese Minderbelastung gar nicht gut bekommen.

Für Spielertrainer Kompany kam am Freitag noch erschwerend hinzu, dass sich der Spielertrainer in Genk in der 75. Minute verletzte und vom Feld musste. Wenn du kein Glück hast, kommt auch noch das Pech hinzu… (cre)

6 Antworten auf “AS Eupen könnte erstmals mehr Punkte haben als Anderlecht – Rekordmeister kassiert weitere Niederlage”

  1. OD könntenSie mir mal bitte die genaue Funktion von Kompany beim RSC Anderlecht erklären. Sie schreiben Spielertrainer und seit vorletzte Woche die Kapitäntsbinde übernommen. Es wurde Kompany als Spielmanager amAnfang zitiert aus dem Englischen dh Kapitän , Felice Mazzu ist doch Trainer vom RSC . Dann wird Kompany jetzt als Spielertrainer von Ihnen nominiert . Was ist er jetzt wirklich ? Für mich so wie er spielt hat er die Funktion als Pausenclown übernommen.

    • Ostbelgien Direkt

      @Opi: Vincent Kompany ist Spielertrainer, eher als Spielermanager (im englischen Sinne). Auf der Bank sitzt Simon Davies sozusagen als diensttuender Trainer, während Kompany auf dem Platz steht und spielt. Der Waliser Davies kommt von Manchester City, dessen Jugendakademie er bisher geleitet hat. Vor der Begegnung am Freitag in Genk ist allerdings entschieden worden, dass Davies während der 90 Minuten des Spiels alle taktischen Vollmachten hat und Kompany nur noch spielt. Auf dem Platz kannst du heute nicht mehr Spieler und Trainer in Personalunion sein, das hat Kompany inzwischen verstanden. Weil er sich in Genk verletzt hat, wird Kompany die nächsten 1,2 oder mehr Spiele nur noch Trainer sein können (u.a. beim „Klassiker“ gegen Standard Lüttich). Kompany hat bisher vor allem einen neuen Spielstil eingeführt, der aber noch nicht greift. Man will von hinten geordneten und gepflegten Fußball spielen (man spielt sich selbst im eigenen Strafraum den Ball zu), weshalb auch Ex-AS-Torhüter Van Crombrugge verpflichtet wurde, der mit dem Fuß besser spielt als Didillon. Anderlecht hat momentan zwei große Probleme: 1. Konditionell ist die Mannschaft nicht fit, was dazu führt, dass sie in der zweiten Halbzeit einbricht. 2. Es fehlt ein echter Mittelstürmer, der auch Tore macht. Andererseits ist die Mannschaft viel besser, als es der Punktestand vermuten lässt. Als neutraler Beobachter muss man übrigens hoffen, dass das Projekt Kompany gelingt, weil diese Art Fußball, wie sie Kompany vorschwebt und sein langjähriger Trainer Guardiola sie mit Manchester City auf höchster Ebene praktiziert, für die belgische Liga ein echtes Novum wäre, von dem sich auch andere Clubs wie Brügge, Standard und Genk inspirieren lassen könnten. Das wäre für die belgische Pro League ein Mehrwert, aber das lässt sich nicht so einfach umsetzen. Das haben auch die Anderlechter Fans verstanden, die nach der Niederlage in Genk ihre Mannschaft nicht ausgebuht, sondern sie mit Applaus verabschiedet haben. Der französische Nationalspieler Nasri sagte nach dem Spiel am Mikrofon, einen solchen Applaus für eine Mannschaft, die in 5 Spielen drei Mal verloren und noch keines gewonnen hat, habe er in seiner Fußballerkarriere noch nie erlebt. Es ist ein Geduldsspiel. Mal schauen, ob die Vereinsführung und die Fans von Anderlecht die Geduld aufbringen. Gruß

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