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Olympia-Aus für deutschen Rad-Sportdirektor nach Rassismus-Eklat: „Hol die Kameltreiber“ [VIDEO]

28.07.2021, Japan, Oyama: Einzelzeitfahren auf dem Fuji International Speedway. Patrick Moster, Sportdirektor vom BDR (Bund Deutscher Radfahrer), steht am Streckenrand neben Azzedine Lagab aus Algerien in Aktion beim Zeitfahren. Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

AKTUALISIERT – Empörung und Druck waren groß, nun hat der Deutsche Olympische Sportbund dem umstrittenen Rad-Sportdirektor Patrick Moster die Rote Karte gezeigt. Der 54-Jährige muss nach seiner rassistischen Entgleisung bei den Olympischen Spielen in Tokio („Hol die Kameltreiber“) die Heimreise antreten.

Das entschied der Deutsche Olympische Sportbund am Donnerstag mit 24 Stunden Verspätung.

„Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass seine öffentliche Entschuldigung für die gestern von ihm getätigte rassistische Äußerung aufrichtig ist. Mit dieser Entgleisung hat Herr Moster jedoch gegen die olympischen Werte verstoßen. Fairplay, Respekt und Toleranz sind für das Team D nicht verhandelbar“, sagte DOSB-Chef Alfons Hörmann.

28.07.2021, Japan, Oyama: Nikias Arndt aus Deutschland auf dem Kurs. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Damit zog der deutsche Teamchef die Konsequenzen nach dem Rassismus-Skandal um Moster im olympischen Einzelzeitfahren am Mittwoch. Vorausgegangen ist eine „eingehende Beratung der Delegationsleitung sowie eine erneute Anhörung des Betroffenen“, wie der DOSB mitteilte.

Der Pfälzer hatte den Kölner Nikias Arndt an der Strecke mit rassistischen Worten „Hol die Kameltreiber, hol die Kameltreiber, komm“ angefeuert, die vor ihm fahrenden Azzedine Lagab (Algerien) und Amanuel Ghebreigzabhier (Eritrea) einzuholen. Die Rufe waren vom Fernsehen eingefangen und live übertragen worden.

Moster hatte sich anschließend für seine Entgleisung entschuldigt. „Im Eifer des Gefechts und mit der Gesamtbelastung, die wir momentan hier haben, habe ich mich in der Wortwahl vergriffen. Es tut mir unendlich leid, ich kann nur aufrichtig um Entschuldigung bitten. Ich wollte niemanden diskreditieren“, sagte Moster der Deutschen Presse-Agentur. Persönliche Konsequenzen wollte er nicht ziehen und stattdessen seine Aufgabe bei den am Montag beginnenden Bahnrad-Wettkämpfen wahrnehmen. Auch BDR-Präsident Rudolf Scharping wollte die „nicht akzeptable“ Aussage nach den Spielen aufarbeiten.

17.10.2017, Berlin: Patrick Moster, Sportdirektor vom BDR (Bund Deutscher Radfahrer), nimmt an einer Pressekonferenz teil. Foto: picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa

Doch die Kritik an Moster war groß, ein Verbleib bei Olympia kaum zu begründen. Arndt hatte sich „entsetzt“ gezeigt und sich von den Aussagen des Sportdirektors distanziert.

Auch Radprofi Maximilian Schachmann, der neben Arndt im Zeitfahren zum Einsatz kam, betonte, dass solche Worte bei Olympischen Spielen und generell in der Welt nichts zu suchen hätten. Der Radsport-Weltverband UCI schaltete sich ebenfalls ein und verurteilte die Rufe Mosters.

Der betroffene Algerier Lagab meldete sich ebenfalls zu Wort. „Nun, es gibt kein Kamelrennen bei Olympia, deshalb betreibe ich Radsport. Wenigstens war ich in Tokio dabei“, schrieb Lagab auf Twitter

Deutliche Worte fand der nicht bei Olympia startende Rick Zabel. „Auf der einen Seite verstehe ich alle SportlerInnen, die nichts dazu sagen, weil man Angst davor hat, selbst in die Schusslinie zu geraten, wenn man seine Meinung äußert oder einfach nicht mehr für eine EM, WM oder Olympia nominiert wird“, schrieb der Profi und Sohn des früheren Radstars Erik Zabel bei Instagram. „Auch wenn ich selber nicht bei den Olympischen Spielen dabei bin, schäme ich mich für die Aussagen.“

Zabel kritisierte, dass es nach dem Rennen nur eine „lapidare Entschuldigung“ gegeben habe. „Ich persönlich kann nicht verstehen, dass nach diesem Verhalten nicht sofortige Konsequenzen vom BDR oder DOSB getroffen worden sind.“ Wenn man olympische Werte und Anti-Rassismus-Kampagnen nachhaltig glaubhaft vertreten wolle, dürfe ein solcher Vorfall nicht geduldet werden. (dpa)

Nachfolgendes VIDEO zeigt die Szene, in der Patrick Moster seinem  Radfahrer Nikias Arndt „Hol die Kameltreiber“ zuruft:

13 Antworten auf “Olympia-Aus für deutschen Rad-Sportdirektor nach Rassismus-Eklat: „Hol die Kameltreiber“ [VIDEO]”

  1. Fairplay

    Fairplay, Respekt und Toleranz sind für das Team D nicht verhandelbar“, sagte DOSB-Chef Alfons Hörmann.
    Hat zufällig gestern Tischtennis geguckt? Spiel zwischen Deutschem und Brasilianer. Bei jedem Ballgewinn hat der Deutsche laut geschrien und die Konzentration seines Gegners beeinflusst. Während der Brasilianer sich still und fair über seine Punkte gefreut hat.
    Das wäre auch mal ein Thema. Fairplay und Respekt. Das ich nicht lache. Wo gibt’s das noch im Sport?

    • Wie hoch ist dein IQ? Zwischen Freude beim Punkten und Rassistischen Äußerungen besteht doch wohl ein großer Unterschied… Ich wäre auch eher der Ruhige… Aber das soll mal jedem überlassen sein. Es gibt kein Olympisches Gesetz gegen Freude…

      • Fairplay

        Meinen Sie nur IQ oder ziehen Sie auch den EQ ? Beides natürlich unterentwickelt, wie bei Ihnen. Zum Fairplay und Respekt gehört nicht nur, dass man sich nicht rassistisch beleidigt, dazu gehören auch viel subtilere Dinge. Dazu braucht es kein „Gesetzt“ Übersteigt Ihre Auffassungsgabe?

  2. delegierter

    Mein Gott wer hat nicht schon mal einen Spruch unüberlegt rausgehauen ? Zumal unter Wettbewerbsbedingungen.
    Otto Rehagel hat immer gesagt “ alles was ich während dem Spiel gesagt habe, gilt nach dem Spiel als vergessen „.
    Die Welt hat andere Probleme.

  3. Boah nee...

    Wenn diese seine Aussage:
    „Hol die Kameltreiber…“
    So intuitiv…
    „Im Eifer des Gefechts und mit der Gesamtbelastung, die wir momentan hier haben“
    …ist, wie er behauptet, ist das für mich ein klares Indiz dafür, dass dieser Kerl schon immer SO gedacht hat und bei keiner öffentlichen Veranstaltung in leitender Position noch etwas zu suchen hat!
    @delegierter: Sie tun mir nur noch leid!

    • Sehe ich auch so. Es gibt Menschen, die solche Sprüche niemals über die Lippen bringen, auch nicht „im Eifer des Gefechts“, weil sie sie nicht in ihrem Wortschatz haben, und solche, bei denen sie zum Vokabular gehören, und eben das lässt tief blicken.

  4. delegierter

    viel schlimmer finde ich es, dass überall Mikrofone und Kameras stehen, damit ja jeder Furz zu hören ist, und jedes Detail zu sehen ist ( am besten in Großaufnahme, Zeitlupe und Videoanalyse).
    Stellt euch das mal auf eurem Arbeitsplatz vor. Bescheuerte Welt, nur diese Sensation wird hochgepuscht, die sportliche Leistung wird zur Nebensache. Hauptsache es sind Nippel zu sehen oder die Wortwahl ist daneben. Es geht um Sport, Sport,….

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